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19.07.2016

Wenig Dynamik in Zentralamerikas Außenhandel

Export von mehr Industriegütern / Intraregionaler Austausch noch Entwicklungsfähig

Bonn (GTAI) - Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama und die Dominikanische Republik handeln mehr untereinander und mit der Welt - die Anteile an Gesamtaußenhandel und -wirtschaft stagnieren aber seit 2010. Dominanter Partner bleiben die USA. Der Exportanteil verarbeiteter Güter ist gestiegen, wobei US-Firmen Zentralamerika auch als verlängerte Werkbank nutzen. Die VR China ist auf den zweiten Rang vorgerückt, während Mexiko nur in Nicaragua Boden gut gemacht hat.

In Costa Rica und Guatemala sank von 2010 bis 2015 der Anteil der summierten Ein- und Ausfuhren an der Wirtschaftsleistung sogar. Etwa gleich blieb die Quote in Honduras und El Salvador, ein Wachstum verzeichnet hingegen besonders Nicaragua, aber auch die Dominikanische Republik in der benachbarten Karibik. Dabei ist bereits die Vergleichsbasis 2010 relativ klein - im Gefolge der Finanzkrise hatten damals die Außenhandelszahlen zumal in Costa Rica und El Salvador unterhalb der Werte von 2008 gelegen.

Gewisse Erfolge verzeichnen die zentralamerikanischen Staaten in ihrem Bemühen, mehr verarbeitete Waren anstelle von Rohstoffen und Agrargütern auszuführen. Am weitesten ist auf diesem Weg El Salvador. Gut 60% aller Exporteinnahmen entfielen dort 2015 auf die Zollkapitel (SITC) 6 und 8: Dies sind verarbeitete Waren vieler Branchen, allerdings unter Ausschluss von Maschinen und Fahrzeugen - die kaum exportiert werden - sowie Nahrungsmitteln/Getränken und Chemikalien. Am anderen Ende der Liste befindet sich Honduras, das vorwiegend Obst und andere Nahrungsmittel exportiert. Den größten Sprung in Richtung stärkerer Verarbeitung seiner Exportprodukte machte Nicaragua.

Struktur des Außenhandels 1) (Mio. US$, Anteile in %)
Land Indikator 2010 2014 2015
Costa Rica Außenhandel 22.965 k.A. 25.083
Anteil Außenhandel/BIP 2) 62 k.A. 47
.Export 9.045 k.A. 9.578
..Anteil verarbeiteter Waren 3) 26 k.A. 36
.Import 13.920 k.A. 15.504
Dominikanische Republik Außenhandel 19.905 27.679 k.A.
Anteil Außenhandel/BIP 37 43 k.A.
.Export 4.767 9.928 k.A.
..Anteil verarbeiteter Waren 53 39 k.A.
.Import 15.138 17.752 k.A.
El Salvador Außenhandel 12.915 15.786 15.900
Anteil Außenhandel/BIP 60 63 62
.Export 4.499 5.273 5.485
..Anteil verarbeiteter Waren 60 64 65
.Import 8.416 10.513 10.415
Guatemala Außenhandel 22.290 29.154 28.428
Anteil Außenhandel/BIP 54 50 44
.Export 8.460 10.891 10.797
..Anteil verarbeiteter Waren 28 26 28
.Import 13.830 18.263 17.631
Honduras Außenhandel 9.999 12.517 k.A.
Anteil Außenhandel/BIP 64 64 k.A.
.Export 3.104 4.533 k.A.
..Anteil verarbeiteter Waren 10 16 k.A.
.Import 6.895 7.984 k.A.
Nicaragua Außenhandel 6.038 10.720 k.A.
Anteil Außenhandel/BIP 69 91 k.A.
.Export 1.848 4.974 k.A.
..Anteil verarbeiteter Waren 4 30 k.A.
.Import 4.191 5.746 k.A.
Panama 4) Außenhandel 27.724 14.523 12.825
Anteil Außenhandel/BIP 96 30 25
.Export 10.987 818 696
..Anteil verarbeiteter Waren 42 11 11
.Import 16.737 13.705 12.129

1) Importe + Exporte; 2) Bruttoinlandsprodukt; 3) Zollkapitel SITC 6 + 8; 4) 2010 alle Exporte, danach ohne die der Kanalzone; deutliche Abweichungen auch zur Zahlungsbilanz

Quellen: UN Comtrade; Internationaler Währungsfonds; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Region hängt am Tropf der US-Konjunktur

In der Außenhandelsstruktur zeigt sich die Bedeutung der Region als "verlängerte Werkbank" der USA. Bei den exportierten Fabrikwaren handelt es sich oft um Bekleidung sowie Elektronik und andere Produkte, die aus ausländischen Vorprodukten fertig gestellt wurden. Mit Abstand wichtigster Handelspartner bleiben die USA, mit der die einzelnen Länder in der Regel 40 bis 50% ihrer Auslandsumsätze erzielen. Für einige Staaten ist die Bedeutung der USA seit 2010 sogar gestiegen, so für Costa Rica (Exportanteil 2015: 41%), Honduras (2014: 44%) und Nicaragua (2014: 48%).

Die USA dominieren auch den Importmarkt. Ihr Anteil liegt in den meisten Ländern bei rund 40%. Lediglich in Nicaragua ist die VR China als Liefernation (Anteil 2014: 14%) inzwischen praktisch gleichauf (USA: 15%). China hat seine Marktposition in den letzten Jahren deutlich ausgebaut und ist in den meisten Ländern mittlerweile zweitwichtigster Lieferant, mit Anteilen von gut 10%.

Dass Zentralamerika sich zur verlängerten Werkbank auch für Mexiko entwickeln würde, etwa der dortigen Kfz-Industrie, dafür liefert die Außenhandelsstatistik bisher keine eindeutigen Aussagen. Die Bedeutung des großen Nachbarn im Norden stieg seit 2010 zwar für Nicaragua deutlich, war bei den anderen Ländern aber eher stagnierend oder leicht rückläufig.

Ein Umschlagszentrum auch für die Region und zugleich statistischer Sonderfall ist Panama, dessen Kanal und umliegende Wirtschaftszone den Außenhandel wie auch die gesamte nationale Wirtschaft dominieren: Von den gesamten Ausfuhren über 11,4 Mrd. US$ (2015) bestehen rund 90% aus Reexporten der Freizone Colón. Freizonen spielen für Wirtschaft und Außenhandel einiger Nachbarstaaten ebenfalls eine große Rolle, besonders für Costa Rica und die Dominikanische Republik.

Außenhandel 1) der Länder Zentralamerikas insgesamt, untereinander und mit Mexiko (Mio. US$, Anteile in %)
Land Handelspartner 2) 2010 2014 2015
Costa Rica Welt 21.227 k.A. 23.767
.Region 2.882 k.A. 3.663
..Anteil Region 13,6 k.A. 15,4
. Anteil Mexiko 5,3 k.A. 5,8
Dominikanische Republik Welt 16.190 23.087 k.A.
.Region 661 787 k.A.
..Anteil Region 4,1 3,4 k.A.
. Anteil Mexiko 3,9 3,1 k.A.
El Salvador Welt 11.407 13.819 14.359
.Region 3.445 4.253 4.397
..Anteil Region 30,2 30,8 30,6
. Anteil Mexiko 6,1 5,7 5,8
Guatemala Welt 19.408 24.880 25.477
.Region 4.439 5.441 5.695
..Anteil Region 22,9 21,9 22,4
. Anteil Mexiko 10,0 9,4 9,5
Honduras Welt 8.207 10.653 k.A.
..Region 1.885 2.199 k.A.
.Anteil Region 23,0 20,6 k.A.
. Anteil Mexiko 7,8 6,5 k.A.
Nicaragua Welt 5.107 9.695 k.A.
.Region 1.328 1.986 k.A.
..Anteil Region 26,0 20,5 k.A.
. Anteil Mexiko 7,2 11,4 k.A.
Panama Welt 3) 17.084 23.021 20.807
.Region 4) 818 890 856
..Anteil Region 4,8 3,9 4,1
. Anteil Mexiko 4) 4,2 2,5 3,0

1) Importe + Exporte, ohne Brennstoffe u.Ä. (SITC 3); 2) Region: die jeweils sechs anderen der aufgeführten Länder; 3) Importe (gesamt, inkl. Kanalzone), Zahlungsbilanzstatistik; 4) Basis: Importe ohne SITC 3

Quellen: UN Comtrade; (Panama/Welt): Instituto Nacional de Estadística y Censo; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Die Länder Zentralamerikas versuchen sich regional stärker zu integrieren. Sie schlossen hierfür Abkommen wie die Secretaría de Integración Económica Centroamericana (SIECA), die Comunidad de Estados Latinoamericanos y Caribeños (CELAC) und das Dominican Republic-Central America Free Trade Agreement (DR-CAFTA).

Staaten handeln weiter recht wenig untereinander

Der intraregionale Außenhandel allerdings ist seit 2010 nicht recht in Schwung gekommen. Dies zeigen die Daten zum Warenhandel unter Auslassung von Treibstoffen und Ähnlichem (SITC 3), die üblicherweise aus Drittstaaten stammen: In El Salvador, das knapp ein Drittel seiner Im- und Exporte mit den Nachbarländern und der Dominikanischen Republik abwickelt, ist dieser Anteil in den letzten fünf Jahren gleich geblieben. Nahezu konstant blieb der Anteil des intraregionalen Handels auch in Guatemala. In Costa Rica ist er leicht gestiegen, in Honduras und Nicaragua etwas gesunken. Die Dominikanische Republik unterhält den Zahlen zufolge kaum Handelsbeziehungen mit Zentralamerika. Gleiches gilt ausweislich der Importe auch für Panama.

(B.U.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Costa Rica, Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama Außenhandel / Struktur, allgemein

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