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28.03.2019

Wer profitiert von steigenden Einfuhren in Oman?

Importe aus China und den USA legten zu, deutsche Lieferungen sind gesunken / Von Robert Espey

Dubai/Maskat (GTAI) - China und die USA profitierten 2018 vom Einfuhrwachstum in Oman. Bezüge aus der EU gingen zurück. Großprojekte beleben die Importnachfrage, deutschen Waren haben Chancen.

Omans Handelsbilanzüberschuss schwankt stark. Er dürfte 2018 bei 16 Milliarden bis 17 Milliarden US-Dollar (US$) gelegen haben. Für den hohen Handelsüberschuss sind ein Anstieg der Ölpreise und eine mäßige Steigerung der Einfuhren sind verantwortlich. Für 2019 ist eher mit einer Schrumpfung des Überschusses zu rechnen.

Oman: Außenhandel (in Millionen US$; Veränderung in Prozent)
2015 2016 2017 1) Veränderung
Importe (fob) 26.530 21.260 24.091 13,3
Exporte (fob) 35.636 27.509 32.842 19,4
.Öl 2) 17.831 13.306 16.104 21,0
.Gas (LNG) 3) 3.325 2.629 3.029 15,2
.Andere Waren 7.803 6.231 8.249 32,4
.Re-Exporte 6.681 5.340 5.460 2,2
Handelsbilanzsaldo 9.106 6.249 8.751 40,0

1) vorläufig; 2) einschließlich Raffinerieprodukte; 3) LNG = Liquefied Natural Gas

Quellen: Central Bank of Oman

Der Handelsbilanzüberschuss lag 2014 noch bei 25,6 Milliarden US$. Wegen der stark rückläufigen Einnahmen aus dem Ölexport sank das Plus 2016 auf 6,2 Milliarden US$. Das wieder höhere Ölpreisniveau führte 2017 zu einer Steigerung des Überschusses auf 8,8 Milliarden US$.

Großprojekte kurbeln die Nachfrage nach ausländischen Ausrüstungen an

Einen wesentlichen Einfluss auf die omanischen Einfuhren haben Zulieferungen für Großprojekte in der Öl- und Gasförderung sowie für den Bau von Industrieanlagen und Kraftwerken. Diese Vorhaben erfordern Importe von Maschinen und Ausrüstungen. Die größten Projekte in Oman werden derzeit in der neuen Wirtschaftssonderzone Duqm realisiert beziehungsweise geplant (siehe dazu https://bit.ly/2TZYJOq ).

Die Vorhaben könnten 2019 und 2020 die Importe weiter antreiben. Nach einem Rückgang der Importe von 2014 bis 2016 um 32 Prozent auf 23,3 Milliarden US$ (cif) belebte sich das Einfuhrgeschäft 2017 deutlich um 14 Prozent auf 26,4 Milliarden US$, so die Daten der Zollverwaltung.

Der positive Trend setzte sich 2018 abgeschwächt fort. Vorläufigen Angaben zufolge wuchsen die Importe in den ersten elf Monaten 2018 um 2 Prozent auf 24,4 Milliarden US$. Starke Zuwächse gab es bei Metallen und Metallwaren (18 Prozent auf 3,9 Milliarden US$) sowie bei Maschinen und Anlagen (8 Prozent auf 6,1 Milliarden US$). Die Einfuhren von Fahrzeugen kühlten sich indes um 5 Prozent auf 2,8 Milliarden US$ ab.

Oman: Einfuhren nach wichtigen Warengruppen (in Millionen US$)
HS*) Bezeichnung 2015 2016 2017
Alle Warengruppen 29.007 23.260 26.435
84 Maschinen, Apparate etc. und Teile davon 3.823 3.128 4.069
87 Straßenfahrzeuge und Teile davon und Zubehör 4.232 2.610 2.911
85 Elektrische Maschinen etc. und andere elektrotechnische Waren und Teile davon 2.004 1.729 2.077
27 Mineralische Brennstoffe, bituminöse Stoffe etc. 3.461 2.019 1.634
73 Waren aus Eisen und Stahl 1.292 1.189 1.444
71 Echte Perlen, Edelsteine, Edelmetalle etc. 845 940 1.381
72 Eisen und Stahl 996 939 1.081
26 Erze, Schlacken etc. 497 347 852
39 Kunststoffe und Waren daraus 846 707 757
04 Milch und Milcherzeugnisse etc. 612 590 622
74 Kupfer und Waren daraus 538 452 545
30 Pharmazeutika 425 378 459
10 Getreide 476 385 424
90 Mess-, und Prüfapparate, medizinische/chirurgische Instrumente etc. 424 373 411
94 Möbel, Bettwaren etc. 598 326 379

*) Kapitel des Harmonisierten Systems

Quellen: National Center for Statistics, UN Comtrade

Einfuhren kommen oft als Reexporte aus den VAE

Die Herkunft der Importe lässt sich nur begrenzt über die omanische Zollstatistik ermitteln. Ein Großteil kommt als Reexporte über die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ins Land und wird trotz anderer Herkunft den VAE zugerechnet.

In den ersten elf Monaten 2018 stiegen die Lieferungen aus den VAE um 6 Prozent auf 10,8 Milliarden US$ und hatten einen Anteil an den Gesamtimporten von 44 Prozent. Die Statistik zeigt auf den folgenden Plätzen die USA mit 1,8 Milliarden US$ (Veränderung gegenüber Vorjahresperiode: +82 Prozent), China mit 1,4 Milliarden US$ (-5 Prozent), Indien mit 1 Milliarden (-10 Prozent) und Katar mit 0,8 Milliarden US$ (+246 Prozent). Über Doha gelangen zunehmend Reexporte nach Oman. Gleichzeitig verstärkt Oman seine Reexporte nach Katar. Der politische Konflikt mit Saudi-Arabien und den VAE intensiviert offensichtlich die Handelsbeziehungen zwischen Doha und Maskat.

Deutschland ist sechsgrößter Lieferant

Die Außenhandelsstatistiken der wichtigen Lieferländer geben Aufschlüsse über die tatsächliche Herkunft der Einfuhren. China ist demnach führender Lieferant und erhöhte 2018 seine Exporte nach Oman um 24 Prozent auf 2,9 Milliarden US$. Die USA verbuchten einen Zuwachs um 22 Prozent auf 2,4 Milliarden US$. Einbußen mussten dagegen Indien, Japan, das Vereinigte Königreich und Deutschland hinnehmen.

Ausfuhren wichtiger Lieferländer nach Oman (in Millionen US$)
Länder 2016 2017 2018
China 2.148 2.316 2.877
USA 1.804 1.985 2.421
Indien 2.578 2.881 2.279
Japan 2.552 2.329 2.028
Vereinigtes Königreich 656 2.383 1.328
Deutschland 831 908 791

Quellen: Statistikämter der Lieferländer; Eurostat; UN Comtrade

Das Minus der deutschen Oman-Exporte 2018 um 13 Prozent verursachten vor allem die stark rückläufigen Lieferungen von Kraftmaschinen (SITC 71), die von 133 Millionen Euro im Vorjahr auf 31 Millionen Euro sackten. Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) meldet eine Minderung der Maschinenlieferungen um 34 Prozent auf 186 Millionen Euro.

Deutsche Exporte nach Oman in wichtigen Warengruppen (in Millionen Euro)
SITC Bezeichnung 2016 2017 2018
Alle Warengruppen 831 908 791
78 Straßenfahrzeuge 160 159 130
74 Spezialmaschinen 109 118 127
77 Elektrische Maschinen 74 100 80
87 Mess-,Prüf- u. Kontroll-instrumente etc. 53 47 59
72 Arbeitsmaschinen 47 38 47
59 Sonstige chemische Erzeugnisse 36 45 40
54 Pharmazeutika 36 36 39
69 Metallwaren 26 35 39
71 Kraftmaschinen 40 133 31
76 Nachrichtentechnik etc. 10 10 27

Quelle: Eurostat

Ausfuhren mit starkem Wachstum

Die Entwicklung der Ausfuhrwerte hängt wesentlich von Ölpreisbewegungen ab. Mengenmäßig zeigte der Ölexport in den letzten Jahren kein Wachstum. Die durchschnittlichen Ölausfuhren stiegen 2016 auf 0,88 barrel per day. Es folgten 2017 Rückgänge auf 0,81 Millionen barrel per day und 2018 auf 0,79 Millionen barrel per day. Nur noch 0,75 Millionen barrel per day waren es im Januar 2019.

Oman: Ausfuhren nach wichtigen Warengruppen (in Millionen US$) 1)
HS Bezeichnung 2015 2016 2017
Alle Warengruppen 31.927 24.455 32.904
27 Mineralische Brennstoffe, bituminöse Stoffe etc. 19.794 15.493 21.978
87 Landfahrzeuge und Teile davon und Zubehör 2) 4.191 2.433 1.391
29 Organische chemische Erzeugnisse 1.123 887 1.289
26 Erze, Schlacken etc. 381 128 978
72 Eisen und Stahl 513 444 830
31 Düngemittel 684 503 601
76 Aluminium und Waren daraus 881 617 571
39 Kunststoffe und Waren daraus 727 379 552
85 Elektrische Maschinen etc., andere elektrotechnische Waren, Teile davon 2) 463 391 523
84 Maschinen, Apparate etc. und Teile davon 2) 187 341 514
73 Waren aus Eisen und Stahl 345 304 307
24 Tabak und verarbeitete Tabakersatzstoffe 2) 164 115 307

1) einschließlich Reexporte; 2) vor allem Reexporte

Quellen: National Center for Statistics, UN Comtrade

Der für omanisches Öl erzielte Barrel-Preis lag 2013 im Jahresdurchschnitt bei 105,5 US$. Nur noch 40,1 US$ wurden 2016 gezahlt. Durch den Anstieg des Ölpreises 2018 auf 69,7 US$ dürften sich die Einnahmen aus dem Ölexport auf etwa 20 Milliarden US$ erhöht haben. 2017 waren es 15,1 Milliarden US$ gewesen.

In den ersten elf Monaten 2018 stiegen die Ausfuhren des Öl- und Gassektors (einschließlich Raffinerieprodukte) um 44 Prozent auf 24,9 Milliarden US$. Dies entsprach einem Anteil an den gesamten Ausfuhren ohne Reexporte von 71 Prozent. Die Ausfuhren von Nicht-Öl-Erzeugnissen expandierten um 34 Prozent auf 10 Milliarden US$. Wichtigste Produkte waren Mineralien (3 Milliarden US$), Metalle und Metallwaren (2,4 Milliarden US$) und petrochemische Erzeugnisse (2 Milliarden US$). Omans Reexportgeschäfte schrumpften um 10 Prozent auf 4,3 Milliarden US$. Die Wiederausfuhren von Fahrzeugen gingen sogar um 20 Prozent auf 1,1 Milliarden US$ zurück.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll, können Sie unter: http://www.gtai.de/oman abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Oman Export, Import, Außenhandel / Struktur, allgemein

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