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16.03.2018

Westgeorgisches Anaklia ist Georgiens neue Lokomotive

Zwei Großprojekte geplant: erster georgischer Tiefseehafen und Freizone mit neuer Stadt / Von Uwe Strohbach

Tiflis (GTAI) - Der am Schwarzen Meer gelegene Küstenort Anaklia wird das Investitionsgeschehen in der südkaukasischen Republik Georgien künftig wesentlich prägen. Am Standort sind zwei große Projekte geplant: ein erster georgischer Tiefseehafen und eine attraktive stadtgroße Freizone für Wirtschaft, Wohnen und Freizeit. Die erste Ausbaustufe für den Hafen ist gestartet. Für das zweite Projekt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. (Kontaktadresse)

Georgiens Regierung hat sich wirtschaftspolitisch vor allem den Ausbau der Hafenwirtschaft und die Entwicklung strukturschwacher Gebiete auf die Fahne geschrieben. In Anaklia (Region Mingrelien und Oberswanetien) bietet sich die Chance, beide Ziele gleichzeitig zu erfüllen. Hier sollen auf einem Gelände von etwa 2.300 Hektar ein Tiefseehafen und eine attraktive städtische Freizone errichtet werden. In beide Projekte dürften in den kommenden Jahren mehrere Milliarden US-Dollar (US$) fließen.

Anaklia, an der Ostküste des Schwarzen Meeres gelegen, verfügt über eine Wasserschlucht mit einem natürlichen Tiefgang von 18 bis 20 Metern. Diese bietet optimale Voraussetzungen für den Bau eines Tiefseehafens. In der Vergangenheit gab es schon mehrere Anläufe, den einstigen Flottenstützpunkt der sowjetischen Marine zu einem großen leistungsfähigen Hafen zu entwickeln. Doch alle vier Initiativen blieben Makulatur. Nun kommt Bewegung in das Projekt.

Finanzrahmen für den Tiefseehafen beträgt 2,5 Milliarden US$

Im Februar 2016 unterzeichnet die Regierung Georgiens mit dem Anaklia Development Consortium LLC (ADC) einen bis zum Jahr 2069 laufenden Konzessionsvertrag für die Projektierung, den Bau und den Betrieb des Hafens. Partner des Konsortiums sind die Gesellschaft Conti International (USA, Teil der Conti Group) und die TBC Holding (Georgien, Teil der TBC Group). Die Kosten für das Gesamtvorhaben werden auf 2,5 Milliarden US$ veranschlagt. Für die Finanzierung des Projekts geht das Konsortium von einem Eigenkapitalanteil in Höhe von 30 Prozent und einem Fremdkapital von 70 Prozent aus.

Das BOT-Projekt (Build-own-transfer) soll in neun Phasen auf einem 340 Hektar großen Gelände realisiert werden. Geplant sind sieben Liegeplätze mit einer Gesamtlänge von 2.490 Metern für Containerschiffe und drei Liegeplätze für den Massengüterumschlag. Hier können künftig Schiffe mit einer Ladungskapazität bis zu 10.000 TEU und Panamax-Schiffe anlegen. Perspektivisch soll eine jährliche Umschlagkapazität von 100 Millionen Tonnen erreicht werden.

Erste Phase für den Hafenausbau verschlingt bis zu 600 Millionen US-Dollar

Ende Dezember 2017 erfolgte der offizielle Startschuss für die erste Ausbauphase auf einer Fläche von 110 Hektar. Sie umfasst die Errichtung der maritimen Hafeninfrastruktur (Wellenbrecher, Fahrrinne, Küstenwache, Containerbrücken, eines Anlegekais mit einer Länge von 625 Metern), eines Containerterminals auf einer Fläche von 35 Hektar (Stapellager mit einer Hochstapelung von bis zu sieben Containern), eines Lkw-Gates und eines intermodalen Umschlagbahnhofs für Fracht.

Nach Abschluss der ersten Bauphase im 1. Quartal 2021 können im Hafen jährlich bis zu 900.000 Container (TEU) und 1,5 Millionen Tonnen Massenfrachten umgeschlagen werden. Die US-amerikanische Gesellschaft SSA Marine erhielt im Juli 2017 den Zuschlag für den Betrieb des Containerterminals. Die Investitionen in die erste Bauphase veranschlagt das Konsortium auf 540 Millionen US$. Hinzu kommen noch Gelder der georgischen Regierung für den Anschluss des Hafens an das Bahn- und Straßennetz.

Vorfristiger Bau eines größeren Massenfrachtterminals erwogen

In der zweiten Phase, die in den vier Jahren nach Abschluss der ersten Etappe realisiert werden soll, ist eine Ausweitung der jährlichen Umschlagkapazität auf 14 Millionen Tonnen avisiert. Im Konsortium gibt es gegenwärtig Überlegungen, bereits in der ersten Phase einen größeren Terminal für den Umschlag von jährlich fünf bis zehn Millionen Tonnen Trockengütern zu errichten.

Chinesische Gesellschaft ZPMC investiert 50 Millionen US-Dollar in den Hafen

Der Bauherr des Hafens, das Konsortium ADC, setzt bei seinem Projekt auf Ko-Finanzierungspartner und Technologielieferungen aus dem Ausland. So will der heutige Weltmarktführer von Containerbrücken, die Gesellschaft ZPMC (Shanghai Port Machinery Company), 50 Millionen US$ in das Vorhaben investieren und weitere chinesische Investoren für Teilprojekte im Tiefseehafen gewinnen. Das Unternehmen wird außerdem Hebe- und Transportausrüstungen für den Containerumschlag liefern. Zudem plant es, sich an Ausschreibungen für Bauarbeiten zu beteiligen. Die China Railway International Group (CRIG) prüft zurzeit einen Einstieg in das Hafenvorhaben. Auch Investoren aus Usbekistan zeigen Interesse am Projekt.

Ambitionierte Wirtschaftsfreizone Anaklia City in der Planung

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Hafen plant das Konsortium ADC die Errichtung einer Sonderwirtschaftszone mit ausgewiesenen Flächen vorrangig für das logistische Gewerbe (200 Hektar), die Ernährungswirtschaft und Leichtindustrie (200 Hektar), den Tourismus (75 Hektar) und die Sektoren Finanzwirtschaft und Fortbildung (50 Hektar). Zug um Zug sollen auch attraktive Wohnhäuser, Bürobauten, Ausstellungsflächen, Freizeit, Sport- und Handelsobjekte sowie Parkanlagen entstehen.

Im Februar 2018 erteilte das Konsortium ADC dem britischen Ingenieur-, Planungs- und Beratungsbüro BuroHappold Engineering den Zuschlag zur Erarbeitung eines Master- und Entwicklungsplans für die Freizone Anaklia City. Die Dokumente sollen bis August 2018 erstellt werden. An der internationalen Ausschreibung bekundeten 20 Unternehmen ihr Interesse. Die künftige Freizone umfasst in einer ersten Phase ein Gelände von etwa 600 Hektar, das später auf 2.000 Hektar ausgeweitet werden soll. Zunächst sollen hier Logistik- und Industrieobjekte errichtet werden.

Der Projektkoordinator, die im Juni 2017 gegründete Gesellschaft JSC Anaklia City, will in den nächsten Monaten detaillierte Visionen zur Sonderwirtschaftszone präsentieren. Basierend auf dem Konzept einer Green und Smart City soll sich die Zone durch Emissionsarmut, Ressourceneffizienz und eine hohe Wettbewerbsfähigkeit auszeichnen. Bei der Umsetzung des Projekts will die Gesellschaft internationale Erfahrungen nutzen. Mit dem Management der Freizonen Incheon in Korea (Rep.) und Chorgos in Kasachstan (an der Grenze zur VR China) hat sie bereits Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet. (U.S.)

Kontaktadresse

Anaklia Development Consortium (ADC) /JSC Anaklia City

Ansprechpartner: Levan Akhvlediani, Geschäftsführer des ADC; Giorgi Chugoshvili, kaufmännischer Geschäftsführer des ADC; Keti Bochorishvili, Geschäftsführerin der JSC Anaklia City; David Shiolashvili, Leiter Business Intelligence (Freizone Anaklia City)

6 Marjanishvili Street

0102 Tbilisi, Georgien

T +99532/295 99 10

F +99532/295 99 10

lakhvlediani@anakliadevelopment.ge, gchugoshvili@anakliadevelopment.ge

kbochorishvili@anakliadevelopment.ge, dshiolashvili@anakliadevelopment.ge

http://www.anakliadevelopment.com, http://www.anakliacity.com

Dieser Artikel ist relevant für:

Georgien Bauwirtschaft, allgemein, Gewerbebau, Wasser-, Hafenbau, Wohnungsbau

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Katrin Kossorz

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