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21.09.2018

Wirtschaftsausblick - Bahrain (September 2018)

GCC-Partnerländer sagen Bahrain finanzielle Unterstützung zu / Von Katrin Pasvantis

Dubai/Manama (GTAI) - Hohe Staatsausgaben helfen, das Wachstum in Bahrain hochzuhalten. Dabei ist das Land auf finanzielle Unterstützung der Partnerländer im Golfkooperationsrat (GCC) angewiesen.

Wirtschaftsentwicklung: GCC-Partner sagen Finanzspritzen zu

Bahrains Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge im laufenden Jahr wie bereits 2017 um gut 3 Prozent zulegen. Hohe Staatsausgaben helfen, das Wachstum hoch zu halten. Aber die finanziellen Risiken sind beträchtlich. Das kleine Königreich verfügt nur über geringe Reserven, die Verschuldung ist hoch und steigt (Schätzung 2017: 89 Prozent des BIP; 2014: 44 Prozent). Das Haushaltsdefizit ist ebenfalls erheblich (Prognose 2018: 11 Prozent des BIP). Die Währungsreserven boten im April gerade genug Importdeckung für einen Monat.

Bahrain hat den höchsten Break-Even-Preis für Öl unter den Golfstaaten und ist deshalb in besonderem Maße von niedrigen Ölpreisen betroffen. Seit dem Ölpreiseinbruch ist es verstärkt auf Kreditaufnahmen und Zuwendungen anderer Golfländer angewiesen. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Kuwait haben Bahrain im Juni 2018 finanzielle Unterstützung zugesagt und damit die Sorgen etwas geringer werden lassen.

MKT201809208000.14

Der IWF erwartet für 2019 ein langsameres Wirtschaftswachstum, andere Auguren rechnen mit einem Anziehen des BIP. Positiv zu verbuchen ist die Finanzspritze der GCC-Partner, dank der die Projektausgaben weiter zulegen könnten. Zudem dürften die zuletzt höheren Ölpreise die Sparzwänge etwas gelockert haben. Überdies könnte Bahrain seine Fördermenge steigern und damit das reale Wachstum des Ölsektors ankurbeln. Denn die Opec hat sich jüngst auf eine Erhöhung des Förderlimits geeinigt. Außerdem soll noch in diesem Jahr eine neue Offshore-Pipeline zwischen Bahrain und Saudi-Arabien fertiggestellt werden (350.000 barrel-per-day; bpd) und die Kapazität der Sitra Raffinerie erhöhen. Langfristig könnte ein im März verkündeter Ölfund, der größte bislang, die Einnahmen Bahrains aufbessern. Außerdem ist beim Aluminiumhersteller Alba eine neue Produktionslinie im Bau. Diese könnte Berichten zufolge bereits 2019 ans Netz gehen und das BIP antreiben.

Risiken bleiben. Trotz Bahrains Bestrebungen Ausgaben zu senken, reichen die Sparmaßnahmen bislang nicht aus, um Einnahmenausfälle im Ölgeschäft auszugleichen. Wenn die Einnahmen nicht deutlich steigen, dürfte das Königreich auch in den nächsten Jahren hohe Haushaltsdefizite einfahren. Die größte Ausgabenposition sind Gehälter im öffentlichen Sektor. Doch der politische Spielraum, diese zu senken, ist gering. Die Ausgaben für Subventionen konnten teils gesenkt werden, etwa bei Treibstoffen, Wasser und Fleisch, aber weitere Senkungen sind eine Herausforderung. Höhere Einnahmen verspricht die für 2019 geplante Einführung einer Mehrwertsteuer von 5 Prozent. Allerdings könnte diese den Konsum und damit das Wirtschaftswachstum 2019 dämpfen.

Wirtschaftliche Eckdaten Bahrain

Indikator 2016 1) 2017 2) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$)3) 32,2 35,5 3.686,7
BIP pro Kopf US$) 22.587 23.524 44.595
Bevölkerung (Mio.) 1,42 1,50 82,7
..Einheimische 0,7 0,7 -
..Ausländer 0,8 0,8 -
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Bahrain-Dinar, BD) 4) 0,376 0,376 -

1) vorläufige, offizielle Angaben; 2) Schätzung, 3) zu Marktpreisen, 4) Der BD ist an den US-$ gekoppelt

Quellen: General Directorate of Statistics - Directorate of National Accounts, Information and eGovernment Authority, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Große Projekte bereit zur Vergabe

Bahrain stellte im Mai Infrastrukturprojekte im Wert von 26 Milliarden US$ bei einer Investorenveranstaltung in Manama vor, für die es private Investoren sucht. Zudem will es weitere Projekte im Wert von 32 Milliarden US$ aus verschiedenen Sektoren wie Fertigung, Logistik, Infrastruktur, Gesundheitswirtschaft, Bildung und Tourismus besonders schnell vorwärts bringen (geplante Finanzierung: 10 Milliarden US$ von der Regierung, 7,5 Milliarden US$ aus dem GCC-Entwicklungsfonds, 15 Milliarden aus dem Privatsektor).

Der Staat ist der mit Abstand wichtigste Investor. Zur Finanzierung von Projekten setzt Bahrain zudem verstärkt auf die Beteiligung des Privatsektors, etwa bei Stromprojekten (als IWPP) oder beim sozialen Wohnungsbau (über PPP). Andere Projekte wie der King Hamad Causeway nach Saudi Arabien sollen über Nutzungsgebühren finanziert werden.

Katars Finanzierungsmöglichkeiten sind unter anderem wegen der hohen, steigenden Verschuldung und geringen Währungsreserven eingeschränkt. Trotzdem ist die Projektpipeline gut gefüllt. Viele der großen Infrastrukturprojekte, die in den letzten Jahren vorangekommen sind, werden mit Hilfe von Krediten und Finanzspritzen der GCC-Partner umgesetzt. Das neue Terminal am Bahrain International Airport wird beispielsweise zu 80 Prozent vom Abu Dhabi Fund for Development finanziert. Zuletzt haben die GCC-Länder Saudi-Arabien, die VAE und Kuwait Ende Juni 2018 weitere finanzielle Unterstützung zugesagt. Details sind noch nicht öffentlich.

Der GCC- Entwicklungsfonds hat Bahrain bis 2021 über zehn Jahre 10 Milliarden US$ zugesagt. Investieren möchte Bahrain dieses Geld in große Infrastruktur- und Wohnprojekte. Vorhaben im Wert von 3,2 Milliarden US$ sind bereits in der Umsetzung. Die noch offenen Zuschüsse könnten geringer ausfallen, wenn Sparzwänge in den ebenfalls von den niedrigen Ölpreisen betroffenen Geberländern zunehmen. Zudem ist wegen der diplomatischen Krise mit Katar mit einem Ausfall der Zuwendungen aus diesem GCC-Land zu rechnen.

Ausgewählte Großprojekte in Bahrain 1)

Vorhaben Investitionssumme (in Mrd. US$) Projektstand 2) Anmerkungen (Projektträger, Auftragsart) 3)
New Bahrain International Airport 10,0 ST Bahrain Airport Company - BOT
Bahrain Light Rail Network 7,9 DE MOT - Ministry of Transport - BOT
Bander Al Seef 2,7 ST Eskan Bank - Feasibility study ongoing
Marsa Al Seef Development 2,5 DE Global Real Estate Development Company (Gredco)
Al Dur 2 IWPP 2,0 A MEW - Ministry of Electricity & Water - BOO
Aromatics Complex 1,5 FEED BAPCO - Bahrain Petroleum - EPC
Manama Central Market Revamp 0,53 DE Manama Municipality - Ministry of Municipalities Affairs & Urban Planning
Exhibition and Conference Centre 0,5 PQ Bahrain Tourism and Exhibition Authority
The Address: Marassi Al Bahrain 0,3 E Diyar Al Muharraq/Eagle Hills
100 MW IPP Solar PV Plant 0,2 PQ MEW - Ministry of Electricity & Water

1) Projekte in Frühstadien (Design/Studie) werden häufig nur in stark modifizierter Form realisiert, teilweise ganz gestrichen; 2) DE = Design, E= Evaluierung der Gebote, FEED = Front End Engineering and Design, PQ = Präqualifizierung Hauptauftrag, ST = Studie; 3) BOO = Build Operate Own, BOT = Build Operate Transfer, EPC = Engineering Procurement Construction

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; MEED Projects

Konsum: Geplante Einführung der Mehrwertsteuer könnte Konsum weiter dämpfen

Das Konsumklima ist seit dem Ölpreiseinbruch eingetrübt. Negativ wirken sich das schwache Wirtschaftswachstum und Unsicherheiten in Bezug auf die weitere Entwicklung aus. Überdies verschlechtert sich die Kaufkraft der privaten Haushalte tendenziell. Dazu tragen der Sparkurs der Regierung, der begonnene Subventionsabbau, unter anderem bei Treibstoffen, Wasser und Strom, sowie Steuererhöhungen auf Tabak und Alkohol bei. Eine zum 1. Januar 2018 geplante Einführung einer fünfprozentigen Mehrwertsteuer wurde aufgeschoben. Sollte sie Anfang 2019 implementiert werden, würde dies nicht nur die Kaufkraft der privaten Haushalte schmälern, sondern könnte auch einen großen negativen psychologischen Effekt haben, der den Konsum zusätzlich dämpft.

Bahrain ist mit einer Bevölkerung von rund 1,5 Millionen der kleinste Markt der GCC-Länder. Touristen tragen wegen der kleinen Bevölkerung erheblich zum privaten Konsum bei. In 2017 kamen 12,2 Millionen Besucher nach Bahrain, davon etwa zwei Drittel aus Saudi-Arabien. Viele sind Wochenendbesucher. An manchen Tagen kommen über 100.000 Menschen über die Brückenverbindung von Saudi-Arabien nach Bahrain. Eine zweite Brückenverbindung ist geplant und könnte die Anzahl der Besucher deutlich erhöhen. Allerdings könnte Bahrain als Wochenenddestination für saudi-arabische Besucher in den nächsten Jahren an Attraktivität verlieren, wenn Saudi-Arabien die Pläne zum Aufbau eines eigenen Unterhaltungssektors umsetzt.

Außenhandel: Deutsche Lieferungen legten kräftig zu

Die Importnachfrage dürfte anziehen, wenn die geplanten Projekte umgesetzt werden. Profitieren könnten auch die deutschen Lieferanten, zu deren wichtigsten Exportgütern Maschinen zählen. Im letzten Jahr legten Bahrains Einfuhren um 18 Prozent zu. Besonders stark zogen die Ölimporte an (+35 Prozent), aber auch Nicht-Öl-Einfuhren verzeichneten kräftige 13 Prozent.

Außenhandel Bahrains (in Mio. US$; Veränderung in %)

2016 *) 2017*) Veränderung 2017/16
Importe (fob) 13.590 16.079 18,3
.Öl 3.148 4.246 34,9
.Nicht Öl 10.443 11.832 13,3
Exporte (fob) 12.787 15.379 20,3
.Öl 6.083 8.413 38,3
.Nicht-Öl 6.704 6.966 3,9
Handelsbilanzsaldo -804 -700 -12,9

*) vorläufige Angaben

Quelle: Central Bank of Bahrain

Von den steigenden Importen profitierten die wichtigsten Lieferländer unterschiedlich stark. Während die VR China und die VAE hohe Zuwachsraten verzeichneten (Import: 1,7 Milliarden US$, +16 Prozent bzw. 1,3 Milliarden US$; +25 Prozent) gingen die Lieferungen des Drittplatzierten, den USA, um ein Viertel zurück (969 Millionen US$; -24 Prozent). Andere wichtige Lieferländer waren Saudi Arabien (894 Millionen US$; +11 Prozent), Japan (808 Millionen US$; -10 Prozent), Indien (647 Millionen US$; +29 Prozent) und auf Rang sieben Deutschland (602 Millionen US$; +30 Prozent). Bei den deutschen Lieferungen legten besonders Schalttechnik und (in geringerem Umfang) Kraftmaschinen zu.

Starke Ausschläge in Bahrains Außenhandelsstatistik sind keine Seltenheit, weil der Importwert aufgrund der Marktgröße recht gering ist und einzelne Großlieferungen zu starken Veränderungen der Lieferwerte führen können.

Bahrains Im- und Exporte hängen stark vom Öl ab. Das Land fördert selber zwar nur recht wenig Öl, wird aber von Saudi-Arabien an den Nettoeinnahmen aus dem gemeinsamen Offshore Ölfeld Abu Safah beteiligt. Bahrain verbucht diese Zahlungen als Exporte. Gleichzeitig importiert Bahrain große Mengen Rohöl aus Saudi-Arabien, um es zu raffinieren und weiter zu exportieren.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Bahrain

Dieser Artikel ist relevant für:

Bahrain Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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