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08.03.2019

Wirtschaftsstruktur - USA

Technologiefirmen bereiten disruptives Zeitalter vor / Von Ullrich Umann (Februar 2019)

Washington (GTAI) - Die USA sind nicht nur die weltweit größte Volkswirtschaft, sondern auch ein sehr wichtiger Handels- und Investitionspartner für Deutschland.

Die USA sind mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 20,5 Billionen US-Dollar (US$) die größte Volkswirtschaft der Welt. Der produzierende Bereich ist stark diversifiziert, und in den Vordergrund sind wissensintensive und innovative Wirtschaftszweige gerückt, die zudem eine hohe Wertschöpfung garantieren - die Übergänge von der Industrie zu Dienstleistungen werden immer fließender.

Personalintensive Produktionen sind wegen des hohen durchschnittlichen Lohnniveaus teilweise ins Ausland abgewandert. Althergebrachte Erwerbszweige, etwa die Montanindustrie, blieben aus Profitgründen jahrzehntelang unterfinanziert und fielen im internationalen Wettbewerb immer weiter zurück. Mittels Zollbarrieren versucht die US-Regierung nun, wenigstens die Stahl- und Aluminiumindustrie wiederzubeleben. Die Anfangserfolge gehen wohlgemerkt auf Kosten nachgelagerter Segmente. Das Beispiel könnte aber Schule machen: Jetzt drohen Zollbarrieren für den Pkw-Markt.

Wirtschaftliche Eckdaten der USA
Indikator 2017 2018 *)
BIP (nominal, Mrd. US$) 19.485 20.513
BIP pro Kopf (nominal, US$) 59.792 62.518
Bevölkerung (Mio.) 325,9 328,1

*) Schätzungen, IWF

Quellen: U.S. Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis; IWF

Unter http://www.gtai.de/wirtschaftsdaten-usa finden Sie weitere wirtschaftliche Eckdaten.

Sektoren: Die USA sind eine Dienstleistungsökonomie

Die USA sind eine stark ausgeprägte Servicegesellschaft - Dienstleistungsfirmen erwirtschaften knapp 70 Prozent des BIP und beschäftigen annähernd 70 Prozent aller Berufstätigen. Das verarbeitende Gewerbe, so man es vom Dienstleistungssektor überhaupt sauber trennen kann, folgt mit einigem Abstand auf Platz zwei.

Für das verarbeitende Gewerbe gibt es zumindest einen Zwischenerfolg zu vermelden: der jahrzehntelange Niedergang der Industrieproduktion kam 2017 zum Erliegen. Der Bergbau konnte sich ebenfalls stabilisieren, dank sprudelnder Ölquellen und profitabler Gaslagerstätten. Die USA wandeln sich im Saldo von einem Importeur sogar zu einem Exporteur von Energieträgern.

Bedeutung der Wirtschaftszweige in den USA (Anteile in %)
Sektoren Anteil am BIP 2017 1) Anteil am BIP 2. Q. 2018 1) Anteil an den Beschäftigten 2017 3)
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 0,9 0,8 0,9
Bergbau 1,4 1,6 0,4
Verarbeitendes Gewerbe 11,2 11,4 8,3
Energie- und Wasserversorgung 1,6 1,6 0,4
Baugewerbe 4,0 4,1 4,7
Dienstleistungen 2) 68,3 68,3 69,9

1) Wertschöpfungsanteil; 2) nur private Dienstleistungen; 3) letztverfügbare Daten

Quelle: U.S. Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis

Verarbeitendes Gewerbe: Politik pocht auf Industriewachstum

Von allen weltweit hergestellten Industrieerzeugnissen stammen wertmäßig 18,2 Prozent aus den USA. Damit verfügt das Land im globalen Vergleich über das größte verarbeitende Gewerbe. Die US-Regierung gibt sich mit der 2017 erreichten Stabilisierung der Industrieproduktion aber nicht zufrieden, sie möchte Wachstum.

Zur Förderung der heimischen Industrie wurde ein dichtes Netz von Einzelmaßnahmen geknüpft, bestehend aus Steuersenkung, erweiterten Abschreibungsmöglichkeiten, Investitionszuschüssen, Einfuhrzollerhöhungen, Bevorzugung inländischer Firmen bei öffentlichen Ausschreibungen sowie einer Öffnung von Auslandsmärkten per offensiver Handelspolitik.

Dienstleistungen: Das neue Zeitalter ist wissensbasiert

Der übermächtige Dienstleistungssektor sorgt nicht allein für ein angenehmes und möglichst reibungsloses Funktionieren des täglichen Lebens. Er beeinflusst auch in steigendem Maße die Art und Weise, was und vor allem wie produziert und auch konsumiert wird. "Disruption" wird in den USA längst nicht mehr als eine Bedrohung empfunden sondern als eine Chance, sich neu zu orientieren, mehr Einkommen zu erzielen oder auch nur den beruflichen oder privaten Alltag zu erleichtern.

Bislang unbekannte Branchen und Services schießen wie die Pilze aus den Boden, darunter ganze Armeen zur Abwehr von Cyberangriffen, Internet- und Content-Provider, Cloud-Anbieter, eHealth-Dienstleister, Bitcoin-Händler oder auch Banking-Apps fürs Smartphone. Das Ganze basiert auf einer Verzahnung von Forschungsdienstleistungen und Industrie zur Fertigung der dafür notwendigen Hard- und Software. Ob "Smart Grid" oder 5G-Netze, ob Quantencomputing oder auch das "Industrial Internet of Things", die Grenzen zwischen Industrie und Dienstleistungen verschwimmen.

Aktuell bereitet sich Amerika auf ein neues Zeitalter vor: der breiten Anwendung von künstlicher Intelligenz. Dies wird das gesamte Leben und Wirtschaften des Menschen revolutionieren, wie Experten unterschiedlichster Wissensgebiete voraussagen. Und die USA setzen dafür die Benchmarks.

Landwirtschaft: Überproduktion drückt aufs Exportventil

Die Agrarwirtschaft trägt zwar weniger als 1 Prozent zur BIP-Bildung bei. Doch entwickeln die Erzeuger von Soja, Mais, Weizen, Hühnern, Schweinen, Rindern, Käse, Eiern und Milch eine enorme politische Energie. Es wird hochproduktiv gearbeitet und zu viel produziert. Das Thema Agrarexporte steht nicht ohne Grund auf der Agenda der US-Handelspolitik an oberster Stelle, auch in den Gesprächen mit der Europäischen Union. Die US-Landwirtschaft ist geprägt von Großflächenwirtschaft und industrialisierte Tier- und Pflanzenproduktionen. Zukunftspotenziale liegen in der ökologischen Landwirtschaft, die Nachfrage vor allem an Ost- und Westküste generiert.

Regionen: Unterschiede könnten kaum größer sein

Eine landesweite Regionalpolitik sucht man in den USA vergeblich. Damit ist jeder Bundesstaat sozial und wirtschaftlich weitgehend auf sich selbst gestellt. Was für das Fortkommen zählt, ist allein der Wettbewerb der Standorte untereinander, unter Nutzung der jeweils vorhanden örtlichen Potenziale. Dazu zählen Klima, Bodenschätze und Böden, Fachkräfte, touristische Attraktionen oder etwa ein Zugang zum Meer.

Für die Ansiedlung wissensgetriebener Branchen sind vor allem das Vorhandensein renommierter Universitäten und Forschungseinrichtungen von Bedeutung, aber auch Förderinstrumente zur Unternehmensgründung, zinsgünstige Kredite sowie attraktive Arbeits- und Lebensbedingungen für Talente, die man aus der ganzen Welt anwirbt.

Eckdaten der wichtigsten Bundesstaaten in den USA
Bundesstaaten Anteil am BIP 2017 (in %) BIP pro Kopf 2017 (in US$) *) Bevölkerung 2018 (in Mio.)
USA insgesamt 100,0 59.418 328,1
Kalifornien 14,4 65.160 39,6
Texas 8,4 57.077 28,7
New York 8,2 71.252 19,5
Florida 5,0 42.085 21,3
Illinois 4,2 58.217 12,7
Pennsylvania 3,9 54.725 12,8
Ohio 3,3 50.666 11,7
New Jersey 3,1 60.684 8,9
Georgia 2,9 48.979 10,5
North Carolina 2,8 47.142 10,4

*) vorläufige Daten

Quellen: U.S.Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis; U.S. Census Bureau

Die führenden US-Bundesstaaten brauchen von ihrer Wirtschaftskraft her den Vergleich mit anderen Industrienationen nicht zu scheuen. Das BIP von Kalifornien zum Beispiel liegt bei 2,9 Billionen US$, das von Großbritannien bei 2,8 Billionen US$. Texas als zweitstärkster Bundesstaat erwirtschaftet 1,8 Billionen US$, was etwas über dem BIP von Kanada liegt. New York kann sich wiederum mit Südkorea messen, beide verfügen über ein BIP von 1,6 Billionen US$.

Bedeutung der wirtschaftlichen Regionen in den USA
Region Anteil am BIP (in %) 2. Quartal 2018
Southeast 21,1
Far West 19,8
Mideast 18,2
Great Lakes 13,6
Southwest 11,7
Plains 6,2
New England 5,3
Rocky Mountain 3,5

Quelle: U.S. Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis

Entsprechend der wirtschaftlichen Aktivitäten lassen sich regionale Schwerpunkte und Cluster identifizieren, die sich zum Teil über die Grenzen von Bundesstaaten hinwegziehen. Cluster werden von bundesstaatlichen, regionalen und kommunalen Verwaltungen gefördert, bieten sie doch Chancen für Firmenansiedlungen und damit für höhere Steuereinnahmen. Magnete für die Clusterbildung stellen die Universitäten und Forschungseinrichtungen dar, in einigen Fällen aber auch örtliche Initiativen.

Regionale Verteilung wichtiger Wirtschaftszweige in den USA
Wirtschaftszweig Regionen
Mikroelektronik, Biotechnologie, Venture Capital Silicon Valley (Kalifornien)
Pharma Pennsylvania, New Jersey
Petrochemie Südost-Texas, Louisiana
Landmaschinen Wisconsin, Iowa, Illinois
Holzverarbeitung, Landmaschinen Boise (Idaho)
Elektrische Geräte und Messvorrichtungen, Holzbearbeitungsmaschinen Oregon
Fahrzeugbau Detroit (Michigan)
Halbleiter, Elektronik, Optische Waren Phoenix (Arizona)
Möbel, synthetische Fasern North Carolina

Quelle: U.S. Cluster Mapping

Beispiele für eine erfolgreiche Ansiedlung und Förderung sind Boston (Massachusetts) und Pittsburgh (Pennsylvania) für Medizin- und Robotertechnik sowie für Biopharmazie. Die weltweit wohl bekannteste amerikanische Wirtschaftsregion ist jedoch das Silicon Valley in Kalifornien.

Von hervorgehobener Bedeutung sind gleichfalls die Öl- und Gaswirtschaft entlang der Golfküste, die Agrarwirtschaft sowie der Fahrzeug- und Maschinenbau im Mittleren Westen wie auch die Finanzindustrie an der Ostküste, speziell in New York. Aber auch der Süden hat an wirtschaftlicher Bedeutung stark zugelegt, seit ausländische Automobilhersteller, darunter Mercedes, BMW und VW nebst Zulieferern sich hier niedergelassen haben.

Weitere Informationen zu den USA sind unter http://www.gtai.de/usa abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Geschäftspraxis allgemein, Wirtschaftsstruktur, allgemein, Verarbeitende Industrie, Regionalstruktur, Tertiärsektor

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