Suche

26.12.2016

Wirtschaftszone am Suezkanal nimmt Gestalt an

Ausländische Direktinvestitionen angestrebt / Verwaltung plant die Schulung von Arbeitskräften für Unternehmen / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - Das Gebiet um den Suezkanal soll um eine 461 qkm große Wirtschafts- und Logistikzone angereichert werden. Die Vorbereitungen in Sachen Infrastruktur und Verwaltung laufen. Die Führung der Wirtschaftszone strebt vor allem Direktinvestitionen exportorientierter ausländischer Unternehmen an. Mindestens 22 Delegationen haben sich bereits über mögliche Engagements informiert und erste Projekte konkretisieren sich. One-Stop-Shop soll Formalitäten vereinfachen. (Internetadressen)

Mit der Suez Canal Economic Zone (SCZone) soll in Ägypten ein Industriekorridor vom Mittelmeer bis zum Golf von Suez geschaffen werden. Das 461 qkm große Gebiet umfasst sechs Seehäfen. An der wichtigen Schifffahrtsroute sollen sich exportorientierte Unternehmen ansiedeln. Dabei zielt Ägypten besonders auf ausländische Investoren ab.

Einen Überblick über inhaltliche Schwerpunkte sowie die Zielgebiete East Port Said, Ismailia und Ain Sokhna/Suez vermittelt die Internetseite der General Authority for the Suez Canal Economic Zone. Künftig sollen Logistik und maritime Wirtschaft, aber auch die verarbeitende Industrie, IKT und erneuerbare Energien im Fokus stehen. Für die gesamte Region ist der Auf- und Ausbau der Infrastruktur erforderlich.

Standorte erhalten individuelle industrielle Schwerpunkte

In den Plänen für Port Said dominiert der Hafenausbau. Allein die neue Rolle als Umschlagzentrum und multimodaler Logistikstandort soll mehr als 100.000 Arbeitsplätze schaffen. Für Industrie- und Handelsprojekte ist darüber hinaus eine Gesamtfläche von 4.000 ha ausgewiesen.

Ismailia ist das Verwaltungszentrum der SCZone und soll spezialisierte Forschungs- und Entwicklungscluster für IKT und erneuerbare Energien in Ismailia City und East Ismailia beherbergen. Die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und ein damit verbundenes Logistikzentrum sind ebenfalls vorgesehen. Zudem gehören ein Güterverkehrszentrum und Leichtindustrievorhaben zu den für Ismailia gesetzten Schwerpunkten.

Im Gebiet Suez und dem südwestlich davon gelegenen Ain Sokhna ist ein Industrie- und Hafenkomplex von internationalem Rang das größte Projekt. In Sokhna und Adabiya sollen die Häfen und Logistikeinrichtungen erweitert werden. Bunkerdienste sowie der Bau und die Reparatur von Schiffen sind weitere Akzente. Für eine breit gefächerte Industrieentwicklung stehen 16.250 ha Grundstücke zur Verfügung. Auf diesen Flächen können Leicht- bis Schwerindustrieprojekte sowie Handelsvorhaben umgesetzt werden.

Grundstückspreise sollen bis zum Jahresende 2016 feststehen

Infrastrukturarbeiten sind vor allem in East Port Said und Ain Sokhna erforderlich. Im Februar 2016 wurden die Gesamtkosten dieser Grundlagen auf 2 Mrd. US$ geschätzt. Fünf inländische Banken boten an, entsprechende Projekte zu finanzieren. Beginnend mit Ain Sokhna, East Port Said und Qantara ermitteln drei Unternehmen die Preise der Industriegrundstücke und damit einen wichtigen Kostenbaustein für Investorenpläne. Das Management der Wirtschaftszone sammelt seit Monaten Vorschläge für Investitionsprojekte und will diese passend auf die vorgesehenen Gebiete verteilen. Da es sich um einen strategisch sensiblen Landesteil handelt, sind die Analysen der Projektpläne ausführlich und zeitaufwendig. Im Oktober 2016 erklärte die SCZone-Verwaltung, dass ein Nachfrageüberhang seitens möglicher Investoren bestehe.

Ausländische Unternehmensvertreter und staatliche Repräsentanten prüfen in großer Zahl die Möglichkeiten, die die Wirtschaftszone bietet. Alleine von Dezember 2015 bis Juli 2016 fanden Gespräche mit 516 potenziellen Investoren und Experten aus 22 Ländern statt. Jüngste Pläne haben die Nutzung der Wirtschaftszone für die Automobilbranche zum Ziel. Sowohl Fabriken als auch ein Hafen für die Kfz-Verschiffung und eine Handelszone für Fahrzeuge sind vorgesehen. In Ain Sokhna soll außerdem eine Eisen- und Stahlfabrik mit einer Jahreskapazität von 1,2 Mio. t entstehen. Das vereinbarten die Suezkanalbehörde und ein Partner aus Saudi-Arabien im Oktober 2016. Zudem wurden Absichtserklärungen über weitere saudische Vorhaben am Suezkanal unterzeichnet. Mitte Dezember 2016 wurden Pläne für zwei Raffinerien in der Wirtschaftszone bekanntgegeben.

Chinesische Wirtschaftszone befindet sich bereits auf Expansionskurs

Chinesische Investoren haben bereits frühzeitig Nägel mit Köpfen gemacht. Ihre Industriezone umfasst bereits 2 qkm und wird weiter ausgebaut. Das Management liegt in den Händen des Unternehmens TEDA, das zu einer großen chinesischen Investmentholding gehört. Am Suezkanal haben chinesische Unternehmen bereits etwa 1 Mrd. US$ investiert. Insgesamt sind dort 68 Firmen angesiedelt, von denen 33 dem industriellen Bereich zuzurechnen sind. Beispiele sind die Jushi Egypt Glass Fiber Company, der Maschinenhersteller Famsun Egypt Company, die Honghua Egypt Petroleum Drilling Company und die Xidian-Egmac High Voltage Enterprise. Im noch zu erschließenden Bereich liegen die Schwerpunkte auf den Bereichen Beleuchtung, Chemie, Automobile, Maschinenbau, IT und Elektronik.

Trotz der Größe des ägyptischen Binnenmarktes liegt der Schwerpunkt der geplanten Projekte auf der Bedienung von Auslandsmärkten. Nach den Vorstellungen des Zonenmanagements soll der Export zu 70 bis 80% dominieren. Ägypten hat zahlreiche Handelsabkommen abgeschlossen, unter anderem mit der EU und einer Reihe arabischer und afrikanischer Länder. Infolge der drastischen Abwertung des ägyptischen Pfundes Anfang November 2016 ist ein Einstieg ausländischer Investoren zu wesentlich günstigeren Konditionen möglich als bisher. Zudem verbessert sich die Devisenversorgung der ägyptischen Banken massiv und der Rückstau bei der Eröffnung von Akkreditiven schmilzt zusammen. Nun setzen ausländische Investoren darauf, dass auch Gewinntransfers ins Ausland wieder kurzfristiger möglich werden.

Der Automobilunternehmer Raouf Ghabbour regte im Februar 2016 an, die Investitionsbedingungen in Konkurrenzländern wie Marokko und der Türkei im Vergleich zur Suezkanalzone zu analysieren. Er sprach in einem Zeitungsinterview die Themen Grundstücke, verbilligte Kredite, logistische Vereinfachungen und die Einführung einer Abwrackprämie zum Austausch von Altfahrzeugen an. Britische und russische Vertreter erklärten zudem in den vergangenen Monaten, dass nicht alle erforderlichen Arbeitskräfte vor Ort verfügbar seien. Die Verwaltung der SCZone plant deshalb, nach den Wünschen von Investoren Mitarbeiter auf eigene Kosten zu schulen.

Importe von Anlagen, Vor- und Zwischenprodukten in die Wirtschaftszone sind zollfrei möglich. Exportzölle werden nur auf den Wert der importierten Komponenten, nicht aber den des fertigen Produkts fällig. Für Investoren gilt mittlerweile wie im gesamten Land der Körperschaftsteuersatz von 22,5%. Im Gegensatz zur abgeschafften Verkaufsteuer fällt in der SCZone die Mehrwertsteuer an. Ihr Satz beträgt im laufenden Finanzjahr 13% und steigt im Juli 2017 auf 14%.

One-Stop-Shop soll Unternehmen durch Verwaltungsprozesse lotsen

Für Investoren in der Suezkanalzone gelten vereinfachte Bedingungen. Die General Authority for the Suez Canal Economic Zone führt ein eigenes Handelsregister und kann alle erforderlichen Lizenzen und Genehmigungen erteilen. Wichtige Rechtsgrundlagen sind das Gesetz Nr. 83 von 2002 und dessen Ergänzung durch das Präsidialdekret Nr. 27 von 2005. Die einzelnen Gebiete der Wirtschaftszone legt darüber hinaus das Presidential Decree 330/2015 (Concerning the Establishment of Suez Canal Economic Zone) fest.

Internetadressen

Suez Canal Authority:

Internet: http://www.suezcanal.gov.eg

General Authority for the Suez Canal Economic Zone:

Internet: http://www.sczone.com.eg

Main Development Company for Economic Zone North-West Gulf of Suez:

Internet: http://mdc-egypt.com

(O.I.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Außenwirtschaft, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Infrastruktur

Funktionen

Manfred Tilz Manfred Tilz | © GTAI

Kontakt

Manfred Tilz

‎+49 228 24 993 234

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche