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05.10.2018

Zahlreiche Aktivitäten in Senegals Agrarwirtschaft

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Umfeld für Investitionen ist derzeit sehr gut / Von Carsten Ehlers

Dakar (GTAI) - Senegal hat in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der eigenen Nahrungsmittelproduktion erzielt. Dakar ist mittlerweile eines der großen Leichtindustriezentren Westafrikas.

Senegal ist eines der wenigen Länder in Westafrika, die es trotz steigender Bevölkerung geschafft haben, die Nahrungsmittelimporte schrittweise zu reduzieren. Senegals Bevölkerung von derzeit knapp über 16 Millionen Menschen wächst jährlich um rund 300.000 Menschen. Auch in den kommenden Jahren ist mit Aktivitäten in der Landwirtschaft zu rechnen, denn die Wirtschaft des Landes wächst, sodass Geld vorhanden ist. Im Jahr 2018 wird von Economist Intelligence Unit (EIU) ein BIP-Wachstum von 6,6 Prozent erwartet. Ab 2021 könnte in Senegal in größerem Umfang Öl abgebaut werden, was dem Land enorme zusätzliche Geldflüsse bescheren würde. Die politische Stabilität macht das Land darüber hinaus für Investoren interessant.

Von hohem Wachstum geprägt ist insbesondere der Hortikultur-Bereich, vor allem für den lokalen Markt aber auch für den Export nach Europa. Projekte mit privaten Investoren wie Senegindia bei Richard Toll produzieren verschiedene Obst- und Gemüsesorten. Laut Dr. Macoumba Diouf, für Hortikultur zuständiger Direktor im senegalesischen Landwirtschaftsministerium, werden in Senegal jährlich etwa 300.000 Tonnen Zwiebeln benötigt, von denen bislang etwa 120.000 Tonnen importiert werden müssen. "Zwar produzieren wir inzwischen etwa 500.000 Tonnen, aber durch fehlende Lagerkapazitäten geht ein Großteil der Ernte verloren. In diesem Bereich brauchen wir dringend Investitionen". Gesteigert werden konnte die Produktion auch bei Kartoffeln und Karotten.

Als Grundnahrungsmittel hat sich in Senegal in den letzten Jahrzehnten Reis etabliert. Nachdem die massenweisen Importe die Handelsbilanz immer mehr belasteten, wird seit etwa zehn Jahren entlang des Senegalflusses auf bewässertem Land vermehrt Reis angebaut. Eine weitere Ausweitung der Flächen ist geplant, da nach wie vor große Mengen an Reis importiert werden müssen. Deutlich gestiegen ist in den letzten Jahren die Produktion von Hühnerfleisch, nachdem im Jahr 2005 ein Importverbot verhängt wurde. Die Marktführer Sedima, NMA Sanders und Avisen haben massiv in neue Produktionen investiert. Auch in naher Zukunft dürfte der Sektor weiter wachsen. Laut Angaben der senegalesischen Behörden drängen jedoch insbesondere die Europäische Union (EU) und Brasilien darauf, die Importbeschränkungen aufzugeben. Die Situation bleibt daher auch fragil, weil subventioniertes Importfleisch Preisvorteile hätte.

Anbau von ausgewählten Rohstoffen in Senegal
Anbausorte Jahresproduktion 2016/17 (in Mio. Tonnen) Bemerkung
Erdnüsse 1,4 Stagnierend. Wird überwiegend in der Tiefebene um die Stadt Kaolack herum angebaut. Einst weltgrößter Produzent.
Rohrzucker 1,25 Steigend. Wird ausschließlich angebaut von der Compagnie sucrière sénégalaise (CSS), die zur französischen Mimran-Gruppe gehört.
Hortikulturen 1,3 Starkes Wachstum in den letzten Jahren. Vor allem Anbau von Zwiebeln, Kartoffeln, Strauchtomaten, Mangos und Bananen.
Reis 1,0 Steigend. Vor allem Paddy-Reis, der an der Nordgrenze Senegals zu Mauretanien angebaut wird. Dort gibt es entlang des Senegalflusses fruchtbares Schwemmland. Die bewässerbaren Flächen sollen weiter ausgedehnt werden.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Absatzmarkt für Landtechnik wächst

Deutsche Marken werden nachgefragt, ihre Präsenz ist in Senegal jedoch minimal. Kein Hersteller ist über einen lokalen Distributoren vertreten. Nach Zahlen des VDMA wurde aus Deutschland im Jahr 2017 Landtechnik im Wert von etwa 1,9 Millionen Euro nach Senegal geliefert. Damit war das westafrikanische Land in der Region der nach Nigeria zweitgrößte Absatzmarkt für diese Produktkategorie. Insbesondere bei Ausrüstungen für Geflügelfarmen dürften deutsche Anbieter über Chancen verfügen. Ebenfalls fließen Investitionen in den Ausbau der Bewässerungsanlagen im Norden Senegals für den Anbau von Hortikulturen, Reis und Zuckerrohr. Pumpen, Rohre und Ventile hierfür kommen mitunter auch aus Deutschland. Bei Traktoren dominieren Marken wie New Holland (Handelsvertreter ist Carrefour Automobiles), Massey Ferguson (TSE Afrique) und John Deere (DEM). Auch andere Marken wie Sonalika werden gekauft, dann aber in der Regel von Großfarmen direkt importiert. Wichtig ist die Präsenz insbesondere in der Agrarregion im Norden, weshalb mehrere Landtechnikhersteller neben Dakar auch in St. Louis Vertriebsfilialen betreiben.

Auswahl an größeren Kunden für Landtechnik in Senegal
Name des Unternehmens Bereich
Compagnie Sucrière Sénégalaise (CSS) Zuckerrohr
Grands Domaines du Sénégal (GDS; Compagnie Fruitière) Hortikulturen
West Africa Farms (WAF) Hortikulturen
Safina Hortikulturen
Van Oers United Hortikulturen
Senegindia vor allem Kartoffeln
Compagnie Agricole de St. Louis (CASL) Reis
Coumba Nor Thiam (CNT) Reis
Groupement d'interêt économique (GIE, Genossenschaft) Pont Gendarme Reis
Sedima Geflügel
NMA Sanders Geflügel
Avisen Geflügel

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Gute Aussichten in der Nahrungsmittelindustrie

Die senegalesische Hauptstadt läuft beim Absatz von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen in Westafrika noch immer ein wenig unter dem Radar. Dabei ist Dakar neben Lagos, Accra und Abidjan eines der großen Leichtindustriezentren Westafrikas. Die Entwicklung steht gleichwohl erst am Anfang und dürfte viel Raum für weitere Investitionen in den kommenden Jahren lassen. Die Zukunft des Sektors schätzen Marktkenner sehr optimistisch ein. Wurden bis vor kurzem noch viele Nahrungsmittel importiert, so geht der Trend zunehmend zur lokalen Fertigung. Bei den Produkten handelt es sich vor allem um einfache Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Getränke oder Bouillonwürfel. Ousmane Fall ist Geschäftsführer von Senegal Automation Technology Assistance (SATA), einem der größeren Zulieferer der Branche. "Erst seit einem Jahr wird in Senegal Mayonnaise hergestellt. Das ist bei vielen Produkten so. In den kommenden Jahren ist mit zahlreichen weiteren Aktivitäten zu rechnen", meint Fall.

Im Jahr 2016 erreichte das Liefervolumen aus Deutschland einen Rekordwert von 18,4 Millionen Euro. Dieser Wert lässt sich zwar nicht so schnell wiederholen, aber auch in anderen Jahren wurden gute Absatzzahlen bei Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen erzielt. So betrug er im Jahr 2017 etwa 4,7 Millionen Euro. Deutsche Zulieferer von Maschinen oder technischen Komponenten sind bislang kaum präsent und wenn, dann nur über lokale Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, der Nahrungsmittelindustrie ihre Dienste anzubieten. Dazu zählt neben SATA auch Yeri. Beide Unternehmen sind noch klein und suchen nach deutschen Partnern. Die Dienstleistungen reichen von der Installierung und Instandhaltung industrieller Automatisierungs-, Kontroll-, Mess- und Elektrotechnik bis hin zu Lösungen bei Themen wie Stromversorgung, Energieeffizienz, Wasser, Abwasser und Abfallrecycling.

Rahmenbedingungen für Investitionen stimmen derzeit

Senegals Konjunktur gewinnt immer mehr an Fahrt. Nachdem das Land bis vor wenigen Jahren wirtschaftlich eher vor sich hindümpelte, stechen die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seit kurzem in Afrika heraus. EIU prognostiziert für das Jahr 2018 ein Wachstum von 6,6 Prozent, für 2019 werden 6,2 Prozent vorausgesagt. Für zusätzliche Dynamik könnte das Anlaufen der Ölproduktion ab etwa 2021 sorgen. Positiv für Investoren ist auch die politische Stabilität, die Senegal seit langem kennzeichnet und in der insgesamt unruhigen Region Westafrika hervorsticht.

Zwar ist Senegal selber mit nur knapp über 16 Millionen Menschen ein recht kleiner Markt. Jedoch werden von der lokalen Nahrungsmittelindustrie auch andere Länder der Region wie Mali, Gambia, Guinea-Bissau, Burkina Faso, Guinea und Niger versorgt. Damit bedient das Industriezentrum Dakar einen Markt von derzeit mindestens 90 Millionen Menschen. Das in der gesamten Region extrem hohe Bevölkerungswachstum sorgt für einen Zuwachs von mehreren Millionen Menschen im Jahr.

Zusätzliche Dynamik bei Investitionen in der Nahrungsmittelindustrie könnte entstehen, wenn die Produktionen zunehmend aus Dakar ausgelagert werden sollten. Etwa 40 Kilometer vor den Toren der Stadt, nahe am neuen Flughafen, entsteht derzeit die neue Stadt Diamniadio. Dort soll sich nach der Vorstellung der Regierung auch die Leichtindustrie ansiedeln. Derzeit produziert sie in den drei großen Industriezonen Dakars in Sodida, Mbao und entlang des Boulevard de Centenaire de la Commune de Dakar. Alle drei Zonen sind verstopft und die Infrastruktur völlig überlastet. Die Möglichkeit, dort die Produktion weiter auszudehnen, ist begrenzt. Abwässer werden zudem ungereinigt ins nahe Meer abgelassen. In Diamniadio hingegen wird eine komplett neue Infrastruktur auf die "grüne Wiese" gestellt.

Investiert wird in einigen Bereichen auch im Agro-Processing. So weitet der Zuckerproduzent Compagnie Sucrière du Sénégal (CSS) in Richard Toll an der Grenze zu Mauretanien seit Jahren seine Produktion von zuvor 80.000 auf demnächst 200.000 Tonnen im Jahr aus. Hierfür sind nicht nur neue Felder sondern auch eine Ausweitung der Raffineriekapazitäten notwendig. Gleiches gilt für die Verarbeitung von Reis in derselben Region, welcher in Senegal erst seit etwa zehn Jahren in großem Umfang angebaut wird und nach der Ernte unter anderem geschält werden muss.

Auswahl der größeren Nahrungsmittelhersteller in Senegal
Name des Herstellers Produkte Webseite
Agroline Tomatenmark http://www.agroline.sn
Fary Industries Saft -
FKS Mehl http://www.fks-senegal.com
Grands Moulins de Dakar (GMD, gehört der US-amerikanischen Seaboard) Mehl http://www.gmd.sn
Kirène Wasser, Molkereiprodukte, Säfte http://www.kirene-groupe.com
La Sénégalaise des Boissons (LSB) Bier, Softdrink http://www.lsb-sn.com
Nestlé Kaffee, Bouillonwürfel http://www.nestle-cwa.com
NMA Sanders Mehl http://www.nmasanders.com/presentation
Patisen Kaffee, Bouillonwürfel, Teigwaren, Essig http://www.patisen.com
Sedima Geflügel, Mehl http://www.sedima.com
Sénégalaise Industrie Commerce (Senico) Saft, Bouillonwürfel, Schokoladenpudding, Molkereiprodukte http://www.senico-sn.com
Si Belle Wasser http://www.sibelle.sn/reseau
Soboa Bier, Softdrink http://www.soboa.sn
Socas Tomatenmark http://www.socas-senegal.com
Société Africaine de Transformation et de Reconditionnement (Satrec) Molkereiprodukte der Marke Vitalait und Ardo http://www.satrec.sn
Sonia Senf -
Takamoul Food Tomatenmark http://www.takamoulfood.com

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Senegal können Sie unter http://www.gtai.de/senegal abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Senegal Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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