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20.09.2019

Zementindustrie in den VAE vor Herausforderungen

Lokale Nachfrage wieder rückläufig, Exportmärkte schwierig / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - In den Vereinigten Arabischen Emiraten kämpft die Zementbranche mit erheblichen Überkapazitäten. Seit etwa fünf Jahren stagnieren die Kapazitäten. Jetzt ist aber ein neues Werk im Bau.

Die Zementindustrie in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) besteht aktuell aus zwölf integrierten Zementkomplexen (Klinker- und Mahlwerke) mit einer Kapazität zur Herstellung von jährlich rund 31 Millionen Tonnen Zement sowie aus acht Anlagen, die nur über Mahlwerke verfügen, mit einer Kapazität von 11 Millionen Tonnen. Obwohl sich die Zementnachfrage in den VAE in den letzten Jahren deutlich belebt hat, liegen die Kapazitäten weit über der lokalen Nachfrage und die Wettbewerbsintensität auf den Exportmärkten ist hoch.

Marktsituation durch hohe Überkapazitäten geprägt

Nach Berechnungen des United States Geological Survey (USGS) stieg die VAE Zementproduktion während des Baubooms zwischen 2004 und 2008 von 8,0 Millionen auf 21,9 Millionen Tonnen an. Der jüngste, im Mai 2019 veröffentliche USGS-Länderbericht gibt für 2011 eine Produktion von nur noch 15,4 Millionen Tonnen und für 2015 rund 16,3 Millionen Tonnen an. Aktuellere Daten sind nicht verfügbar. Insbesondere die positive Entwicklung der Baubranche in Dubai dürfte die Zementproduktion 2018 vermutlich auf über 18 Millionen Tonnen erhöht haben.

Derzeit scheint sich aber die Absatzsituation der VAE Zementbranche wieder zu verschlechtern. Einige große Produzenten melden im ersten Halbjahr 2019 schrumpfende Verkaufszahlen. So weist Emirates Cement für die ersten sechs Monate einen Einnahmerückgang um 10 Prozent auf 79 Millionen US-Dollar (US$) aus. Als Grund wird der steigende Preiswettbewerb auf dem heimischen Markt aufgrund schrumpfender Exportmärkte angeführt.

Ras Al Khaimah Cement meldet für das erste Halbjahr 2019 einen Verkaufsrückgang um 20 Prozent auf 25 Millionen US$. Das Unternehmen plant den Kauf der Newtech Cement Factory in Fujairah und einer Kalkstein-Mine (Al Banna) von Mohammed Ali Omar Saleh Al Buraiki für 123 Millionen US$.

Indische Investoren stark vertreten

In der VAE Zementindustrie sind lokale Investoren vorherrschend, aber auch internationale Branchenunternehmen sind vertreten. Neben indischen Firmen (UltraTech/Aditya Birla/Binani, JK Cement, Shree Cement, JSW Cement) haben unter anderem LafargeHolcim (Schweiz) und Cemex (Mexiko) in den VAE investiert.

Im Mai 2019 wurde bekannt, dass Indiens UltraTech die Beteiligung ihrer Tochter Binani an Binani Cement in Jebel Ali (Emirat Dubai) abstoßen möchte. Das Binani-Mahlwerk in Jebel Ali besitzt eine Kapazität von 2 Millionen Tonnen. Der Verkauf gilt angesichts der sich verschlechternden Marktsituation als schwierig. Indiens Shree Cement hat 2018 für 305 Millionen US$ eine Beteiligung von 93 Prozent an der 1972 gegründeten, staatlichen Union Cement Company (Kapazität: 3,3 Millionen Tonnen Klinker, 4,0 Millionen Tonnen Zement) in Ras Al Khaimah erworben.

Die Lafarge Emirates Cement Company wurde 2005 als Joint Venture mit zwei staatlichen Partnern (Dubai Holding, Regierung des Emirats Fujairah) in Fujairah gegründet, LafargeHolcim hält 50 Prozent. Das Zementwerk hat eine Kapazität von 3,2 Millionen Tonnen. Cemex betreibt ein Mahlwerk (Kapazität: 1,6 Millionen Tonnen) in Jebel Ali und in den VAE insgesamt neun Ready-Mix Betonwerke. Pioneer Cement in Ras Al Khaimah gehört Omans Raysut Cement.

Produktionskapazitäten stagnieren

Der Ausbau der VAE Zementindustrie ist 2014 weitgehend zum Stillstand gekommen. Das einzige größere laufende Neuprojekt ist das im Bau befindliche Klinkerwerk der Fujairah Natural Resources Corporation in Habbab (Emirat Fujairah), Investor ist die indische JSW Group. Das Unternehmen gibt die Projektkosten mit rund 150 Millionen US$ an. Baustart war im Sommer 2018, mit der Inbetriebnahme wird Anfang 2020 gerechnet. Der Bauauftrag ging an das chinesische Unternehmen Sinoma International Engineering. Das Klinkerwerk wird über eine Kapazität von 1 Million Tonnen verfügen. Zur Energieversorgung ist ein firmeneigenes Kraftwerk im Bau. Die Produktion ist für den Export nach Indien vorgesehen.

Zu den letzten großen Investitionen in der VAE Zementindustrie gehört der 2014 in Betrieb genommene 300 Millionen US$ Ausbau der Fujairah Cement Industries Company in Dibba. Das 1979 gegründete Unternehmen ist eine Tochter von Indiens JK Cement. Aktuell verfügt Fujairah Cement über zwei Klinkeröfen (beide von Polysius/ThyssenKrupp Industrial Solutions) mit einer Gesamtkapazität von 4 Millionen Tonnen. Drei Mahlwerke haben eine Leistung von 2,3 Millionen Tonnen. Seit 2014 wird neben grauem auch weißer Zement produziert (Kapazität: 0,6 Millionen Tonnen). Die Energieversorgung kommt von einem 40 Megawatt Thermalkraftwerk. Eigene Minen in Al Tawayeen, Dibba und Bushera liefern Kalkstein, verschiedene andere Rohstoffe werden importiert (Bauxit, Kaolin, Gips etc.).

Ende 2014 konnte Emirates Cement in Al Ain (Emirat Abu Dhabi) ein zweites, 354 Millionen US$ Zementwerk, die Al Ain Cement Factory, in Betrieb nehmen. Emirates Cement ist eine Tochter der Arkan Building Material Company, an der die staatliche Industrie-Holding des Emirates Abu Dhabi (SENAAT) eine Beteiligung von 51 Prozent hält.

Die Al Ain Cement Factory ist mit einer Kapazität von 4 Millionen Tonnen Klinker und 5,7 Millionen Tonnen Zement das größte Zementwerk der VAE. Die Produktion in der alten Zementanlage von Emirates Cement (Kapazität: 1 Million Tonnen) wurde 2016 eingestellt, im Februar 2019 erfolgte der Verkauf des Werks für 14 Millionen US$. Rohmaterialien bezieht Emirates Cement aus eigenen Minen in Al Ain sowie aus Lagerstätten im benachbarten Oman.

Al Ain Cement hat im Juli 2019 mit der National Cement Company, die in Al Ain ein Mahlwerk mit einer Leistung von 3 Millionen Tonnen betreibt, eine Vereinbarung über die Lieferung von Klinker geschlossen. Dadurch sollen Produktions- und Logistikkosten reduziert werden. Die seit 2008 produzierende National Cement Factory ist eine Tochter der Ittihad International Investment Company, zuvor war LafargeHolcim mit 44 Prozent beteiligt. Zu Ittihad gehört auch die 2002 gegründete Cement Enterprises and Ready Mix Company.

Zementausfuhren stark gestiegen

Die hohen Überkapazitäten der VAE Zementindustrie zwingen zu aggressiven Exportstrategien. Mit Zementausfuhren von 435 Millionen US$ wurde 2013 ein erster Höhepunkt erreicht. In den folgenden drei Jahren gingen die Ausfuhren auf 277 Millionen US$ (2016) zurück. Kräftige Zuwächse konnten 2017 (380 Millionen US$) und 2018 (554 Millionen US$) verbucht werden.

Der starke Anstieg des Zementexports 2018 wurde vor allem durch hohe Zuwächse bei den Lieferungen nach Oman und Bahrain verursacht. In Oman kam es im Vergleich zum Vorjahr zu einer Verdreifachung der VAE Zementlieferungen auf 228 Millionen US$, die Exporte nach Bahrain erhöhten sich um 160 Prozent auf 122 Millionen US$. Die Absatzchancen der VAE Zementindustrie in Oman dürften sich erheblich verschlechtern, wenn ein in der omanischen Wirtschaftssonderzone Duqm geplantes Zementwerk mit einer Kapazität von zunächst 1,8 Millionen Tonnen und letztlich 3,6 Millionen Tonnen realisiert werden sollte.

Die Zement-Einfuhren der VAE sind gering. Der Zementimport summierte sich 2018 auf 19 Millionen US$, davon entfielen 14 Millionen US$ auf Iran (2017: 14 Millionen US$), gefolgt von Großbritannien und Frankreich mit jeweils etwa 1 Million US$. Deutschland lieferte Zement für 0,2 Millionen US$ (2017: 0,3 Millionen US$).

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in den VAE können Sie unter http://www.gtai.de/vereinigte-arabische-emirate abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Baustoffe (Zement, Mörtel, Gips etc.)