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30.05.2018

Zentralamerika importiert mehr deutsche Nahrungsmittelmaschinen

Guatemala setzt noch wenig Technik ein, Panama mehr / Von Ulrich Binkert

Bonn (GTAI) - Auf Zentralamerikas Markt für Nahrungsmittelmaschinen gibt es noch Luft nach oben. Guatemala importiert als regional größter Hersteller von Lebens- und Futtermitteln für denselben Output deutlich weniger Technik als die Nachbarländer und nur halb so viel wie Mexiko. Deutschland ist mit den USA und Italien größter Lieferant, ebenso bei Verpackungsmaschinen. Die Kundenstruktur variiert nach Land - in Panama dominiert die Fleisch- und Fischverarbeitung, in Costa Rica ist die Obstwirtschaft stark.

Deutschlands Zentralamerika-Exporte von Maschinen zur Verarbeitung von Nahrungs- und Futtermitteln (SITC-Position 727) haben 2017 kräftig zugelegt. Sie stiegen um knapp ein Drittel auf 18 Millionen Euro, während die Branchenausfuhren der anderen EU-Länder in diese Region stagnierten. Sehr ähnlich war die Lage bei Verpackungsmaschinen, die häufig in der Nahrungsmittelindustrie Verwendung finden und wovon Zentralamerika etwa gleich viel importiert.

Abnehmerbranche wächst

Zentralamerikas Nahrungsmittelverarbeitung wuchs von 2013 bis 2016 jährlich um real über 4 Prozent in Panama und Guatemala, während sie in Costa Rica und El Salvador stagnierte. Im Jahr 2017 expandierte Honduras um 4 Prozent und Nicaragua nahezu zweistellig.

Nahrungsmittelverarbeitung in Zentralamerika 2016: Bruttowertschöpfung 1) und Maschineneinsatz
Land Bruttowertschöpfung (BWS) 2016 (Mio. US$) BWS (durchschnittliches jährliches Wachstum 2013-2016, in %) BWS (Wachstum 2017/2016, in %) Maschinenimporte/BWS, in % 2)
Zentralamerika (6 Länder) 16.284 k.A. k.A. 0,71
.Costa Rica 2.577 1,5 k.A. 0,74
.El Salvador 1.397 2,2 k.A. 0,77
.Guatemala 3) 7.664 4,1 1,6 0,51
.Honduras 3) 1.809 3,3 4,0 0,89
.Nicaragua 3) 862 3,3 8,8 1,03 4)
.Panama 3) 1.730 4,7 k.A. 1,10 5)
Zum Vergleich:
Kolumbien 7.436 k.A. k.A. 0,76
Mexiko 42.938 k.A. k.A. 1,19

1) Berechnungsbasis: nominale nationale Währungen, umgerechnet mit dem jeweiligen US$-Jahresdurchschnittskurs; 2) Importe von Nahrungsmittelmaschinen 2016 (SITC 727) als Anteil der Bruttowertschöpfung (da kaum lokale Maschinenproduktion); 3) mit Tabakverarbeitung; bei den anderen Ländern nicht vorhanden (El Salvador) oder nicht ausgewiesen; 4) Basis: Maschinenimporte 2015; 5) Schätzung

Quellen: Nationale Zentralbanken und Statistikämter; UN Comtrade; Berechnungen von Germany Trade & Invest

In der Region ist die Nahrungsmittelverarbeitung vor dem Textil- und Bekleidungsgewerbe der wichtigste Zweig der verarbeitenden Industrie. Schwerpunkt ist Guatemala, die größte Volkswirtschaft zwischen Mexiko und Kolumbien. Den offiziellen Zahlen zufolge ist die Wertschöpfung des Nahrungsmittelsektors dort größer als etwa in Kolumbien, einem Land mit dreimal so viel Einwohnern und der vierfachen Wirtschaftskraft.

Trotzdem importiert Guatemala nach Zahlen der Datenbank der Vereinten Nationen UN Comtrade weniger Nahrungsmittelmaschinen als Kolumbien. Dies umreißt die Lage auf dem Gesamtmarkt, zumal alle Länder der Region und selbst Mexiko moderne Branchentechnik weitgehend aus dem Ausland beziehen. In Zentralamerika ist Guatemala zwar in absoluten Werten größter Importeur von Nahrungsmittelmaschinen, pro Dollar Wertschöpfung allerdings importierte das Land 2016 deutlich weniger als die Nachbarn Honduras, Costa Rica und El Salvador.

Guatemalas Nahrungsmittelsektor besteht zu einem Großteil aus kleinen, familieneigenen Betrieben, die zum Beispiel Müllereiprodukte und Backwaren herstellen. Für moderne Ausrüstungen fehlen Einsatzmöglichkeiten und Kapital. Im Vergleich dazu nutzt dagegen etwa Mexikos Branche mit ihren Global Playern besonders viel ausländische Technik.

Nahrungsmittelverarbeitung in Zentralamerika: Bruttowertschöpfung nach Produkten 2016 (Anteile in %) 1)
Produkt Costa Rica El Salvador 2) Guatemala Honduras Nicaragua Panama
Nahrungsmittel, Getränke insgesamt (Mio. US$) 2.577 1.397 7.664 1.809 862 1.730
.Fleisch-, Fischwaren 19 19 k.A. 14 26 45
.Müllereiprodukte 7 11 k.A. 9 k.A. k.A.
.Bäckereiprodukte, Nudeln 9 23 k.A. k.A. k.A. k.A.
.Andere Nahrungsmittel, Futtermittel 26 14 k.A. 54 23 25
.Getränke 9 15 k.A. 20 21 14 3)
.Tabakwaren k.A. 0 k.A. 4 8 k.A.
.Molkereiprodukte 11 8 k.A. k.A. 9 13
.Zucker 5 11 k.A. k.A. 13 k.A.
Obst, Gemüse; tierische/pflanzliche Fette 14 0 k.A. 0 0 3

1) Berechnungsbasis: nominale nationale Währungen, umgerechnet mit dem jeweiligen US$-Jahresdurchschnittskurs; 2) reale Anteile von 2014, Preisbasis 2005; 3) inklusive Tabakwaren

Quellen: Nationale Zentralbanken und Statistikämter; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Ein statistischer Sonderfall ist Panama. Beim Außenhandel gibt UN Comtrade nur den Austausch mit der Freizone Colón wieder. Die regionale Handelsdrehscheibe importiert insgesamt etwa gleich viel wie die Republik Panama selbst und leitet die Waren dann, weiterverarbeitet oder nicht, in die Nachbarländer weiter. Deutschland und andere Außenhandelspartner Panamas wiederum summieren unter den Exporten nach Panama die Ausfuhren in die Republik selbst und die in die Freizone Colón.

Im Falle von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen allerdings geht nur relativ wenig nach Colón. Panama selbst dürfte 2016 etwa gleich viele Nahrungsmittelmaschinen importiert haben wie Costa Rica und 2017 etwas weniger.

Importe von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen (Mio. US$)
Produkt/Land 2014 2015 2016
Nahrungsmittelmaschinen (SITC 727)
Costa Rica 28,2 22,9 19,1
El Salvador 7,6 13,7 10,8
Guatemala 47,3 31,8 38,8
Honduras 10,7 11,5 16,1
Nicaragua 5,8 8,9 k.A.
Panama (nur Freizone Colón) 1) 2,4 4,0 3,6
Zentralamerika (5 Länder + Freizone Colón) 1) 2) 102,2 92,7 88,5
Lieferländer
.USA 22,8 19,4 19,2
.Italien 17,5 12,4 10,7
.Deutschland 7,7 11,0 8,8
.Malaysia 5,1 2,6 6,5
.Brasilien 4,3 4,0 5,4
.China 4,6 5,1 4,8
.Mexiko 6,0 5,8 4,3
Zum Vergleich: - - -
Kolumbien 79,9 72,8 56,6
Mexiko 530,6 589,3 509,2
Verpackungsmaschinen (SITC 745.27)
Costa Rica 18,7 14,8 32,6
El Salvador 13,7 3,5 12,7
Guatemala 30,9 20,4 20,3
Honduras 5,3 4,0 8,1
Nicaragua 10,6 7,9
Panama (nur Freizone Colón) 1) 1,1 2,0 2,6
Zentralamerika (5 Länder + Freizone Colón) 1) 2) 80,3 52,6 76,4
.Deutschland 14,6 5,3 17,7
.Italien 14,6 10,2 16,8
.USA 11,2 9,3 14,6
.China 8,6 5,1 4,5
Zum Vergleich:
Kolumbien 97,5 70,8 60,8
Mexiko 473,5 556,4 578,9

1) keine Importe der Republik Panama; 2) ohne Nicaragua 2016

Quelle: UN Comtrade

Exporte der EU (EU 28) von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen (Mio. Euro)
Produkt/Land 2015 2016 2017
Nahrungsmittelmaschinen(SITC 727)
Costa Rica 12,9 9,5 9,4
El Salvador 6,2 4,1 6,1
Guatemala 14,4 14,0 21,9
Honduras 3,6 4,9 6,0
Nicaragua 3,4 8,4 3,8
Panama *) 14,4 11,0 9,2
Zentralamerika (6 Länder *)) 54,9 51,8 56,4
Lieferländer:
.Deutschland 12,6 12,8 18,1
.Italien 18,8 15,8 16,1
Zum Vergleich (als Importland):
Kolumbien 41,5 26,2 57,9
Mexiko 280,3 246,1 321,4
Verpackungsmaschinen(SITC 745.27)
Zentralamerika (6 Länder *)) 27,2 41,9 51,1
Lieferländer:
.Deutschland 8,6 12,5 25,5
.Italien 10,3 17,4 15,0
Zum Vergleich (als Importland):
Kolumbien 55,0 38,9 72,3
Mexiko 212,4 270,3 375,5

*) Panama: Summe der Exporte in die Republik Panama und die Freizone Colón

Quelle: Eurostat

Dieser Artikel ist relevant für:

Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Nahrungsmittel

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