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31.07.2018

Zentralamerikas Nahrungsmittelhersteller investieren

Betriebe setzen auf Automatisierung / Von Ulrich Binkert

San José (GTAI) - In Zentralamerika zeigten die Einfuhren von Nahrungsmittelmaschinen zuletzt nach oben. Die Kunden müssen gegenüber der Importkonkurrenz bestehen und rationalisieren.

Während Zentralamerikas Importe von Nahrungsmittelmaschinen von 2014 bis 2016 stagnierten, zog die Nachfrage im größten Einzelmarkt zuletzt deutlich an: In Guatemala stiegen die Brancheneinfuhren in den ersten fünf Monaten 2018 um ein knappes Drittel, nachdem es im gesamten Vorjahr bereits 15 Prozent waren. Mit das größte Projekt in der Region ist von Coca-Cola: Der US-Riese baut in Liberia/Costa Rica an einer 50 Millionen US-Dollar (US$) teuren Anlage zur Herstellung von Konzentrat. Die Fabrik soll zu den drei modernsten Anlagen ihrer Art auf der Welt gehören und im Januar 2020 in Betrieb gehen.

Brauereien bauen aus

Ebenfalls in Costa Rica baut Florida Ice & Farm (Fifco) an einer 15 Millionen US$ teuren Bierabfüllanlage, die 2019 die Produktion aufnehmen soll. Das Werk ist Teil eines fast 300 Millionen US$ teuren Investitionsprogramms (2017 bis 2020) von Fifco. In Panama will Biermarktführer InBev mit seiner Cervecería Nacional nach Angaben eines Technikvertreters eine neue Brauerei vor den Toren der Hauptstadt bauen und damit die bestehende im Zentrum ersetzen; Land dafür sei bereits erworben.

Hauptgrund für Investitionen dürfte für Zentralamerikas Nahrungsmittelhersteller das Bestreben um Konkurrenzfähigkeit sein: Gegenüber Importen, um andere oder schöner verpackte Produkte anbieten zu können, oder wegen der Hygiene - Wurst und Fleisch zum Beispiel müssen besser verpackt und länger haltbar sein, angesichts immer größerer Staus in den Städten und langer Transportzeiten.

Nahrungsmittelverarbeiter müssen automatisieren

Maschinenkunden rechnen nach Beobachtungen eines Vertreters genau nach, ob sich leistungsfähigere Anlagen mittelfristig lohnen. In der ganzen Region haben Nahrungsmittelhersteller nach Angaben eines Maschinenvertreters Probleme mit Arbeitern, die nicht zum Dienst erscheinen, eine Abwesenheitsquote von 8 bis 15 Prozent sei normal. "Die Betriebe automatisieren notgedrungen", so der Vertreter. Dies gilt nicht nur für relativ teure Länder wie Panama oder Costa Rica. Dort gibt der Betreiber eines großen Schlachthofs rund 900 Euro als monatliche Kosten für einen Arbeiter an, während Nicaragua - das ärmste Land Zentralamerikas - um knapp die Hälfte billiger sei.

Als wichtiger Produzent und Exporteur von Kaffee, Bananen oder Ananas verarbeitet Zentralamerika solche Agrarprodukte auch weiter. Allerdings ist der Technikbedarf dafür begrenzt. So waren Costa Ricas wichtigste Lebensmittelexporte 2015 Fruchtsäfte/-konzentrate, Sirup, Palmöl, Soßen/-zubereitungen sowie Zucker mit einem Anteil von jeweils rund einem Zehntel - Produkte also, die überwiegend wenig verarbeitet sind. Costa Ricas größter Exporteur verarbeiteter Nahrungsmittel war 2017 Coca-Cola mit seiner bestehenden Konzentratfabrik in der Hauptstadt San José.

Größere Wertschöpfung bei Ananas, Bananen & Co. bleibt vorerst ein Traum

Bemühungen für eine groß angelegte Exportproduktion von Fertignahrungsmitteln in Zentralamerika sind Ansätze geblieben. Beobachter prophezeien dies auch für den laufenden Versuch des Landwirtschaftsministeriums in Panama, am Logistik-Hub Panamakanal Agrarrohstoffe etwa aus Südamerika zu importieren, dort zu verarbeiten und dann in alle Welt zu verkaufen. Der Vertreter eines von Panama aus agierenden großen Anbieters von Verpackungsmaschinen kennt in ganz Zentralamerika keine ernst zu nehmenden Aktivitäten zur Ansiedlung einer Exportproduktion von konsumfertigen Lebensmitteln.

Ohnehin liefert die Region ihre Bananen, Ananas und Melonen eher frisch denn als Püree oder Snack nach Übersee. Ihren Kaffee zum Beispiel rösten die Abnehmer in Miami oder Hamburg gerne selber nach dem Geschmack ihrer jeweiligen Kundschaft. Maschinen braucht es in den Anbauländern deshalb, wenn überhaupt, nur zum Waschen, Fermentieren und Trocknen der Bohnen - und diese Maschinen kommen dann meist aus Brasilien.

Wichtigste Technikkunden sind damit Zentralamerikas Hersteller von Nahrungsmitteln für den Endverbrauch. Und zwar der Konsumenten in der Region selbst, weil die Ausfuhren solcher Fertigprodukte in andere Länder gering sind. Beim Gang durch Supermärkte in Zentralamerika wiederum fällt der hohe Anteil importierter Lebensmittel etwa aus Mexiko oder den USA auf. Dieses Angebot schmälert den Absatz der einheimischen Hersteller zusätzlich.

Nudeln, Brot und andere Grundnahrungsmittel immerhin kommen meist aus Fabriken in der Region. Dies gilt meist auch für die außerordentlich beliebten Kekse (Cracker und Cookies). Bier, Wasser und Erfrischungsgetränke werden ohnehin ganz überwiegend in den Ländern selbst abgefüllt.

Fleischverarbeiter kämpfen um ihre Konkurrenzfähigkeit

Geflügel, die beliebteste Fleischsorte in Zentralamerika, stellt die Region voll integriert selbst her, von der Aufzucht der Tiere bis zum Hähnchenschlegel. Die Nachfrage wächst. In Panama zum Beispiel stieg der Konsum pro Kopf von 2008 bis 2017 um 40 Prozent auf 46 Kilogramm. Größter Verarbeiter ist in der Region nach Einschätzung des Maschinenvertreters Niels Peters Guatemalas Corporación Multi Inversiones (CMI) mit Marken wie Pollo Rey. CMI verarbeite in der Region täglich etwa 700.000 Tiere, gefolgt vom US-Riesen Cargill mit 400.000 Stück.

CMI betreibt den Informationen zufolge je zwei Geflügelschlachtereien in Guatemala, Honduras, El Salvador und Costa Rica. Cargill ist ähnlich aufgestellt, mit den meisten Beschäftigen in Costa Rica, gefolgt von Nicaragua und Honduras. Erst im April 2018 nahm der US-Konzern in Nicaragua eine 45 Millionen US$ teure Geflügelfleischfabrik in Betrieb, die stündlich 14.000 Vögel verarbeiten kann. Den Handel mit Geflügelfleisch innerhalb der Region ließen die Regierungen trotz nominell offener Grenzen ungern zu, mit Verweis auf Hygieneaspekte.

Wichtiger Verarbeiter von Rind- und Schweinefleisch ist erneut CMI, hier mit seiner Marke Toledo. Am meisten Rindfleisch kommt in der Region aus Nicaragua, wo das Vieh extensiv gehalten wird und tendenziell der Milch- wie Fleischerzeugung gleichermaßen dient, mit relativ niedrigen Erträgen.

Insgesamt allerdings ist Zentralamerika bei Fleisch wenig konkurrenzfähig gegenüber den großen Erzeugernationen wie Argentinien oder Brasilien, die tiefgefrorenes Schlachtfleisch oder auch weiter verarbeitete Produkte liefern. So stammt viel Schweinefleisch aus dem Ausland. Beispiel Costa Rica - Schweinefutter müsse das Land importieren und nur die größten Mäster könnten preislich einigermaßen mithalten, sagt der Vertreter eines großen Schlachthofs in der Hauptstadt San José. Vorteil der einheimischen Schlachthöfe sei, dass sie die Ware frisch und auf kurzen Wegen liefern könnten.

Importkonkurrenz aus den USA nimmt zu

Zunehmend zu schaffen macht den Nahrungsmittelherstellern laut Maschinenvertreter Niels Peters die Importkonkurrenz aus den USA. Der große Nachbar profitiert vom Freihandelsabkommen DR-CAFTA, das die Importzölle laufend und bis 2020 vollständig abbaut. Schon heute ist gefrorenes Hähnchenfleisch aus den USA in Zentralamerika um die Hälfte billiger als Ware aus einheimischen Schlachthöfen (rund 1,60 US$ pro Kilogramm Schlachtgewicht), wie Peters vorrechnet. Druck gebe es auch durch B-Ware aus US-Supermärkten, die dort vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aussortiert und billig an Drittmärkte abgegeben werde.

Dieser Artikel ist relevant für:

Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Nahrungsmittel

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