Europäische Union

EU-Sektorseminar und Kooperationsbörse zu Energie in den EU-Außenhilfeprogrammen

Energie bleibt auch 2014-2020 ein Schwerpunktsektor und eröffnet vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten

Am 27.11.2014 fand in Brüssel das EU-Sektorseminar zum Thema „Der Energiesektor in den EU-Außenhilfeprogrammen 2014-2020“ statt. Mit diesen Veranstaltungen unterstützt die GTAI deutsche Firmen beim Zugang zu Ausschreibungen im Rahmen der EU-Außenhilfeinstrumente. Die GTAI organisierte dieses Sektorseminar Energie gemeinsam mit  21 Vertretungen und Handelsförderorganisationen anderer EU-Mitgliedstaaten. Insgesamt nahmen 113 Unternehmen aus der EU teil. Aus Deutschland kamen 14 Firmen (Beratungsfirmen, Zulieferer und Bauunternehmen) mit 18 Teilnehmern, was das große Interesse deutscher Unternehmen am Energiesektor unterstreicht.

Am Vormittag bot Melinda Wezenaar, Branch Director von MFD Training & Consultancy, einen Einführungsvortrag zu den Beteiligungsmöglichkeiten im Rahmen der EU-Außenhilfen an. Nicht nur für Unternehmen mit wenig Erfahrung war dieser Überblick interessant, da der neue EU-Finanzrahmen 2014-2020 neue Schwerpunkte, Partnerländer und Programme mit sich bringt. Ausschreibungen im Energiesektor ergeben sich weiterhin aus den geographischen Programmen (Europäischer Entwicklungsfond, EEF; Instrument für Entwicklungszusammenarbeit, EZI; Europäisches Nachbarschaftsinstrument, ENI; Instrument für Heranführungshilfe II, IPA II, Partnerschaftsinstrument, PI). Beteiligungsmöglichkeiten zu Energie eröffnet auch das thematische Programm Globale öffentliche Güter und Herausforderungen unter EZI. Martin Pav, zuständig für Evaluation in der Generaldirektion Development and Cooperation – EuropeAid (DG DEVCO) gab Tipps für Bewerber und zeigte Kriterien auf, mit denen die EU-Kommission einen erfolgreichen Projektantrag misst.

Roberto Ridolfi, Direktor für nachhaltiges Wachstum und Entwicklung in der DG DEVCO, unterstrich die Bedeutung von Energie für wirtschaftliches Wachstum, Innovation und Arbeitsplätze in Partnerländern. Statt wie bisher Zuschüsse zu vergeben, setzt die EU im Energiesektor vermehrt auf alternative Finanzquellen und Einbindung des Privatsektors. Europäische Entwicklungsfinanzierungsinstitute (EDFI) sind hier gefragt. Besonders in Afrika wird die Stromnachfrage stark ansteigen und einen Markt schaffen.

Laut Claudia Boldrini aus dem Referat Wasser, Energie und Infrastruktur in DG DEVCO will die EU bis 2030 mehr als 500 Mio. Menschen mit nachhaltiger, zuverlässiger und kosteneffektiver Energie versorgen. Für den Zeitraum 2014-2020 haben mehr als 30 Partnerländer Energie als einen der drei Schwerpunktsektoren ihrer EU-Kooperation gewählt. Darüber hinaus wird Energie als Querschnittssektor gefördert. Für 2014 bis 2020 hat die EU mehr als 3,5 Mrd. Euro zur Bekämpfung der Energiearmut zugesagt, davon 2 Mrd. Euro für Afrika. Insgesamt 3 Mrd. Euro werden über nationale und regionale Programme vergeben, während die EU 589 Mio. Euro über thematische Programme und hier besonders das Programm Globale öffentliche Güter und Herausforderungen zugesagt hat. Die Erstellung eines Energieeffizienz-Gutachtens in St. Vincent und den Grenadinen ist ein Beispiel.

Die EU plant laut Boldrini die Finanzierung durch eine Kombination aus Darlehen und Zuschüssen (Blending), um Investitionslücken zu schließen und „to find money where money is“. Insgesamt sollen diese 3,5 Mrd. Euro Zusagen 15-30 Mrd. Euro in Krediten und Eigenkapital bewegen. Hierzu dient die Technical Assistance Facility for the Sustainable Energy for All Initiative (SE4all), die mittels 80 Mio. Euro unter anderem das Investitionsklima und Green Growth in Partnerländern befördern will. Darüber hinaus sollen durch Blending  insgesamt 400 Mio. Euro konkrete Investitionen eine Summe von bis zu 8 Mrd. Euro hebeln. Dies erfolgt durch sieben regionale Fazilitäten für Investitionen im Energiebereich: Africa Infrastructure Trustfund (AITF), Neighbourhood Investment Facility (NIF), Latin America Investment Facility (LAIF), Asia Investment Facilitiy (AIF), Central Asia Investment Facility (IFCA), Pacific Investment Facility (IFP) und Caribbean Investment Facility (CIF). Neu sind die umwandelbaren Kredite der EU. Wirft ein Projekt nach Abschluss finanzielle Profite ab, wird der Zuschuss in ein Darlehen umgewandelt, das langfristig und zinsfrei an die EU zurückgezahlt und in Entwicklungsvorhaben reinvestiert wird.

Laut Morten Jung, Head of Unit für Regionale Kooperation und Programme der Generaldirektion Erweiterung (DG Enlargement), fördert IPA II Energieprojekte vor allem in Süd- und Osteuropa (Transportsektor, erneuerbare Energien und Energieeffizienz). Der Westbalkaninvestitionsrahmen (WBIF) ist Hauptmotor für Kooperation in regionalen Investitionsvorhaben, kleinere Projekte werden über regionale Fazilitäten oder Finanzierungsinstrumente wie Europäischer Energieeffizienzfonds (EEEF), Green for Growth Fund (GGF) und Renewable Energy and Energy Efficiency Partnership (REEEP) getragen. IPA II sieht für 2014-2020 12 Mrd. Euro Förderung vor, davon 225 Mio. Euro für Energieprojekte über sechs nationale Programmlinien sowie 94 Mio. Euro für Energievorhaben in der Türkei. Es werden 30-40 Mrd. Euro Investitionen im Energiesektor in der Region bis 2020 benötigt.

Liselotte Isaksson, Head of Sector im Referat Energie, Umwelt und Klimawandel für Regionale Programme und südliche Nachbarschaft stellte das Programm ENI vor, das ab 2015 gemeinsam mit dem IPA II über die Generaldirektion NEAR verwaltet wird. ENI umfasst über bilaterale oder regionale Kooperation von 2014-2020 ein Budget von 15,4 Mrd. Euro  (davon 8,3 Mrd. Euro für den Süden). Energie ist ein Kernsektor des ENI. In der östlichen Nachbarschaft besteht Förderbedarf aufgrund öffentlicher Schulden und mangelnder Infrastruktur. Die südlichen Partner benötigen Unterstützung im Energiesektor wegen voranschreitender Industrialisierung und Bevölkerungswachstum. Dies bietet Geschäftschancen für Unternehmen und Investoren besonders in Tunesien, Marokko und Ägypten sowie durch regionale Vorhaben. Während Blending ansteigt, nimmt Budgetsupport ab.

Andrea Nour, Beraterin für die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD),  zeigte Fördermöglichkeiten für Energieprojekte auf. Die EBRD hat seit 1991 15 Mrd. Euro in Energie investiert (300 Projekte), davon 1,7 Mrd. Euro in 2013 (39 Projekte). Das aktuelle Energieportfolio bemisst 8,2 Mrd. Euro. Die EBRD hat zum Beispiel den Bau des SALKHIT Windparks in der Mongolei gefördert.

Laut Jackie Church, Policy Officer der Europäischen Investitionsbank (EIB), sollten Investitionsvorhaben im Energiesektor die Versorgungssicherheit erhöhen, nachhaltig und profitabel sein. In 2013 förderte die EIB vor allem Projekte zu erneuerbaren Energien, Strom- sowie Gasnetzen und thermischer Energie, zum Beispiel ein Solarkraftwerk in Marokko. Die EIB fördert Projekte aller Größenordnung, aber der Trend geht zu kleinen Projekten zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. EBRD und EIB schließen Lücken im Budget, finanzieren Projekte aber nie vollständig.

Jan Dröge, Teilhaber von Schuman Associates, moderierte das EU-Sektorseminar. Nähere Informationen wie das Programm und die Präsentationen sind auf der Internetseite der EU-Sektorseminare sowie in der rechten Spalte zu finden.