Europäische Union

EU-Sektorseminar und Kooperationsbörse zum Thema "Land- und Forstwirtschaft, ländliche Entwicklung"

Am 02.12.2009 fand in Brüssel das EU-Sektorseminar zum Thema "Agriculture, Forestry & Rural Development" statt. Das Seminar bot Unternehmen die Gelegenheit, sich über die vielfältigen Beteiligungschancen an den EU-Außenhilfeprogrammen im Bereich Landwirtschaft, Forstwirtschaft und ländliche Entwicklung zu informieren. An der Veranstaltung nahmen 100 Unternehmen aus zehn EU-Mitgliedstaaten teil, 14 kamen aus Deutschland. Nach einer Einführung in die EU-Außenhilfeprogramme stellten Referenten der Europäischen Kommission die Fördermöglichkeiten für Unternehmen im Rahmen der Programme ENPI (Mittelmeerraum; Gemeinschaft Unabhängiger Staaten), DCI (Asien; Zentralasien; Lateinamerika), EEF (Afrika; Karibik; Pazifik) und IPA (offizielle und potentielle Beitrittskandidaten) dar. Der Nachmittag diente den teilnehmenden Unternehmen zum Netzwerken untereinander.

Die Land- und Forstwirtschaft hat in der Entwicklungszusammenarbeit wegen ihres engen Zusammenhangs mit Armutsbekämpfung und Klimaschutz seit einiger Zeit bei den internationalen Gebern wieder einen erhöhten Stellenwert. Der gemeinsame Tenor der Vorträge war, dass auch die EU beträchtliche und tendenziell weiter steigende Fördermittel bereit stellt. Die EU-Agrarförderung in Drittstaaten ist breit angelegt: Stärkung der landwirtschaftlichen Produktion, Unterstützung umweltfreundlicher Technologien und Praktiken, Veterinär- und Pflanzenschutz, Förderung eines besseren Marktzugangs für Entwicklungsländer durch Infrastrukturentwicklung, Beratung und Dienstleistungen, Aufbau von Institutionen, agrarbezogene Forschung und Schulungen. Hiervon können vor allem Beratungsfirmen, aber auch Lieferanten und Baufirmen über EU-Ausschreibungen profitieren.

Programmübergreifend fördert die EU in der Land- und Forstwirtschaft und der ländlichen Entwicklung weltweit 42 Länder, darunter 28 EEF-Länder, mit einem jährlichen Budget von 337 Mio. Euro. Größere EEF-Empfänger sind Äthiopien, Eritrea, Malawi und Tschad, wobei neben ländlicher Entwicklung und Landwirtschaft die Ernährungssicherheit eine wichtige Rolle spielt. Unter den DCI-Ländern sind Afghanistan mit 46 Mio. Euro pro Jahr für ländliche Entwicklung und Pakistan mit 27 Mio. Euro pro Jahr für ländliche Entwicklung und natürliches Ressourcenmanagement die größten Empfänger. Weitere DCI-Empfänger sind Bhutan, Laos, die Mongolei, Bolivien und die Region Asien. Die Förderung der Nachbarschaftsregion ENPI wurde am Beispiel Marokkos veranschaulicht: Hier wird die EU im Jahr 2010 ein sektorielles Programm zur Unterstützung der staatlichen Stellen bei der Modernisierung und Liberalisierung des Agrarsektors durch Dienstleistungen finanzieren; auch 2011 bis 2013 ist wieder ENPI-Förderung für die Landwirtschaft zu erwarten.

Unter IPA fließt ein erheblicher Anteil der Fördermittel in Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, um die Kandidatenstaaten auf die gemeinsame Agrarpolitik der EU vorzubereiten. Hierfür sind zunächst vor allem Dienstleistungen gefragt, um den rechtlichen Rahmen zu schaffen und die institutionellen und administrativen Strukturen in den IPA-Ländern aufzubauen. Offizielle Beitrittskandidaten (zurzeit Türkei, Kroatien und Mazedonien) profitieren außerdem vom "Programm zur Förderung der ländlichen Entwicklung" (IPARD; IPA-Komponente V), in dessen Rahmen in erster Linie lokale Ausschreibungen in den Partnerländern für landwirtschaftlicher Betriebe, Erzeugerzusammenschlüsse etc. zu erwarten sind.

Neben den geographischen Programmen gibt es zusätzlich horizontale EU-Programme mit Sektorbezug wie die Nahrungsmittelfazilität und das Programm "Umweltschutz und nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen, einschließlich Energie", aus dem unter anderem das Forstwirtschaftsprogramm FLEGT finanziert wird.

Die Tagesordnung sowie die Präsentationen des Sektorseminars können Sie in der rechten Spalte herunterladen.