Europäische Union

EU-Sektorseminar und Kooperationsbörse zum Wasser- und Abwassersektor

Am 24.11.2010 fand in Brüssel ein EU-Sektorseminar zum Thema Wasser und Abwasser statt. An der Konferenz nahmen rund 150 Teilnehmer von 130 europäischen Unternehmen teil, darunter 18 Unternehmensvertreter aus Deutschland. Am Vormittag stellten vier Referenten der Europäischen Kommission die Beteiligungschancen für Unternehmen im Wassersektor im Rahmen der Programme ENPI (Mittelmeerraum und Gemeinschaft Unabhängiger Staaten), Europäischer Entwicklungsfonds (EEF, für die AKP-Staaten, Afrika, Karibik, Pazifik) und IPA (offizielle und potentielle Beitrittskandidaten) dar. Ferner gab es eine Einführung zu den EU-Außenhilfeprogrammen sowie einen Praxisvortrag. Der Nachmittag diente den teilnehmenden Unternehmen zum Netzwerken untereinander. Außerdem standen Vertreter der Vertragsabteilung von EuropeAid sowie der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und der Europäischen Investitionsbank (EIB) zur Beantwortung von Fragen bereit.

Laut Koos Richelle, dem Generaldirektor von EuropeAid, bedarf es innovativer Konzepte wie der Bezuschussung von Darlehen für Großprojekte der Entwicklungsbanken, um das Millenniumsziel für Wasser bis 2015 noch erreichen zu können. Insgesamt müsse die Entwicklungspolitik in Zukunft ergebnisorientierter werden und "nachhaltige Systeme statt einzelner armer Menschen" fördern. Dies könne erreicht werden durch Kapazitätenaufbau, gute Regierungsführung und in Politikstrategien eingebettete Projekte.

Auch Gary Quince, der Abteilungsleiter für die AKP-Staaten bei EuropeAid, hob in seinem Vortrag zum laufenden 10. EEF die Bedeutung der EU-Fazilitäten hervor, die Darlehen von Banken für Wasserprojekte bezuschussen: Der EU-Afrika Treuhandfonds für die Infrastrukturpartnerschaft sei ein Erfolg; er verfüge gegenwärtig über ein Budget von 400 Mio. Euro und habe eine Hebelwirkung von 10:1 (Darlehen:Zuschuss) erzielt. Im Rahmen der EU-AKP-Wasserfazilität (200 Mio. Euro) seien noch 40 Mio. Euro über einen "Pooling-Mechanismus" (Bezuschussung von Darlehen, technische Hilfe und Zinssubventionen) zu vergeben.

Im Nachbarschaftsraum (ENPI) werden heute etwa 70% der EU-Hilfen, auch im Wasserbereich, über sektorgebundene Budgethilfen vergeben. Andrew Jacobs, Referatsleiter für Geographische Koordinierung für den Mittelmeerraum und Nahost bei EuropeAid, verwies aber darauf, dass fast alle Programme der Haushaltsunterstützung eine Komponente für technische Hilfe enthielten, auf die sich die Consultingwirtschaft über Ausschreibungen bewerben könne. Für Kroatien (IPA) stellte Richard Masa, in der EU-Delegation in Kroatien unter anderem für den Wassersektor zuständig, die indikative Liste von Wasserprojekten vor, die die EU hier in den nächsten Jahren fördern will. Für Unternehmen sei es interessant, in Kroatien Fuß zu fassen, da mit dem in den nächsten Jahren anstehenden EU-Beitritt die EU-Subventionen erheblich ansteigen werden.

Zum Abschluss berichtete der GTZ-Wasserexperte André Lammerding über die Teilnahme der deutschen GTZ an Projekten der EU-AKP Wasserfazilität in Benin, Kenia, Uganda, Namibia und Tansania. Die Ausschreibungen für nicht gewinnorientierte Projekte seien zeitaufwendig, die Verfahren der EU aber transparent und effizient gewesen.

Die Tagesordnung sowie die Präsentationen des Sektorseminars können Sie in der rechten Spalte herunterladen.