Europäische Union

EU-Sektorseminar und Kooperationsbörse zur Entwicklung des Privatsektors

Zum EU-Sektorseminar zum Thema "Privatsektorentwicklung und Unterstützung für KMU" kamen am 26.5.2011 rund 150 Teilnehmer 127 europäischer Unternehmen nach Brüssel, darunter 16 aus Deutschland.

Am Vormittag stellten drei Referenten der Europäischen Kommission die Beteiligungschancen für Unternehmen in den EU-Außenhilfeprogrammen vor: Auf einen Überblicksvortrag zur Förderung des Privatsektors durch die verschiedenen geographischen Außenhilfeprogramme folgten Präsentationen zum Europäischen Entwicklungsfonds (EEF, für die AKP-Staaten, Afrika, Karibik, Pazifik) und zur Türkei (Instrument für Heranführungshilfe, IPA). Ferner gab es eine Einführung zu den EU-Außenhilfeprogrammen sowie einen Praxisvortrag einer Consultingfirma.

Den Nachmittag nutzten die Teilnehmer zum intensiven Netzwerken untereinander. Außerdem beantworteten Vertreter von Kommission und europäischen Entwicklungsbanken in Einzelgesprächen individuelle Fragen; hieran beteiligt waren GD DEVCO (Vertragsabteilung G7 sowie Infodesk zu den Investitionsfazilitäten), die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und die Europäische Investitionsbank (EIB).

Jan Ten Bloemendal, Referatsleiter für Unternehmen, Handel und regionale Integration in der GD DEVCO, hob hervor, dass Handel und Investitionen zunehmend ins Zentrum der Bemühungen zur Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele rücken. Entsprechend sei die Bedeutung von Entwicklungshilfe abnehmend. Als Ausdruck dieser Tendenz nannte er die 2007 von der EU und ihren Mitgliedsstaaten beschlossene Strategie "Aid for Trade". In den letzten Jahren hat die EU Handel und Privatsektorentwicklung jährlich mit 1 Mrd. Euro unterstützt, Infrastrukturprojekte nicht mit einberechnet. Die meisten Mittel fließen in die AKP-Staaten (43%), gefolgt von Europa (13%), den Staaten der südlichen und östlichen Nachbarschaft (10%), Asien (9%) und Lateinamerika (6%). Finanziert werden insbesondere Entwicklungsprojekte, aber auch Budgethilfen sowie Zuschüsse und Beteiligungen im Rahmen der Investitionsfazilitäten.

Europas Hilfen für Afrika beleuchtete Jesper Steen Pedersen, Sachgebietsleiter für Wirtschaft, Privatsektor und handelsbezogene Hilfen im Referat für zentralisierte Maßnahmen in den AKP-Staaten der GD DEVCO. Im 10. EEF (2008-2013) wird verstärkt auf Regionalprogramme gesetzt, deren Finanzierung durch ein globales Budget von 1,7 Mrd. Euro erfolgt. Alle sechs Regionalprogramme des EEF (Zentralafrika, Westafrika, Östliches und Südliches Afrika sowie Indischer Ozean, Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika, Pazifische Region und Karibik) enthalten eine Komponente für wirtschaftliche Integration. Das interregionale Programm für die gesamte AKP-Region stellt zusätzlich 220 Mio. Euro für Privatsektorentwicklung und handelsbezogene Hilfen bereit. Pedersen empfahl an Ausschreibungen interessierten Unternehmen die Webseiten der einzelnen Programme (z.B. Trade.COM, BizClim II), die auch die Aufrufe zur Interessenbekundung enthalten.

Die Türkei als größten Empfänger von EU-Hilfe präsentierte Javier Menendez Bonilla, Sachgebietsleiter für finanzielle Zusammenarbeit, Infrastruktur sowie soziale und regionale Projekte in der EU-Delegation in Ankara. Die Entwicklung des Privatsektors fördert Brüssel durch die Komponente I des IPA-Programms (Institutionenaufbau), vor allem aber durch Komponente III (Regionale Entwicklung). Einer der drei Bestandteile der Komponente III ist die regionale Wettbewerbsfähigkeit; hierfür greift die EU der Türkei von 2007 bis 2013 mit etwa 600 Mio. Euro unter die Arme. Ein typisches Projekt für regionale Wettbewerbsfähigkeit belaufe sich auf 7-10 Mio. Euro und enthalte 10-25% technische Hilfe, 0-40% Lieferungen, 30-50% Bauleistungen und 4-7% Bauüberwachung. Menendez betonte außerdem, dass EU-Hilfen im dezentralen Verfahren implementiert werden; erster Ansprechpartner für alle Programme ist deshalb das "Central Finance & Contract Unit" (CFCU) in der Türkei. Nur für das IPA-Umweltprogramm ist gegenwärtig bereits eine türkische Stelle - das Umweltministerium - akkreditiert.

Zum Abschluss stellte Mario Costariol von der Firma Eurecna ein Fallbeispiel vor. Das italienische Unternehmen hatte in Südafrika im EU-Auftrag ein Programm zur lokalen Wirtschaftsentwicklung in der Region Limpopo durchgeführt. In der anschließenden Diskussion wurde u.a. über die Herausforderung für die Consultingwirtschaft diskutiert, die oftmals unterschiedlichen Interessen der EU und der lokalen Behörden in Einklang bringen zu müssen.

Die Tagesordnung sowie die Präsentationen des Sektorseminars können Sie in der rechten Spalte herunterladen.