Europäische Union

Sektorseminar informiert über Geschäftschancen im Bereich "Privatsektorentwicklung in den EU-Drittstaatenprogrammen“

Am 10.3.2016 fand in Brüssel ein eintägiges EU-Sektorseminar zum Thema "Privatsektorentwicklung in den EU-Drittstaatenprogrammen“ statt. Die EU-Sektorseminare werden halbjährlich von den EU-Mitgliedstaaten und den jeweiligen Handelsförderorganisationen organisiert – von deutscher Seite sind die GTAI und der DIHK verantwortlich. Insgesamt nahmen 120 Personen aus 14 EU-Mitgliedstaaten teil, davon 13 Deutsche aus 9 Unternehmen. Vertreten waren Beratungsfirmen, Investoren und Unternehmen, die im Bereich Privatsektorentwicklung in Drittländern tätig sind. Bevor am Nachmittag eine Kontaktbörse zwischen den Unternehmen stattfand, erläuterten vormittags Sprecher der EU-Kommission, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und Unternehmensvertreter zahlreiche Geschäftschancen.

Einen Überblick über Zielsetzungen der EU und individuelle eteiligungsmöglichkeiten im Rahmen der EU-Drittstaatenprogramme erhielten Unternehmen durch die Einführung von Melinda Weezenar, Leiterin des Brüsseler Büros von MDF Training & Consultancy. Neben allgemeinen Informationen über die Programme erläuterte sie Trends im EU-Vergabeverfahren und Tricks für Bewerber.

Anschließend beleuchtete Antti Karhunen, Leiter des Referats C4 für Privatsektorentwicklung in der Generaldirektion Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (DEVCO) der EU-Kommission, speziell die Geschäftschancen in EU-Vorhaben zur Privatsektorförderung und legte dabei den Fokus auf Afrika. Deutsche Unternehmen profitieren hierbei gleich doppelt: Einerseits ist der Privatsektor als Finanzier und Akteur in Entwicklungsvorhaben gefragt, um unzureichende staatliche Entwicklungshilfezahlungen (Official Development Assistance, ODA) zu ergänzen. Hierzu arbeitet die Kommission gerade an einem neuen Rahmen, um die Zusammenarbeit mit Unternehmen zu stärken. Andererseits soll durch private Unternehmen das Wirtschaftswachstum in den Partnerländern gefördert werden.

Nur mit Wachstum und durch die Integration in nachhaltige Wertschöpfungsketten kann dem demographischen Zuwachs in afrikanischen Ländern, die keine diversifizierten Wirtschaften aufzeigen, begegnet werden. Es gilt, 400 Mio. neue Arbeitsplätze in Afrika zu schaffen. Das erfolgversprechendste Finanzierungsinstrument ist hierbei Kredithebelung (Blending): Zuschüsse der EU werden mit Darlehen von europäischen Finanzierungsinstituten und Entwicklungsbanken gekoppelt und setzen so private Investitionen frei. Gleichzeitig ist von 2014 bis 2020 mit zahlreichen Ausschreibungen für Dienstleistungen, Bauvorhaben und Lieferungen zur Privatsektorentwicklung zu rechnen: Unter dem Europäischen Entwicklungsfonds (EEF) sind 650 Mio. Euro über bilaterale Vorhaben und 600 Mio. Euro über regionale Vorhaben für Afrika, Karibik und den Pazifik sowie über das Instrument für Entwicklungszusammenarbeit (EZI) geplant, welches Asien, Zentralasien, Lateinamerika und das Land Südafrika umfasst. Für das Intra-AKP-Programm unter dem EEF sind weitere 600 Mio. Euro bis 2020 vorgesehen. Für das thematische Programm für globale öffentliche Güter und Herausforderungen, das über EZI verwaltet wird, sind 150 Mio. Euro in der 7-Jahres-Spanne veranschlagt.

Lluís Prats, Referatsleiter in A4 der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU (GROW), informierte über das neue Konzept der „EU Economic Diplomacy“. In Einklang mit den Vorhaben von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will die EU so Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit in ihren Mitgliedstaaten ausbauen. Die geplante Internationalisierung von insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fördern zahlreiche Programme, die auch Ausschreibungen hervorbringen, aber nicht in der klassischen Entwicklungszusammenarbeit angedockt sind. Zu nennen ist hier z.B. das Partnerschaftsinstrument (PI) für industrialisierte Partnerländer der EU, das mit dem Markterschließungsvorhaben EU-Gateway zu Geschäftstätigkeit europäischer Unternehmen im Ausland beiträgt.

Asari Efiong ist Referentin für Blending in der Generaldirektion Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen (NEAR), die sowohl das Instrument für Heranführungshilfe (Instrument for Pre-Accession Assistance, IPA II) für die EU-Beitrittskandidaten als auch das Europäische Nachbarschaftsinstrument (ENI) für die südliche und östliche Nachbarschaft der EU verwaltet. Geschäftschancen entstehen insbesondere über Blending, die die EU-Beitrittskandidaten unter IPA II über den 2009 gegründeten Western Balkans Investment Framework (WBIF) und die EU-Nachbarschaft über die Nachbarschaftsinvestitionsfazilität (NIF) fördert. Für NIF sind von 2014 bis 2020 2,1 Mrd. Euro vorgesehen. Bis Ende 2015 hat NIF 1,4 Mrd. Euro Zuschüsse für 112 Projekte freigesetzt, die private Investitionen über 29 Mrd. Euro gehebelt haben. Die Ausschreibung der Projekte erfolgt ausschließlich über die beteiligten Finanzierungsinstitutionen.

Eine dieser Finanzierungsinstitutionen, die unmittelbar für die Ausschreibung der Vorhaben zuständig ist, ist die EIB. Jackie Church, EIB-Referentin im Brüsseler Büro, erläuterte die Geschäftschancen und Beteiligungsmöglichkeiten an Entwicklungsprojekten, die für europäische Firmen durch Kredithebelung (blending) entstehen, aber auch mit Vorhaben der EIB einhergehen.

Aktuell und relevant waren außerdem die Neuerungen im Vergabehandbuch PRAG 2016 - Practical Guide to Contract Procedures for EU External Actions. Die revidierten Vergaberegelungen für Ausschreibungen über die EU-Drittstaatenprogramme stellte der Vertragsexperte Laurent Sarazin, Leiter des DEVCO-Referats R3 zu Rechtsfragen, vor.

Im Rahmen eines Unternehmenspanels berichteten drei Firmenvertreter aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden über ihre Erfahrungen aus der EU-finanzierten Projektarbeit vor Ort. Von deutscher Seite gab Herr Keck, Abteilungsleiter bei Particip GmbH, Einblick in die Ausschreibungspraxis.

Nähere Informationen finden Sie in der rechten Spalte sowie unter www.sectorseminars.eu.