Recht Aktuell

09.04.2014

Chile - Umfassende Steuerreform geplant / Unternehmen sollen höher besteuert werden

Von Corinna Päffgen

Bonn (gtai) – Die neue Präsidentin Chiles hat am 31.3.2014 dem Parlament eine umfassende Gesetzesvorlage zur Reformierung des Steuersystems vorgelegt. Durch die Steuerreform verspricht sich die Regierung Mehreinnahmen von bis zu acht Milliarden US-Dollar bzw. 3% des Bruttoinlandproduktes, die wiederum zur Finanzierung des Umbaus des Bildungsbereichs dienen sollen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Änderungen der Einkommensteuer und Körperschaftsteuer
  • der sogenannte Fondo de Utilidades Tributarias (FUT) wird abgeschafft; der FUT ermöglicht es Unternehmen bisher, die Steuern auf reinvestierte Gewinne zu stunden
  • sukzessive Erhöhung der Unternehmenssteuer von bisher 20% auf 25% in einem Zeitraum von vier Jahren
  • sukzessive Senkung des Spitzensteuersatz natürlicher Personen von derzeit 40% auf 35% in einem Zeitraum von vier Jahren
  • Schaffung von Anreizen für kleine und mittlere Unternehmen
  • die Einordnung von kleinen und mittleren Unternehmen erfolgt nach neuen Maßstäben; bisher durfte der Jahresumsatz 5.000 monatliche Steuereinheiten (Unidad Tributaria Mensual – UTM) überschreiten, nunmehr wird diese Grenze auf 14.500 UTM angehoben
  • KMU bekommen die Möglichkeit, ihre im gleichen Steuerjahr getätigten Investitionen von der Steuer abzusetzen (Regelung soll ab dem vierten Jahr nach Inkrafttreten der Steuerreform anwendbar sein)
  • bei Terminkäufen an große Unternehmen hat der Käufer einen proportionalen Anteil der fälligen Umsatzsteuer mitzutragen; damit soll einem etwaigen Liquidationsproblem entgegengewirkt werden, da die Abführung der Umsatzsteuer einen Monat nach Kauf zu erfolgen hat, die Kaufpreiszahlung hingegen regelmäßig erst nach drei Monaten erfolgt
  • Einführung allgemeiner Missbrauchsvorschriften, die steuerliche Umgehungen durch besondere Steuergestaltungen durch den Steuerpflichtigen und etwaig beteiligte Berater sanktionieren
  • Sonstige geplante Maßnahmen
  • Umsatzsteuerpflicht für alle Transaktionen von unbeweglichem Vermögen vor der Veräußerung an den Endkäufer
  • Erhöhung der Stempelsteuer von derzeit 0,4% auf 0,8% in einem Zeitraum von zwei Jahren
  • Einführung einer jährlichen Steuer auf Kraftfahrzeuge, abhängig nach dem Kraftstoffverbrauch und dem Hubraum des Motors
  • Einführung einer Steuer auf alkoholische Getränke und Einführung einer Tabaksteuer

In Investorenkreisen werden die Pläne mit Skepsis betrachtet, da die Steuererhöhungen zu Hemmnissen von Investitionen und somit zu einer Minderung des Wirtschaftswachstums führen können. Über die aktuellen Entwicklungen werden wir unter http://www.gtai.de/recht berichten.

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