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19.11.2014

Chile verabschiedet Steuerreform

Unternehmen werden höher besteuert / Auslandsinvestitionsgesetz DL 600 wird zum 1.1.2016 abgeschafft / Von Corinna Päffgen

Bonn (gtai) - In Chile wurde am 10.9.2014 vom Parlament die von der Präsidentin eingebrachte Steuerreform verabschiedet. Die wichtigste Steuerreform der letzten 30 Jahre soll bis Ende 2018 umgesetzt werden und Mehreinnahmen von bis zu acht Milliarden US-Dollar bringen (3% des Bruttoinlandproduktes). Mit den zusätzlichen Staatseinnahmen soll vor allem der Umbau des Bildungssektors finanziert werden.

Das Gesetz zur Steuerreform (Reforma Tributaria que modifica el Sistema de Tributación de la Renta e introduce diversos Ajustes en el Sistema Tributario - Ley No. 20.780) sieht u.a. zahlreiche Änderungen im Einkommensteuergesetz (Ley sobre Impuesto a la Renta) und die Abschaffung des Auslandsinvestitionsgesetz DL 600 (Estatuto de la Inversión Extranjera - Decreto Ley No. 600) vor.

Unternehmensbesteuerung

Unternehmen können nunmehr zwischen zwei Abgabemodellen wählen, wobei das gewählte Abgabenmodell für einen Zeitraum von 5 Jahren beizubehalten ist (Art. 1 Gesetz zur Steuerreform, Art. 14 Einkommensteuergesetz).

Bei dem sistema integrado (régimen integrado con atribución de renta) erfolgt keine Unterscheidung dahingehend, ob Gewinne ausgeschüttet werden oder nicht. In diesem Fall wird das Einkommen eines Unternehmens mit einem Steuersatz von 25% (sukzessive Erhöhung von derzeit 20% auf 25% bis 2017) besteuert. Des Weiteren erfolgt eine Besteuerung beim Anteilseigner mit einem progressiven Steuersatz für ansässige Personen in Chile und einem Steuersatz von 35% für ausländische Investoren. Allerdings wird die vom Unternehmen entrichtete Einkommensteuer auf Ebene des Anteilseigners angerechnet. Die Gesamtsteuerbelastung beträgt demnach maximal 35%.

Bei dem sistema semi-integrado (régimen parcialmente integrado de tributación) wird hingegen unterschieden, ob eine Ausschüttung der Gewinne erfolgt oder nicht. Das Unternehmen wird mit einem höheren Steuersatz von 27% (sukzessive Erhöhung von derzeit 20% auf 27% bis 2017) besteuert, auf Ebene des Anteilseigners erfolgt dann erst bei tatsächlicher Gewinnausschüttung eine erneute Besteuerung mit maximal 35%. Die auf Unternehmensebene entrichtete Steuer kann allerdings dann beim Anteilseigner bis zu 65% angerechnet werden. Die Gesamtsteuerbelastung beträgt in diesem Fall maximal 44,45%.

Bei beiden Modellen wird der sogenannte Fondo de Utilidades Tributarias (FUT) zum 1.1.2017 abgeschafft. Unter dem FUT blieben bisher reinvestierte Einnahmen steuerfrei (Art. 14 A Einkommensteuergesetz, Res. Nr. 2.154 von 1991).

Die Erhöhung der Körperschaftsteuer wird, abhängig von der Wahl des Abgabensystems, sukzessive bis 2017 bzw. 2018 auf 25% bzw. 27% erhöht. Für Steuerpflichtige, die für das sistema integrado optieren, erfolgt die Erhöhung stufenweise wie folgt bis 2017: 21% für das Jahr 2014; 22,5% für das Jahr 2015; 24% für das Jahr 2016 und 25% ab dem Jahr 2017 (Art. 1 Gesetz zur Steuerreform, Art. 20 Einkommensteuergesetz).

Für Steuerpflichtige, die für das sistema semi integrado optieren wird die Körperschaftsteuer von derzeit 20% auf 27% bis 2018 sukzessive erhöht. 21% im Jahr 2014; 22,5% im Jahr 2015; 24% im Jahr 2016 und 27% ab dem Jahr 2018.

Der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer für natürliche Personen wird zudem ab dem 1.1.2017 von derzeit 40% auf 35% gesenkt (Art. 1 Steuer zur Steuerreform, Art. 42f. Einkommensteuergesetz).

Unzureichende Kapitalausstattung

Die Möglichkeiten zur Finanzierung von Investitionen mit Fremdkapital werden eingeschränkt. Bisher wurden Zinsen mit einer Quellensteuer von 35% besteuert. Ein ermäßigter Steuersatz in Höhe von 4% kam bei Zinszahlungen zum Tragen, die an ausländische Banken und Versicherungen gezahlt werden. Handelte es sich dabei um verbundene Unternehmen und überstieg die Gesamtverschuldung des Unternehmens das Eigenkapital um das 3-fache, wurde eine zusätzliche Steuer in Höhe von 31% erhoben. Die Besteuerung erfolgte allerdings nicht an der Quelle sondern beim Darlehensnehmer. Neu ist nunmehr, dass sowohl verbundene als auch fremde Unternehmen bei der Ermittlung der Gesamtverschuldung berücksichtigt werden. Die Ermittlung erfolgt dabei auf jährlicher Basis. Besteuert werden die Zinsen und andere Finanzierungskosten (z.B. Provisionen oder Aufwandsentschädigungen) anteilig in dem Maße, wie das Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital von 3:1 überstiegen wird (Art. 1 Gesetz zur Steuerreform, Art. 41 F Einkommensteuergesetz).

Kapitalrückführung

Für den Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2015 können im Inland ansässige oder gegründete Steuerpflichtige (Unternehmen) die Möglichkeit für eine freiwillige Kapitalrückführung nutzen. Dies gilt allerdings nicht für Kapital, das aus Ländern oder Jurisdiktionen stammt, die als "high risk" oder nicht kooperativ in Bezug auf die Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung im Sinne der "Financial Action Task Force on Money Laundering" (FATF - Arbeitsgruppe für finanzielle Maßnahmen gegen Geldwäsche mit Sitz bei der OECD in Paris) gelten. Kapital, das aus den vorgenannten Gebieten stammt, unterliegt einer einmaligen Besteuerung von 8%. Diese Steuer kann nicht mit anderen Steuern verrechnet werden und ist auch nicht abzugsfähig (Art. 24 Übergangsvorschriften Gesetz zur Steuerreform).

Veräußerung von Immobilien

Die Veräußerung von Immobilien von inländischen natürlichen Personen ist bis zu einem Betrag von 8.000 UF (Unidad de Fomento - entspricht ca. 320.000 US-Dollar) steuerfrei. Der darüber hinausgehende Gewinn ist steuerpflichtig und wird mit einer einmaligen Steuer in Höhe von 10% belegt. Findet eine Veräußerung aus einer Erbmasse statt, so kann die Steuer auf die zu entrichtende Erbschaftsteuer angerechnet werden (Art. 1 Gesetz zur Steuerreform, Art. 17 Einkommensteuer).

Abschaffung des DL 600

Das Gesetzesdekret für Auslandsinvestitionen Estatuto de la Inversión Extranjera (Decreto Ley 600) wird zum 1.1.2016 abgeschafft. Die Vorschriften des DL 600 kommen nur bei einem freiwilligem Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Investitionsvertrages zwischen einem ausländischen Investor und dem chilenischen Staat zur Anwendung. Chile wird dabei durch das Komitee für ausländische Investitionen (Comité de Inversiones Extranjeras) vertreten. Durch Abschluss eines Investitionsvertrages werden dem Investor verschiedene Rechte eingeräumt wie z.B. die Festschreibung des Steuersatzes für einen bestimmten Zeitraum und die Garantie der Nichtdiskriminierung gegenüber inländischen Investoren. Neuverträge können ab dem 1.1.2016 nicht mehr abgeschlossen werden, Altverträge genießen Bestandsschutz.

Das abgeschaffte DL 600 soll durch neue Regelungen ersetzt werden. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wird für Anfang 2015 erwartet (Art. 9 Gesetz zur Steuerreform).

Das Gesetz zur Steuerreform wurde am 29.9.2014 im Amtsblatt Diario Oficial veröffentlicht und ist am 1.10.2014 in Kraft getreten.

Siehe auch die GTAI-Rechtsmitteilung vom 9.4.2014: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Recht-Zoll/Wirtschafts-und-steuerrecht/recht-aktuell,did=993102.html

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Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer, Stempelsteuer, Registersteuer

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