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22.03.2017

Oman erzielt höhere Staatseinnahmen durch Steuerreform

Steuerliche Begünstigungen nur noch für KMU und produzierende Gewerbe / Ausländische Dienstleistungen verteuern sich / Von Sherif Rohayem

Bonn (GTAI) - Infolge sinkender Ölpreise verringert sich der einstige Wettbewerbsvorteil der Golfstaaten. Diese schicken sich nunmehr an, konventionelle Einnahmequellen zu erschließen - indem sie etwa Steuern erheben. Allen voran der Oman, der mit den jüngsten Änderungen des Ertragsteuergesetzes bestehende Steuersätze anhebt, steuerliche Vergünstigungen aufhebt und Einkünfte besteuert, die zuvor noch steuerfrei waren.

Unternehmensteuer steigt

Der reguläre Steuersatz für Unternehmen steigt mit den Änderungen von 12% auf 15%. Die Unternehmensteuer gilt für Kapitalgesellschaften, die nach omanischem Recht gegründet wurden, ebenso für Handelsbetriebe von Kaufleuten, schließlich für ausländische Betriebe mit dauerhafter Einrichtung im Oman.

Gleichzeitig wurde der Steuerfreibetrag in Höhe von 30.000 R.O. (circa 73.000 Euro) abgeschafft - ebenso die zehnjährige Steuerbefreiung für Einkünfte aus folgenden Tätigkeiten:

- Produktion,

- Hotelgewerbe,

- Fischerei und Verarbeitung,

- Agrarwirtschaft,

- Export lokal hergestellter oder verarbeiteter Waren,

- Bildungseinrichtungen und

- Gesundheitsdienste.

Lediglich Einkünfte aus Produktionsaktivitäten profitieren von einer fünfjährigen Steuerbefreiung.

Dagegen hat der omanische Gesetzgeber für kleine Betriebe einen Steuersatz von 3% eingeführt. In den Genuss dieses reduzierten Steuersatzes kommen Betriebe, die:

- einzelkaufmännisch oder in der Rechtsform einer Limited Liability Company (vergleichbar einer GmbH) geführt werden,

- deren Kapital zu Beginn des Steuerjahres einen Betrag von 50.000 R.O.(circa 121.700 Euro) nicht überschreitet,

- jährlich nicht mehr als 100.000 R.O. (circa 243.400 Euro) umsetzen,

- nicht mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen und

- unter anderem weder in See- und Luftfahrt noch in der Banken- oder Versicherungsbranche aktiv sind.

Neue Besteuerung ausländischer Dienstleister

Neuerdings erhebt der omanische Fiskus eine zehnprozentige Quellensteuer für technische Dienstleistungen, die ein Betrieb im Oman erbracht hat, ohne dort über eine dauerhafte Einrichtung zu verfügen. Je nachdem welche Dienstleistung erbracht wird, ist davon auszugehen, dass der Dienstleister die Quellensteuer auf seinen Kunden umlegt.

Neu ist ebenfalls die Quellensteuer in Höhe von 10% auf Dividenden, die an ein ausländisches Unternehmen ohne dauerhafte Einrichtung im Oman ausschüttet wird. Möglicherweise gilt diese Dividendenbesteuerung nur für die Aktien einer Joint Stock Company (vergleichbar mit einer AG). Auch neu ist der Quellensteuersatz in gleicher Höhe auf Zinszahlungen an ausländische Unternehmen. Abermals ist damit zu rechnen, dass Kredite teurer werden.

Für folgende weitere Einkünfte ausländischer Unternehmen ohne dauerhafte Einrichtung im Oman fielen schon vor den Änderungen Quellensteuern von 10% an:

- Managementgebühren,

- Forschungs- und Entwicklungsleistungen und

- Gebühren für die Nutzung von Softwarelizenzen.

Auch den Begriff der dauerhaften Einrichtung ist nunmehr weiter gefasst. Musste zuvor noch ein Gebäude, eine Montageeinrichtung, eine Baustelle oder ähnliches vorhanden sein, genügt es nunmehr für die Annahme einer dauerhaften Einrichtung, wenn ein Betrieb über 90 Tage im Oman tätig ist.

Steuerzahler ermitteln ihre Steuerlast selbst

Die jüngsten Änderungen führen für sämtliche Steuerinländer, also omanische und ausländische Betriebe mit dauerhafter Einrichtung im Land, die sogenannte Tax Card ein. Diese Tax Card enthält eine Nummer, die auf jeder Rechnung und jedem Vertrag angegeben werden muss.

Außerdem ermitteln nunmehr die Steuerpflichtigen selbst ihre Steuerlast (Selbstveranlagung). Unternehmen müssen ihre Steuererklärungen künftig auf elektronischem Wege einreichen. Diese wird die omanische Finanzverwaltung stichprobenartig überprüfen.

Vorschriften treten unterschiedlich in Kraft

Der neue Steuersatz von 15% ist am 1.1.17 in Kraft getreten. Die Besteuerung von Dividenden und Zinsen gilt ab dem 27.2.17 - ebenso die fünfjährige Steuerbefreiung für Einkünfte aus Produktion.

Was die Quellenbesteuerung von Einkünften aus technischen Diensten angeht, ist unklar, wann diese in Kraft treten wird. Das liegt daran, dass die Definition von Einkünften, die um Einkünfte aus technischen Dienstleistungen erweitert wurde, erst ab Januar 2018 gelten wird, während die Ausdehnung der Quellenbesteuerung bereits seit dem 27.2.17 in Kraft getreten ist.

Ausgewählte Internetadressen

Arabische Fassung des omanischen Ertragsteuergesetzes Nr. 28/2009 (ohne Änderungen) http://www.mola.gov.om/royals.aspx?page=2

Verordnung Nr. 9/2017 zur Änderung des omanischen Ertragsteuergesetzes Nr. 28/2009 http://www.mola.gov.om/royals.aspx?Gzy=2017

Dieser Artikel ist relevant für:

Oman Körperschaftsteuer, Quellenbesteuerung, Dividendenbesteuerung, Zinsbesteuerung, Lizenzbesteuerung

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Sherif Rohayem

‎+49 228 24 993 367

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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