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17.10.2017

Steuerrecht in Chile

Umsetzung der Steuerreform bis 2018 / Von Evelyn Schmidt (August 2017)

Bonn (GTAI) - In seiner Grundausrichtung ähnelt das chilenische Steuerrecht den entsprechenden Regelungen anderer Staaten. Veröffentlicht werden Gesetze und steuerrechtliche Bestimmungen im Staatsanzeiger "Diario Oficial de la República de Chile". Die Steuerbehörde ist Servicio de Impuestos Internos. Den Berufsstand des Steuerberaters kennt die chilenische Rechtsordnung nicht. Die Beratung wird von Contadores Auditores (Buchhalter/Buchprüfer) sowie von Abogados (Rechtsanwälten) durchgeführt.

Vier Steuerarten wichtig

Das chilenische Steuerrecht besteht aus einem Mischsystem von direkten und indirekten Steuern. Es lässt sich im Wesentlichen unterteilen in Impuesto a la Renta (Einkommensteuer), Impuesto a las Ventas y Servicios (Umsatzsteuer), Impuestos Específicos (Spezielle Verbrauchsteuern) und weitere Steuern. Zu letzteren zählen vor allem Impuesto de Timbres y Estampillas (Stempelsteuer), die auf Dokumente mit Kreditgeschäften erhoben wird. Daneben existieren die Erbschafts- und Schenkungssteuer, die Grundsteuer und die von den Gemeinden erhobenen Patente Municipal (Gewerbeerlaubnis), die sowohl für gewerbliche Geschäftstätigkeiten als auch für die Ausübung freier Berufe gilt.

Alle Steuerpflichtigen, sowohl natürliche als auch juristische Personen oder Zusammenschlüsse, müssen sich im Rol Unico Tributario (Register der Steuerzahler) eintragen lassen und werden durch die RUT (Steuernummer) identifiziert.

Rechtsgrundlagen reformiert

Die wichtigsten steuerrechtlichen Regelungen sind in folgenden Gesetzesverfügungen enthalten: Código Tributario (Abgabenordnung, Nr. 830 vom 27. Dezember 1974), Ley sobre Impuesto a la Renta (Einkommensteuergesetz, Nr. 824 vom 27. Dezember 1974) und Ley sobre Impuesto a las Ventas y Servicios (Umsatzsteuergesetz, Nr. 825 vom 30. November 1976) mit Durchführungsverordnung vom 24. Januar 1977.

Diese Steuergesetze wurden zuletzt durch die Steuerreform mit den Gesetzen Ley 20.780 vom September 2014 sowie Ley 20.899 vom Februar 2016 geändert, insbesondere in der Einkommensbesteuerung wie auch der Umsatzsteuer.

Neue Abgabemodelle eingeführt

In Chile wohnhafte oder ansässige Personen sind mit ihrem Welteinkommen einkommensteuerpflichtig. Dagegen unterliegen die Einkünfte von Personen, die in Chile keinen Wohnsitz haben nur insoweit der chilenischen Einkommensteuer, als sie in Chile erzielt worden sind. In Chile erzielte Einkünfte sind solche, die aus im Land befindlichen Vermögensgütern oder dort ausgeübten Erwerbstätigkeiten erlangt werden. Ausländer, die in Chile einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben, unterliegen in den ersten drei Jahren nach der Einreise nur den Steuern, die auf in Chile erzielte Einkommen erhoben werden.

Das chilenische System der Einkommensteuer unterscheidet zwischen Einkünften aus unternehmerischer Tätigkeit, die mit Impuesto de Primera Categoria besteuert werden und Einkünften natürlicher Personen aus selbständiger und nichtselbständiger Arbeit, deren Besteuerung mit Impuesto de Segunda Categoria erfolgt.

Im Rahmen der Besteuerung der Gewinne aus unternehmerischer Tätigkeit, zu denen vor allem Kapitaleinkünfte und die erwirtschafteten Erträge von Unternehmen des Handels, der Industrie, des Bergbaus und anderer Sektoren zählen, ist seit dem 01. Januar 2017 eines der beiden Besteuerungssysteme Sistema de Renta Atribuida oder Sistema Semi Integrado zu wählen.

Das Sistema de Renta Atribuida rechnet den vom Unternehmen erwirtschafteten Gewinn den Unternehmensteilhabern im gleichen Besteuerungszeitraum zu, in dem er erzielt wurde, unabhängig von den tatsächlichen Gewinnentnahmen durch die Anteilseigner. Auf einer ersten Stufe wird das Einkommen des Unternehmens mit einem Steuersatz von 25 Prozent besteuert (Impuesto de Primera Categoria). Der dem Anteilseigner zugerechnete Gewinnanteil unterliegt der persönlichen Endbesteuerung mit einem progressiven Steuersatz für in Chile ansässige Personen zwischen 0 Prozent und maximal 35 Prozent bzw. einem Steuersatz von 35 Prozent für ausländische Investoren. Hierbei wird die vom Unternehmen bereits gezahlte Einkommensteuer Impuesto de Primera Categoria auf die endgültige Steuerlast angerechnet.

Beim Sistema Semi Integrado bezahlen die Unternehmensteilhaber lediglich Steuern auf diejenigen Gewinne, die sie tatsächlich aus dem Unternehmen entnehmen. Solange keine Entnahmen von Gewinnanteilen oder Dividendenausschüttungen aus dem Unternehmen erfolgen, ruht die Endbesteuerung der Unternehmensinhaber. Der Steuersatz für Impuesto de Primera Categoria auf das vom Unternehmen erzielte Einkommen beträgt in diesem Falle 25,5 Prozent im Jahr 2017 bzw. 27 Prozent ab dem Jahr 2018. Die vom Anteilseigner tatsächlich entnommenen Gewinne unterliegen der persönlichen Endbesteuerung für in Chile ansässige Personen mit einem progressiven Steuersatz zwischen 0 Prozent und maximal 35 Prozent und für ausländische Investoren einem Steuersatz von 35 Prozent . Die vom Unternehmen gezahlte Einkommensteuer Impuesto de Primera Categoria kann bei diesem Besteuerungssystem jedoch nur zu 65 Prozent auf die endgültige Steuerlast angerechnet werden.

Kleine und mittelgrosse Unternehmen können bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen für eine vereinfachte Besteuerung optieren, die unter anderem eine vereinfachte Buchführung ermöglicht und von weiteren abgabenrechtlichen Verpflichtungen befreit. Für einige unternehmerische Aktivitäten, wie zum Beispiel Landwirtschaft, Bergbau sowie Transport, kann bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen eine pauschale Besteuerung der Einkünfte gewählt werden.

Impuesto Único de Segunda Categoría wird erhoben auf Einkünfte, die aus nichtselbständiger Tätigkeit erzielt werden, wie Arbeitslöhne, Gehälter, andere Bezüge und Renten. Im Ausland gezahlte Renten werden in Chile nicht besteuert. Die Steuer ist progressiv gestaltet mit einem Steuersatz zwischen 0 und 35 Prozent. Die Berechnung der Steuer erfolgt auf Grundlage des Bruttoverdienstes abzüglich der Beiträge zu Sozial- und Krankenversicherung. Der Steuerabzug erfolgt monatlich durch den Arbeitgeber beziehungsweise die auszahlende Stelle.

Die persönliche Jahreseinkommensteuer von in Chile wohnhaften oder ansässigen Personen ist Impuesto Global Complementario und wird erhoben auf das steuerbare Gesamteinkommen, das im Rahmen der beiden genannten Einkunftsarten (Primera Categoría und Segunda Categoría) erzielt wurde. Die persönliche Einkommensteuer wird anhand einer Skala mit progressiv steigendem Steuersatz ermittelt. Seit 1. Januar 2017 beträgt der Höchststeuersatz 35 Prozent.

Die im Kalenderjahr erzielten Einkünfte sind im April des Folgejahres in der Einkommensteuerjahreserklärung anzugeben und der errechnete Steuerbetrag zu entrichten. Die Steuererklärung ist online abzugeben (http://www.sii.cl).

Impuesto Adicional wird erhoben auf in Chile erzielte Einkünfte von natürlichen und juristischen Personen, die in Chile weder Wohnsitz noch gewöhnlichen Aufenthalt haben, wenn die Einkünfte aus Chile an die im Ausland ansässige Person transferiert werden. Je nach Einkunftsart unterliegt die Steuer dem monatlichen Steuerabzug oder ist jährlich zu erklären. Sie ist gewöhnlich von der auszahlenden Stelle in Chile einzubehalten und an den Fiskus abzuführen. Dies betrifft auch Honorarzahlungen für Beratungs-, Ingenieur- und Montagedienstleistungen ausländischer Anbieter ohne Wohnsitz in Chile.

Der Regelsteuersatz beträgt 35 Prozent, zum Beispiel für Zahlungen von Dividenden und Gewinnanteilen von selbständigen Tochtergesellschaften und von Zweigniederlassungen ausländischer Gesellschaften. Auch hier wird die vom Unternehmen bereits gezahlte Einkommensteuer auf die endgültige Steuerlast angerechnet entsprechend des Besteuerungssystems des Unternehmens. Abweichend vom Regelsatz von 35 Prozent gelten für einige Einkunftsarten niedrigere Tarife. So werden technische Dienstleistungen, Ingenieursleistungen, Lizenzgebühren für die Nutzung und Verwertung von Software mit einem Steuersatz in Höhe von 15 Prozent belegt.

Einheitlicher Mehrwertsteuersatz

Die Mehrwertsteuer (Impuesto al Valor Agregado) ist die wichtigste Verbrauchsteuer in Chile und beträgt einheitlich 19 Prozent. Steuerbare Umsätze sind die entgeltliche Veräußerung von in Chile befindlichen Wirtschaftsgütern sowie die Erbringung oder Nutzung von Leistungen, die auf der Ausübung einer der im Gesetz aufgeführten Tätigkeiten gegen Entgelt beruhen. Daneben bestehen noch weitere steuerbare Umsätze, wie zum Beispiel der Import, Sacheinlagen an Gesellschaften sowie Entnahmen aus dem Unternehmen. Das Umsatzsteuergesetz stellt einige Umsätze von der Besteuerung frei, wie beispielsweise den Export, und sieht persönliche Befreiungen von der Umsatzsteuer vor. Diese gelten unter anderem für Bildungseinrichtungen und staatliche Krankenhäuser.

Bislang kein Doppelbesteuerungsabkommen

Ein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung zwischen Deutschland und Chile besteht bisher nicht. Ebenso wenig existiert ein Abkommen zur Mehrwertsteuerrückerstattung.

Stand: August 2017

Verfasserin: Rechtsanwältin Evelyn Schmidt, Santiago de Chile, Email: Mail@EvelynSchmidt.cl

Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer, Doppelbesteuerungsabkommen, Vermögensteuer, Grundsteuer, Erbschaftsteuer, Schenkungsteuer, Quellenbesteuerung, Dividendenbesteuerung, Zinsbesteuerung, Lizenzbesteuerung, Stempelsteuer, Registersteuer

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