Freihandelsabkommen

08.03.2019

China setzt weiter auf Freihandelsabkommen

Keine Fortschritte bei Investitionsabkommen mit EU / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - China baut sein Netzwerk internationaler Verflechtungen in Form von Freihandels- und Investitionsschutzabkommen aus. Dabei stehen die Interessen der eigenen Industrie im Vordergrund.

Seit ihrem Beitritt in die Welthandelsorganisation im Jahr 2001 hat die Volksrepublik mit 16 Ländern Freihandelsabkommen geschlossen (einschließlich Hongkong, Macau und Taiwan, die eine Sonderposition einnehmen). Ein weiteres mit den Malediven ist unterzeichnet, aber noch nicht in Kraft. Darüber hinaus laufen 14 Verhandlungen; acht weitere Abkommen werden geprüft. Allerdings seien diese inhaltlich "wenig ambitioniert", sagen Beobachter, um die Märkte nicht stärker zu öffnen, als dies für den erwünschten Schutz der eigenen Firmen zweckdienlich sei.

Bereits abgeschlossene Freihandelsabkommen Chinas
Partnerland/-region Bezeichnung Gültig seit
ASEAN Framework Agreement on Comprehensive Economic Co-operation 01.07.2003
Framework Agreement on Comprehensive Economic Co-operation, Abkommen über Warenhandel 01.01.2005
Framework Agreement on Comprehensive Economic Co-operation, Abkommen über Dienstleistungshandel 01.07.2007
Framework Agreement on Comprehensive Economic Co-operation, Abkommen über Investition 02.2010
Pakistan Agreement on the Early Harvest Programme for the Free Trade Agreement 01.01.2006
China-Pakistan Freihandelsabkommen 01.07.2007
China-Pakistan Abkommen für Dienstleistungsfreihandel 10.10.2009
Chile China-Chile Freihandelsabkommen 10.2006
China-Chile Freihandelsabkommen, Ergänzungen über Dienstleistungshandel 08.2010
China-Chile Freihandelsabkommen, Ergänzungen über Investition 02.2014
Neuseeland China-Neuseeland Freihandelsabkommen 01.10.2008
Singapur China-Singapur Freihandelsabkommen 01.01.2009
China-Singapur Freihandelsabkommen, Upgrade-Abkommen 12.11.2018*)
Peru China-Peru Freihandelsabkommen 01.03.2010
Costa Rica China-Costa Rica Freihandelsabkommen 01.08.2011
Island China-Island Freihandelsabkommen 01.07.2014
Schweiz China-Schweiz Freihandelsabkommen 01.07.2014
Australien China-Australien Freihandelsabkommen 20.12.2015
Korea (Rep.) China-Korea (Rep.) Freihandelsabkommen 20.12.2015
Georgien China-Georgien Freihandelsabkommen 01.01.2018
Malediven China-Malediven Freihandelsabkommen 07.12.2017 *)
Hongkong Closer Economic Partnership Arrangement (CEPA) 29.06.2003
CEPA, Abkommen über Dienstleistungshandel 01.06.2016
CEPA, Abkommen über wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit 28.06.2017
CEPA, Abkommen über Investition 01.01.2018
CEPA, Abkommen über Warenhandel 01.01.2019
Macao Closer Economic Partnership Arrangement (CEPA) 17.10.2003
CEPA, Abkommen über Dienstleistungshandel 01.06.2016
CEPA, Abkommen über wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit 18.12.2017
CEPA, Abkommen über Investition 01.01.2018
CEPA, Abkommen über Warenhandel 01.01.2019
Taiwan Economic Cooperation Framework Agreement (ECFA) 29.06.2010
Cross-Strait Investment Promotion and Protection Agreement 09.08.2012
Cross-Strait Service Trade Agreement 21.06.2013

*) Unterzeichnungsdatum; noch nicht in Kraft getreten

Quelle: MOFCOM

Investitions- und Freihandelsabkommen mit EU in weiter Ferne

Mit der Europäischen Union (EU) gibt es kein Freihandelsabkommen (und deshalb auch nicht mit Deutschland). Die Europäer wollen zuerst mit China ein Investitionsabkommen vereinbaren. Von dessen Zustandekommen machen sie die Aufnahme von Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen abhängig. Dieses Investitionsabkommen soll sowohl den Themenbereich Investitionsschutz (wie Sicherung des Unternehmensvermögens, des Gewinntransfers, Vereinbarung eines Streitschlichtungsmechanismus) umfassen als auch den Bereich Marktzugang für Investitionen. Mit einem baldigen Abschluss ist nicht zu rechnen, zu viele Fragen sind kontrovers.

Deutsche Firmen behelfen sich deshalb zunehmend damit, dass sie, wenn sie im Rahmen einer "China plus 1"-Strategie außerhalb Chinas in anderen asiatischen Ländern zusätzliche Produktionskapazitäten aufgebaut haben, Waren zollfrei oder -vergünstigt von den Unternehmensstandorten dort nach China einführen. Voraussetzung ist dabei natürlich, dass diese Länder bereits ein Freihandelsabkommen mit China abgeschlossen haben. Dies sei besonders in Vietnam, Thailand und Malaysia zu beobachten sowie mit Abstrichen in den Philippinen, weiß Jens Hildebrandt, Delegierter der Deutschen Auslandshandelskammer Beijing

Abkommen befördern Handelsströme

Zwar erfüllen sich mit dem Abschluss eines Freihandelsabkommens nicht immer die hohen Erwartungen. Doch lassen sich vielfach höhere Handelsströme nachweisen.

Stark profitieren konnte beispielsweise Neuseeland. So vervierfachte sich das Außenhandelsvolumen zwischen China und der Insel seit 2008 - dem Jahr des Inkrafttretens des bilateralen Freihandelsabkommens - bis 2018. China bezog 2018 nominal fast das Sechsfache an Waren aus Neuseeland wie 2008. Tatsächlich gilt das Freihandelsabkommen mit seinen neben dem Preisvorteil vereinfachten Einfuhrverfahren als ein wesentlicher Grund für Neuseelands dominante Position für Milch- und andere Molkereiprodukte im chinesischen Markt.

Entwicklung des Außenhandels zwischen China und Neuseeland (in Mrd. US$)
2008 2010 2016 2017 2018
Importe aus Neuseeland 1,9 3,8 7,2 9,4 11,1
Exporte nach Neuseeland 2,5 2,8 4,8 5,1 5,8
Gesamthandel 4,4 6,5 11,9 14,5 16,9

Quelle: Chinesische Zollstatistik

Ebenfalls im Steigen begriffen ist der Handel zwischen China und Australien, wenn auch nicht so ausgeprägt wie bei Neuseeland. Beide Länder haben 2012 ein Freihandelsabkommen unterzeichnet.

Entwicklung des Außenhandels zwischen China und Australien (in Mrd. US$)
2012 2015 2016 2017 2018
Importe aus Australien 84,6 73,6 70,7 94,8 105,5
Exporte nach Australien 37,7 40,3 37,3 41,4 47,3
Gesamthandel 122,3 114,0 108,0 136,3 152,8

Quelle: Chinesische Zollstatistik

Noch nicht ganz so alt ist das Abkommen zwischen China und der Schweiz. Doch auch die Eidgenossenschaft berichtet in ihren Länderinformationen von einer "außerordentlich rasanten" Entwicklung (überdies "dynamischer als der Rest des Schweizer Außenhandels"). Tatsächlich stieg das Außenhandelsvolumen nach Schweizer Statistik zwischen 2014, dem Jahr des Abschlusses, und 2018 um rund 50 Prozent (von 29 Milliarden auf 44 Milliarden Schweizer Franken). Die Schweizer Exporte nach China legten sogar um 75 Prozent zu (von knapp 17 Milliarden auf rund 30 Milliarden).

Deutsch-chinesischer Handel floriert ohne Freihandelsabkommen

Umgekehrt zeigt allerdings das Beispiel Deutschland, dass sich auch ohne Freihandelsabkommen eifrig Handel treiben lässt. Tatsächlich ist auch das deutsch-chinesische Außenhandelsvolumen zwischen 2008 und 2018 nominell um fast 80 Prozent gewachsen; China nahm wertmäßig 2018 fast 90 Prozent mehr Waren ab als 2008. Offensichtlich erleichtert ein Freihandelsabkommen manches - doch es geht auch ohne.

Entwicklung des Außenhandels zwischen China und Deutschland (in Mrd. US$)
2008 2015 2016 2017 2018
Importe aus Deutschland 55,8 87,6 86,1 96,9 106,3
Exporte nach Deutschland 59,2 69,2 65,3 71,1 77,5
Gesamthandel 115,0 156,8 151,4 168,0 183,8

Quelle: Chinesische Zollstatistik

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Handels-, Zollabkommen, WTO, Freihandels-/Zollabkommen, WTO, allgemein

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