Freihandelsabkommen

28.03.2018

Thailand setzt weiter auf Freihandel

Schwerpunkt in Asien / Neustart mit Brüssel / Von Waldemar Duscha

Bangkok (GTAI) - Thailand will seinen globalen Handel intensivieren und weitere Freihandelsabkommen (FTA) abschließen. Bilateral besteht ein dichtes Netz an FTA, hinzu kommen regionale FTA über die südostasiatische Wirtschaftsgemeinschaft ASEAN. Oben auf der Agenda stehen jetzt die Europäische Union und die Regional Comprehensive Economic Partnership. Der Außenhandel ist 2017 deutlich angesprungen und soll 2018 im Import (+24,3 Prozent) wie im Export (+5,5 Prozent) kräftig zulegen.

Ähnlich wie in Berlin und Brüssel werden die amerikanischen Vorboten einer Abkehr vom freien Welthandel und der Rückkehr zum Protektionismus im Königreich Thailand mit Sorge verfolgt. Doch werde das Königreich seine Politik des Freihandels unbeirrt fortsetzen und weitere Abkommen verhandeln, erklärte Auramon Supthaweethum, die Generaldirektorin des Trade Negotiations Department im Handelsministerium unlängst gegenüber der Tageszeitung Bangkok Post.

Den Startschuss in Richtung Freihandel setzte Thailand in Südostasien im Jahr 1992 mit der Unterzeichnung des ersten Free Trade Agreement zur Errichtung der ASEAN Free Trade Area (AFTA). Weitere Freihandels- und Präferenzabkommen wurden in den Jahren 2004 bis 2007 im Asien-Pazifik-Raum mit den Ländern Indien, Australien, Neuseeland und Japan vereinbart. Zuletzt folgte Südamerika mit Peru (2011) und Chile (2015). Die nächsten Anwärter sind Pakistan, Türkei und Sri Lanka.

Die bilateralen FTA werden durch regionale Abkommen der aus zehn Mitgliedern bestehenden ASEAN Economic Community mit China, Japan, Südkorea, Australien/Neuseeland, Indien und Hongkong ergänzt. Das FTA mit Hongkong wurde 2017 unterzeichnet, wird aber voraussichtlich frühestens im Januar 2019 in Kraft treten.

Auf dem Plan steht zudem die Etablierung der im November 2012 beschlossenen Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) für eine intensivere wirtschaftliche Kooperation der ASEAN-Region mit den Ländern China, Indien, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland. Das quantitative Ziel besteht in der Beseitigung der Importzölle auf rund 90 Prozent der Produkte.

Aus thailändischer Sicht verläuft der Prozess der RCEP-Verhandlungen langsamer als erwartet, was mit dem unterschiedlichen Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung der Mitgliedsländer begründet wird. Lägen die Interessen der entwickelten Länder wie Japan, Südkorea oder Australien zuvorderst in der Liberalisierung von Dienstleistungen und dem freien Personenverkehr, widerstrebte Indien wiederum die Öffnung seines Gütermarktes.

Meilenschritt nach Brüssel

Die Vorbereitungen für Gespräche mit der Europäischen Union (EU) seien angelaufen, heißt es aus dem Handelsministerium. Wegbereitend war die Entscheidung des EU Foreign Affairs Council in Brüssel vom letzten Dezember zur Wiederaufnahme des politischen Kontakts auf allen Ebenen, nachdem dieser aus Protest gegen den Militärcoup im Mai 2014 eingefroren wurde. Einige EU-Regierungen wie auch Privatunternehmen aus Thailand und Europa signalisierten bereits ihre volle Unterstützung für ein bilaterales FTA.

Der offizielle Launch der Verhandlungen für ein Thai-EU-Abkommen hat im März 2013 stattgefunden. Das Ziel bestand in einem kompletten Ansatz mit der Einbeziehung von Zöllen, nichttarifären Handelsbarrieren und anderen handelsrelevanten Aspekten wie Dienstleistungen, Investitionen, öffentlicher Beschaffung, intellektuellem Eigentum, Regulierungen, Wettbewerb und nachhaltiger Entwicklung.

Der Fokus Brüssels liegt indes vorläufig nicht auf der Kooperation in Handelsfragen sondern eindeutig auf der humanitären Ebene in der Einhaltung der Menschenrechte, der freien Meinungsäußerung und der Rückkehr auf den Pfad der Demokratie. Der Abschluss des FTA dürfte somit erst nach den nächsten Regierungswahlen erfolgen. Indes sollen die Verhandlungen aber bereits zur Jahresmitte wieder aufgenommen werden, lautete die jüngste Erklärung von Handelsminister Sontirat Sontijirawong und EU-Botschafter Pirkka Tapiola.

Gute Perspektiven für den Handel

Thailands wichtigster Handelspartner ist China, das 2014 Japan von seiner traditionellen Führungsposition im Import ablöste und sich danach mit zweistelligen Zuwachsraten kräftig nach oben katapultierte. Im letzten Jahr 2017 übertraf China mit einem Export von 44,2 Milliarden US-Dollar (US$) die japanische Konkurrenz mit 32 Milliarden US$ bereits um 38 Prozent. Bei Gesamteinfuhren von 222,8 Milliarden US$ bekleidete Deutschland den elften Rang mit 6,1 Milliarden US$ beziehungsweise einem Anteil von 2,7 Prozent.

Im Warenexport prognostiziert der National Economic and Social Development Board (NESDB) für 2018 einen Zuwachs um 6,8 Prozent und setzte sich somit über die Prognose des Thai National Shippers' Council (TNSC) mit 5,5 Prozent. Umgekehrt erwartet der TNSC im Warenimport einen beträchtlichen Zuwachs um 24,3 Prozent, während der NESDB ein Plus um 9,5 Prozent ansetzt. Der TNSC begründet seine hohe Prognose mit der Erwartung bedeutender Zuwächse bei Rohstoffen und Kapitalgütern im Rahmen der neuen Entwicklungsstrategie Thailand 4.0.

Die EU als Region steht in der Außenhandelsbilanz Thailands hinter China, Japan und den USA auf dem vierten Rang. Der bilaterale Handel mit der EU belief sich 2017 laut des Handelsministeriums auf 44,3 Milliarden gegenüber 40,1 Milliarden US$ 2016, was einem Zuwachs um 10,5 Prozent entsprach. Während die EU ihren Export um 13,9 Prozent auf 20, 6 Milliarden US$ steigerte, verbuchte Thailand einen kleineren Zuwachs um 7,5 Prozent auf 23,7 Milliarden US$. Der thailändische Überschuss reduzierte sich damit um gut ein Fünftel auf 3,1 Milliarden US$.

(W.D.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Thailand können Sie unter http://www.gtai.de/thailand abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Informationen zu zollrechtlichen Aspekten in Freihandelsabkommen liefert der Bereich Zoll der GTAI unter http://www.gtai.zoll.de.

Dieser Artikel ist relevant für:

Thailand Außenhandel / Struktur, allgemein, Handels-, Zollabkommen, WTO, Freihandels-/Zollabkommen, WTO, allgemein

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