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29.10.2018

Indonesiens Importe sinken nach Einführung neuer Abgaben

Höhere Steuern auf 1.147 Konsumgüter dämpfen die Nachfrage / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Nur zweieinhalb Wochen nach Umsetzung der Regelung dreht die defizitäre Handelsbilanz wieder ins Plus. Die Regierung will durch Importbeschränkungen die Rupiah-Abwertung dämpfen.

Am 13. September 2018 hatte Indonesien die neben dem Zoll erhobene Importabgabe "Pajak Penghasila - PPh Pasal 22" auf 1.147 Konsumgüter angehoben. Daraufhin sind laut indonesischem Statistikamt BPS die Konsumgütereinfuhren im September um 15 Prozent gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Eine Sprecherin des Statistikamtes erklärte vage, dass die Maßnahme der Regierung Früchte getragen haben könnte. Der Chefökonom der Bank Central Asia (BCA), David Sumual, sagte gegenüber der Jakarta Post etwas deutlicher, dass "die Konsumgüterimporte auch aufgrund der höheren Importabgaben gefallen sind."

So waren die Steuersätze für 218 Produkte, darunter Pflegemittel wie Shampoo, Seife oder Kosmetik sowie Elektronik, von 2,5 auf 10 Prozent angehoben worden. Bei weiteren 210 Produkten im Luxussegment, inklusive großer Motoren und Automobile, waren die Sätze von 7,5 auf 10 Prozent gestiegen. Und auf 719 Produkte, etwa audio-visuelle Elektronikgüter und Textilien, entfallen nun 7,5 anstatt zuvor 2,5 Prozent.

Eine detaillierte Liste der betroffenen Produktgruppen, gegliedert nach HS-Codes, findet sich auf der Website des indonesischen Finanzministeriums (http://www.jdih.kemenkeu.go.id/#/, "Peraturan Menteri Keuangan Nomor 110/PMK.010/2018 tanggal 5 September 2018").

Wie stark der Zusammenhang zwischen Steueranhebung und Importrückgang wirklich ist, wird sich erst in den kommenden Monaten aus den detaillierten Handelsstatistiken herauslesen lassen. Schließlich beeinflussen auch saisonale Effekte, Währungsschwankungen oder Rohstoffpreise die Handelsströme entscheidend.

Rupiah-Schwäche verteuert Importprodukte

Klar scheint aber, dass die indonesische Regierung eine positive Handelsbilanz als Grundlage für solide Staatsfinanzen erzwingen will. Da die heimische Rupiah rapide an Wert verliert, muss schnell gehandelt werden. Importabgaben sind dafür willkommenes Mittel.

Die Rupiah hat zwischen Jahresbeginn und Mitte Oktober 2018 um knapp 15 Prozent gegenüber dem US-Dollar (US$) an Wert verloren. Damit werden die von der heimischen Industrie dringend benötigten ausländischen Vorprodukte teurer. Außerdem gerät der landesweite Infrastrukturausbau, eine Art Markenzeichen der Regierung von Präsident Joko Widodo, in Gefahr. Denn internationale Beratungsleistungen und importierte Baumaschinen sind nun deutlich teurer geworden. Viele Projekte werden sich unter den neuen Voraussetzungen verzögern oder aufgeschoben werden.

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Für 2018 droht ein Handelsbilanzdefizit

Da eingeführte Vorprodukte und Hochtechnologie unverzichtbar sind, fällt der Blick der Wirtschaftsstrategen bei der Beschränkung von Importen auf Konsumgüter. Zwar machen sie weniger als zehn Prozent der Gesamteinfuhren aus. Allerdings sind sie zwischen Januar und Juli 2018 um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Im Gesamtjahr 2017 waren Konsumgüter im Wert von 14,2 Milliarden US$ importiert worden.

Die Regierung Widodo spielt seit ihrer Amtsübernahme im Herbst 2014 auf der Klaviatur des Protektionismus: Der von internationalen Konventionen abweichende nationale Produktstandard SNI, die verschärfte Vergabe von Arbeitsvisa für Ausländer sowie die Erhöhung von Importabgaben sind Vehikel, um heimische Unternehmen vor ausländischer Konkurrenz abzuschirmen. Die Beschränkung der Einfuhren soll gleichzeitig das Sinken der Einnahmen durch den Verfall der Weltmarktpreise für Rohstoffe kompensieren.

Der Erfolg hat sich eingestellt. Seit 2015 hat Indonesien nach drei defizitären Jahren wieder eine positive Handelsbilanz, mit kontinuierlich steigenden Überschüssen. 2018 droht aber wieder ein Defizit. Nach den ersten neun Monaten des Jahres steht ein Minus von 3,8 Milliarden US$ zu Buche. Im Vorjahreszeitraum hatte es einen Überschuss von 10,9 Milliarden US$ gegeben.

Über die Steuererhöhungen für Konsumgüter hat das indonesische Finanzministerium kurzfristig entschieden. Mitte August war von "mehr als 500 Importgütern" die Rede, die durch heimische Produkte ersetzt werden könnten. Wenig später wurde diese Zahl auf 900 angehoben. Am Ende sind 1.147 Produkte betroffen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Zolltarif, -wert, -verfahren, Warenursprung, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein, Außenwirtschaftspolitik, allgemein, Umsatz-/Verbrauchsteuern, Einfuhrnebenabgaben, allgemein

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