Zoll

Basiswissen Einfuhr in Ägypten

Autorin: Andrea Mack (Januar 2018)

Basiswissen Einfuhr in Ägypten bietet deutschen Exporteuren einen kurzen Überblick über die wichtigsten Zoll- und Einfuhrbestimmungen des nordafrikanischen Landes. Es informiert über Einfuhrverfahren, Warenbegleitdokumente, Abgaben sowie Verbote und Beschränkungen.

Freihandelsabkommen und Einfuhrabgaben

Das WTO-Mitglied Ägypten hat mit zahlreichen Staaten weltweit Freihandelsabkommen geschlossen, etwa mit der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA, der Türkei, dem südamerikanischen MERCOSUR und dem afrikanischen COMESA, über den Ägypten in die zukünftige trilaterale Freihandelszone mit der ostafrikanischen EAC und der südafrikanischen SADC eingebunden ist. Mit der Europäischen Union (EU) besteht seit 2004 ein Assoziierungsabkommen, aufgrund dessen nahezu alle Industrieprodukte mit Ursprung in der EU zollfrei in Ägypten eingeführt werden können außer bestimmten Kraftfahrzeugen. Die Einfuhrzölle gegenüber Drittländern betragen bis zu 60 Prozent, nur für einige Produkte wie Kfz, Alkoholika, Tabakwaren werden weitaus höhere Zölle erhoben. Bemessungsgrundlage für den Zoll ist im Regelfall der cif-Wert. Als Einfuhrnebenabgabe fällt die Umsatzsteuer mit einem Normalsteuersatz von 14 Prozent an, der ermäßigte Satz beträgt 5 Prozent. Daneben existieren Sondersätze für verschiedene Warengruppen, die entweder zusätzlich oder anstelle des Normalsatzes erhoben werden. Die Einfuhrabgaben Ägyptens können in der Marktzugangsdatenbank der EU, http://madb.europa.eu/ kostenlos abgerufen werden.

Zollabfertigung

Ausländische Herstellerbetriebe, Inhaber von Handelsmarken und Vertriebszentren von 25 Produktgruppen müssen sich vor dem Warenexport bei der General Organization for Export and Import Control (GOEIC) registrieren. Betroffen sind etwa bestimmte Lebensmittel, Kosmetik- und Pflegeartikel, Haushaltswaren, Baustoffe, Möbel, Haushaltsgeräte, Fahr- und Motorräder, Uhren, Kinderspielzeug, Kleidung, Textilien, Teppiche und Schuhe. Importsendungen sind vorab fristgerecht anzumelden. Die Zollanmeldung kann der Importeur oder ein von ihm beauftragter lizenzierter Zollagent vornehmen. Neben der Abfertigung zum freien Verkehr können Waren auch zu folgenden Zollverfahren angemeldet werden: Versandverfahren (Transit), Zolllager, Frei- und Sonderwirtschaftszonen, vorübergehende Verwendung und Drawback.

Einfuhrlizenzen / Genehmigungen

Einfuhrgenehmigungen der zuständigen Behörden sind erforderlich für lebende Tiere, Pflanzen, tierische und pflanzliche Produkte, Lebensmittel, Betäubungs- und psychotrope Stoffe sowie deren Vorprodukte, Düngemittel und Pestizide, medizinische Geräte bis hin zu Sanitätsartikeln sowie Kraftfahrzeuge. Nur bestimmte Waren dürfen mit einer Genehmigung in gebrauchtem Zustand eingeführt werden. Lizenz- und teils auch Registrierungs- und Marktzulassungsanforderungen bestehen beispielsweise für gefährliche Chemikalien, Saatgut, Düngemittel und Rohstoffe zur Herstellung von Lebensmittelzusätzen und Vitaminen.

Warenbegleitpapiere

Der Zollanmeldung sind folgende Warenbegleitpapiere beizufügen: Lieferauftrag, Frachtpapiere, detaillierte Handelsrechnung, Präferenznachweis, wenn eine Zollvergünstigung in Anspruch genommen werden soll, Ursprungszeugnis, Packliste und je nach Ware sonstige Bescheinigungen wie Konformitätszertifikat, Gesundheitszeugnis oder Freiverkäuflichkeitsbescheinigung. Eine Legalisierung der Handelsdokumente durch die ägyptische Botschaft ist grundsätzlich erforderlich. Dies entfällt in der Regel für Direktlieferungen von Ursprungserzeugnissen der EU, COMESA und GAFTA. 

Etikettierungs- und Kennzeichnungsvorschriften, Verpackung

Für eine Vielzahl von Waren gelten besondere Etikettierungsvorschriften. Hierzu gehören Lebensmittel, pharmazeutische und chemische Erzeugnisse sowie Textilien und Bekleidung. Haushaltsgeräte sind mit einem Energieeffizienzetikett entsprechend den ägyptischen Normen zu versehen. Bei Tafelgeschirr aus Porzellan und Keramikartikeln müssen Ursprungsland und Fabrikname auf jedem einzelnen Stück entweder unter oder in die Glasurschicht gebrannt sein. Holzverpackungen müssen dem IPPC-Standard ISPM Nr. 15 entsprechen.

Einfuhrverbote

Einfuhrverbote bestehen in Ägypten für Waren, die religiöse Gefühle verletzen können, Geflügelteile, Krafträder mit Zweitaktmotoren, Asbest (auch Bremsbeläge), Thunfisch mit gentechnisch behandelten Ölen sowie zahlreiche Pestizide und Chemikalien. Es dürfen grundsätzlich nur neuwertige Waren eingeführt werden. Die Einfuhr von Naturprodukten, Vitaminen und Lebensmittelzusätzen in verarbeiteter Form ist verboten.

Zertifizierung, Normen und Standards

Zahlreiche Konsumgüter (beispielsweise bestimmte Lebensmittel, Kosmetika, Haushaltsartikel, Baustoffe, Möbel, Haushaltsgeräte, Fahr- und Motorräder, Kinderspielzeug, Kleidung, Textilien, Teppiche und Schuhe) unterliegen einem Konformitätsbewertungsprogramm der zuständigen Behörde GOEIC. Beauftragte Inspektionsgesellschaften wie Bureau Veritas, Cotecna, Intertek und SGS prüfen im Exportland, ob die Produkte die in Ägypten geltenden Qualitäts- und Sicherheitsnormen einhalten und bestätigen dies mit einem Konformitätszertifikat. Auch bestimmte Fahrzeugteile und Ersatzteile sind zertifizierungspflichtig (E-Mark). 

Zollbehörde: http://www.customs.gov.eg/
Für weiterführende Informationen lesen Sie bitte unser Merkblatt für gewerbliche Wareneinfuhren - Ägypten

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Andrea Mack

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