Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Branchen | Kasachstan | Automobilsektor

Marktchancen Automobil- und Kfz-Teile-Produktion

Kasachische Produzenten setzen an ihren Montagebändern auf Vielfalt. Bei Pkw überwiegen neben der Marke Chevrolet koreanische und chinesische Modelle.

Von Jan Triebel | Almaty

Kfz-Branche wird als Industriezweig wichtiger

Eine nennenswerte Automobilbranche in Kasachstan gibt es erst seit etwa 2010. Protektionistische Maßnahmen – vor allem höhere Einfuhrzölle – setzten damals dem zuvor kaum regulierten Zustrom von Gebrauchtwagen ein Ende. Seither hat die Branche schrittweise zulegen können. Ihre Bedeutung für das industrielle Gesamtbild bleibt aber weiterhin überschaubar. Im Jahr 2021 trug sie 4,2 Prozent zur Gesamtproduktion des verarbeitenden Gewerbes bei.

Durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine gilt Kasachstan als mögliche Alternative. Es ist jedoch fraglich, ob auch ausländische Fahrzeugbauer, die den russischen Markt verlassen haben, Fahrzeugmontagen nach Kasachstan verlagern werden. Nach Aussage von Regierungsvertretern soll es zwar bereits Gespräche mit Herstellern gegeben haben. Konkrete Zusagen lagen im Herbst 2022 aber noch nicht vor.

Produktionszuwachs trotz Zulieferproblemen

Die Branche steigert ihre Stückzahlen seit einem vor allem abwertungsbedingten Zwischentief in den Jahren 2015 und 2016 kontinuierlich. Im Fokus stehen dabei Pkw. Im Jahr 2021 wurde die Rekordzahl von 80.679 Stück überwiegend an kasachische Kunden ausgeliefert. Trotz Versorgungsproblemen bei wichtigen Halbleitern für Fahrzeuge und dem Neuausrichten von Lieferketten weist die Fertigung auch 2022 weiter nach oben. Im Zeitraum Januar bis August liefen bereits 62.543 Pkw von den Montagebändern - knapp ein Drittel mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Bild vergrößern

Fertigungstiefe nimmt langsam zu

Das Geschäftsmodell der Branchenunternehmen besteht dabei weiterhin in Vor-Ort-Montagen mehrerer Modelle verschiedener ausländischer Marken. Schwerpunkt der Pkw-Fertigung sind die Klein- und Mittelklasse sowie geländegängige Autos. Die Produktpaletten werden regelmäßig den Nachfragetrends angepasst. Für die Absatzbemühungen steht der kasachische Markt eindeutig im Fokus. Ausgewählte Modelle werden mittlerweile auch an Kunden in benachbarten Ländern ausgeliefert.

Im Zuge laufender Anpassungen ihrer Kapazitäten zur Pkw-Montage von Bausätzen mit unterschiedlichem Zerlegungsgrad versuchen die beiden größeren Produzenten  gezielt, die Fertigungstiefe zu erhöhen. Entsprechend werden neben der reinen Montage mittlerweile auch eine Reihe von Fertigungsschritten vor Ort ausgeführt. Dazu zählen in erster Linie ausgewählte Schweißarbeiten für den Karosseriebau und das Lackieren bestimmter im Rohzustand zugelieferter Teile. Betroffen sind bisher aber nur einige wenige Fahrzeugmodelle.

Hauptakteure bei Pkw sind AllurGroup und Astana Motors

Ein wichtiger Akteur der Fahrzeugproduktion ist die AllurGroup, die das Montagewerk SaryarkaAwtoProm in Kostanai betreibt und darüber hinaus in Kasachstan als Händler mehrere internationale Kfz-Marken vertritt. Nach Jahren mit immer wieder wechselnden Produktpaletten fertigt SaryarkaAwtoProm im Segment Pkw aktuell jeweils mehrere Modelle der Marken Chevrolet, JAC und KIA. Partner bei der Chevrolet-Montage ist das usbekischen Unternehmen UzAuto Motors. Neben Pkw werden noch Stadtbusse gemeinsam mit der ebenfalls in Usbekistan beheimateten Firma SamAuto montiert.

Daten zur Kapazität der Werke der AllurGroup sind nicht bekannt. Diese vereinbarte Ende Oktober 2022 mit den Partnern UzAuto und General Motors - Inhaber der Markenrechte für Chevrolet - die Montage eines weiteren Chevrolet-Modells der Pkw-Kleinwagenklasse in Kostanai. Dafür sollen komplett zerlegte Bausätze angeliefert und vor Ort montiert werden. Die vorläufigen Pläne gehen von einer Jahresfertigung von bis zu 30.000 Fahrzeugen des neuen Modells aus.

Zweiter größerer Fahrzeugproduzent im Land ist Astana Motors. Die Unternehmensgruppe unterhält ähnlich wie die AllurGroup ein landesweites Händlernetz für mehrere internationale Kfz-Marken.

Hauptstandbein der Montageaktivitäten von Astana Motors im Großraum Almaty ist das Werk Hyundai Trans Kazakhstan. Dort können derzeit jährlich bis zu 30.000 Pkw der Marke Hyundai vom Band rollen. Ein Ausbau auf bis zu 45.000 Pkw pro Jahr ist im Gespräch.

Für die Mehrzahl der dort montierten Fahrzeuge fällt die Zerlegungstiefe der angelieferten Bausätze recht überschaubar aus. Ein höherer inländischer Wertschöpfungsanteil wird aktuell nur bei zwei Modellen durch bestimmte Schweiß- und Lackierarbeiten erzielt. Der Bau einer eigenen Fertigungsstätte für ausgewählte Kfz-Teile ist geplant. Die lokale Wertschöpfung soll werksübergreifend mittel- bis langfristig auf über 50 Prozent steigen.

Aktuell plant Astana Motors ein weiteres Pkw-Montagewerk für verschiedene Modelle der chinesischen Hersteller Chery, Changan und Great Wall Motor. Der Einstieg in die Montage von jährlich bis zu 90.000 Fahrzeugen soll Ende 2024/Anfang 2025 erfolgen. Dafür werden gezielt Zulieferer von Kfz-Teilen und -Komponenten gesucht.

Mehrere Werke für Busse und Nutzfahrzeuge

Mit Hyundai Trans Almaty unterhält Astana Motors zudem eine Fertigung für mehrere Modelle leichter Nutzfahrzeuge und Busse der Marke Hyundai. Hinzu kommen Stadt-, Schul- und Überlandbusse der chinesischen Marke Golden Dragon sowie Lkw des belarussischen Unternehmens MAZ. Das Werk kann jährlich etwa 10.000 Fahrzeuge montieren.

Kleinere Stückzahlen steuert darüber hinaus SemAZ bei. Dort werden Lkw der chinesischen Marken Shacman und Dongfeng montiert sowie Dongfeng-Busse. Bei Daewoo Bus Kazakhstan fertigt SemAZ zudem Busse gemeinsam mit dem koreanischen Hersteller DaewooBus. Busse stellt zudem QazTehna in Kooperation mit Zhengzhou Yutong Group (China) her.

Zudem unterhält der russische Hersteller von Nutzfahrzeugen KAMAZ mit KAMAZ-Engineering ein Montagewerk für verschiedene Modelle. Dieses wird derzeit um eine Produktion für Gussteile und Getriebe ergänzt.

Die EU hat als Reaktion auf Russlands Krieg gegen die Ukraine auch die Unternehmen MAZ und KAMAZ sanktioniert. Bei möglichen Geschäftsbeziehungen zu diesen sind die jeweils geltenden Sanktionsvorschriften zu berücksichtigen und zu beachten.

Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Kasachstan (in Millionen US-Dollar, Veränderung in Prozent)

2020

Veränderung 2020/2019

aus Deutschland

Veränderung 2020/2019

SITC 778.3 Kfz-Elektrik

48,4

-10,6

0,7

-9,6

SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc.

916,7

32,0

9,7

-14,2

SITC 773.13 Zündkabelsätze

4,2

-16,4

0,1

-8,3

SITC 713.2 Motoren

181,9

42,7

2,1

-50,7

Summe

1.152

30,7

12,6

-23,5

Quelle: UN-Comtrade

nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.