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Markttrends

Die Kfz-Branche soll in Kasachstan noch mehr Gewicht erhalten. Im Fokus steht derzeit die Pkw-Montage. Zulieferbetriebe gibt es hingegen so gut wie keine.

Von Jan Triebel | Almaty

Kfz-Montage hat sich gut etabliert

Die Bedeutung der Automobilbranche für Kasachstan dürfte in den nächsten Jahren zunehmen. Dabei ist sie erst in den vergangenen Jahren schrittweise zu einer der industriellen Stützen einer ansonsten stark von Rohstoffen bestimmten Wirtschaft geworden. Während der Corona-Pandemie erwies sich der Fahrzeugbau mit deutlich zweistelligen Zuwachsraten – Kfz insgesamt 2020: plus 52,5 Prozent; 2021: plus 24,3 Prozent - als einer der Wachstumsträger des verarbeitenden Gewerbes.

Die aktuelle Strategie der Montagewerke setzt vornehmlich auf eine möglichst optimale Auslastung der bereits eingerichteten Fertigungslinien. Dazu wird in erster Linie nach zusätzlichen Vertragspartnern gesucht, deren Modelle für die Montage vor Ort infrage kommen könnten. In letzter Zeit wird auch zunehmend auf den Export der Fahrzeuge in benachbarte Länder gesetzt.

Altersdurchschnitt für Pkw-Bestand immer noch sehr hoch

Kasachstans Bedarf an modernen Kfz ist weiterhin hoch. Für Pkw hat der Altersdurchschnitt in den vergangenen Jahren zwar leicht abgenommen. Das Produktionsjahr für mehr als die Hälfte der im Land zugelassenen Pkw (51 Prozent) lag Anfang September 2022 aber immer noch 20 und mehr Jahre zurück. Der Anteil von Pkw mit einem Alter von bis zu drei Jahren lag lediglich bei knapp 8 Prozent.

Anfang September 2022 waren laut kasachischem Statistikamt knapp 4,4 Millionen Kfz im Land registriert. Pkw bilden mit rund 3,8 Millionen Stück das größte Segment. Hinsichtlich der Antriebsart dominieren bei Pkw Benzinmotoren mit einem Anteil von 89 Prozent. Pkw mit mehr als einer Antriebsart gab es knapp 290.000 Stück, zumeist in der Kombination Benzin und Autogas.

Hoffnung auf mehr lokale Zulieferung

Zu den größeren bekannten Investitionsvorhaben im kasachischen Fahrzeugbau zählt derzeit ein weiteres Werk im Großraum Almaty zur Montage mehrerer Modelle chinesischer Pkw-Marken. Dazu gibt es Pläne, etwa 50 Millionen US-Dollar in eine zusätzliche Montagelinie für ein Chevrolet-Modell in Kostanai zu investieren.

Darüber hinaus blieb ein in der Presse vorausgesagter Zustrom internationaler Kfz-Größen nach Kasachstan bisher noch aus. Mehrere internationale Hersteller beendeten ihr Engagement auf dem russischen Markt in den letzten Monaten als Folge des Ukraine-Kriegs. Ohnehin halten Marktexperten Produktionsverlagerungen größeren Umfangs im Fahrzeugbau nach Kasachstan angesichts der überschaubaren Größe der regionalen Märkte als wenig wahrscheinlich.

Eher zu erwarten sind hingegen Ansiedlungen aus der Zulieferindustrie. Diese fehlt bisher als eigenständige Branche in Kasachstan fast völlig. Es ist aber erklärtes Ziel von Regierung und Initiatoren der Montageaktivitäten, die lokale Fertigungstiefe und somit die Versorgung mit Komponenten und Teilen aus einheimischer Fertigung schrittweise auszubauen.

E-Mobilität hinkt hinterher

Die Nachfrage nach Elektroautos in Kasachstan bewegt sich auf einem niedrigen Niveau. Per 1. September 2022 verfügten lediglich 462 Fahrzeuge laut der amtlichen Statistik im Pkw-Segment über einen ausschließlich elektrischen Antrieb. Darüber hinaus gibt es eine überschaubare Zahl von Hybridelektro-Kfz.

Einer stärkeren Verbreitung von Elektroautos in Kasachstan stehen vor allem das raue Klima, kaum Ladestationen und die vergleichsweise hohen Preise entgegen. Direkte staatliche Kaufsubventionen gibt es nicht. Für Käufer von Elektroautos fällt jedoch die Kfz-Steuer weg – eine Maßnahme, die bisher kaum Wirkung entfaltet hat. Gleiches gilt für eine Befreiung vom Einfuhrzoll in Höhe von 15 Prozent, die für eine bestimmte Menge von Import-Elektroautos gelten soll. Die Gremien der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) - ein Binnenmarkt mit Zollunion der Mitgliedsstaaten Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan und Russland - haben Kasachstan für 2022 und 2023 bis zu 10.000 und 15.000 Elektrofahrzeuge zugestanden, die zollfrei eingeführt werden können.

Das Pkw-Montagewerk SaryarkaAwtoProm führt ein Elektroauto des chinesischen Herstellers JAC in seiner Modellpalette. Verantwortliche des Werkes kündigten Mitte 2022 an, demnächst mit der Montage eines E-Autos der koreanischen Marke Kia beginnen zu wollen. Darüber hinaus will das Montagewerk Hyundai Trans Kazakhstan schon bald ein Modell der koreanischen Marke Hyundai mit Elektroantrieb anbieten.

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