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Digital Health in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Die VAE wollen sich als führende Region für Digital Health positionieren. Die Coronaviruspandemie könnte den Prozess beschleunigen.

Von Heena Nazir | Dubai


  • Digital Health in den VAE: Voraussetzungen und Ziele

    Digital Health in den VAE: Voraussetzungen und Ziele

    Das Ziel der VAE ist der Aufbau einer erstklassigen medizinischen Versorgung durch die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Dafür wurden zahlreiche Strategien veröffentlicht.

    VAE will Zentrum für Digital Health werden

    Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen sich zunehmend als eines der bedeutendsten Gesundheitszentren weltweit etablieren. Um die Effizienz des Gesundheitssystems langfristig zu steigern, sollen Ausgaben gesenkt und vorhandene Mittel effizienter eingesetzt werden. Dabei wird verstärkt auf digitale Lösungen und künstliche Intelligenz gesetzt.

    Rahmendaten zu Digital Health in den VAE
    *) SchätzungQuelle: Internationaler Währungsfonds, UAE Federal Competitiveness and Statistics Authority, Internationale Fernmeldeunion (ITU)

    Indikator

    Letztes verfügbares Jahr

    Bevölkerungsgröße (in Mio., 2020) *)

    9,9

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner (2017)

    2,48

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner (2017)

    1,43

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (US$, 2017)

    1.730

    Anteil der Haushalte mit Internetzugang (in %, 2020)

    99,8

    Mobilfunknutzer/100 Einwohner (2018)

    100

    Im Oktober 2017 wurde eine neue umfassende Strategie rund um das Thema künstliche Intelligenz (KI) veröffentlicht. Der Wüstenstaat hat, als einziges Land weltweit, einen eigenen Minister für KI, Omar Bin Sultan Al Olama. Das Interesse ist eindeutig. Im Bereich Gesundheit ist geplant, chronische und gefährliche Krankheiten mit Hilfe von KI zu minimieren. Wie diese Ziele jedoch erreicht werden sollen, wird nicht konkretisiert.

    Ziele & Strategien: Umfangreiche Pläne angekündigt

    Mit der Strategie „Innvoation Healthcare (IH)“ will das Ministerium für Gesundheit und Prävention (MoHP) die Digitalisierung im Gesundheitswesen stark vorantreiben. Diese ist im Einklang mit der allgemeinen Innovationsstrategie der „UAE's vision 2021“. Viele der rele­vanten Strategien der Regierung befinden sich in einem frühen Stadium. Der Hauptinvestor in Digital Health ist der öffentliche Sektor, dessen finanzieller Handlungsspielraum durch die negativen Auswirkungen der Coronaviruspandemie stark eingeschränkt ist. Eine stärkere Beteiligung des Privatsektors wird ausschlaggebend für die erfolgreiche Umsetzung werden.

    Ziele der Innovation-Healthcare-Strategie sind:

    • Bereitstellung fortschrittlicher technologiebasierter Gesundheits- und Therapiedienstleistungen wie Roboterchirurgie und Telemedizin
    • Entwicklung der Pharma- und Biotechnologieindustrie
    • Entwicklung medizinischer Forschung zur Behandlung von Krankheiten wie Diabetes und Fettleibigkeit
    • Schaffung fortschrittlicher technologischer Systeme zur Verwaltung des Gesundheitssystems
    • Förderung eines gesunden Lebensstils durch den Einsatz intelligenter Technologien zu Präventionszwecken

    Das Emirat Dubai hat neben IH mit der „Dubai Health Strategy 2021“ eine eigene Strategie aufgelegt mit folgenden Zielen:

    • Gewährleistung einer gesunden und sicheren Umwelt für die Menschen in Dubai
    • Gewährleistung der Bereitstellung eines qualitativ hochwertigen, umfassenden und integrierten Gesundheitssystems
    • Verbesserung der Effizienz bei der Gesundheitsversorgung durch Innovation
    • Schaffung einer integrierten Datenbank, die die Politik bei der Entscheidungsfindung unterstützt
    • Schaffung eines effektiven Ökosystems für den Gesundheitssektor in Dubai, in Zusammenarbeit mit dem privaten und öffentlichen Sektor

    Das Gesundheitssystem in den aus sieben Emiraten gebildeten VAE ist dreigeteilt (Dubai, Abu Dhabi, nördliche Emirate) und wird von verschiedenen Aufsichtsbehörden verwaltet. Die oberste Behörde ist das Ministry of Health and Prevention (MoHP) in Abu Dhabi, das übergreifend für die Umsetzung der Gesundheitspolitik zuständig ist.

    Regierungsbehörden im emiratischen Gesundheitssystem
    Quelle: Recherche von Germany Trade&Invest

    Zuständigkeit

    Regierungsbehörde

    Funktion

    Föderale Ebene (Ganz VAE)

    Ministry of Health and Prevention (MoHP)

    MoHP ist die oberste Behörde

    Abu Dhabi (Emirat)

    Department of Health (DOH)

    DoH ist die Aufsichtsbehörde des Gesundheitssektors im Emirat Abu Dhabi

    Abu Dhabi (Emirat)

    Abu Dhabi Health Services Company (SEHA)

    SEHA besitzt und betreibt als Aktiengesellschaft alle öffentlichen Krankenhäuser und Kliniken

    Abu Dhabi (Emirat)

    Musanda

    Musanada koordiniert alle Infrastruktur- und Krankenhausprojekte in Abu Dhabi

    Dubai (Emirat)

    Dubai Health Authority (DHA)

    DHA ist für das Gesundheitssystem von Dubai verantwortlich und unter anderem auch für die Implementierung der Dubai Health Strategy zuständig

    Dubai (Emirat)

    Dubai Healthcare City Authority (DHCA)

    DHCA ist für das Gesundheitswesen der Freihandelszone zuständig

    Nördliche Emirate

    Emirates Health Authority

    EHA ist die Regierungsorganisation, die auch für das Gesundheitswesen der nördlichen Emiraten zuständig ist

    Auf föderalem Niveau beläuft sich das Budget der VAE für Gesundheit im Jahr 2019 auf 1,2 Milliarden US-Dollar (US$) und für das Jahr 2020 ist ein Etat in Höhe von 1,3 Milliarden US$ (+6,9% im Vergleich zu 2019) vorgesehen. Im Rahmen ihrer KI-Strategie beabsichtigen die VAE umgerechnet circa 2 Milliarden US$ zu investieren, Digital Health eingeschlossen.

    VAE setzen auf ausländisches Know-how

    Das Gesundheitswesen in den VAE ist durch viele internationale Kooperationen geprägt. Zahlreiche ausländische Gesundheitsdienstleister betreiben einerseits eigenständige Kliniken in den VAE und unterstützen anderseits lokale Krankenhäuser mit Expertise . Auch im Bereich E-Health setzt man auf ausländische Unterstützung. Internationale Unternehmen wie beispielsweise 3M™ Health Information Systems oder IBM Watson Health entwickeln Softwarelösungen für das emiratische Gesundheitswesen.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Digital Health in den VAE: Rechtlicher Rahmen & Infrastruktur

    Digital Health in den VAE: Rechtlicher Rahmen & Infrastruktur

    Noch haben die VAE kein umfassendes Gesetz für den digitalen Gesundheitsbereich - einige Bestimmungen zum Thema gibt es dagegen bereits.  

    Rechtlicher Rahmen ist ausbaufähig  

    Ein umfassendes Gesetz für Digital Health in den VAE existiert nicht. Eine Reihe von Bestimmungen befassen sich mit diesem Thema. Der Wüstenstaat hat im Jahr 2019 ein Gesetz –  das UAE Federal Law No. 2 of 2019 erlassen – um den Umgang mit elektronischen Patientendaten zu regulieren. Allerdings sind die Bestimmungen sehr lax. Bei Gesprächen von Germany Trade&Invest mit mehreren Ärzten und Anwälten zu der Anwendung des Gesetzes verdeutlichte sich, dass es keine Kontrollen für die Umsetzung gebe und dass die Vorschriften sehr lückenhaft seien.

    Gesundheitsdienstleister müssen sicherstellen, dass die von ihnen verarbeiteten Gesundheitsdaten korrekt und zuverlässig sind. Wesentliche Aspekte des Gesetzes zum Umgang mit elektronischen Patientendaten sind:

    • Gesundheitsdaten dürfen nur mit vorheriger Zustimmung des Patienten und zum Zweck der Erbringung von Gesundheitsdiensten verwendet werden
    • Gesundheitsdienstleister dürfen Patientendaten, ohne vorherige Zustimmung des Patienten, nicht an Dritte weitergeben
    • Gesundheitsdaten müssen durch geeignete Sicherheitsmaßnahmen vor unbefugtem Zugriff geschützt werden.
    • Unternehmen müssen die Sicherheit von Gesundheitsdaten gewährleisten

    Das Gesundheitsministerium von Abu Dhabi hat im Jahr 2013 einen rechtlichen Rahmen für Telemedizin eingeführt. Zugelassene Anbieter dürfen keine Medikamente verschreiben. Hier wird eine Änderung der Gesetzgebung erwartet, vor allem im Hinblick auf Covid-19. In Dubai hatte die Dubai Health Authority  bereits im Jahr 2018 die Gesetzgebung zur Regulierung von Telemedizin geändert. Erstellung von Diagnose und die Ausstellung von elektronischen Rezepten sind eindeutig erlaubt.

    Komplette 5-G-Abdeckung als Ziel

    Im Januar 2020 gab es in den VAE eine knapp 100-prozentige Internetdurchdringung. Mehr als 9 Millionen Menschen nutzen ihre Smartphones, um zu surfen. Die VAE wollen bis 2025 das ganze Land mit einer 5G-Verbindung abdecken.

    Allgemeine Daten zum Internetzugang in den VAE
    Quelle: Global Media

    Indikator

    Benutzung des Internet über mobile Endgeräte (in % der Internetnutzer)

    92,2

    Nutzung von sozialen Medien (in % der Internetnutzer)

    96,9

    Durchschnittliche Breitband-Geschwindigkeit (in Mbps)

    90,6

    Durchschnittliche mobile Geschwindigkeit (in Mbps)

    86,8


    Gesetzgebung zur IT-Sicherheit fehlt 

    Der Networked Readiness Index des Weltwirtschaftsforums ist einer der wichtigsten Indikatoren, um die Ausstattung und Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik eines Landes zu messen. Im Jahr 2019 belegten die VAE Rang 29 von 140 Ländern. Für das regulatorische Umfeld hingegen wurde nur Rang 65 erreicht. Ein Kritikpunkt ist eine fehlende Gesetzesgebung zur IT-Sicherheit. Die VAE wollen daran arbeiten und haben eine nationale Cybersicherheitsstrategie erlassen, bei der ein wichtiges Ziel die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen ist.

    Digitale Patientenakten sind weit verbreitet

    Seit 2008 haben die VAE schrittweise elektronische Systeme für Gesundheitsakten im ganzen Land eingeführt. Dabei variieren die Systeme stark voneinander.

    Im August 2018 unterzeichnete das Department of Health eine Partnerschaftsvereinbarung mit Injazat Data Systems, um ein integriertes System zum Austausch von Gesundheitsinformationen für Abu Dhabi zu entwickeln. Dieses soll mehr als 2.000 Gesundheitsdienstleister aus dem öffentlichen und dem privaten Sektor zusammenbringen.

    Ein Werkzeug für die Evaluierung von IT-Systemen im Klinikbetrieb bietet das Electronic Medical Record Adoption Model (EMRAM) des Unternehmens HIMSS Analytics. Das Bewertungssystem umfasst acht Stufen (0-7), wobei 7 die höchste Stufe darstellt. Bis 2015 hat HIMSS Analytics Middle East allen 11 SEHA-Einrichtungen die Bewertung „Stufe 6“ verliehen. Am 21. März 2019  teilte die Dubai Health Authority mit, dass 12 Krankenhäusern in Dubai von HIMSS Analytics Middle East die Bewertung „Stufe 6“ für das Adoption Model für elektronische Patientenakten verliehen wurde.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Digital Health in den VAE: Marktchancen

    Digital Health in den VAE: Marktchancen

    Die VAE legen viel Wert auf Know-how und ausländische Expertise. Hier ergeben sich unter anderem auch Chancen für deutsche Unternehmen.

    Das Potenzial ist groß

    Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verfügen über ein umfassendes, staatlich finanziertes Gesundheitssystem, das seiner Bevölkerung einen hohen Standard bietet. Die Gesamtausgaben für Gesundheit beliefen sich für das Jahr 2019 auf 14,5 Milliarden US-Dollar (US$) und sollen mit einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 6 Prozent steigen. Diese beinhalten die Ausgaben auf föderalem Level wie auch in den einzelnen Emiraten. Das Wachstum wird auch durch Investitionen in die Digitalisierung vorangetrieben.

    Im Rahmen ihrer Strategie zur künstlichen Intelligenz (KI)  beabsichtigt die VAE, umgerechnet circa 2 Milliarden US$  für eine Vielzahl von Innovationen in unterschiedlichen Sektoren, einschließlich des Gesundheitswesens, bereitzustellen. Laut Angaben des Analyseinstituts Oxford Business Group wurden zwischen 2014 und 2016 bereits 232 Millionen US$ für die Digitalisierung des Gesundheitswesen ausgegeben.

    Bisher ist der öffentliche Sektor die treibende Kraft hinter der Digitalisierung des Gesundheitswesens in den VAE. Der Spielraum der Regierung ist durch den Abschwung der Wirtschaftsleistung infolge der Coronaviruspandemie und des starken Ölpreis-Verfalls eingeschränkt. Kurzfristig gesehen rechnen Branchenkenner sogar mit Verzögerungen bei Digitalisierungsvorhaben.

    Andererseits hat die Coronaviruspandemie die Bedeutung von Digital-Health-Lösungen und -Produkten nochmal stärker hervorgehoben und die Nachfrage enorm gesteigert. Mittel- bis langfristig werden bestehende Initiativen stärker vorantreiben und so die Entwicklung und das Angebot weiterer intelligenter Gesundheitsdienste fördern. Für die erfolgreiche Entwicklung des Sektors bleiben Investitionen aus dem privaten Sektor unvermeidbar.

    VAE wappnen sich gegen Covid-19

    Den letzten verfügbaren Zahlen des  Ministry of Health and Prevention (MoHP) zufolge ist die Anzahl der Krankenhäuser in den VAE zwischen 2012 und 2017 um 45 auf 143 gestiegen. Die Bettenkapazitäten haben sich um 38 Prozent auf 13.312 erhöht. Das Angebot im Bereich der ambulanten Versorgung wurde um 1.491 auf 4.968 Einrichtungen erweitert.

    Humaid Al Qutami, Generaldirektor der Dubai Health Authority, berichtete auf einer Pressekonferenz, dass die VAE Krankenhaus- und Quarantänezentren für die Behandlung von 10.000 Covid-19-Fällen bereitstellen können. Ferner wurde ein Feldkrankenhaus in Dubai eröffnet. Ein weiteres soll dazu kommen und die Bettenkapazität um insgesamt 5.000 Betten erhöhen. Vier weitere Feldkrankenhäuser mit zusätzlichen Bettenkapazitäten von bis zu 5.000 (Stand 29.4.2020) sind in den nördlichen Emiraten errichtet worden.

    Projekte kommen nur langsam voran

    Laut Meed Projects befinden sich Krankenhausprojekte im Wert von 2,6 Milliarden US$ in der Ausführungs- und Planungsphase. In den letzten Jahren sind viele Vorhaben allerdings nur langsam vorangekommen oder sogar ganz ins Stocken geraten.

    Ausgewählte Projekte in der Planungphase (in Mio. US$)
    Quelle: Meed Projects, April 2020

    Projekt

    Nettowert

    Projekt Status

    Geplante Fertigstellung

    Manazel - Mohammed Bin Zayed City:  Medical City

    408

    Design

    2022

    SGHG - Dubai Intergrated Medical City

    200

    Studie

    2022

    Musanada - Medical Rehabilitation Centre at Abu Dhabi

    135

    Design

    2022

    Musanada – Shakhbout City Rehabilitation Center

    100

    Studie

    2023

    DHA - Dubai Hospital Expansion

    79

    Design

    2022

    DHA - Rashid Medical Complex Cardiac Centre

    60

    Studie

    2024

    Musanada - Musaffah Disease Prevention and Screening Center

    50

    Design

    2022

    Virtuelles Krankenhaus in Planung

    Das Gesundheitsministerium arbeitet mit dem Telekommunikationsbetreiber DU zusammen, um das erste virtuelle Krankenhaus der Region zu errichten, berichten Branchenkenner. Eine offizielle Stellungnahme gibt es zurzeit nicht. Eines der Ziele ist, Ärzte und Krankenpflegemitarbeiter Patienten zu Hause oder an einem anderen Ort über intelligente Monitore oder KI-Geräte fernversorgen zu können.

    KI-Anwendungen in Krankenhäusern gehören zum Alltag

    Digitalisierung ist in den VAE keine Zukunftsvision, sondern bereits in vielen Bereichen der Gesundheitswirtschaft etabliert. Schätzungen zufolge soll allein der Markt für 3D-gedruckte Medizinprodukte in Dubai bis 2025 einen Wert von 463 Millionen US$ erreichen. Beinprothesen werden bereits im 3D-Druckerverfahren hergestellt. Ende 2017 stellte das Dubai Hospital einen "Roboterapotheker" vor, der bis zu 35.000 Medikamente lagern und 12 Rezepte pro Minute erstellen kann. KI wird auch zur Früherkennung bei Augenkrankheiten sowie zur radiologischen Bildgebung eingesetzt. Diese können mit 96 prozentiger Sicherheit die diabetische Retinopathie frühzeitig erkennen. KI-Technologie wird auch genutzt, um Tuberkulose in Röntgenaufnahmen des Brustkorbs innerhalb von Sekunden zu diagnostizieren.

    Die emiratische Regierung verfolgt ein ganzheitliches Konzept, wenn es um die Digitalisierung des Gesundheitswesens geht und versucht, diese in so viele Bereiche wie möglich, zu implementieren. Entsprechend gibt es eine Vielzahl von Abnehmern von Digital-Health-Lösungen und –Produkten. Diese reichen von Gesundheitsanbietern wie Krankenhäuser über Praxen und  Krankenkassen bis hin zu Privatpersonen.

    Kosten für persönliche digitale Hilfsmittel (z.B. Wearables) und einige m-Health Applikationen werden immer häufiger von Krankenkassen übernommen. Durch den Ausbruch des Coronavirus wurden telemedizinische Dienste durch die Regierung kostenfrei zur Verfügung gestellt. Über die Initiative Doctor for Every Citizen erhalten Bürger in Dubai rund um die Uhr kostenlose Telemedizin-Beratung. Um eine Konsultation zu buchen, kann der Patient die DHA-App herunterladen oder die gebührenfreie Telefonnummer anrufen und einen Termin buchen. In Abu Dhabi bietet das Telemedicine Center, ein Joint Venture zwischen der Mubadala Investment Company und dem führenden Telemedizinanbieter der Schweiz, Medgate, rund um die Uhr kostenfreie telefonische medizinische Beratung an.



    Von Heena Nazir | Dubai

  • Digital Health in den VAE: Marktzugang und Wettbewerb

    Digital Health in den VAE: Marktzugang und Wettbewerb

    Die hohe Wachstumsdynamik bei Digital Health hat zahlreiche internationale Anbieter von  Produkten und Lösungen in die VAE gelockt. Die Wettbewerbssituation wird härter.

    Ausländisches Know-how ist gefragt

    Um verstärkt ausländische Investoren in die Emirate zu locken, hat die Regierung der VAE bereits Ende 2018 das Gesetz Nr. 19/2018 über ausländische Direktinvestitionen (FDIL) verabschiedet. Das FDIL erlaubt in ausgewählten Sektoren ausländische Beteiligungen an emiratischen Kapitalgesellschaften von bis zu 100 Prozent. Im Juli 2019 folgte eine Positivliste mit Branchen, in denen Ausländer künftig frei investieren dürfen. Auch der Gesundheitssektor zählt dazu. Das Gesetz bezieht sich auf das Staatsgebiet der VAE, auch "Mainland" oder "Onshore" genannt, und nicht auf die Freihandelszonen.

    Die Vermarktung medizinischer Geräte erfordert eine Zulassung durch das Ministry of Health & Prevention. Für die Prüfung ist das Committee on Medical Device Registration zuständig. Das Ministerium hat Zulassungsrichtlinien erlassen, die sich im Wesentlichen an der EU Medical Device Directive (93/42/EEC) und an den Vorschriften der US Food and Drug Administration (US FDA) orientieren. Die Registrierungsrichtlinien unterteilen Medizintechnik in vier Kategorien, die sich ähnlich der EU-Systematik nach dem Risiko der Anwendung richten.

    Wettbewerb wird härter

    Insgesamt kann man festhalten, dass internationales Know-how sehr gefragt ist und das Gesundheitswesen in den VAE durch internationale Kooperationen geprägt wird. Deutsche Produkte gelten als überragend im Hinblick auf Qualität und Technik. Aber die Konkurrenz ist groß. Mit Blick auf digitale Gesundheitsdienstleistungen sind amerikanische IT-Lösungen führend, deutsche Anbieter wie SAP und Siemens sind ebenfalls erfolgreich auf dem Markt vertreten. Produkte aus Asien werden immer beliebter, hier liegt Südkorea vorne. Durch den Abschwung der Wirtschaft, infolge der Coronaviruspandemie könnten die VAE preissensibler werden und kostengünstigere Alternativen  beispielsweise aus China verstärkt vorziehen.

    Einige große internationale Hersteller für digitale Lösungen sind im Markt präsent. IBM und 3M™ Health Information Systems beispielsweise entwickeln Softwarelösungen für das emiratische Gesundheitswesen. Ende 2018 hat die Zulekha Healthcare Gruppe, die verschiedene Krankenhäuser, medizinische Zentren und Apotheken in den VAE und in Indien betreibt, mitgeteilt, dass sie eine Reihe von SAP-Anwendungen einsetzen will, um ihre organisatorische Effizienz zu verbessern.

    Siemens investiert seit 2017 Millionen von Dollar, um seine Präsenz bei Digitalthemen in den VAE zu erweitern. Es sollen Digitalisierungszentren in Abu Dhabi und Dubai entstehen, in denen Anwendungen für verschiedenste Bereiche entwickelt und später kommerziell angeboten werden. Jedes der Zentren ist für ein oder mehrere Marktbereiche zuständig, die über  Pharma bis hin zu Medizintechnik reichen. Die Fertigstellung ist noch für das laufende Jahr 2020 vorgesehen.

    Start-up-Szene sorgt für größere Dynamik           

    Um die wachsende Nachfrage nach digitalen Lösungen zu bedienen und Wertschöpfungspotenziale zu erschließen, werden Start-ups stark gefördert. Im Jahr 2019 wurden in der gesamten MENA-Region Investitionen in 564 Start-ups getätigt. Die Summe beläuft sich auf insgesamt 704 Millionen US$. Circa 60 Prozent der Gesamtinvestitionen in der Region entfallen auf die VAE. Für das laufende Jahr 2020 sollen insgesamt 250 Millionen US$ in technologiebasierte Start-ups fließen, wozu auch Neugründungen im Bereich Digital Health gehören. Im internationalen Vergleich ist das aber noch zu wenig. Es ist wichtig für die weitere Entwicklung, mehr in das Startup-Ökosystem zu investieren, um die Innovationskraft und damit Produktivi­tät der eigenen Wirtschaft zu stärken und weniger abhängig von ausländischer Technologie zu sein.

    Um eine neue Innovationskultur und die Zusammenarbeit im Gesundheitssektor voranzutreiben, startete das Department of Health in Abu Dhabi (DoH) im Jahr 2019 ein neues Forschungslabor, das AI-Lab (AI, Artificial Intelligence). In Dubai gibt es auch ein eigenes AI-Lab. Diese sollen die Entwicklung von Gesundheitslösungen unter anderem durch neue Technologien wie Blockchain, Predictive Analytics und das Internet der medizinischen Dinge (IoMT) fördern. Sie dienen als sichere Plattform für den Austausch zwischen den Regulierungsbehörden, Dienstleistern, Investoren und Technologieunternehmen.

    Ausblick: Offene Kultur für Digitalisierung

    Die VAE bieten ein gutes Geschäftsumfeld für Unternehmen im Bereich Digitalisierung. Die Bevölkerung ist jung, stark vernetzt und verfügt über eine hohe digitale Kompetenz. Die gesellschaftliche Akzeptanz für digitale Lösungen ist entsprechend hoch. Vergleichsweise geringe Datenschutzanforderungen schaffen ein gutes Testumfeld für Unternehmen.

    Das Ziel der Gesundheitspolitik der emiratischen Regierung ist es, sich weltweit als internationaler Hub für Digital Health zu etablieren. Dafür arbeitet der Wüstenstaat immer wieder an  Strategien und jedes Emirat versucht auch individuell die Digitalisierung voranzutreiben. Es gibt zwar wenige regulatorische Hürden, aber die Vielzahl verschiedener Institutionen, die in den Digitalisierungsprozess eingebunden sind, erschwert die Geschäftstätigkeit.

    Der Ausbau von Digitalisierung im emiratischen Gesundheitswesen soll sich über alle Bereiche des Sektors hinweg etablieren. Von beispielsweise Ferndiagnosen durch Telemedizin, verbesserte Diagnosetechnik durch KI bis hin zur Entwicklung von Wearables. COVID-19 wird bestehende Initiativen stärker vorantreiben und so die Entwicklung und das Angebot weiterer intelligenter Gesundheitsdienste fördern. Dabei sind für die erfolgreiche Entwicklung der Digitalisierung des Gesundheitswesens höhere Investitionen aus dem privaten Sektor unvermeidbar.




    Von Heena Nazir | Dubai

  • Kontaktadressen

    Kontaktadressen

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK VAE

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative Gesundheitswirtschaft

    Portal der Exportinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

    AI Minister of State

    Staatsminister, Omar bin Sultan Al Olama

    Ministry of Health & Prevention

    Ministerium für Gesundheit

    Department of Health in Abu Dhabi (HAAD)

    Gesundheitsbehörde für Abu Dhabi

    Abu Dhabi Health Services Company

    Staatlicher Gesundheits-dienstleister

    Dubai Health Authority (DHA)

    Gesundheitsbehörde für Dubai

    Dubai Healthcare City (DHCC)

    Freizone für Gesundheits-dienstleister

    Dubai Startup Hub

    Hisham Al Shirawi, Second Vice Chairman at Dubai Chamber

    Dubai Internet City

    Freihandelszone mit vielen Startup Firmen

    Dubai Future Accelerators

    Regierungsinitiative

    Future Blockchain Summit

    Fachmesse (jährlich)

    AI Everththing

    Fachmesse (jährlich; verschoben auf Juli 2020 in Dubai)

    Arab Health

    Führende regionale Fachmesse (jährlich; zuletzt 27. bis 30.1.20 in Dubai)

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