Branchen | Mexiko | Druck-, Verlagserzeugnisse

Mexikos Druckindustrie stark von Covid-19 betroffen

Die Druckindustrie startete gut ins Jahr, leidet mittlerweile aber in besonderem Maße unter dem Auftragsrückgang im Zuge der Coronakrise.

Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

 

  

  • Druckgewerbe

    Die meisten Segemente der Druckindustrie werden 2020 einbrechen. Die trotz des negativen Szenarios besten Aussichten bietet der Verpackungsdruck (Stand: Mai 2020).

    Allgemeine Markttrends

    Die mexikanische Druckindustrie wird 2020 aufgrund der Coronakrise einen starken Einbruch verzeichnen. Die Pandemie trifft Mexiko in wirtschaftlicher Hinsicht heftig: Die exportorientierte Volkswirtschaft ist stark vom Nachfragerückgang in den USA betroffen, wohin 75 Prozent der Waren gehen. Zudem senkt der niedrige Ölpreis die Einnahmen des staatlichen Ölförderers Pemex erheblich. Gleichzeitig steuert die Regierung unter Präsident Andrés Manuel López Obrador nur verhältnismäßig schwach gegen, so dass viele Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten kommen.

    Bereits 2019 war ein schwaches Jahr für die Gesamtwirtschaft, das Bruttoinlandsprodukt ging um 0,2 Prozent zurück. Dies hatte einen direkten Effekt auf die Nachfrage nach Papier- und Druckausrüstung: Die Einfuhren an Papiertechnik, Papierverarbeitungs- und Druckereimaschinen gingen um 36 Prozent zurück. 2018 hatte es noch eine Steigerung um gut 5 Prozent gegeben. Die Einfuhren spiegeln im Fall Mexikos gut die gesamte Marktentwicklung wider, da der heimische Maschinenbau schwach ausgeprägt ist.

    Den geringsten Rückgang erlebte das Segment der Papierverarbeitungsmaschinen. Hier konnten insbesondere Maschinen zum Herstellen von Papier- und Kartonverpackungen (HS-Codes 8441.20 und 8441.40) gut abschneiden. Die Entwicklung bestätigt einen Trend der letzten Jahre: Die Verpackungswirtschaft entwickelt sich in Mexiko immer mehr zum führenden Bereich der Druckindustrie.

    Auch deutsche Maschinenhersteller verlieren

    Deutsche Anbieter waren ähnlich stark betroffen wie der Gesamtmarkt. Ihre Exporte gingen um 34 Prozent zurück. Besonders stark war der Einbruch im Bereich der Papiertechnik. Selbst die in den vergangenen Jahren stets ansteigenden Importe von Offset-Druckmaschinen (HS-Code 8443.13) nahmen 2019 um rund 25 Prozent ab. Größere Zuwächse gab es ähnlich wie im Fall der Gesamteinfuhren lediglich bei Maschinen zum Herstellen bestimmter Papierverpackungen (HS-Codes 8441.20 und 8441.30). 

    Mexikanische Einfuhr von Druck- und Papiertechnik aus Deutschland (in Millionen US-Dollar; Veränderung in Prozent) *)

    Kategorie

    2017

    2018

    2019

    Veränderung 2019/2018

    Papiertechnik

    15,3

    12,2

    4,2

    -65,8

    Papierverarbeitungsmaschinen

    23,0

    20,0

    17,9

    -10,1

    Druckereimaschinen

    69,1

    84,7

    54,9

    -35,2

    Gesamt

    107,4

    116,9

    77,0

    -34,1

    *) ImporteursdatenQuelle: UN Comtrade

    Zeitungen/Zeitschriften: Digitaltrend setzt sich fort

    Die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften gehen weiter zurück. Nachdem sie bereits 2018 deutlich gesunken waren, deuten auch die Produktionszahlen aus den ersten beiden Monaten 2019 auf einen Rückgang hin. In beiden Fällen lag das Minus gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres bei 12 Prozent. Jüngere Daten des Statistikamts Inegi (Instituto Nacional de Estadística y Geografía) sind derzeit nicht verfügbar.

    Damit scheint sich die Bevölkerung auch in Mexiko von gedruckten Medien abzuwenden. Der Trend war bis 2017 aufgrund der schlechten Internetabdeckung und der niedrigen Verbreitung von Smartphones mit mobilem Internet in ländlichen Gebieten noch weniger ausgeprägt als in den Industrieländern Europas und Nordamerikas. Seit etwa 2018 verringert sich der Rückstand Mexikos allerdings. Der Konsum digitaler Medien wird sich mit der Einführung des 5G-Standards vermutlich weiter verstärken. Entsprechende Netze werden derzeit aufgebaut.

    Lesegewohnheiten verändern sich

    Laut der Leserumfrage des Statistikamts Inegi (Módulo de Lectura – MoLec) vom Februar 2020 informieren sich immer weniger Mexikaner anhand von Medien. Dies gilt nicht nur für gedruckte Publikationen, auch Internetseiten sowie Blogs und Onlineforen werden in die Befragung einbezogen. Demnach sank der Anteil der Bevölkerung von 74 Prozent im Jahr 2016 auf 66 Prozent zum Umfragezeitpunkt 2020.

    Die Präferenz für Druckerzeugnisse nimmt laut der Umfrage seit 2018 überraschenderweise zu. Während 2020 rund 87 Prozent (Zeitschriften) beziehungsweise 91 Prozent (Zeitungen) der Befragten angaben, ausschließlich auf Papier zu lesen, waren es 2018 in beiden Fällen nur etwa 82 Prozent.

    Druckvolumina (in Millionen Stück)

     Produkt

    2015

    2016

    2017

    2018

    Zeitungen

    138,1

    140,6

    157,8

    125,2

    Zeitschriften

    131,9

    101,1

    67,3

    55,6

    Werbedrucke

    153,5

    127,1

    136,8

    120,2

    Bücher *)

    132,3

    109,3

    135,3

    124,5

    Formulare

    4.058,0

    3.669,2

    4.243,7

    5.219,1

    Kalender

    36,6

    64,4

    22,0

    32,2

    Schecks

    2.963,1

    2.831,8

    2.534,6

    2.711,9

    Flyer

    331,1

    337,9

    329,4

    332,9

    Kataloge und Broschüren

    2.967,5

    3.092,2

    2.669,6

    2.604,0

    Poster

    59,7

    54,5

    51,5

    41,7

    Polypropylenfolie (in t)

    6.788

    6.562

    7.575

    7.652

    Pappschachteln

    673,3

    784,9

    730,6

    682,9

    Etiquetten (in Mrd. Stück)

    29,6

    29,7

    29,1

    28,6

    Andere

    702,8

    615,9

    510,1

    728,4

    *) ausgenommen ConalitegQuelle: Statistikamt Inegi

    Werbedruck/Geschäftsdruck/Formulardruck: Schwache Konjunktur sorgt für Rückgänge

    Entsprechend der allgemein schwachen Konjunkturlage dürfte der Werbe-, Geschäfts- und Formulardruck 2019 Einbußen erlitten haben, die sich 2020 weiter fortsetzen werden. In den ersten beiden Monaten 2019 ging das Druckvolumen von Katalogen und Broschüren (-4,4 Prozent), Schecks (-3,3 Prozent) und Flyern (-2,4 Prozent) zurück. In dem Bereich konnten einzig Formulare (+10,3 Prozent) ein positives Ergebnis erzielen.

    Bei Druckarbeiten für Unternehmenskunden müssen sich die Druckereien unterdessen stärker in die Prozesskette ihrer Auftraggeber integrieren. Sie übernehmen vielfach die gesamte Logistik der Drucksachen einschließlich Qualitäts- und Bestandskontrolle. In technischer Hinsicht wird es für die Druckereien wichtiger, die Drucksachen über Clouddienste bereitzustellen, so dass die Kunden selbstständig Änderungen eingeben können.

    Bücher: Auflagen gehen zurück

    Die Bereitschaft zu lesen geht in Mexiko immer weiter zurück. In der MoLec-Umfrage vom Februar 2020 gaben nur noch 41 Prozent der Befragten an, in den letzten zwölf Monaten ein Buch gelesen zu haben. 2015 lag der Wert noch bei 50 Prozent. Beliebteste Themengebiete waren Literatur (42 Prozent) vor Bildung/Weiterbildung (36 Prozent) und Ratgebern (28 Prozent).

    Zudem nehmen E- und Audio-Bücher den gedruckten Exemplaren zunehmend Marktanteile ab (siehe Abschnitt "Verlagsgewerbe"). In den Produktionszahlen von Büchern spiegeln sich die beiden Trends wider. Laut den letztverfügbaren Daten des Verlegerverbands Caniem (Cámara Nacional de la Industria Editorial Mexicana) stieg die gesamte Auflage 2018 zwar, jedoch nur bedingt durch die höhere Nachfrage des staatlichen Schulbuchverlags Conaliteg (Comisión Nacional del Libro de Texto Gratuito) und anderer staatlicher Player. Die Produktion für den freien Markt ging hingegen um knapp 11 Prozent auf 83 Millionen Exemplare zurück.

    Buchauflage in Mexiko (in Millionen Stück)

    Absatzmarkt

    2014

    2015

    2016

    2017

    2018

    Conaliteg

    165

    163

    140

    159

    169

    Produktion des Privatsektors für den Staat *)

    44

    47

    43

    42

    48

    Produktion des Privatsektors für den freien Verkauf

    97

    99

    95

    93

    83

    Gesamt

    306

    309

    277

    294

    301

    *) außer für ConalitegQuelle: Caniem

    Verpackungsdruck und Etiketten: Einbruch hält sich in Grenzen

    Der Verpackungsdruck hat über die letzten Jahre deutlich an Bedeutung gewonnen. "Verpackungen stellen das dynamischste Segment für unsere Industrie", sagt Román López, Präsident des Drucktechnikverbands Anidigraf (Asociación Nacional de Industriales y Distribuidores para la Industria Gráfica). Mittlerweile entfallen rund 36 Prozent der Umsätze der Druckindustrie auf diesen Bereich, so López. Umso schmerzlicher wird der allgemeine Konsumrückgang und die damit verminderte Nachfrage nach Verpackungen die Unternehmen treffen. Die Scotiabank prognostiziert für 2020 ein Minus der privaten Konsumausgaben von 6,6 Prozent.

    Da die Verpackungswirtschaft für viele essenzielle Bereiche wie Lebensmittel, Pharmazeutika und Hygieneprodukte produziert, wird sie jedoch nicht so stark vom allgemeinen Abschwung betroffen sein wie andere Industrien. Mit einem schnellen Aufschwung nach der Coronakrise ist allerdings nicht zu rechnen. Analysten erwarten für 2021 einen Anstieg des Privatkonsums von lediglich 1,5 Prozent.

    Einbindung der Kunden nimmt zu

    In der aktuellen Situation ist es noch wichtiger als zuvor, den Kunden möglichst umfangreiche Dienstleistungen anbieten zu können, wie Román López erläutert: "Wir beobachten, dass sich Druckmaschinenanbieter immer stärker um den gesamten Prozess der Verpackung kümmern." Dazu gehöre insbesondere auch die Logistik.

    Generell ist die Verpackungsindustrie eine wichtige Stütze der mexikanischen Wirtschaft. Laut dem Verpackungsverband AMEE (Asociación Mexicana de Envases y Embalajes) erwirtschaften Unternehmen des Sektors etwa 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Umsatz liegt bei etwa 15,3 Milliarden US-Dollar (US$) pro Jahr. In den vergangenen Jahren legte der Sektor stets um 5 bis 10 Prozent zu und wuchs somit deutlich stärker als die Gesamtwirtschaft. 

    Einige große Verpackungsnachfrager wie Bimbo, Herdez und Pisa haben eigene Druckereien. Auch Familienunternehmen drucken häufig selber, jedoch mit abnehmender Tendenz. Daneben sind große internationale Verpackungsanbieter präsent, unter anderem Graphic Packaging International, Mondi, Sherwood, Smurfit Kappa, Edelmann (Graphopak), Gonçalves und Metrocolor. Mexikanische Verpackungsfirmen sind unter anderem Grupo Gondi und Offset Imprenta (OISA).

    Druck- und Medien-Vorstufe: Prozesse immer integrierter

    Für die Druck- und Medienvorstufe spielen digitale Prozesse eine immer größere Rolle. "Kunden in Mexiko erwarten, dass Planungs- und Bearbeitungsprozesse immer effizienter werden", so Román López. Daher ist es mittlerweile unumgänglich, die kollaborative Bearbeitung via Cloud und anderer Werkzeuge zu ermöglichen. Auch sollten Druckanbieter verstärkt Absatzchancen außerhalb traditioneller Produktlinien suchen. Dazu gehören großvolumige Druckerzeugnisse für den Außeneinsatz (Werbetafeln etc.), die Bedruckung von Fahrzeugen sowie der Textil- und 3D-Druck.

    Besonders starke Wachstumsraten erwarten Marktexperten vom Textildruck. Laut dem Marktforschungsunternehmen Allied Analytics legt das Segment in Mexiko zwischen 2017 und 2023 um rund 18 Prozent pro Jahr zu. Alleine Tinten für den Textildruck werden 2023 einen Umsatz von rund 51 Millionen US$ haben. Die Zuwächse werden hauptsächlich durch Druckwaren für Unternehmen generiert, darunter Fahnen, Banner und Werbemittel.

    Druckweiterverarbeitung/Buchbinderei: Ausrüstungsnachfrage erholt sich

    Nach einem Rückgang 2018 zogen die Einfuhren an Ausrüstung zur Druckweiterverarbeitung 2019 wieder an. Davon konnten auch deutsche Anbieter profitieren, die dem Wert nach 8 Prozent mehr Maschinen und Apparate in Mexiko absetzten. Infolge der allgemein niedrigeren Auflagen gingen die Importe von Buchbindereimaschinen allerdings zurück.

    Die Druckweiterverarbeitung erfolgt in Mexiko aufgrund des niedrigen durchschnittlichen Lohnniveaus noch weitaus stärker manuell als in den Industrieländern Nordamerikas und Europas. Der Bruttomonatslohn lag im Landesdurchschnitt 2019 nur bei rund 720 US$. Jedoch wächst auch hier mittelfristig die Notwendigkeit, stärker zu automatisieren, da insbesondere in den prosperierenden Industrieregionen des Landes die Löhne steigen.

    Mexikanische Einfuhr von Maschinen zur Druckweiterverarbeitung (in Millionen US-Dollar; Veränderung in Prozent)

    HS-Code

    Kategorie

    2017

    2018

    2019

    Veränderung 2019/2018

    8440

    Buchbindereimaschinen

    15,2

    7,4

    6,4

    -13,3

      davon aus Deutschland

    7,0

    1,3

    1,7

    28,8

    8441

    Maschinen und Apparate zur Druckweiterverarbeitung

    242,9

    236,5

    239,4

    1,2

      davon aus Deutschland

    16,0

    18,7

    20,2

    8,2

    Quelle: UN Comtrade



    Marktstruktur/Wettbewerb: Marktkonzentration nimmt zu

    Der Verband Anidigraf geht davon aus, dass Mexiko sowohl dem Wert als auch dem Volumen nach der zehntgrößte Druckmarkt der Welt ist. Bis 2022 wird er sich der Vereinigung zufolge dem Wert nach auf Rang 9 und dem Volumen nach auf Platz 7 vorschieben. Der Umsatz der Druckindustrie liegt bei jährlich rund 16,3 Milliarden US$ und das Volumen bei knapp 1,2 Milliarden A4-Equivalenten.

    Laut Daten des Statsitikamts Inegi existierten in Mexiko 2018 rund 18.900 Druckereien und verwandte Betriebe mit insgesamt 128.280 Mitarbeitern. Drei Jahre zuvor waren es noch 20.750 Firmen. Weniger als 10 Prozent von ihnen beschäftigten mehr als 10 Mitarbeiter. Aufgrund des Konzentrationsprozesses der letzten Jahre sind einige Unternehmen stark gewachsen, was vor allem zu Lasten von mittelgroßen Firmen mit 30 bis 50 Mitarbeitern geschah.

    Die Druckindustrie ist in den Verbänden Canagraf (Cámara Nacional de la Industria de Artes Gráficas) und Uilmac (Unión de Industriales Litógrafos de México) organisiert. Unter den Druckmaschinenanbietern sind alle großen Player über eigene Vertretungen oder über Händler in Mexiko präsent. Von deutscher Seite haben unter anderem Heidelberger, Kurz, Eckart und Kolbus eigene Niederlassungen. Anbieter von Druckmaschinen sind im Verband Anidigraf organisiert.

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Verlagsgewerbe

    Verlegern brechen durch die Coronakrise wichtige Absatzkanäle weg. Das wird den Fokus auf den Onlinehandel noch weiter stärken (Stand: Mai 2020).

    Allgemeine Markttrends

    Der Analysedienst Nielsen BookScan berichtet, dass der Buchverkauf in Mexiko gut in das Jahr 2020 startete, wegen der Coronakrise derzeit aber stark leidet. Bis zur 10. Kalenderwoche wurden 5,1 Prozent mehr Einheiten verkauft als im Vorjahr, der Umsatz stieg um 2,4 Prozent. Zwischen Kalenderwoche 10 und 15 brachen die Verkäufe jedoch ein. In der 15. Kalenderwoche mussten Buchhandlungen und Kaufhäuser landesweit schließen, da sie nicht zu den von der Regierung identifizierten essenziellen Bereichen zählen. Dadurch bleibt dem Buchhandel nur noch der physische Verkauf in Supermärkten sowie der Onlinehandel.

    Die Daten von Nielsen BookScan zeigen, dass durch diese beiden Kanäle nur rund 100.000 Exemplare pro Woche und somit nur etwa ein Drittel des normalen Volumens abgesetzt werden kann. Für die Verlage wirkt sich belastend aus, dass der Onlinehandel insgesamt in Mexiko noch nicht so etabliert ist wie in den Industrieländern Nordamerikas und Europas. Dadurch bleiben die Absatzmöglichkeiten dieses Kanals beschränkt.

    Verlegerverband: Mehr Umsatz, weniger Auflage

    Der Verlegerverband Caniem (Cámara Nacional de la Industria Editorial Mexicana) legte bislang nur Zahlen für das Jahr 2018 vor. Demnach stieg zwar der Umsatz der privaten Verlage in Landeswährung um 4,5 Prozent auf umgerechnet 550,9 Millionen US$. Die Druckauflage nahm aber um knapp 3 Prozent auf 131 Millionen Bücher ab. In den Daten werden nicht die Exemplare des staatlichen Conaliteg-Verlags erfasst.

    Unter den wichtigsten Absatzkanälen hatten 2018 die Lieferungen an den Staat mit 36,3 Prozent der verkauften Einheiten den größten Anteil. Darauf folgten Buchhandlungen (24 Prozent), Schulen (16 Prozent), der Export (6 Prozent) und Kaufhäuser (5 Prozent). Der Verkauf von digitalen Büchern stieg 2018 um 32,7 Prozent, machte aber mit umgerechnet rund 10,2 Millionen US$ weiterhin nur einen kleinen Teil der Gesamtumsätze aus.

    Conaliteg liefert Bücher für Home Schooling

    Wichtige Verleger sind in Mexiko in staatlicher Hand, wie der Verlag für kostenfreie Schulbücher Conaliteg, die Druckerei für staatliche Stellen Talleres Gráficos de México und der Briefmarkenhersteller Talleres de Impresión de Estampillas y Valores. Conaliteg druckt zwischen 20 und 25 Prozent der Publikationen selber in der Druckerei des Staatsunternehmens im zentralmexikanischen Querétaro. Der Rest wird von privaten Druckereien zugeliefert, darunter Santillana, Reproducciones Fotomecánicas, Compañía Editorial Ultra, Litografía Magno Graf und Grupo Gráfico Editorial.

    Für das Schuljahr 2020/2021 gab das Bildungsministerium SEP (Secretaría de Educación Pública) bislang noch keine Informationen darüber bekannt, wie viele Bücher über den Schulbuchverlag Conaliteg bereitgestellt werden. Aufgrund der Coronakrise und der damit verbundenen Schließung von Schulen war Conaliteg Mitte Mai noch damit beschäftigt, Bücher für das Lernen zu Hause zu verteilen. Nach Angaben des Verlags werden rund 11,1 Millionen Schülerinnen und Schüler mit entsprechenden Materialien versorgt. Im Schuljahr 2019/2020 hatte Conaltieg nur rund 178 Millionen Bücher produziert – rund 42 Millionen weniger als zunächst geplant. Die Regierung begründete diesen Schritt mit Sparmaßnahmen.

    Marktstruktur/Wettbewerb: Internationale Player im Land tätig

    Dem Verband Caniem zufolge gab es 2017 rund 227 private Verlage in Mexiko. Zu den großen Häusern zählen Limusa (Noriega Editores), Trillas, Porrúa, Artes de México sowie die internationalen Player Penguin Random House und Santillana. Den Druck vergeben die Verlage an private Druckereien. Santillana verlegt viele Bücher für Conaliteg, für kleine Verlage sind die Einstiegshürden für das Geschäft mit staatlichen Abnehmern aber hoch.

    Rahmenbedingungen: Öffentliche Unterstützung unwahrscheinlich

    Angesichts der Umsatzeinbußen während der Coronakrise drängen die Verleger des Landes auf staatliche Unterstützung. Sergio Mayer, der Vorsitzende der Kulturkommission des Abgeordnetenhauses, brachte Mitte April einen Gesetzesvorschlag über Fördermaßnahmen ein, die dem Kulturbereich zu Gute kommen sollen. Unter anderem schlägt Mayer vor, die Mehrwertsteuer für Buchhandlungen auf 0 Prozent zu senken.

    Die Regierungspartei Morena (Movimiento Regeneración Nacional) lehnt Steuersenkungen für Unternehmen während der aktuellen Krise jedoch mehrheitlich ab, weshalb die vorgeschlagenen Maßnahmen nur geringe Chancen auf Umsetzung haben. Auch eine Initiative der Branchenunternehmen, wonach die Verlagswirtschaft zu den essenziellen Tätigkeiten gezählt werden soll, wird bei der Regierung vermutlich auf taube Ohren stoßen.

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Werbung

    Die Werbeindustrie hatte schon vor Corona einen schweren Stand. Aufgrund der Einsparungen der Werbekunden ist nicht mit einer schnellen Genesung zu rechnen (Stand: Mai 2020).

    Allgemeine Markttrends

    Die mexikanische Werbewirtschaft startete schwach in das Jahr 2020 und erleidet durch die Coronakrise einen zusätzlichen Schlag. Der Branchenanalyst Havas Group geht davon aus, dass die Umsätze der Werbeunternehmen in den Monaten April bis Juni – der Hochzeit der Coronainfektionen in Mexiko – um 15 Prozent einbrechen. Bereits im 1. Quartal des Jahres lagen die Umsätze um 7,4 Prozent unter der gleichen Vorjahresperiode. Dank einer voraussichtlich leichten Erholung in der zweiten Jahreshälfte prognostiziert Havas Group, dass die Umsätze auf das Gesamtjahr gesehen um knapp 8 Prozent zurückgehen werden.

    Marktstruktur/Wettbewerb: Medien unterschiedlich stark betroffen

    Während der aktuellen Coronakrise müssen nicht alle Werbeträger in gleichem Maße Umsetzeinbußen befürchten. Den Einschätzungen der Havas Group zufolge leiden besonders die Ausgaben für Außen- und Kinowerbung, da die Konsumenten diese nur außerhalb ihrer Wohnungen aufnehmen können. Diese Formate sind bis zu sieben Mal stärker betroffen als TV- und Internetwerbung. Die Analysten gehen jedoch davon aus, dass auch Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften überdurchschnittlich stark leiden werden, da diese Medien in der aktuellen Krise weniger gekauft und konsumiert werden.

    Die Werbewirtschaft ist in verschiedenen Verbänden organisiert, darunter der Hauptverband AMAP (Asociación Mexicana de Agencias de Publicidad). Die Internetwerbewirtschaft ist im Verband IAB (Asociación Interactiva en Publicidad) vereint, die AMPE (Asociación Mexicana de Publicidad Exterior) umfasst Unternehmen in der Außenwerbung.

    Werbeausgaben (in Millionen US-Dollar, Anteil an gesamten Werbeausgaben in Prozent)

    Werbeträger

    2017

    2018

    Veränderung 2018/17

    Marktanteil (in % nach Werbeausgaben)

    Fernsehen

    2.434,3

    2.360,3

    -74,0

    55,8

    Zeitungen

    111,8

    110,0

    -1,8

    2,6

    Zeitschriften

    103,5

    101,5

    -2,0

    2,4

    Internet

    687,2

    812,2

    124,9

    19,2

    Rundfunk

    356,0

    376,5

    20,4

    8,9

    Außenwerbung

    364,3

    380,7

    16,4

    9,0

    Kino

    82,8

    88,8

    6,0

    2,1

    Insgesamt

    4.140,0

    4.230,0

    90,0

    100,0

    Quelle: Merca2.0


    Rahmenbedingungen: Werbewirtschaft steht vor doppelter Herausforderung

    Werbeagenturen geben zu bedenken, dass sie derzeit vor einer doppelten Herausforderung stehen: Kurzfristig werden die Werbebudgets der Unternehmen einbrechen, da es sich hierbei um relativ einfach zu realisierende Einsparungen während der Coronakrise handelt. Mittel- und langfristig benötigt die Branche bessere Strategien, um den Wandel hin zu neuen, meist internetbasierten Werbeformen zu begleiten.

    Um die Auswirkungen von Corona möglichst gering zu halten, setzen sich AMAP und andere Verbände gegenüber der Regierung dafür ein, die Wirtschaft allgemein in der aktuellen Situation zu unterstützen. Dadurch werden die Werbebudgets nach dem derzeitigen Einbruch schnell wieder steigen, so die Hoffnung. Zum anderen weist die Werbeindustrie ihre Kunden durch Kampagnen darauf hin, dass Kürzung der Werbebudgets mittelfristig zu einer geringen Bekanntheit der Marke und damit zu geringeren Einnahmen führen.

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

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