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Usbekistan plant 2,7 Milliarden US-Dollar für Abwasserentsorgung

Das zentralasiatische Land bekämpft den enormen Investitionsstau in der Abwasserinfrastruktur. Bis 2025 sollen doppelt so viele Usbeken an das Kanalnetz angeschlossen sein.

Von Uwe Strohbach | Taschkent

Usbekistan will in zahlreichen Städten, Landkreiszentren und städtischen Siedlungen die Abwasserentsorgung umfassend modernisieren beziehungsweise erstmalig in Kanalnetze und in die Abwasserbehandlung investieren. Rund 4,4 Millionen Einwohner sollen in den Jahren 2021 bis 2015 einen Zugang zur öffentlichen Abwasserentsorgung erhalten. 

Extrem wenige Anschlüsse an das zentrale Abwassernetz  

Die Investitionsoffensive ist ein Paradigmenwechsel. Bislang bemühten sich die zuständigen Behörden vorrangig -  mehr oder weniger intensiv - um  eine bessere Trinkwasserversorgung. Das Thema Abwasserentsorgung dagegen haben sie massiv vernachlässigt. Zum 1. Januar 2020 hatten nur 15 Prozent der 33,9 Millionen Usbeken Zugang zum öffentlichen Kanalnetz. Von allen 119 Städten mit insgesamt 17,1 Millionen Bewohnern verfügten lediglich 79 über eine Kanalisation. Ein Viertel des Kanalnetzes ist dringend sanierungsbedürftig. In städtischen Siedlungen und ländlichen Regionen war die Abwasserentsorgung bislang fast kein Thema. In der Nähe von Mehrfamilienhäusern aufgestellte Behelfstoiletten sind in vielen Regionen keine Seltenheit und spiegeln den enormen Nachholbedarf und maroden Zustand in der Abwasserentsorgung bildlich wider.

Verdoppelung der landesweiten Anschlussquote bis 2025 angestrebt  

Das neue Programm für die Abwasserentsorgung sieht Investitionen in einem Volumen von 2,7 Milliarden US-Dollar vor.  Diese sollen in die Modernisierung und den Ausbau des Kanalnetzes fließen. Darüber hinaus ist geplant, die Kapazitäten für die Abwasserreinigung zu erweitern. Der Projektzeitraum erstreckt sich über die Jahre 2021 bis 2025. Ende 2025 sollen 87 Prozent der Bewohner in zentral oder regional verwalteten Städten (Ist 2019: 58 Prozent) und 50 Prozent der Einwohner in Landkreiszentren und städtischen Siedlungen (7 Prozent) an die öffentliche Abwasserentsorgung angeschlossen sein. Die Ziele sind vermutlich zu hoch gegriffen. Aber selbst wenn Quoten von 75 bis 80 Prozent beziehungsweise 35 bis 40 Prozent erreicht werden, wäre das ein großer Fortschritt.

Technologien und Know-how aus dem Ausland gefragt

Die Abwasserentsorgung dürfte sich zu einem interessanten Geschäftsfeld für ausländische Firmen entwickeln. Moderne Technologien, technisches Know-how, betriebswirtschaftliche und organisatorische Kenntnisse ausländischer Unternehmen sind gefragt. Zudem öffnet sich das Land für Betreibermodelle. Die Übergabe der Abwasserinfrastruktur an private Unternehmen auf der Basis von Betreiberverträgen ist zunächst in einigen Städten und in der Provinz Namangan geplant.   

Erster Betreibervertrag nimmt Konturen an

Die Unterzeichnung des ersten Investitions- und Betreibervertrages in der Abwasserentsorgung ist für das Frühjahr 2021 zu erwarten. Dieser umfasst den Bau und Betrieb einer Abwasserbehandlungsanlage (75.000 Kubikmeter behandeltes Abwasser pro Tag) und einer 7,5 Kilometer langen Abwasserleitung in der Provinz Namangan. Das Pilotprojekt wird von der Asiatischen Entwicklungsbank finanziell begleitet. An der Ausschreibung zur Interessensbekundung beteiligten sich 23 ausländische Unternehmen aus elf Ländern, darunter aus der Türkei (acht Firmen), Korea (Rep.; vier Firmen), Frankreich und Großbritannien (jeweils zwei Firmen) sowie Ägypten, Japan, den Niederlanden, Spanien, Russland, den USA und den VAE. Die Bewerbungsfrist für die Präqualifikation endete am 23. November 2020.

Städte investieren mehr als 1 Milliarde US-Dollar in die Kanalisation und Abwasserbehandlung

In die Modernisierung und den Ausbau der städtischen Kanalisationsnetze will Usbekistan 2021 bis 2025 mit Unterstützung von Geberbanken etwa 1,1 Milliarden US-Dollar investieren. Es handelt sich um Vorhaben in 32 Städten, die der zentralen oder regionalen Verwaltung direkt unterstehen und in denen 7,9 Millionen Einwohner leben. Geplant ist der Ausbau des zentralen Abwasserkanalnetzes um 3.606 Kilometer und die Errichtung von Abwasserreinigungsanlagen mit einer Kapazität von 3,39 Millionen Kubikmeter behandelter Abwassermenge pro Tag. Größere Abwasserbehandlungsanlagen erhalten die Städte Taschkent, Namangan, Samarkand und mehrere Standorte in der Provinz Taschkent.  

Projekte für eine modernisierte Abwasserentsorgung in Städten 2021 bis 2025 *)

Stadt

Einwohner (Tausend; 1.1.2020)

Projektwert (Mio. US$) 

Vorgesehene Hauptfinanzierungsquelle

Städte insgesamt

7.862

1.050

Geberbanken, nationaler Fonds für Wasser-/Abwasserprojekte

Dschissach (Jizzax)

170

260

Asian Development Bank/ADB

Buchara (Buxoro)

277

128

Asian Infrastructure Investment Bank/AIIB

Kattakurgan (Kattaqo´rg´on)

86

63

World Bank

Samarkand (Samarqand)

524

60

World Bank

Urgentsch (Urganch)

143

60

Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung/EBWE

Karschi (Qarshi)

264

57

Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung/EBWE

 Nukus

307

39

World Bank

Taschkent (Toshkent)

2.219

37

Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung/EBWE

Gulistan (Guliston)

92

37

Islamic Development Bank

Namangan

597

32

Private Investitionen (geplantes PPP-Projekt)

Kagan (Kogon)

134

26

Asian Infrastructure Investment Bank/AIIB

Schachrisabs (Shahrisabz)

344

25

Agence Française de Développement/AFD

Schirin (Shirin)

16

20

Islamic Development Bank

Andere Städte

2.679

206

Ausländische Geberbanken

*) Stand: 1. November 2020, Änderungen sind möglich Quelle: Ministerium für Kommunalwirtschaft Usbekistans

Etwa 1,7 Milliarden US-Dollar fließen in  Abwasserprojekte in Kreiszentren

In den Siedlungsgebieten außerhalb der zentral und regional verwalteten Städte wird Abwasser bisher kaum entsorgt oder behandelt. Doch eine Wende ist in Sicht. Fast 1,7 Milliarden US-Dollar sollen dort bis 2025 in Abwasserkanäle und Kläranlagen fließen. Das Investitionsprogramm umfasst Projekte in 155 Landkreiszentren, darunter in 79 Städten und 76 stadtähnlichen Siedlungen. Dort leben insgesamt 3,8 Millionen Menschen. Kernelemente der Ausbauinitiative sind die Verlegung von etwa 4.000 Kilometer zentralen Abwasserrohren und der Bau von Abwasserreinigungsanlagen mit einer Kapazität von 720.000 Kubikmeter behandelter Abwassermenge pro Tag. Für viele Vorhaben liegen Finanzierungszusagen von Geberbanken und ausländischen Förderinstituten vor.

Mehrere größere Projekte für die Abwasserentsorgung mit Investitionen von jeweils zwischen 50 Millionen und 100 Millionen US-Dollar sind im dicht besiedelten südlichen Ferganatal (Provinz Fergana/Farg´ona) geplant, darunter in den Städten Bescharik/Beshariq und Yaypan, den Siedlungen städtischen Typs Bagdad/Bag´dod, Ibrat, Yozyovon, Navbahor und Wodil/Vodil sowie in der von Kirgisistan umschlossenen Exklave Soch/So´x (Siedlung Ravon).  

Geplante Investitionen in die Abwasserentsorgung in Landkreiszentren 2021 bis 2025 nach Provinzen 1)

Provinz

Einwohner (Tausend; 1.1.2020 )

Investitionen (Mio. US$) 

Versorgungsgrad Ziel 2025 (in %) 2)

Provinzen insgesamt

3.774

1.653

54 (7)

Fergana (Farg´ona)

394

776

73 (5)

Kaschkadarja (Qashqadaryo)

350

196

69 (3)

Taschkent (Toshkent)

209

131

80 (16)

Andischan (Andijon)

473

117

43 (4)

Buchara (Buxoro)

170

93

53 (2)

Karakalpakstan (Qoraqalpo´iston) 3)

508

83

23 (7)

Namangan

383

62

64 (5)

Nawoi (Navoiy)

117

46

24 (0)

Surchandarja (Surchondaryo)

327

43

78 (4)

Syrdarja (Sirdaryo)

117

40

54 (9)

Samarkand (Samarqand)

293

35

58 (5)

Choresm (Xorazm)

251

20

32 (10)

Dschissach (Jizzax)

184

12

40 (23)

1) Städte und städtische Siedlungen, Stand: 1. November 2020, Änderungen sind möglich; 2) Anteil der Einwohner mit Zugang zur öffentlichen Abwasserentsorgung in %, Angaben in Klammern: 2019; 3) Autome Republik KarakalpakstanQuelle: Ministerium für Kommunalwirtschaft Usbekistans

 

Weitere Informationen: 

4 Milliarden US-Dollar für Usbekistans Trinkwasserversorgung

Internationale Gelder für Wasser- und Abwasser verdreifacht


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