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Usbekistan reformiert Grundversorgung im Gesundheitswesen

Die Regierung startet ein neues Reform- und Ausbauprogramm für die medizinische Primärversorgung. Umstrukturierte und neue Kliniken sollen bessere medizinische Leistungen erbringen. 

Von Uwe Strohbach | Taschkent

Die zentralasiatische Republik Usbekistan intensiviert ihre Bemühungen für die Errichtung eines leistungsfähigen und flächendeckenden Netzes für die medizinische Grundversorgung. Ein im November 2020 von der Regierung bestätigter Aktionsplan umfasst eine Fülle von Maßnahmen für den quantitativen und qualitativen Ausbau dieses Gesundheitssektors. Der Plan sieht eine kräftige Ausweitung ärztlicher Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen sowie eine deutliche Verbesserung der medizinischen Betreuung von schwerkranken und hilfsbedürftigen Menschen vor.

Reformplan: Mehr als 400 neue Arztpraxen vorgesehen

Die  jetzt weiter konkretisierte Reform für die medizinische Primärversorgung verfolgt hauptsächlich zwei Ziele: eine massive Stärkung des Hausarztprinzips in allen Landesteilen und die Modernisierung von Praxisgemeinschaften und Polikliniken für die allgemeine und fachärztliche Versorgung in Städten und ländlichen Regionen. Der Umfang, die Art und der Ort der medizinischen Grundversorgung, einschließlich der Vorsorge einzelner Bevölkerungsgruppen, soll an der gesundheitlichen Verfassung, dem Erkrankungsrisiko und dem Alter der Patienten ausgerichtet werden, heißt es in dem Plan.

Alle bestehenden ländlichen Arztpraxen sollen ab Anfang 2021 zu Hausarztpraxen und die Polikliniken zu Hausarztpolikliniken, sogenannten Familienkliniken, umstrukturiert werden. Außerdem ist vorgesehen, in den Jahren 2021 bis 2023 weitere 315 Hausarztpraxen und 85 Familienkliniken zu errichten. Davon sieht der Plan 52 in den ländlichen Regionen und 33 in den Städten vor. Die Projekte werden voraussichtlich aus dem Staatshaushalt, regionalen Haushalten, internationalen Krediten sowie Zuwendungen aus dem In- und Ausland finanziert.

Ausgewählte Kenndaten des Gesundheitswesens in Usbekistan

Kennziffer

2017

2018

2019

Anzahl der Krankenhäuser

1.135

1.165

1.205 1)

Anzahl der Betten (in 1.000)

135,7

153,6

153,4 2)

Anzahl der Betten auf 10.000 Einwohner

41,6

46,6

45,2

Anzahl der behandelten Patienten (in Mio.) 

6,0

6,2

6,2

Anzahl der Ambulatorien und Polikliniken

5.296

5.627

5.955

Anzahl der Ärzte (in 1.000)

85,4

89,8

91,9

Anzahl der Ärzte auf 10.000 Einwohner

26,1

27,2

27,1 3)

Anzahl der Einwohner pro Arzt

382

367

369

1) nichtstaatlicher Sektor: 575; 2) nichtstaatlicher Sektor: 18,7 ; 3) Hauptstadt Taschkent: 80,8 (alle anderen Regionen: etwa 20,0 bis 30,0) Quelle: Ministerium für Gesundheitswesen Usbekistans

Ausländische Geber finanzieren Projekte

Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) unterstützt ein schon länger laufendes Projekt für die Errichtung von bis zu 800 Familienkliniken mit einem Kredit über 45 Millionen US-Dollar (US$). Die Umsetzung startete aber erst im Jahr 2020. Gelder fließen in die Beschaffung von Ultraschallgeräten, Elektrokardiografen, Geräten für die Augenheilkunde, die Stomatologie, Gynäkologie und Chirurgie, medizinische Möbel und Computertechnik.

Des Weiteren unterstützt die ADB die Qualifizierung des medizinischen Personals und zum Teil auch die medizintechnische Ausstattung regionaler medizinischer Mehrprofilzentren. Für das Projekt stehen jedoch nur noch 25 Millionen US$ zur Verfügung. Knapp 20 Millionen US$ wurden für den Kauf von Ausrüstungen und Materialien zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eingesetzt.

Künftig soll es Familienkliniken in allen Landkreisen und Städten geben. Angestrebt wird eine Versorgungsdichte von 10.000 Einwohnern pro Klinik. In die Finanzierung der medizintechnischen Ausstattung von 150 medizinischen Objekten in abgelegenen und schwer zugänglichen Landesteilen sollen Gelder aus einem Kredit der Korea Eximbank fließen. Die Bank sagte Ende 2019 ein Darlehen über 74 Millionen US$ zu.

Staat weitet Vorsorgeuntersuchungen kräftig aus   

Ab Januar 2021 haben mehr Menschen Anspruch auf Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen. Das gilt vor allem für die Früherkennung möglicher Risiken von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Hypertonie, Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes. Anspruchsberechtigt sind Personen ab 40 Jahren.

Geplant ist die Einführung und Ausweitung regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern im Alter von bis zu fünf Jahren, bei Frauen während der Schwangerschaft und bei Frauen ab 35 Jahren. Ab 2020 soll es einen flächendeckenden Neugeborenen-Hörtest geben. Zurzeit läuft in allen Geburtshäusern der Hauptstadt Taschkent ein Pilotprojekt für das Hörscreening von Neugeborenen. Intensivierte Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern sollen dazu beitragen, dass die Kindersterblichkeit von aktuell 13,1 Todesfällen bis 2023 auf nur noch 6,5 Todesfälle je 1.000 Lebendgeburten sinkt.  

Konzept für Palliativmedizin in Vorbereitung

Zu den Reformen im Gesundheitswesen zählen auch die Entwicklung eines landesweiten Netzes für Palliativmedizin. Die Ausarbeitung eines mittelfristigen Konzepts ist bis Anfang Mai 2021 geplant. Nach der Bestätigung durch die Regierung soll es ab Mitte 2021 schrittweise umgesetzt werden. Vorgesehen sind zahlreiche neue Palliativstationen in Kliniken und andere medizinische Einrichtungen sowie Hospize. Ein bereits im Oktober 2018 verabschiedeter Präsidialerlass über die Palliativbehandlung von unheilbar Kranken und die Errichtung von Hospizen blieb größtenteils Makulatur, da hierfür eine klare Strategie fehlte.

Gesundheitsverwaltung will moderne Technologien einsetzen

Usbekistans zentrale und regionale Gesundheitsämter sowie andere einschlägige öffentliche Institutionen sind heute mehr denn je angehalten, die Implementierung neuer medizintechnischer Geräte und moderner Behandlungsmethoden voranzutreiben. Zu den jüngsten Beschlüssen über die Modernisierung der Verwaltungsstruktur des Gesundheitswesens zählen neue Verantwortungsbereiche im Gesundheitsministerium und in der dem  Ministerium unterstehenden Hauptverwaltung für das Gesundheitswesen der Hauptstadt Taschkent.

Stellvertretende Minister und der Leiter der Hauptverwaltung sind jetzt verstärkt dafür zuständig, dass neueste Technik und Behandlungsmethoden im usbekischen Gesundheitswesen beschleunigt eingesetzt werden. Die Behörden setzten auch verstärkt auf Kooperationen mit ausländischen Partnern. Alle medizinischen Einrichtungen sollen schrittweise internationalen Standards entsprechen. 

Lesetipp: Bericht "Mehr Privatwirtschaft soll Gesundheitssektor Schub verleihen" - Usbekistans Gesundheitsreform setzt auf mehr private Engagements und fokussiert den Ausbau der Notfallmedizin. Ausländische Partner sind stark gefragt. 
 

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