Branchencheck | Côte d'Ivoire

Wahljahr mit Chancen und Risiken

Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2020 und 2021 sind für Côte d’Ivoire eine Nagelprobe.  Die Corona-Pandemie und der Ölpreisverfall gefährden ebenfalls den Aufschwung.

Von Wolfgang Karg | Bonn

Côte d‘Ivoire zählt aktuell zu den erfolgreichsten Ökonomien in Afrika. Das Land hat die Bürgerkriegswirren zwischen 2002 und 2008 hinter sich gelassen. Mit einer durchschnittlich Wachstumsrate von 8,6 Prozent zwischen 2012 und 2018 zählt es zu den dynamischsten Ländern der Welt. Im regionalen Vergleich ist die ivorische Wirtschaft breit aufgestellt. Landwirtschaft (Kakao, Kaffee, Kautschuk), Bergbau (Gold) sowie Öl- und Gasförderung sind die wichtigsten Branchen. Die Ansiedlung von mehr Industrie ist angestrebt. Das Investitionsklima gilt als gut. Die Elfenbeinküste ist Tor zum frankofonen Westafrika mit mehr als 110 Millionen Menschen. Wegweisend werden die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 sein. Amtsinhaber Alassane Ouattara hat im März 2020 angekündigt, nicht erneut zu kandidieren.


  • Bergbau

    Bergbau


    Goldproduktion steigt rasant

    In der Elfenbeinküste wurden 2019 rund 32 Tonnen Gold gefördert, gegenüber 24 Tonnen im Vorjahr. Von mehr Investitionen und dadurch steigender Nachfrage im Maschinen- und Anlagenbau ist auszugehen. Die Regierung will auch mehr Geld in die Aus- und Fortbildung im Bergbau stecken, denn es mangelt an qualifiziertem Personal. Im Februar 2020 wurde in Daoukro die vierte Schule für Bergbau eröffnet, nach Bozi, Katiendé und Loboville. Die Regierung will sechs weitere Berufsschulen errichten. Ziel sei es, etwa eintausend Bergleute im Jahr auszubilden.

  • Energiewirtschaft

    Energiewirtschaft


    Verdoppelung der Stromerzeugung bis 2030

    2019 verfügte Côte d’Ivoire über eine installierte Stromkapazität von 2.200 Megawatt. Rund 85 Prozent des Stroms erzeugen Gaskraftwerke und etwa 15 Prozent Wasserkraftwerke. Bis 2030 wird eine Verdreifachung der Stromproduktion angestrebt. Das Land exportiert 11 Prozent seines durch Öl-, Gas- und Wasserkraftwerke erzeugten Stroms in Nachbarländer. Das Gaskraftwerk Azito (Globeleq/UK) soll ausgebaut werden. Trotz Kontroversen hält das Land am Bau eines Kohlekraftwerks durch PowerChina in der Hafenstadt San Pedro bis 2024 fest. Die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien soll mit Hilfe der KfW Entwicklungsbank bis 2030 verdoppelt werden. Mehrere Solar- und Biomasse-Kraftwerke sind in Planung oder im Bau.

  • Bauwirtschaft

    Bauwirtschaft


    Boom auf umkämpftem Markt

    Die Bauwirtschaft in den größeren Städten des Landes wächst weiter kräftig. Von Sozialwohnungen über Wohnviertel für die Mittelklasse bis hin zu Luxusvillen reicht die Bandbreite. Die Nachfrage nach Produktionsstätten und Büroraum übersteigt das Angebot. Straßen, Hafenanlagen und Krankenhäuser werden modernisiert und ausgebaut. Neben französischen Unternehmen (Bouygues baut die neue Metro in Abidjan) sind marokkanische und chinesische besonders aktiv. Chinesen bauen auch das Prestigeobjekt eines Yachthafens in Abidjan. Deutsche Unternehmen haben Chancen mit dem richtigen Partner vor Ort.

  • Gesundheitswirtschaft

    Gesundheitswirtschaft


    Viel Geld im Wachstumsmarkt

    Bis 2024 will die Regierung umgerechnet 2,4 Milliarden Euro in den Ausbau des Gesundheitssektors stecken. Die französische Entwicklungsagentur (AFD) hat 100 Millionen Euro für die Sanierung von Krankenhäusern in und um Abidjan zugesagt. Die österreichische Vamed, eine Tochter der deutschen Fresenius-Gruppe, erhielt den Zuschlag zum Bau eines Krankenhauses in der Region Man. Investoren aus Marokko und Tunesien planen im Land Pharmazeutika zu produzieren. Das Startup authentic.network aus Chemnitz hat in Côte d’Ivoire ein Pilotprojekt zum Kampf gegen Medikamentenfälschung aufgelegt.

    Von Wolfgang Karg

  • Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei


    Licht und Schatten

    Côte d’Ivoire ist der größte Kakaoproduzent der Welt und belegt Platz zwei bei Cashewnüssen. Weitere wichtige Exportgüter sind Baumwolle, Kautschuk, Palmöl und Robusta-Kaffee. Die Regierung forciert den Aufbau von Wertschöpfungsketten im Land. Unternehmen erhalten zum Teil neben Subventionen eine Befreiung von Zöllen und Mehrwertsteuer auf die Einfuhr von Ausrüstung und Ersatzteilen. Zusammen mit Ghana erhebt Côte d’Ivoire seit Ende 2019 eine Sonderabgabe (Différentiel de revenu décent) auf Kakao von 400 US-Dollar (US$) pro Tonne. Die Abgabe soll direkt an die Landwirte ausgezahlt werden, um deren Lebensbedingungen zu verbessern.

  • Pkw- und Nfz-Markt

    Pkw- und Nfz-Markt


    Modernisierung der Fuhrparks angestrebt

    In der Côte d’Ivoire wurden zuletzt jährlich rund 10.000 Neuwagen verkauft und schätzungsweise 70.000 gebrauchte Autos gehandelt. Bislang sind vor allem Franzosen, Japaner, Koreaner und vermehrt Chinesen aktiv. Deutsche Premiumhersteller sind nicht mit eigenen Niederlassungen vor Ort beziehungsweise haben sich zurückgezogen. Anfang 2019 trat ein Gesetz in Kraft, das den Import von gebrauchten Autos einschränkte. Dadurch soll der Fahrzeugbestand moderner werden. Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach höherwertigen Fahrzeugen, Ersatzteilen und Services ansteigt. Seit 2018 vertreibt MAN seine Nutzfahrzeuge über den Partner BIA Côte d’Ivoire. Die VW-Tochter Scania liefert aktuell 450 Busse für den ÖPNV in Abidjan. Die Modernisierung der Lkw- und Busflotten ist überfällig.

  • Nahrungsmittelindustrie

    Nahrungsmittelindustrie


    Wettbewerb verschärft sich

    Das Land führt einen Teil des Lebensmittelbedarfs ein, vor allem Reis, Fisch und Weizen. Bevölkerungswachstum und steigende Kaufkraft lassen die Nachfrage in Städten stark anziehen. Investitionen in Herstellung, Transport und Verpackung sind unausweichlich und schaffen Märkte für deutsche Unternehmen. Der französische Konzern Mulliez (Auchan, Decathlon) kündigte Ende Januar 2020 an, den Einstieg in den ivorischen Markt zu planen. Bislang betreibt Konkurrent Carrefour drei Hypermarché in Abidjan. Andere führende Supermärkte sind meist in den Händen libanesischstämmiger Unternehmensgruppen.

  • Umwelttechnik

    Umwelttechnik


    Bessere Konzepte gefragt

    Die Entsorgung von Abwasser und Müll stellt das Land vor große Herausforderungen. Vielerorts fließt Abwasser ungeklärt in die Umwelt. Häufig fehlt bei Bürgern und Unternehmen das Bewusstsein für den Umweltschutz. Die Abfallentsorgung seht noch am Anfang. Im Jahr 2014 hatte ein US-Unternehmen die Ausschreibung für die Abfallentsorgung von Abidjan gewonnen. Die Lizenz für die Abfallentsorgung wurde dem Unternehmen nach Jahren des Stillstands jedoch wieder entzogen. Die 2017 gegründete Agence Nationale de Gestion des Déchets (ANAGED), die dem Ministerium für Umwelt untersteht, soll nun die Abfallwirtschaft des Landes reformieren. Das Land braucht dringend bessere Konzepte, Technologien und mehr Investitionen

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