Branchencheck | Kenia

Nur wenige Branchen überstehen die Pandemie ohne größere Schäden

Die Corona-Pandemie sorgt in Kenia für eine wirtschaftliche Flaute. Viele Sektoren erleiden einen Einbruch ihres Geschäfts.

Kenias wirtschaftliche Entwicklung leidet massiv unter der Pandemie. Eine Rezession im Jahr 2020 wird immer wahrscheinlicher, zumal die Anzahl der Neuinfizierten Mitte des Jahres noch im Steigen begriffen ist. Gleichwohl fällt der Lockdown im Vergleich zu Ländern wie Südafrika oder Uganda, wo eine durchgehende Ausgangssperre verhängt wurde, milde aus. Die von der Regierung für essenziell erachteten Sektoren, zu denen auch die Nahrungsmittelindustrie oder der Logistikbereich zählt, dürfen weiter aktiv bleiben. Insgesamt sieht die Situation in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich aus.



  • Energiewirtschaft

    Energiewirtschaft

    Erneuerbare Energien dominieren den kenianischen Strommarkt. Neben dem Netzbausbau bietet auch die Nachfrage der Industrie nach Energielösungen Chancen.

    Mittelfristig dürfte der kenianische Strommarkt für deutsche Unternehmen diverse Möglichkeiten bieten. Sobald sich die Wirtschaft nach der Pandemie halbwegs erholt hat, wird auch der Energiebedarf wieder steigen. Der daraus resultierende Ausbau des Stromnetzes bringt Möglichkeiten für Berater und Zulieferer von Komponenten. Geothermie steht auch in Zukunft als Energieträger im Fokus. Zudem fragen in Kenia zahlreiche private Unternehmen maßgeschneiderte Lösungen für ihre Energieversorgung nach.

    Weitere Informationen:

    Geothermie gehört die Zukunft


    Von Carsten Ehlers | Nairobi

  • Bauwirtschaft

    Bauwirtschaft

    Beim Ausbau der Infrastruktur entscheidet das Ausgabeverhalten der Geber.

    Der Bausektor Kenias steht vor schwierigen Zeiten. Durch die hohe Staatsverschuldung sind dem kenianischen Staat bei neuen Infrastrukturvorhaben die Hände gebunden. Vieles wird vom Verhalten der Geber abhängen. Je nach Nationalität entscheiden die Geber auch, welche Unternehmen den Zuschlag bei Ausschreibungen erhalten. Zu erwarten sind weiterhin Maßnahmen in den Bereichen Energie, Wasser und Transport. Gegenwärtig geplante Projekte werden auch während der Pandemie ausgeschrieben, jedoch dürfte sich der Baubeginn verzögern. Der private Hochbau dürfte ins Stocken geraten, weil die Kapitalknappheit im Lande durch die Pandemie noch gestiegen ist. Insgesamt ist die Investitionsbereitschaft derzeit durch die unklaren Zukunftsperspektiven nicht sehr ausgeprägt.

    Weitere Informationen:

    Branche kompakt: Kenias Bausektor leidet unter dem Kapitalmangel


    Von Carsten Ehlers | Nairobi

  • Gesundheitswirtschaft

    Gesundheitswirtschaft

    Die Pandemie hat die begrenzten Kapazitäten des Gesundheitssektors sichtbar gemacht. Internationale Geber dürften nun verstärkt Kapital für eine bessere Ausstattung bereitstellen.

    Zusätzliches Kapital aus dem Ausland soll vor allem die medizinische Grundversorgung verbessern. Denn dem kenianischen Staat fehlen aufgrund einer hohen Verschuldung die Mittel für umfangreiche Investitionen. Auch für private Investoren ist das Land ein interessanter Markt. Die besten Krankenhäuser sind privat und bauen gerade ihre Kapazitäten aus. Einige Marktbeobachter erwarten darüber hinaus Investitionen in Laboreinrichtungen. Deutsche Hersteller von Medizintechnik wie B. Braun, Otto Bock und Merck interessieren sich bereits für eine Produktion vor Ort.  

    Weitere Informationen: 

    Privater Gesundheitssektor expandiert weiter 


    Von Carsten Ehlers | Nairobi

  • Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei

    Eine zweite Heuschreckenplage bedroht laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die Nahrungsmittelversorgung in nördlichen Landesteilen.

    Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftsbereich und die Aussichten für diesen Sektor sind aufgrund reichlicher Regenfälle überwiegend gut. Gleichwohl droht laut FAO ab Juni 2020 eine zweite Heuschreckenplage im Norden des Landes, welche Teile der Ernte zerstören und für eine Nahrungsmittelknappheit sorgen könnte. Um dies zu vermeiden, werden Pestizide in größeren Mengen importiert. Kommerzielle auf den Export ausgerichtete Farmen für Schnittblumen, Tee und Kaffee leiden unter dem Nachfrageeinbruch auf den Auslandsmärkten.

    Weitere Informationen: 

    Langfristig hohes Investitionspotenzial

    Von Carsten Ehlers | Nairobi

  • Öl und Gas

    Öl und Gas

    Der Ölabbau im Lokichar Ölfeld verzögert sich weiter.

    Kenias Wunsch, zu einem signifikanten Ölproduzenten in Afrika aufzusteigen, sind im Jahr 2020 deutlich gesunken. Tullow Oil, der Hauptkonzessionär des einzigen Großprojekts erwägt laut Medienberichten, seinen Anteil zu reduzieren. Der im Juni 2020 immer noch bei unter 40 US-Dollar je Barrel liegende Ölpreis macht die Förderung zudem unattraktiv. Eigentlich wollte Tullow Oil mit seinen Partnern Africa Oil und Total in ihrer Konzession South Lokichar Basin nahe dem Turkana-See ab dem Jahr 2022 bis zu 100.000 Barrel pro Tag fördern.  

    Von Carsten Ehlers | Nairobi

  • Nahrungsmittelindustrie

    Nahrungsmittelindustrie

    Viele mittelständische Nahrungsmittelproduzenten geraten durch die Pandemie in eine finanziell schwierige Lage. Deutschen Zulieferern könnten wichtige Kunden wegfallen.

    Seit Jahren verfügen deutsche Zulieferer in Kenia über gute Absatzchancen. Doch nun sind die Zukunftsaussichten ungewiss. Positiv ist: Viele Hersteller von essenziellen Nahrungsmitteln dürfen während der Pandemie weiter produzieren und ihre Produkte werden auch gekauft. Nicht-essenzielle Produkte wie Catering für Fluglinien, Kantinen oder Restaurants leiden hingegen unter dem Nachfrageeinbruch. Dank der nun stattfindenden schrittweisen Öffnung der Wirtschaft dürfte der Bedarf an diesen Produkten wieder steigen. Viele Unternehmen haben jedoch Liquiditätsprobleme und benötigen dringend frisches Geld. 

    Weitere Informationen: 

    Langfristig hohes Investitionspotenzial

    Einzelhändler legen Expansionspläne vorerst auf Eis

    Von Carsten Ehlers | Nairobi

  • Umwelttechnik

    Umwelttechnik

    Der Greentech-Sektor rückt aufgrund der Pandemie stärker in den Vordergrund. Und Hygienemaßnahmen in den Slums gewinnen an Bedeutung.

    Branchenkenner erwarten in Zukunft weitere Großprojekte im Bereich der Wasserversorgung. Außerdem dürften die Wasserversorger zunehmend in den Ausbau ihrer Netze investieren, nachdem sie in den vergangenen Jahren einen Kommerzialisierungsprozess durchliefen. Die größeren Projekte werden fast alle von internationalen Gebern finanziert wie der Weltbank, Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB), Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Agence française de développement (AFD) sowie der EU, den USA und anderen Staaten. Auch bei der Wasserver- und Abwasserentsorgung in den schnell wachsenden sogenannten Informal Settlements und Slums werden dringend Lösungen gesucht.

    Weitere Informationen:

    Kommerzialisierung des Wassersektors erhöht den Bedarf

    Von Carsten Ehlers | Nairobi

  • Informations- und Kommunikationswirtschaft

    Informations- und Kommunikationswirtschaft

    Die Digitalisierung wird durch die Pandemie beschleunigt. Dies könnte zu Kooperationen zwischen kenianischen Produktentwicklern und ausländischen Start-Ups führen.

    Für deutsche Unternehmen entstehen in mehrfacher Hinsicht Geschäftsmöglichkeiten. Denn vor allem private Unternehmen dürften Kapital in den Ausbau der Bandbreiten sowie in die Entwicklung neuer IT-Dienstleistungen investieren. Insbesondere die Bereiche Bildung, Gesundheit und Logistik dürften Investoren anlocken. Daraus entsteht ein gutes Umfeld für Kooperationen zwischen kenianischen Produktentwicklern und ausländischen Start-Ups. Der Breitbandausbau würde außerdem den Bau von Datenzentren vorantreiben und somit Lieferchancen für technische Ausrüstungen schaffen.

    Von Carsten Ehlers | Nairobi

  • Nahrungsmittelmarkt

    Nahrungsmittelmarkt

    Einbruch bei importierten Markenprodukten.

    Importierte Grundnahrungsmittel wie Weizen werden nach wie vor in großem Umfang von der Bevölkerung nachgefragt. Hingegen ist der Konsum hochpreisiger eingeführter Nahrungsmittel gefallen, obwohl die zahlreichen Einkaufszentren vor allem in Nairobi während der Pandemie bislang geöffnet bleiben. Viele ausländische entsandte Kräfte haben das Land verlassen und Touristen sind seit April nicht mehr gekommen. Die Rückkehr der entsendeten Arbeitskräfte könnte im besten Fall nach der Sommerpause erfolgen, aber mit Touristen rechnen Branchenkenner derzeit erst im Jahr 2022.    

    Weitere Informationen:

    Einzelhändler legen Expansionspläne vorerst auf Eis

    Langfristig hohes Investitionspotenzial


    Von Carsten Ehlers | Nairobi

  • Pkw- und Nfz-Markt

    Pkw- und Nfz-Markt

    Derzeit sind die Aussichten für Kraftfahrzeugverkäufe schlecht: Insbesondere der Absatz von Neuwagen nimmt stark ab.

    Laut dem Branchenverband Kenya Motor Industry Association lagen die Verkaufszahlen im April 2020 bei 594 Kfz, im April 2019 waren es noch 1.127. Nur wenige Kenianer können sich in normalen Zeiten einen Neuwagen leisten - in Krisenzeiten werden solche Anschaffungen kaum noch getätigt. Auch Firmen halten sich derzeit mit Neuanschaffungen zurück. Hinzu kommt, dass vorübergehend Automobilwerke in aller Welt ihre Produktion deutlich reduziert haben. Neuwagenladungen per Schiff dürften auch in den kommenden Wochen dürftig ausfallen.    

    Von Carsten Ehlers | Nairobi

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