Portal 21 Vereinigtes Königreich

Informationen zur Qualifikation des Dienstleisters

Ein der deutschen Gewerbeordnung oder der deutschen Handwerksordnung vergleichbares Gesetz existiert im Vereinigten Königreich nicht.

Reglementierte Berufe im Vereinigten Königreich

Dennoch sind einige Berufe ebenfalls reglementierte Berufe im Sinne der Europäischen Berufsanerkennungsrichtlinie (Richtlinie 2005/36/EG--Europäische Gemeinschaft). Davon erfasst werden Berufe, deren Ausübung besonderen Voraussetzungen bezüglich der Berufsqualifikationen unterworfen ist. Hierzu zählen unter anderem Rechtsanwälte, Ärzte, Zahnärzte, Hebammen, Apotheker und Architekten. Aber auch viele andere Berufsbilder gehören dazu, zum Beispiel einige Lehrer, Gasinstallateure (Registered Gas Installers) und Haustechnikeringenieure (Chartered Building Services Engineers). Listen mit im Sinne der Europäischen Berufsanerkennungsrichtlinie reglementierten Berufen im Vereinigten Königreich sind auf einer Online-Datenbank der Europäischen Kommission abrufbar.

Die (European Communities (Recognition of Professional Qualifications) Regulations 2015) ermächtigen die zuständigen Behörden ("competent authorities"), vor der Aufnahme der Dienstleistung eine schriftliche Anzeige zu verlangen, wenn ein Angehöriger eines reglementierten Berufs aus dem EU-Ausland seinen Beruf vorübergehend und gelegentlich im Vereinigten Königreich ausüben will. Gemäß Sections 21 und 22 Regulations können unter anderem Nachweise über das Bestehen einer betrieblichen Versicherungsdeckung, eine Bescheinigung über die rechtmäßige Niederlassung in ihrem Heimatstaat ohne Ausübungsverbot, sowie über die Staatsangehörigkeit und die Berufsqualifikation verlangt werden. Die Erklärung muss jährlich, oder bei Veränderungen erneuert werden. Bei bestimmten Berufen, die Zusammenhänge mit der öffentlichen Gesundheit oder Sicherheit aufweisen (wie zum Beispiel der oben erwähnte Chartered Building Services Engineer), kann die zuständige Behörde eine Überprüfung der Berufsqualifikation vornehmen und ggf.--gegebenenfalls einen weiteren Test anordnen. Außerdem können weitere Bescheinigungen verlangt werden. Die vorübergehende und gelegentliche Dienstleistungsausübung erfolgt grundsätzlich unter der Berufsbezeichnung des Herkunftslandes, allerdings gibt es hiervon Ausnahmen.

Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz

Die Themen Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz haben im Vereinigten Königreich einen sehr hohen Stellenwert. Es gibt zwei verschiedene Regelungen des Themas: eine Regelung für Großbritannien (also England, Wales und Schottland), und eine weitere für Nordirland. Die folgenden Ausführungen beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit Großbritannien.

Grundnorm ist der Health and Safety at Work etc. Act 1974. Zu diesem sind zahlreiche weitere Gesetze und Verordnungen ergangen. Arbeitgeber sind zur Gewährleistung von Gesundheit, Sicherheit und Wohlergehen der Arbeitnehmer verpflichtet. Diese Schutzverpflichtungen des Unternehmers bestehen auch gegenüber Dritten (zum Beispiel Kunden oder der Allgemeinheit), die mit dem Betrieb oder seinen Aktivitäten in Berührung kommen. Die wichtigsten Pflichten, die das britische Arbeitssschutzrecht schafft, sind die Anfertigung einer Risikoeinschätzung ("risk assessment") und einer "Health & Safety Policy". Außerdem müssen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter regelmäßig schulen und bestimmte Arbeitsbedingungen und Einrichtungen zur Verfügung stellen. Diese Aufzählung ist nicht abschließend. Die Nichtbeachtung der Verfahren zu Sicherheit und Gesundheitsschutz kann im Schadensfall nicht nur zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. Gemäß sections 33 ff. Health and Safety at Work etc. Act 1974 können die Unternehmensverantwortlichen als natürliche Personen und gemäß dem Gesetz über die Strafbarkeit von Unternehmen bei Todesfällen (Corporate Manslaughter and Corporate Homicide Act 2007) im Todesfall auch die Unternehmen selbst strafrechtlich belangt werden, wenn ihnen diesbezüglich eine grobe Sorgfaltspflichtverletzung (gross breach of a relevant duty of care) vorzuwerfen ist.

Interessant ist für deutsche Dienstleistungsempfänger schließlich, dass viele britische Auftraggeber von Bauhandwerkern vor der Auftragsvergabe verlangen, dass diese bereits bestimmte Schulungen und Tests zu den Themen Gesundheitsschutz und Sicherheit absolviert haben. Nähere Informationen bietet zum Beispiel die Homepage von Construction Industry Training Board (CITB).

In Nordirland gilt die "Health & Safety at Work (Northern Ireland) Order 1978", zuständige Behörde ist dort der "Health & Safety Executive for Northern Ireland".


Technische Normen

Bei der Ausübung ihrer Arbeiten müssen britische Dienstleister überdies die zahlreichen geltenden technischen British Standards (BS) beachten. Die Standards sind als solche zwar nicht rechtlich verpflichtend, werden aber oftmals durch Vertrag oder Rechtsvorschriften in Bezug genommen. Daher kann ihre Kenntnis oftmals sehr wichtig sein. Der Online-Shop von BSI ermöglicht die Recherche nach nationalen britischen Normen, deren Bezug kostenpflichtig ist.

Der Großteil der heute in Großbritannien veröffentlichten Normen werden allerdings auf europäischer oder internationaler Ebene ausgearbeitet:

  • Großbritannien ist sowohl Mitglied im Europäischen Komitee für Normung (Comité Européen de Normalisation / European Committee for Standardization) als auch im Europäischen Komitee für elektrotechnische Normung (Comité Européen de Normalisation Electrotechnique / European Committee for Electrotechnical Standardization). Außerdem sind britische Unternehmen im Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (Institut européen des normes de télécommunication / European Telecommunications Standards Institute) vertreten. Diese Mitgliedschaften haben zur Folge, dass Großbritanniens technische Normen den sogenannten Europäischen Normen (EN) entsprechen müssen. Auf europäischer Ebene bringt dies den Vorteil der Harmonisierung der nationalen Normen.
  • Darüber hinaus ist Großbritannien Mitglied der Internationalen Organisation für Normung (ISO) (Organisation Internationale de Normalisation / International Organization for Standardization) und der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC) (Commission électrotechnique internationale / International Electrotechnical Commission). Die Übernahme dieser Normen ins nationale Recht ist nicht zwingend.

Britische Dienstleister müssen darüber hinaus weitere rechtliche Normen beachten: Wer beispielsweise im britischen Bausektor tätig ist, sei er Architekt, Ingenieur oder Bauhandwerker, muss sich unter anderem an die in der Verordnung Nr. 2214/2010 (Building Regulations 2010) niedergelegten nationalen Regelungen zu Gebäudekonstruktion, Feuersicherheit, Schalldämmung, Drainage und Sicherheit in Elektrizitätsfragen halten. Die Regierungsbehörde für kommunale Zusammenhänge (Communities and Local Government) informiert über die Internetseite der britischen Regierungsbehörden zu den Building Regulations 2010.

Kammern und Verbände

Unternehmer in Großbritannien können freiwillig Mitglied der britischen Handelskammern (British Chambers of Commerce - BCC) oder des Britischen Industrieverbandes (Confederation of British Industry - CBI) werden, die ihre Mitglieder mit Hilfsdienstleistungen unterstützen. Darüber hinaus gibt es allerdings eine Vielzahl berufsspezifischer Kammern und Verbände, die Regeln für die Aus- und Fortbildung ihrer Mitglieder sowie Verhaltenskodizes aufstellen. Oft führen sie auch Register über ihre Mitglieder (Näheres hierzu im Abschnitt Register). Die nachfolgenden Ausführungen sind daher nur exemplarisch auf einige Berufe zugeschnitten:

Architekten

Die Mitgliedschaft in berufsspezifischen Organisationen ist für einige Berufe verpflichtend, beispielsweise für Architekten. Diese müssen bei der zuständigen Behörde (Architects Registration Board, kurz: ARB) registriert sein. In deren Online-Auftritt sind Verhaltensgrundsätze für Architekten in England (Architects Code: Standards of Conduct and Practice) einsehbar. Wer der Auffassung ist, dass sich ein beauftragter Architekt unprofessionell verhalten hat, kann eine Beschwerde einreichen.

Bauunternehmen

Verband von Bauunternehmen

Bauunternehmen und Angehörige verwandter Berufe wie Elektriker, Klempner, im Vereinigten Königreich können dem Verband von Bauunternehmen (Federation of Master Builders) angehören. Zu den Mitgliedschaftskriterien gehören zum Beispiel eine mindestens zwölfmonatige Tätigkeit am Markt, die Vorweisung von mindestens zwei Referenzen sowie das Bestehen nicht nur einer employers‘ liability insurance, sondern auch einer public liability insurance (Näheres zu diesen beiden Versicherungen im Abschnitt "Pflichtversicherung").

Construction Skills Certification Scheme

Viele Auftraggeber und Kunden bestehen darauf, dass auf einer Baustelle Beschäftigte Inhaber einer CSCS-Karte sind. Diese Karte wird nach dem Construction Skills Certification Scheme (CSCS) vergeben. Sie ist ein Nachweis für bestimmte fachliche Kompetenzen. Außerdem muss der Bewerber den Test zum Gesundheitsschutz und zur Sicherheit auf einer Baustelle (Health, Safety and Environment Test) des Construction Industry Training Board (CITB) bestehen (nähere Informationen unter dem Punkt „Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz“).

Nach dem CSCS werden verschiedene Karten vergeben. Welche der Karten in Frage kommt, bestimmt sich nach der aktuellen Tätigkeit, bisherigen Berufserfahrung und sonstigen Kenntnissen. Daneben gibt es weitere Karten, die mit dem CSCS assoziiert sind, z.B.--zum Beispiel die ECS-Karte für Elektriker (nähere Ausführungen hierzu unter „Elektriker“).

Ausführliche Informationen bietet die eigens der CSCS gewidmeten Internetseite.

Elektriker, Gasinstallateure

Wer als Elektriker in Großbritannien bestimmte Trainings erfolgreich absolviert, kann eine ECS Card nach dem Electrotechnical Certification Scheme beantragen. Diese gibt (auch anhand ihrer Farbe) Auskunft über die Funktion des Inhabers und die bestandenen Trainings. Ausführliche Informationen zur ECS Card bietet die Internetseite www.escard.org.uk.

Wegen der besonderen Gefahren, die von unsachgemäßen Gasinstallationen ausgehen, müssen alle Gasinstallateure im Vereinigten Königreich im Gas Safe Register registriert sein.


Germany Trade & Invest (Stand: 06.03.2020)

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