Special Australien Wege aus der Coronakrise

Australien erwartet lange Wachstumsperiode

Vor der Coronapandemie erlebte die australische Wirtschaft fast drei Jahrzehnte ununterbrochenes Wachstum. Eine Tradition, an die das Land nun wieder anknüpfen will.

Von Heiko Stumpf | Sydney


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Die Coronasituation hat sich in Australien dank einer hohen Impfquote deutlich entspannt. Die Wirtschaft steht vor einem nachhaltigen Aufschwung. (Stand: 01. November 2021)

    In den australischen Metropolen konnten die Corona-Beschränkungen deutlich gelockert werden. In Sydney beginnt das Leben wieder zu pulsieren, nachdem die Stadt infolge eines Ausbruchs der Delta-Variante mehr als drei Monate lahmgelegt war. Besonders groß ist die Erleichterung in Melbourne. Seit Beginn der Pandemie verbrachte die Bevölkerung von Melbourne rund 260 Tage im Lockdown, so lange wie in keiner anderen Stadt der Welt.

    Australien ist auf dem Weg zu einer hohen Impfquote

    Nachdem die Impfkampagne zunächst sehr schleppend anlief, legte Australien in den vergangenen Monaten eine große Aufholjagd hin. Zu Anfang November 2021 verfügten bereits rund 80 Prozent der Bevölkerung über 16 Jahre über einen vollständigen Impfschutz. In einigen Gebieten wie dem Bundesstaat New South Wales und der Hauptstadt Canberra sind es sogar über 90 Prozent.

    Bei dem gegenwärtigen Impftempo dürfte bis Weihnachten 2021 auch landesweit eine Impfquote von über 90 Prozent erreicht werden. Nach den Plänen der Regierung sollen großflächige Lockdowns deshalb der Vergangenheit angehören. Auf größere Infektionsherde soll nur mit gezielten und lokalen Einschränkungen reagiert werden.

    Zur hohen Immunisierungsrate tragen auch zahlreiche Vorschriften für eine Impfpflicht bei. In einzelnen Bundesstaaten sind ganze Berufsgruppen angewiesen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Im Bundesstaat Western Australia unterliegen beispielsweise rund 75 Prozent der Gesamtbeschäftigten dem Impfmandat. Neben dem Gesundheitssektor zählen dazu beispielsweise Beschäftigte in Bereichen wie Logistik, öffentliche Versorgung, Gastronomie, Teilen des Einzelhandels, Bauwirtschaft, Finanzwesen oder Bergbau.

    Zudem weisen auch zahlreiche Großunternehmen ihre Belegschaft an, einen vollständigen Impfnachweis vorzulegen. Dazu zählen neben der Fluggesellschaft Qantas auch die Supermarktketten Woolworths, Coles und Aldi.

    Weitere Informationen zur aktuellen Lage finden sich auf den Webseiten der einzelnen Bundesstaaten.

    Wirtschaft kam vergleichsweise gut durch Pandemie

    Durch die Lockdowns in der zweite Jahreshälfte 2021 geriet die wirtschaftliche Erholung etwas aus dem Tritt. Noch zur Jahresmitte 2021 wurde ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von über 5 Prozent für das laufende Jahr prognostiziert. Mittlerweile rechnen Ökonomen für 2021 mit einer BIP-Steigerung von nur etwa 3 Prozent. Damit übersteigt die Wirtschaftsleistung aber bereits wieder das Vorkrisenniveau.

    Insgesamt kam Australien bislang sehr glimpflich durch die Covid-19 Pandemie. Mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um real 2,4 Prozent im Jahr 2020 fiel der coronabedingte Wirtschaftseinbruch im internationalen Vergleich milde aus. Für Australien war dies die erste Wirtschaftskrise seit fast 30 Jahren. Zuletzt war Australien 1990 in eine Rezession gerutscht.

    "Wir sind sehr zuversichtlich, das sich Australien bereits wieder in einer langjährigen Wachstumsphase befindet", sagt Christoph Freiherr von Speßhardt, Geschäftsführer der AHK Australien. "Die Regierung setzt steuerliche Investitionsanreize für Unternehmen, die privaten Bruttoanlageinvestitionen könnten 2022 um etwa 6 Prozent steigen. Nach langem innenpolitischen Ringen stellte die Regierung im Oktober 2021 einen Plan für die Klimaneutralität bis 2050 vor, was große Investitionen beispielsweise in die Produktion von klimaneutralem Wasserstoff auslösen wird", so von Speßhardt.

    Die Wachstumsprognosen für 2022 gestalten sich noch uneinheitlich. Die Volkswirte der National Australia Bank erwarten ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent, die Geschäftsbank Westpac ist mit 5 Prozent deutlich optimistischer.

    Als Wachstumsstütze dürften sich die privaten Konsumausgaben erweisen. In den vergangenen Monaten haben die Verbraucher durch die Lockdowns hohe Rücklagen aufgebaut. Aufgrund des bestehenden Nachholbedarfs dürften diese zumindest teilweise den Weg in den Konsumkreislauf finden. Der Arbeitsmarkt befindet sich mit einer Erwerbslosenquote von 4,6 Prozent in robuster Verfassung.

    Gute Prognosen für Bergbau, Land- und Bauwirtschaft

    Die wichtigen  Wirtschaftszweige befinden sich allesamt auf Wachstumskurs. Insbesondere der Bergbau kann optimistisch in die Zukunft blicken. Für Eisenerz und Gold wird für 2021 eine Rekordproduktion erwartet. Der Nachfrageanstieg für Batterierohstoffe und kritische Mineralien schiebt zahlreiche Minenprojekte an. Die Explorationsausgaben für Mineralien erreichten im Finanzjahr 2020/21 den höchsten Wert seit dem letzten Rohstoffboom in den Jahren 2011 und 2012.

    In der Landwirtschaft treffen gute Ernteergebnisse auf hohe Weltmarktpreise. Für Weizen wird 2021/22 mit 32,6 Millionen Tonnen eine Topernte erwartet. Die Farmer investieren in ihren Maschinenpark. Im ersten Halbjahr 2021 stieg der Absatz von Traktoren um 31 Prozent auf 9.150 Stück.

    Auch die Energiewende bietet Chancen. Der Clean Energy Regulator erwartet für 2021 einen massiven Zubau bei Solardachanlagen von etwa 4 Gigawatt (2020: 3 Gigawatt). Durch den Aufbau von Sonderzonen für erneuerbare Energie dürften die Investitionen in neue Solar- und Windparks einen Schub bekommen.

    Die Bauwirtschaft profitiert von finanziellen Zuschüssen für Einfamilienhäuser im Rahmen der staatlichen Konjunkturmaßnahmen. Handwerksbetriebe berichten von gut gefüllten Auftragsbüchern für Renovierungsarbeiten. Die Regierung pumpt zudem viel Geld in den Infrastrukturausbau. Mit dem Haushalt 2021/22 wurden die geplanten Ausgaben für die kommenden zehn Jahre um umgerechnet 10 Milliarden US-Dollar (US$) erhöht.

    Die stark gebeutelten Sektoren Tourismus und Bildungsökonomie können 2022 nach der von der Regierung angekündigten Grenzöffnung endlich wieder mit Einnahmen durch ausländische Besucher und Studierende rechnen.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Der Warenverkehr ist beeinträchtigt. Der internationale Reiseverkehr wird schrittweise geöffnet. Inlandsreisen sind nur eingeschränkt möglich. (Stand: 01. November 2021)

    Der internationale  Warenverkehr von und nach Australien bekommt die globalen Engpässe zu spüren. Es kann zu Lieferverzögerungen kommen, da die Reedereien und Frachtfluggesellschaften ihren Linienverkehr nach Australien teilweise ausgedünnt haben. Australische Exporteure beklagen Schwierigkeiten, an leere Container zu kommen oder Schiffsplätze zu buchen.

    Die National Farmer's Federation (NFF) berichtet, dass sich die Containerkosten für den Export von Agrarerzeugnissen versechsfacht haben. Auch die Kosten für Luftfracht haben sich nach Vertretern der Logistikbranche teilweise mehr als verdoppelt. Die australische Regierung leistet Unterstützung durch den International Freight Assistance Mechanism, in dessen Rahmen Frachtflugzeuge gechartert werden.

    Schrittweise Öffnung der Landesgrenze

    Bereits zu Beginn der Covid-19 Pandemie wurde die Landesgrenze für den internationalen Personenverkehr geschlossen. Selbst australische Staatsbürger konnten das eigene Land nur mit Ausnahmegenehmigung verlassen. 

    Für australische Staatsbürger und Inhaber einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung (Permanent Residents), die einen vollständigen Impfschutz nachweisen können, wurden die Reisebeschränkungen am 01. November 2021 aufgehoben. Damit sind Geschäfts- und Urlaubsreisen ins Ausland wieder möglich. Umgekehrt können zehntausende Australier, die oft viele Monate im Ausland gestrandet waren, wieder in ihre Heimat zurückkehren.

    Für Personen mit zeitlich befristeter Aufenthaltserlaubnis in Australien (Temporary Residents) und ausländische Staatsbürger (sowie australische Staatsbürger und Permanent Residents ohne vollständigen Impfschutz) ist der Reiseverkehr jedoch weiterhin stark eingeschränkt. Eine Einreise ist für sie bis auf weiteres nur mit Ausnahmegenehmigung möglich. Diese kann in begründeten Fällen beim Department of Home Affairs beantragt werden.

    Der weitere Öffnungsfahrplan für die kommenden Monate steht noch nicht endgültig fest. Voraussichtlich wird es zunächst spezielle Travel Bubbles mit ausgewählten Staaten geben. Besucher aus Neuseeland können bereits wieder nach Australien fliegen. Eine Reiseblase mit Singapur wird am 21. November 2021 in Kraft treten. Auch Erleichterungen für bestimmte Personengruppen wie ausländische Studierende, Geschäftsreisende oder qualifizierte Fachkräfte sind angedacht.

    Darüber hinaus müssen alle Reisenden (australische Staatsbürger, Permanent und Temporary Residents, ausländische Staatsbürger) darauf achten, ob Quarantänevorschriften einzuhalten sind. Diese werden von den australischen Bundesstaaten festgesetzt, weshalb diese je nach Reiseziel variieren.

    In den Bundesstaaten News South Wales, Victoria und dem Australian Capital Territory können alle vollständig geimpften Reisenden quarantänefrei einreisen. Für Reisende ohne vollständigen Impfschutz gilt weiterhin eine Quarantänepflicht.

    Auch in den Bundesstaaten Queensland, South Australia, Western Australia, Northern Territory und Tasmanien gibt es verbindliche Quarantänevorschriften, wobei wiederum unterschiedliche Regelungen wie eine Hotelquarantäne oder eine Heimquarantäne Anwendung finden können. Reisende müssen dabei auch beachten, dass die Kapazitäten in den Quarantänehotels beschränkt sind. Einzelheiten sind den Internetseiten der einzelnen Bundesstaaten zu entnehmen.

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Reisen innerhalb des Landes sind noch mit Unsicherheiten behaftet

    Auch der Reiseverkehr innerhalb Australiens ist von häufigen Einschränkungen betroffen. So führen die einzelnen Bundesstaaten je nach Lage Grenzkontrollen ein und schotten sich gegenüber Reisenden aus Gebieten mit Corona-Clustern ab.

    Die australische Verfassung (Section 92) verbietet zwar generelle Einschränkungen des Personen- und Warenverkehrs zwischen den einzelnen Bundesstaaten. Aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit sind jedoch gewisse Restriktionen möglich.

    Über die Dauer der Pandemie verwandelte sich Australien deshalb in einen schwer überschaubaren Flickenteppich. Bundesstaaten wie Western Australia oder Queensland schotteten sich oft monatelang von anderen Landesteilen ab. Mit Stand Anfang November 2021 unterteilt sich Australien praktisch in zwei große Blöcke.

    Auf der einen Seite stehen die drei Ostküstenstaaten New South Wales, Victoria sowie das Australian Capital Territoty. In dessen Staaten zirkuliert das Coronavirus in der Bevölkerung, es besteht aber gleichzeitig eine hohe Impfquote. Der innerstaatliche Reiseverkehr zwischen diesen drei Staaten ist für vollständig geimpfte Personen wieder möglich.

    Auf der anderen Seite stehen die Bundesstaaten Queensland, South Australia, Western Australia, Northern Territory und Tasmanien. In diesen Staaten gibt es derzeit keine lokale Übertragung des Coronavirus. Daher schotten sich diese Staaten weiterhin gegenüber den anderen drei Bundesstaaten ab, aber erlauben den weitgehend uneingeschränkten Reiseverkehr untereinander.

    Da sich die Regelungen der einzelnen Bundesstaaten jederzeit kurzfristig ändern können, sollte vor Beginn einer Reise der aktuelle Stand auf den Internetseiten der jeweiligen Bundesstaaten überprüft werden.

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland

    Zu den aktuellen Maßnahmen informiert die australische Regierung auf Englisch

    Einschränkungen auch in Bezug auf den Impfstatus

    In mehreren Bundesstaaten, beispielsweise New South Wales und Victoria, stehen zahlreiche Aktivitäten wie der Besuch von Restaurants, Kultureinrichtungen, Veranstaltungen oder nicht essentiellem Einzelhandel nur Personen offen, die über einen vollständigen Impfschutz verfügen oder von der Pflicht eines Impfnachweises ausgenommen sind. Einzelheiten sind den Internetseiten der Bundesstaaten zu entnehmen.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Die australische Regierung setzt auf steuerliche Investitionsanreize und den Infrastrukturausbau. Für das verarbeitende Gewerbe gibt es Fördergelder. (Stand: 08. November 2021)

    Als Reaktion auf die Coronakrise hatte die Regierung in Canberra im Jahr 2020 wirtschaftliche Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen mit einem Volumen von umgerechnet etwa 201 Milliarden US-Dollar (US$) auf den Weg gebracht (291 Milliarden Australische Dollar ($A); 1$A=0,6906 US$). Dies entspricht rund 15 Prozent des australischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

    Viele der speziell auf die Covid-19 Pandemie zugeschnittenen Maßnahmen sind mittlerweile ausgelaufen. Mit dem Haushalt für das laufende Finanzjahr 2021/22 (Juli bis Juni) wollte die Regierung sich eigentlich wieder längerfristigen Themen wie der Digitalisierung oder dem Ausbau der Altenpflege widmen. Nach dem Ausbruch der Delta-Variante und darauf folgender Lockdowns in mehreren Großstädten sah sich die Regierung allerdings zu neuen Hilfsmaßnahmen gezwungen.

    Hilfen für Beschäftigte bei befristeten Lockdowns

    Beschäftigte, die aufgrund von Lockdown-Maßnahmen nicht ihrer regelmäßigen Arbeit nachgehen können, erhalten Lohnersatzleistungen in Form der Covid-19 Disaster Payment. Diese greift in erklärten Covid-19 Hotspot-Gebieten.

    Covid-19 Disaster Payment

    Wöchentliche Arbeitsstunden

    Betrag (in $A)

    mehr als 20

    750 pro Woche

    bis zu 20

    450 pro Woche

    1 $A = 0,6906 US$ (durchschnittlicher Wechselkurs 2020 laut Deutscher Bundesbank)Quelle: Recherchen Germany Trade & Invest

    Mittlerweile wurden jedoch bereits Bestimmungen für das Auslaufen der Covid-19 Disaster Payments erlassen. Die Zahlungen enden zwei Wochen nach dem Stichtag, an dem die Impfquote des betroffenen Bundesstaates die 80 Prozent-Marke übersteigt.

    Zusätzlich werden Hilfsmaßnahmen für Unternehmen in Zusammenarbeit mit betroffenen Bundesstaaten auf den Weg gebracht, beispielsweise in New South Wales (NSW).

    SME Support Payments in New South Wales

    Berechtigte Unternehmen: Jahresumsatz zwischen 75.000 und 250 Millionen $A


    Leistung: Wöchentliche Zahlung in Höhe von 40% der Lohnsumme, mindestens 1.500 $A und maximal 100.000 $A


    Voraussetzung: Umsatzeinbruch von mindestens 30% im Vergleich zum Vorpandemiezeitraum des Jahres 2019, Unternehmen dürfen keinen Personalabbau vornehmen


    Einzelunternehmer: Wöchentliche Hilfszahlung in Höhe von 1.000 $A

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Eine Übersicht zu den Unterstützungsprogrammen in anderen Bundesstaaten stellt das Schatzamt (Treasury) bereit.

    Auch einige Unterstützungsmaßnahmen aus den Konjunkturpaketen des vergangenen Jahres werden fortgeführt. Dies gilt beispielsweise für die Sofortabschreibung für bewegliche Anlagegüter, welche bis Juni 2023 verlängert wurde.

    Stimulusmaßnahmen (Auswahl)

    Maßnahme

    Anmerkung

    Sofortabschreibung

    Neue bewegliche Anlagegüter können im Jahr der ersten Nutzung vollständig abgeschrieben werden (bis Juni 2023). Keine Begrenzung des maximalen Investitionsbetrages. Berechtigt sind Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 5 Milliarden $A. Kleinunternehmen können die Regelung auch für gebrauchte Güter nutzen.

    Zeitlich begrenzter Verlustrücktrag

    Unternehmen können in den Finanzjahren 2019/20, 2020/21, 2021/22 und 2022/23 angefallene Verluste mit Gewinnen verrechnen, die im Finanzjahr 2018/19 oder früher entstanden sind. Berechtigt sind Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 5 Milliarden $A.

    Senkung der Köperschaftssteuer für kleine Unternehmen

    Ab dem 1. Juli 2021 beträgt der Steuersatz der Körperschaftssteuer für kleine Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen $A nur noch 25 Prozent. Regulärer Satz ist 30 Prozent.

    Senkung der Einkommenssteuer

    Durch Maßnahmen wie der Anpassung des Tarifverlaufes werden Arbeitnehmer in den Finanzjahren 2020/21 und 2021/22 um insgesamt rund 23 Milliarden US$ entlastet.

    Lohnzuschüsse für Auszubildende

    Unternehmen erhalten Lohnzuschüsse von 50 Prozent für beschäftigte Auszubildende (maximal $A 7.000 pro Quartal). Befristet bis 31.03.2023.

    Quelle: The Treasury

    Die Impfkampagne gilt mittlerweile als Erfolg, so dass die Ausbreitung der Delta-Variante deutlich eingedämmt werden konnte.

    Impfplan Australien

    Die Impfkampagne startete am 22. Februar 2021. Nach anfänglichen Schwierigkeiten erreicht Australien mittlerweile eine hohe Impfquote. Anfang November 2021 verfügte rund 80 Prozent der Bevölkerung über 16 Jahre über einen vollständigen Impfschutz. Bis Jahresende 2021 dürfte eine Impfrate von über 90 Prozent erreicht werden.


    Der Fokus liegt derzeit auf der Ausweitung der Impfkampagne. Seit August 2021 können auch Jugendliche im Alter zwischen 12 und 15 Jahren geimpft werden. Eine Impfzulassung für 5- bis 11-Jährige könnte bis Ende November 2021 erfolgen.


    Für bestimmte Risikogruppen finden bereits Auffrischungsimpfungen statt. Ab dem 8. November 2021 können alle über 18-Jährigen eine Auffrischungsimpfung erhalten, sofern der Einritt des vollständigen Impfschutzes mindestens 6 Monate zurückliegt.


    Wichtig: Personen mit temporärer Aufenthaltserlaubnis, die nicht Teil des Medicare-Systems sind, müssen zuerst einen Individual Health Identifier (IHI) beantragen, um einen digitalen Impfnachweis zu erhalten.

    Quelle: Germany Trade & Invest

    Fördergelder für das verarbeitende Gewerbe

    Zudem bemüht sich die Regierung um eine Wiederbelebung des verarbeitenden Gewerbes. Dazu werden im Rahmen der Modern Manufacturing Strategy (MMS) Fördergelder bereitgestellt.

    Über den Manufacturing Modernisation Fund werden dabei Zuschüsse für die Modernisierung von Produktionsanlagen gewährt. Der maximale Förderbetrag beläuft sich auf eine 1 Million $A, wobei berechtigte Unternehmen mindestens den dreifachen Betrag der Fördersumme selbst aufbringen müssen.

    Das zweite Instrument der MMS ist die insgesamt 900 Millionen US$ dotierte Modern Manufacturing Initiative. Diese stellt die Kommerzialisierung und den Markthochlauf von Innovationen in den Mittelpunkt. Die sechs Zielsektoren sind Rohstoffverarbeitung, Nahrungsmittel, medizinische Produkte, Recycling und saubere Energieerzeugung, Verteidigung sowie Weltraumtechnik.

    Für jeden der insgesamt sechs Zielsektoren wurde dabei eine eigene Roadmap erarbeitet, welche die jeweiligen Förderziele definiert. In allen Sektoren können Unternehmen staatliche Zuschüsse von 50 Prozent der Kosten eines Investitionsprojektes erhalten. Der maximale Zuschussbetrag beläuft sich dabei auf 20 Millionen $A.

    Auch die Australian Reserve Bank (RBA) unterstützt den Kampf gegen die Folgen von COVID-19. Sie senkte den Leitzins auf den historischen Tiefstand von 0,1 Prozent. Zudem wurde ein Kreditprogramm mit einem Volumen von 139 Milliarden US$ (200 Milliarden $A) für die Geschäftsbanken geschnürt (zum Zins von 0,25 Prozent über drei Jahre). Erstmals in ihrer Geschichte startete die RBA mit Ankäufen von Staatsanleihen.

    Infrastruktur wird stark ausgebaut

    Die Regierung in Canberra erhöht die Ausgaben für den Infrastrukturausbau in den kommenden zehn Jahren um umgerechnet 10 Milliarden US$. Insgesamt sollen bis 2022 rund 76 Milliarden US$ in die Infrastruktur gesteckt werden.

    Für 15 Großvorhaben mit einem Gesamtvolumen von 50 Milliarden US$ wird jeweils eine eigene Taskforce eingerichtet, die die Umsetzung der Projekte teils um Jahre beschleunigen soll. Dazu zählen die Inland Rail oder das Marinus Link-Stromkabel nach Tasmanien. Eine zusätzliche Maßnahme ist der Ausbau des National Broadband Network. Bis 2023 werden knapp 3,1 Milliarden US$ in das staatliche Breitbandnetz gesteckt, damit 2 Millionen Haushalte einen schnelleren Internetzugang erhalten.

    Weitere Ausbauprogramme gibt es auf der Ebene einzelner Bundesstaaten. New South Wales treibt das Ausgabenniveau auf einen Rekordwert und will in den kommenden vier Jahren rund 76 Milliarden US$ investieren. Davon fließen rund Zweidrittel in den Verkehrssektor. Weitere Schwerpunkte sind Gesundheit und Bildungseinrichtungen. Victoria wird bis 2024/25 insgesamt rund 62 Milliarden US$ ausgeben. Im Mittelpunkt stehen auch hier große Verkehrsprojekte wie der Suburban Rail Loop oder der Melbourne Airport Rail Link.

    Öffentliche Verschuldung steigt an

    Noch vor der Coronakrise zählte die Erreichung eines Budgetüberschuss zu den Kernzielen der Regierung. Durch die umfangreichen Hilfsmaßnahmen schreibt der Staatshaushalt nun jedoch tiefrote Zahlen. Für das Haushaltsjahr 2020/21 schlägt ein Defizit von 7,8 Prozent des BIP zu Buche. Aufgrund der schnellen wirtschaftlichen Erholung fällt das Haushaltsloch damit aber geringer aus als befürchtet. 

    Nach Aussage von Schatzminister Josh Frydenberg soll die Haushaltskonsolidierung erst auf die Tagesordnung rücken, wenn die Arbeitslosigkeit nachhaltig auf unter 5 Prozent zurückgeht. Im laufenden Haushaltsjahr 2021/22 soll das Defizit etwa 5,0 Prozent des BIP betragen, bis 2024/25 wird ein Rückgang auf 2,4 Prozent erwartet.

    Vor Ausbruch der Pandemie hatte die Nettostaatsverschuldung bei knapp 20 Prozent des BIP gelegen. Bis 2024/25 wird nun ein Anstieg der Staatsverschuldung auf 40,9 Prozent des BIP erwartet, ein im internationalen Vergleich immer noch sehr niedriger Wert.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

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