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Ländervergleich Perspektiven für Ausländische Direktinvestitionen

Vergleichen Sie hier die Perspektiven für deutsche Unternehmen nach Ländern, die Sie mit dem Suchfilter am rechten Seitenrand auswählen können.

Argentinien: Finanzkapital noch Fokus bei Zuflüssen

Die mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 600 Milliarden US-Dollar (US$) zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas hat nach sechs Jahren Stagnation auf den Wachstumspfad zurückgefunden. Die mittleren Prognosen für den realen Zuwachs des BIP 2017 und in den Folgejahren liegen bei jeweils rund 3 Prozent. Besonders stark expandieren die Investitionen (2017 um mehr als 10 Prozent), während der Konsum der 44 Millionen Argentinier erst allmählich wieder in Schwung kommt.


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2014

2015

2016

Bruttolohn für einen Geschäftsführer (Grundgehalt in US$ zum jeweiligen amtlichen Wechselkurs) *)

12.044

12.837

10.719

Miete jeweils für Büroraum in Buenos Aires (in US$ pro qm)

 

 

 

Klasse A

25,6

26,7

27,2

Klasse A-

22,2

23,0

23,4

*) "Lohn- und Lohnnebenkosten in Argentinien"
Quellen: Revista Apertura; Colliers International


Das gute Abschneiden des Mitte-Rechts-Regierungsbündnisses Cambiemos bei den letzten Parlamentswahlen hat die Aussichten für die Verabschiedung dringend erforderlicher Strukturreformen (Steuern, Arbeitsmarkt, Renten) verbessert. Die rasch steigende Staatsverschuldung (Staatsdefizit: rund 6 Prozent des BIP) könnte mittelfristig wieder zu einem Risiko werden. Gleichzeitig gilt der Außenwert des Argentinischen Peso als überbewertet. Umfangreiche Zuflüsse von ausländischen Finanzanlagen dürften dafür sorgen, dass der Peso inflationsbereinigt unter Aufwertungsdruck - und Argentinien damit ein vergleichsweise teurer Standort - bleibt.

Dennoch stößt Argentinien als Vorreiter einer wieder stärker marktwirtschaftlich orientierten Modernisierung in Lateinamerika auf großes Interesse ausländischer Investoren. Die tatsächlichen Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen sind noch bescheiden; sie betragen unter 1 Prozent des BIP im Vergleich zu durchschnittlich 4 Prozent im Rest der Region. Dies dürfte sich bald ändern. Von Investitionsprojekten für insgesamt 74 Milliarden US$, die laut Daten der Agentur AAICI ab Jahresanfang 2016 angekündigt worden sind, entfällt die Hälfte auf ausländische Unternehmen.

Schwerpunkte sind dabei die Erdöl und -gasförderung, Bergbau (vor allem Lithium), Telekommunikation, Medien und Technologie (auch wissensbasierte Dienstleistungen), Immobilien, Kfz-Industrie (neue Modelle), konventionelle und erneuerbare Energieerzeugung, Agroindustrie (inklusive Nahrungsmittel, Biotreibstoffe etc.) sowie das Finanzwesen.

Wichtigste Herkunftsländer der Investitionen waren laut Zentralbank Ende 2015 die USA (24,7 Prozent des Bestands), Spanien (16,4), die Niederlande (10,6), Brasilien (8,5), Chile (5,1), die Schweiz (4,7), Uruguay (4,2), Frankreich (3,9) und Deutschland mit 2,9 Prozent.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mio. US$)

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand

91.132

93.871

88.222

Nettotransfers

5.065

11.759

5.745

Quelle: Unctad


Deutsche Direktinvestitionen (in Mio. Euro)

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand

2.748

2.762

k.A.

Nettotransfers

205

645

-98

Quelle: Deutsche Bundesbank


Die größten Investitionen deutscher Unternehmen in Argentinien konzentrieren sich auf die Kfz-Industrie (Volkswagen, Mercedes-Benz) sowie die Erdgasförderung (Wintershall).


Text: Carl Moses

China ist an jeglicher Hochtechnologie sehr interessiert

China ist mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 11,2 Billionen US-Dollar (US$) die zweitgrößte Volkswirtschaft und könnte laut Einschätzung von PWC bis 2050 die USA überrundet haben. Im Ranking des World Economic Forum (WEF) 2017/18 erreichte sie unter 137 untersuchten Ländern in puncto Marktgröße mit ihren 1,4 Milliarden Einwohnern schon jetzt den ersten Platz.

Weitere Informationen zum Wirtschaftsklima sowie zu den wichtigsten Standortvor- und -nachteilen in der GTAI-SWOT-Analyse


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2015

2016

2017

Bruttolohn Geschäftsführer (in US$; 1 US$ = 6,64 RMB) 1)

k.A.

k.A.

13.700 bis 15.000

Miete für Büroraum in Beijing (in US$ pro qm)

 

 

 

Klasse A 2)

70,7

67,2

65,2

Klasse B 3)

56,2

52,7

51,3

Klasse C 4)

44,2

43,9

42,8

Klasse D 5)

38,5

35,9

34,8

1) diese Zahl wurde 2017 erstmals erhoben; "Lohn- und Lohnnebenkosten in China"; 2) Beijing Financial Street; 3) Central Business District; 4) Gegend um Beijing Lufthansa Center; 5) Stadtviertel Wangjing
Quellen: Labor Market and Salary Report 2017/18 der Deutschen Handelskammer in China; Colliers


China ist auf seinem Weg zur Hightech-Nation an jeglicher Hochtechnologie sehr interessiert. Angesichts der allgegenwärtigen Umweltverschmutzung sollten auch Umwelttechnologien stark gefragt sein. Allerdings bleibt dieser Markt oft hinter den Erwartungen zurück. Das wird sich erst ändern, wenn die Umweltgesetzgebung über vereinzelte Aktionen hinaus konsequenter umgesetzt wird.

Weit überdurchschnittlich wächst der Nahrungsmittelsektor mit dem Trend zu höherwertigen und gesünderen Produkten. Trotz Zulassungsschwierigkeiten entwickelt sich auch die Nachfrage nach westlichen Medikamenten gut. Treiber sind die steigenden Einkommen und die älter werdende Gesellschaft. Auch sonst wird der Verkauf von Produkten für Senioren zulegen. Generell achten chinesische Kunden zunehmend auf hohe Qualität. Produkte deutscher Herkunft profitieren allgemein vom guten Renommee des Labels „Made in Germany“.

China war 2016 laut „World Investment Report 2017“ der Vereinten Nationen mit einem Zufluss von 133,7 Milliarden US$ eines der wichtigsten Zielländer globaler Direktinvestitionen (ohne Finanzinvestitionen). Für deutsche Firmen ist China laut Bundesbank fünftwichtigstes Zielland. Die Deutsche Handelskammer in China schätzt, dass 2017 rund 5.200 Unternehmen aus Deutschland geschäftlich aktiv sind.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand (in Mrd. US$)

1.513,3

1.642,3

1.768,3

Nettotransfers (in Mrd. US$)

119,6

126,3

126,0

Quelle: Investment Promotion Agency of Ministry of Commerce (CIPA)


Deutsche Direktinvestitionen

Indikator

2013

2014

2015

Kumulierter Bestand (in Mio. Euro)

48.147

63.125

69.591

Nettotransfers (in Mio. Euro)

8.142

8.468

7.759

Quelle: Deutsche Bundesbank


Größte deutsche Investoren (Stand: September 2017)

Unternehmen

Branche

Volkswagen

Kfz

Siemens

Elektrotechnik, Automatisierung, Digitalisierung

BASF

Chemie

Bayer

Chemie

Bosch

Elektrotechnik, Kfz-Teile

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Text: Stefanie Schmitt und Corinne Abele

Deutsche Unternehmen in den USA fürchten Nachteile bei NAFTA-Aus

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 18,6 Billionen US-Dollar (US$, 2016) bleiben die USA vor China die größte Volkswirtschaft. Die Wachstumsprognose für 2018 setzte der Internationale Währungsfonds im Oktober mit 2,3 Prozent an. Niedrige Energiepreise und die Verfügbarkeit von Risikokapital machen den Standort für Investoren zusätzlich attraktiv. Chancen erhoffen sich die Firmen in den Plänen für Infrastrukturinvestitionen, der im Dezember verabschiedeten Steuerreform und dem Bürokratieabbau. Allerdings treffen die Pläne des Präsidenten Donald Trump immer wieder auf politische Unwägbarkeiten. Als schwierig dagegen gilt die teils komplexe Regulierung. Dazu kommen die hohe Verschuldung sowie Unsicherheiten um die America-First-Politik.

Weitere Informationen zum Wirtschaftsklima sowie zu den wichtigsten Standortvor- und -nachteilen in der GTAI-SWOT-Analyse


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2014

2015

2016

Durchschnittliches Bruttogehalt Geschäftsführer (in US$) *)

15.100

15.500

16.200

Miete für Büroraum in Washington (in US$ pro qm)

 

 

 

Klasse A

50

51

52

Klasse B

39

39

40

*) unterschiedliche Quartalsbetrachtungen; "Lohn- und Lohnnebenkosten in den USA"
Quellen: BLS; JLL


Protektionismus sehen fast 90 Prozent von knapp 100 Unternehmen, welche die Amerikanische Handelskammer in Deutschland befragte, als größte Herausforderung für die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen. Auch eine Bevorzugung der US-Industrie bei öffentlichen Aufträgen kommt bei den Firmen schlecht an. US-Präsident Donald Trump hatte im April ein Dekret zur Anwendung der Regelungen „Buy American and Hire American“ erlassen. Ein Großteil der Unternehmen äußerte auch Bedenken gegen eine verschärfte Einwanderungspolitik. Etwa die Hälfte von 133 teilnehmenden Unternehmen der Umfrage „German American Business Outlook“ der Auslandshandelskammern in den USA (AHK USA) gab an, es sei schwieriger geworden, Visa für internationale Mitarbeiter zu beschaffen.

Die Berater A.T. Kearney sehen die USA im „Foreign Direct Investment Confidence Index“ seit Jahren auf Platz 1. Im 2. Quartal 2017 gingen die Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) im Vergleich zum Vorjahresquartal zurück, so die Organisation für internationale Investitionen (OFFI), während die beiden Vorjahre stark ausfielen. Die Konkurrenz anderer Länder wächst. Der größte Kapitalgeber war Stand 2016 das Vereinigte Königreich. Der Chemiesektor ist ein Investitionsschwerpunkt, für Deutschland auch Kfz und Maschinenbau. Zudem sind das Finanz- und Versicherungswesen stark vertreten.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mrd. US$)

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand 1)

2.945,8

3.303,6

3.725,4

Nettotransfers 2)

201,7

465,8

457,1

1) Stand jeweils Jahresende, Basis: historische Kosten; 2) Finanzzufluss nach Transaktionswerten der US-Zahlungsbilanzstatistik
Quelle: U.S. Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis


Deutsche Direktinvestitionen (in Mrd. US$)

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand 1)

251,0

279,7

291,7

Nettotransfers 2)

37,1

26,8

14,1

1) Stand jeweils Jahresende, Basis: historische Kosten; 2) Finanzzufluss nach Transaktionswerten der US-Zahlungsbilanzstatistik
Quelle: U.S. Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis


Größte deutsche Investoren

Unternehmen

Umsatz 2015 (in Mrd. US$)

Branche

Daimler Group

46,5

Kfz

Volkswagen Group of America

36,7

Kfz

T-Mobile USA

32,1

Information und Telekommunikation

BMW Group

20,2

Kfz

BASF Corp.

17,4

Chemie

Quelle: Deutsch-Amerikanische Handelskammer, April 2016


Text: Eva Korfanty-Schiller

Frankreichs Regierung plant Milliarden für bessere Aus- und Weiterbildung

Das französische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist in den letzten Jahren langsam aber stetig gewachsen. Im Jahr 2018 wird eine Zunahme um 1,5 bis 1,8 Prozent erwartet. Mit einem BIP von 2.229 Milliarden Euro und 66,9 Millionen Einwohnern zählte Frankreich 2016 zu den drei größten Volkswirtschaften in Europa. Details zum Wirtschaftsklima.

Eine hervorragende Infrastruktur und gut ausgebildete akademische Fachkräfte sind weitere Vorteile des Standortes. Hohe Abgaben und ein wenig flexibles Arbeitsrecht werden allgemein als die größten Nachteile angesehen. Einen Überblick über Stärken und Schwächen Frankreichs bietet unsere SWOT-Analyse.


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2014

2015

2016

Bruttolohn für einen Geschäftsführer (in Euro) *)

10.675

10.917

k.A.

Miete jeweils für Büroraum in der Hauptstadt (renoviert, in Euro pro qm)

 

 

 

Klasse A

41

41

41

Klasse B

27

29

28

*) "Lohn- und Lohnnebenkosten in Frankreich"
Quellen: Challenges (Salaire des cadres, www.challenges.fr); www.bureauxlocaux.com


Die Investitionen der Unternehmen erhöhten sich 2016 um 3,4 Prozent, auch 2017 erwarten Experten eine Zunahme um rund 3 Prozent. Grund für die gute Stimmung ist neben der konjunkturellen Erholung das klare Wahlergebnis der Präsidentschafts- und Parlamentswahl 2017. Die neue Regierung hat sich weitreichende Reformen ins Programm geschrieben. Neben einer Liberalisierung des Arbeitsrechts sollen die Unternehmenssteuern und die Kapitalbesteuerung gesenkt werden. Der französische Präsident Emmanuel Macron plant zudem, 15 Milliarden Euro zusätzlich für eine bessere Aus- und Weiterbildung der Arbeitnehmer bereitzustellen.

Die Zahl der ausländischen Investitionsprojekte liegt derzeit jährlich bei über 1.000 mit leicht steigender Tendenz. Besonders viele Vorhaben gibt es im Fahrzeugbau, der Chemie und der Metallverarbeitung. Im Dienstleistungsbereich dominieren unternehmensorientierte Dienstleistungen sowie Forschung und Entwicklung, Ingenieurleistungen und Design. Hier fließen die Investitionen vor allem in Software und Informationsdienstleistungen sowie in die Sparten Pharma, Kfz und Elektronik.

Bei gut der Hälfte der Investitionsprojekte handelt es sich um Neugründungen, weitere 40 Prozent sind Erweiterungen bestehender Niederlassungen. Übernahmen spielten 2016 mit etwa 4 Prozent der Projekte eine relativ geringe Rolle, sind aber oft durch ihre Medienwirksamkeit recht spektakulär. Wichtigste Herkunftsländer ausländischer Investitionen waren 2016 Deutschland, die USA, Italien, das Vereinigte Königreich und Japan.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mrd. Euro)

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand

576,6

632,8

661,8

Nettotransfers

2,0

42,4

25,6

Quelle: Banque de France


Deutsche Direktinvestitionen (in Mio. Euro)

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand

34.388

38.499

k.A.

Nettotransfers

+8.083

-3.086

+4.399

Quelle: Deutsche Bundesbank


Die geografische Nähe, die gemeinsame Zugehörigkeit zur Europäischen Union (EU) und die Marktgröße Frankreichs führen dazu, dass praktisch alle größeren deutschen Unternehmen vor Ort präsent sind. In Schlüsseltechnologien besteht zunehmend die Tendenz zur Schaffung von binationalen Unternehmen nach dem Vorbild des Airbus-Konzerns im Flugzeugbau.


Größte deutsche Investoren nach Beschäftigung (Stand: Dezember 2016)

Unternehmen

Branche

Lidl

Einzelhandel

Familien Porsche und Piëch

Kfz und Kfz-Zulieferer

Allianz

Versicherung, Finanzdienstleistungen

Deutsche Post

Transport und Logistik

Bertelsmann Stiftung

Unternehmensorientierte Dienstleistungen

Quelle: Business France


Text: Marcus Knupp

Indien: Mehr internationale Abkommen erhofft

Indien ist und bleibt ein wichtiger Zukunftsmarkt. Attraktiv für ausländische Investitionen macht den Subkontinent mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern die Größe seines potenziellen Absatzmarktes. Hinzu kommen das hohe Wirtschaftswachstum (gut 7 Prozent im Wirtschaftsjahr 2016/17 (1.4. bis 31.3.), eine wachsende, konsumfreudige Mittelschicht und eine noch geringe Marktsättigung. Trotz dieser Chancen ergeben sich aber auch viele Herausforderungen. Dazu gehören beispielsweise die regulatorische Unsicherheit, viel Bürokratie, eine unzureichende Infrastruktur und schlechte Berufsmöglichkeiten für die junge und stark wachsende Bevölkerung.

Weitere Informationen zum Wirtschaftsklima sowie zu den wichtigsten Standortvor- und -nachteilen in der GTAI-SWOT-Analyse


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat) 1)

Indikator

2015

2016

2017

Gesamtvergütung Geschäftsführer (CEO) (in US$) 2) 3)

125.000

240.000

250.000

Miete für Büroraum (CBD, in US$ pro qm)

67

67

65

Delhi

67

67

65

Mumbai

37

36

37

Chennai

12

12

12

1) 1 US$ = 65,85 iR - Wechselkurs am 28. September 2017; 2) in den größten börsengelisteten Konzernen, "Lohn- und Lohnnebenkosten in Indien"; 3) Finanzjahre
Quelle: Cushman and Wakefield


Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien könnte die bilaterale Kooperation deutlich voranbringen. Insgesamt gestalten sich die im Jahr 2007 begonnenen Verhandlungen allerdings sehr schwierig, da divergierende Ansichten auf beiden Seiten verhärtet sind. Zudem hat das Auslaufen des Investitionsschutzabkommens mit Deutschland für Verunsicherung gesorgt. Neuinvestitionen unterliegen bis zum Abschluss eines Nachfolgeabkommens keinem Sonderschutz mehr. Hierzu wurde aber bisher noch nicht neu verhandelt.

Indiens Investitionsklima verbessere sich eher schleppend, klagen Experten. In der globalen Rangliste der Weltbank zur Vereinfachung der Geschäftsabwicklung "Ease of Doing Business 2018" rangiert Indien noch immer auf den hinteren Rängen (Platz 100 von 190), das Land hat sich aber in diesem Index im letzten Jahr immerhin um 30 Plätze verbessert.

Die Nettozunahme an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) erreichte laut indischen Quellen im Finanzjahr 2016/17 mit 43,5 Milliarden US-Dollar (US$) einen neuen Rekordwert. Investiert wurde vor allem im Dienstleistungssektor, in der IT-Branche, im Bauwesen, in der Telekommunikation sowie in der Kfz-Industrie. Mit Abstand größtes Investitionsland gemessen an den kumulierten FDI-Zuflüssen von April 2000 bis Juni 2017 ist Mauritius (34 Prozent), gefolgt von Singapur (17 Prozent), Japan (8 Prozent), dem Vereinigten Königreich (7 Prozent) und den Niederlanden (6 Prozent). Deutschland belegt Rang sieben (3 Prozent). Über die Steueroasen Mauritius und Singapur werden wegen Doppelbesteuerungsabkommen mit Indien ein großer Teil der Investitionen abgewickelt.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mio. US$)

Indikator

2014

2015

2016

Bestand

253.120

282.609

318.502

Transfers

34.582

44.064

44.486

Quelle: UNCTAD, World Investment Report 2017


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mio. US$)

Indikator

2015/16 1)

2016/17 1)

April bis Juni 2017

Kumulierte Zuflüsse 2) 3)

288.513

331.991

342.399

Zuflüsse 2)

40.001

43.478

10.408

1) Finanzjahr; 2) Kapitalbeteiligungen ohne Reinvestitionen und sonstigem Kapital; 3) seit April 2000
Quelle: Department of Industrial Policy and Promotion, Oktober 2017


Deutsche Direktinvestitionen (in Mio. Euro)

Indikator

2013

2014

2015

Kumulierter Bestand

9.010

10.775

12.721

Nettotransfers

886

1.529

1.210

Quelle: Deutsche Bundesbank, Oktober 2017


Größte deutsche Investoren

Unternehmen

Branche

Bestand (in Mio. US$)

Siemens

Technologie

1.096

Daimler

Kfz

1.040

Volkswagen

Kfz

1.016

Bosch

Technologie

681

MAN

Kfz

315

Quelle: Deutsch-Indische Handelskammer (AHK), Mumbai, Oktober 2017


Text: Heena Nazir

Konjunkturflaute belastet Südafrika

Südafrika befindet sich in einer wirtschaftlichen Schwächephase. Im Jahr 2016 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 0,3 Prozent. Auch 2017 und 2018 soll das Wachstum mit 0,6 beziehungsweise 1,2 Prozent mager ausfallen. Die 2-Prozent-Marke dürfte bis mindestens 2020 verfehlt werden.

Südafrika ist nach Nigeria die zweitgrößte Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents (BIP 2016: 295 Milliarden US-Dollar, US$), verfügt jedoch mit 56,5 Millionen Einwohnern und einer vergleichsweise hohen Kaufkraft über einen großen Binnenmarkt. Trumpf des Standortes ist die für Afrika hohe wirtschaftliche Diversifizierung mit einer breiten industriellen Basis. Für Probleme sorgen Fachkräftemangel und Missstände in der öffentlichen Verwaltung.

Weitere Informationen zur Wirtschaftslage sowie zu den wichtigsten Standortvor- und -nachteilen in der GTAI-SWOT-Analyse


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2015

2016

2017

Bruttolohn Geschäftsführer (in US$) *)

16.100

15.200

18.600

Miete für Büroraum in Johannesburg (in US$ pro qm)

 

 

 

Klasse A

16,2

14,4

18,0

Klasse B

8,2

7,4

8,8

*) "Lohn- und Lohnnebenkosten in Südafrika"
Quellen: JLL; 21st Century Pay Solutions


Trotz der enttäuschenden makroökonomischen Entwicklung bietet Südafrika ausländischen Investoren mehrere interessante Geschäftsfelder. So will die Automobilindustrie ihre Produktion bis 2020 auf 900.000 Kfz steigern, 2016 wurden 600.000 Fahrzeuge gefertigt. Initiativen der Industrie wollen langfristig einen Anstieg des lokalen Anteils von Originalzulieferteilen von 38 auf 60 Prozent erreichen.

Im Wassersektor hat sich ein Investitionsstau von rund 65 Milliarden US$ gebildet, der in den nächsten zehn Jahren abgebaut werden muss. Der südafrikanische Bergbau setzt auf eine verstärkte Mechanisierung. Zusammen mit der Chamber of Mines sucht die Industrie nach innovativen Lösungen für Deep Level Mining, um in Tiefen von 5.000 Meter vorzudringen. Fortwährend steigende Strompreise rücken das Thema Energieeffizienz in den Fokus. Der Markt für grünes Bauen entwickelt sich dynamisch.

Risiken ergeben sich aus der regulatorischen Unsicherheit, die viele Sektoren belastet. Eine neue Bergbaugesetzgebung ist bereits seit 2012 in der Schwebe, die unklaren Rahmenbedingungen verhindern neue Minenprojekte. Der boomende Markt für erneuerbare Energien erlebt einen Rückschlag, da sich der staatliche Versorger Eskom gegen weitere Stromabnahmeverträge mit privaten Erzeugern wehrt. Wann es zu neuerlichen Ausschreibungsrunden für regenerative Projekte kommt, ist unklar.

Bei der Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) ist die schwache Wirtschaftsentwicklung am Kap bereits zu spüren. Nach einem Negativrekord 2015 legten die FDI-Zuflüsse nach Südafrika 2016 immerhin wieder um fast ein Drittel zu, blieben aber deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Nach Angola, Ägypten, Nigeria, Ghana, Äthiopien, Mosambik und Marokko rangierte Südafrika damit nur auf Rang 8 der begehrtesten Investitionsstandorte in Afrika.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand (in Mio. US$)

145.384

124.940

136.837

Nettotransfers (in Mio. US$)

5.771

1.729

2.270

Quelle: UNCTAD


Der FDI-Bestand konzentriert sich stark auf die Sektoren Finanzen und Bergbau. Von deutscher Seite dominiert die Automobilindustrie mit den Werken von Mercedes-Benz (East London), BMW (Rosslyn) und VW (Port Elizabeth).


Deutsche Direktinvestitionen

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand (in Mio. Euro)

5.969

5.314

k.A.

Nettotransfers (in Mio. Euro)

924

295

30

Quelle: Deutsche Bundesbank

Text: Heiko Stumpf

Politische Stabilität in Polen lässt nach

Der mit 38 Millionen Einwohnern größte Markt Mittelosteuropas (MOE) durchlebte 2016 mit 2,7 Prozent Wirtschaftswachstum ein Dreijahrestief. Das Tempo soll aber laut Polnischer Nationalbank (NBP) 2017 eine Vier vor dem Komma und 2018 etwa 3,4 Prozent erreichen. Nähere Informationen finden Sie im „Wirtschaftsausblick Polen".

Die sich nicht zuletzt dank Sozialmaßnahmen der Regierung beschleunigenden Konsumausgaben sowie über 122 Mrd. Euro Finanzmittel der Europäischen Union (EU), die bis 2023 ausgegeben werden können, machen Polen als Markt für ausländische Unternehmen attraktiv. Mehr zu den Stärken und Schwächen der Wirtschaft Polens finden Sie in unserer SWOT-Analyse Polen.


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2015

2016

2017

Bruttolohn für einen Geschäftsführer (in Euro) 1)

3.466

3.209 2)

k.A.

Miete jeweils für Büroraum in Warschau (in Euro pro qm)

 

 

 

Innenstadt

25,00

24,00

23,75

außerhalb der Innenstadt

15,00

14,25

14,75

1) "Lohn- und Lohnnebenkosten in Polen" 2) Rückgang größtenteils bedingt durch die Abwertung des Zloty um 4,3 Prozent
Quellen: Sedlak & Sedlak, Cushman & Wakefield


Der wirtschaftliche Erfolg des Landes baut auch in Zukunft vor allem auf seiner Branchenvielfalt und gut ausgebildeten und motivierten Fachkräften auf. Allerdings hat die Ende 2015 von der rechtskonservativen Regierung losgetretene Gesetzeslawine viele Investoren verunsichert. Besonders fallen eine Bankensteuer und umstrittene Justizreformen auf. Das Justizministerium darf seit August 2017 ohne Grund die Richter von Zivil- und Strafgerichten entlassen. Eine neue Abgabe für den Einzelhandel wurde vorerst durch die Europäische Kommission gestoppt.

Immer sichtbarer wird der zunehmende wirtschaftliche Patriotismus. Selbst bei hochinnovativen Unterfangen, wie dem Wettbewerb für einen Elektroautoentwurf, wird permanent unterstrichen, dass damit der Grundstein für ein „polnisches“ E-Mobil gelegt wird. Der Staat nutzt sich am Markt öffnende Chancen, um zum Beispiel sein Engagement im Bankensektor zu erhöhen. Mit einer umfangreichen Novelle des erst ein Jahr zuvor beschlossenen Erneuerbare-Energien-Gesetzes wurden im Sommer 2016 nahezu der gesamtem Branche die Flügel gestutzt (s.a. "Branche kompakt: Flaute für Windenergie in Polen").

Dies spiegelt sich in Investorenmeinungen wieder. Nach drei Jahren an der Spitze des Standortattraktivitätsrankings der deutschen Auslandshandelskammern (AHK) im MOE-Raum musste sich Polen sowohl 2016 als auch 2017 der Tschechischen Republik geschlagen geben. Die davor als besondere Stärken hervorgehobenen Faktoren, wie politische Stabilität und Vorhersehbarkeit der Wirtschaftspolitik, zählen seitdem zu den am schlechtesten benoteten.

Der fortlaufende Ausbau der Infrastruktur oder die immer noch vorhandenen Fachkräfte ziehen dennoch weiterhin Investoren an. Großkonzerne, wie Daimler, LG Chem oder Lufthansa, kündigten in den letzten Monaten Vorhaben im Wert von jeweils dreistelligen Millionensummen an. Andererseits berichten einige KMU, mit ihren Projekten vorerst abwarten zu wollen.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mrd. Euro)

Indikator

2013

2014

2015

Kumulierter Bestand

168,5

174,0

167,1

Nettotransfers

2,1

10,8

12,1

Quelle: Polnische Nationalbank


Deutsche Direktinvestitionen (in Mio. Euro)

Indikator

2012

2013

2014

Kumulierter Bestand

21,5

22,6

22,7

Nettotransfers

-4.113

2.830

531

Quelle: Deutsche Bundesbank


Größte deutsche Investoren (Stand: 2016)

Unternehmen

Branche

Umsatz in Mio. Euro

Lidl

Einzelhandel

3.208,7

Volkswagen Poznan

Kfz-Produktion

2.864,2

Metro Group Polska

Einzel- und Großhandel

2.466,1

Kaufland Polska

Einzelhandel

2.314,8

Volkswagen Group Polska

Kfz-Handel

2.177,3

Quelle: Liste der 500 größten Unternehmen der Tageszeitung Rzeczpospolita


Text: Michal Wozniak

Russische Regierung investiert Milliarden Euro in Digitalisierung der Wirtschaft

Das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im 1. Halbjahr 2017 um 1,5 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und das Wirtschaftsministerium korrigierten ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum auf 1,8 und 2,1 Prozent nach oben. Für 2018 liegen die Erwartungen bei 1,6 Prozent (IWF) und 2,1 Prozent (Wirtschaftsministerium). Die Unternehmensberatung PwC rechnet damit, dass Russland bis 2030 zur größten Volkswirtschaft Europas aufsteigen wird. Weitere Informationen über das Wirtschaftsklima in Russland.

Ausschlaggebend für die guten Perspektiven sind das Potenzial des Landes, die Größe und Nachfragestruktur des Marktes und letztlich die Geschäftschancen. Monopolstrukturen in den Kernbereichen Transport und Energie, verschleppte Reformen und staatlicher Dirigismus gehören aber weiterhin zu den Wachstumsbarrieren. Weitere Informationen zum Standort Russland bietet unsere SWOT-Analyse Russland.


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2014

2015

2016

Durchschnittlicher Bruttolohn *) für einen Geschäftsführer in der Automobilindustrie (in US$)

12.142

12.142

13.876

Durchschnittlicher monatlicher Bruttolohn *) für einen Geschäftsführer in IT, Telekom (in US$)

19.514

19.514

19.514

Miete jeweils für Büroraum in der Hauptstadt (in US-Dollar pro qm)

70

50

49

Klasse A

70

50

49

Klasse B

45

30

27

*) "Lohn- und Lohnnebenkosten in Russland"
Quellen: Antal Russia, Colliers International


Russische Unternehmen blicken wieder positiver in die Zukunft. Etwa 28 Prozent der russischen Firmenchefs rechnen nach Angaben des Wachstumsbarometers von EY für 2017 mit einem Umsatzplus zwischen 10 und 15 Prozent. Das sind beinahe doppelt so viele wie 2016. Optimistisch schauen auch deutsche Firmenchefs auf die Entwicklung der Wirtschaft. In der aktuellen Geschäftsklimaumfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) erwarten 64 Prozent der Teilnehmer ein Wachstum ihrer Unternehmen im Jahr 2018. Und 39,2 Prozent planen, Investitionen von insgesamt etwa 500 Millionen Euro zu tätigen. Dabei bietet die Digitalisierung der Wirtschaft große Chancen. Mit dem Programm „Digitale Wirtschaft“ pumpt die Regierung pro Jahr etwa 1,5 Milliarden Euro in diesen Bereich.

Russland wird vom 2014 eingeschlagenen Kurs der Importsubstitution nicht abrücken. Nach den Präsidentschaftswahlen im März 2018 könnte die wirtschaftliche Ausrichtung des Landes jedoch einer Kurskorrektur unterzogen werden. Zwei Lager konkurrieren dabei um Einfluss. Das Zentrum für Strategische Forschungen fordert, dass der Staat sich möglichst aus der Wirtschaft zurückziehen sollte. Der Politiker und Bevollmächtigte für Unternehmerrechte, Boris Titow hingegen, plädiert für eine aktivere Rolle des Staats in der Konjunkturpolitik. Beide Lager betonen die Notwendigkeit, mehr Rechtssicherheit und Transparenz zu schaffen.

Nach Angaben der russischen Zentralbank stiegen die ausländischen Direktinvestitionen in russische Unternehmen in den ersten neun Monaten 2017 um das 2,1-Fache auf 19,8 Milliarden Euro. Deutschland liegt auf Rang sieben - hinter Steueroasen wie Zypern, Luxemburg, den Bahamas und Bermuda. Die deutschen Direktinvestitionen nach Russland betrugen im 1. Halbjahr 2017 rund 1,9 Milliarden Euro, berichtet die deutsche Bundesbank. Der Bestand deutscher Direktinvestitionen in die russische Wirtschaft beläuft sich damit auf 16,6 Milliarden Euro.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mrd. Euro)

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand *)

306

319,4

439

Nettotransfers *)

16,6

6,2

29,4

*) Wechselkurs zum Euro-Referenzkurs der Europäischen Zentralbank zum 1. Januar des jeweiligen Jahres
Quelle: Zentralbank der Russischen Föderation


Deutsche Direktinvestitionen (in Mio. Euro)

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand *)

9.600

13.600

15.400

Nettotransfers *)

287

1.356

214

*) Wechselkurs zum Euro-Referenzkurs der Europäischen Zentralbank zum 1. Januar des jeweiligen Jahres
Quelle: Zentralbank der Russischen Föderation


Größte deutsche Investoren (Stand: Oktober 2017)

Unternehmen

Branche

Investitionsvolumen (in Millionen Euro)

Siemens

Elektrotechnik und Elektronik

1.900

VW

Automobil

1.750

Henkel

Konsumgüter

290

Daimler

Automobil

250

Claas

Landtechnik

120

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest


Text: Hans-Jürgen Wittmann

Türkei treibt Ausbau der Infrastruktur und Privatisierung voran

Die hohen geopolitischen Risiken, der radikale Umbau des türkischen Staates zu einem autoritären Präsidialsystem und die anhaltenden Spannungen mit der Europäischen Union und den USA beeinträchtigen das Investitionsklima im Land. Die Annäherung Ankaras an Länder, wie Russland und Iran, auf der Suche nach einer neuen politischen Orientierung mit gleichzeitiger Distanzierung von westlichen Partnern löst bei Investoren eine gewisse Skepsis aus.

Das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit ist nicht zuletzt wegen der Zwangsverstaatlichung von etwa 1.000 Unternehmen seit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 erschüttert. Da das Land für die Realisierung seiner ehrgeizigen Entwicklungsziele und Investitionen in hohem Maße auf internationale Finanzierungen angewiesen bleibt, könnte sich das inzwischen problematische Verhältnis zu mehreren westlichen Ländern ungünstig auf die zukünftige Projekttätigkeit auswirken.

Unbestritten bleibt das große wirtschaftliche Potenzial der Türkei. Das Land ist mit rund 80 Millionen Einwohnern ein bedeutender Markt, auch wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in US-Dollar (US$) wegen des Währungsverfalls in den letzten Jahren stagnierte. Die türkische Regierung erwartet bis 2020 ein reales BIP-Wachstum von jährlich 5,5 Prozent. Mehr Informationen zum Wirtschaftsklima finden Sie auf unserer "Länderseite Türkei".

Aufgrund ihrer geografischen Lage ist die Türkei auch als Produktionsbasis für die angrenzenden Regionen Zentralasien, Nahost und Südosteuropa interessant. Die Löhne sind im Vergleich zu westlichen Industrieländern deutlich niedriger.

Deutsche Unternehmen zeigten sich in einer internen Umfrage der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer (AHK Türkei) im September 2017 eher zuversichtlich, was ihre Geschäftsentwicklung in der Türkei anbelangt. Knapp 57 der 88 befragten Unternehmen sagten, dass sie ihre Investitionen in den nächsten zwölf Monaten erhöhen oder auf gleichem Niveau halten wollten.

Informationen zu den Standortvor- und -nachteilen bietet die "SWOT-Analyse Türkei".


Entwicklung wichtiger Eckdaten in der Türkei (pro Monat)

Indikator

2015

2016

2017

Bruttolohn für einen Geschäftsführer (in Euro) *)

14.347

14.119

k.A.

Miete jeweils für Büroraum im Hauptgeschäftsviertel (Central Business District) der Wirtschaftsmetropole Istanbul (in US$ pro qm)

 

 

 

Klasse A

32,1

28,1

25,9

Klasse B

16,0

15,0

14,0

*) "Lohn- und Lohnnebenkosten in der Türkei"
Quellen: Immobilienberatungsgesellschaft Propin (Büromieten auf der Grundlage der Erhebungen jeweils im 2. Quartal eines Jahres); Personalberatungsfirma Poyraz Danismanlik (Lohnkostenerhebungen)


Umfangreiche Verbesserungen und Erweiterungen der Infrastruktur durch die öffentliche Hand schaffen gute Bedingungen für Projekte. Auch die fortgesetzte Privatisierung in Bereichen wie dem Fernstraßennetz und der Energieversorgung dürfte Investitionen in den kommenden Jahren pushen.

Die ausländischen Direktinvestitionen gingen in den ersten sieben Monaten 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9,7 Prozent auf 5,7 Milliarden US$ zurück. In diesem Betrag sind auch ausländische Immobilieninvestitionen von 2,8 Milliarden US$ enthalten, die um 31 Prozent zulegten. Nach dem Immobiliensektor flossen die meisten ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Finanzdienstleistungen und in die Versorgungswirtschaft. Etwa 78 Prozent der gesamten FDI kamen aus der EU.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen in die Türkei

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand (in Mio. US$)

177.661

145.471

132.882

Nettotransfers (in Mio. US$)

12.134

16.508

11.987

Quelle: Deutsche Bundesbank (Bestandserhebung über Direktinvestitionen)


Deutsche Direktinvestitionen in der Türkei

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand (in Mio. Euro)

9.545

9.238

k.A.

Nettotransfers (in Mio. Euro)

575

978

640

Quelle: Deutsche Bundesbank (Bestandserhebung über Direktinvestitionen)


Größte deutsche Investoren nach Umsatzhöhe (Stand: 2016)

Unternehmen

Branche

Umsatz (in Mio. US$)

Enerjisa *)

Energie

3.920

Mercedes-Benz Türk

Kfz

3.286

BSH Ev Aletleri

Elektrotechnik

1.540

Bosch Sanayi ve Ticaret A.S.

Kfz-Teile

1.302

BASF Türk Kimya

Chemie

741

*) Joint Venture zwischen Energieunternehmen E.ON und türkischer Sabanci-Gruppe
Quelle: Wirtschaftsmagazin „Capital“, Nr. 8/2017


Text: Necip C. Bagoglu

Unternehmen in Tschechien setzen auf moderne Technologien und Automatisierung

Tschechien gehört derzeit zu den dynamischsten Volkswirtschaften in Europa. Die politische Lage ist stabil und die Wirtschaftsstruktur diversifiziert, sodass für die kommenden Jahre mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung zu rechnen ist.

Für 2018 erwartet die Regierung einen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,9 Prozent. In den beiden Folgejahren 2019 und 2020 soll die Wirtschaftsleistung um jeweils 2,5 Prozent zulegen. Damit wird das BIP die Marke von umgerechnet mehr als 200 Milliarden Euro überschreiten. Es hätte fast das Niveau von Finnland erreicht

Starke Impulse liefert die Inlandsnachfrage. Mit knapp 10,6 Millionen Einwohnern ist der Binnenmarkt recht klein. Doch die Bevölkerung wächst jährlich dank Zuwanderung aus Osteuropa um rund 20.000 Einwohner. Mehr Informationen zum Wirtschaftsklima in Tschechien


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2014

2015

2016

1. Halbjahr 2017

Bruttolohn für einen Geschäftsführer (Median in Euro) *)

2.174

2.149

2.140

2.236

Miete für Büroraum in Prag (Durchschnitt in Euro pro qm)

13,20

13,20

13,20

13,20

Klasse A

19,00

18,50 bis 19,50

18,50 bis 19,50

19,00 bis 20,00

Klasse B

14,50 bis 16,00

14,50 bis 16,50

14,50 bis 16,50

14,50 bis 16,50

*) "Lohn- und Lohnnebenkosten in der Tschechischen Republik"
Quellen: Informationssystem über den Durchschnittslohn; Zentralbank; Colliers International


Pluspunkte Tschechiens sind die Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU) und gut ausgebildete Fachkräfte. Zu den Nachteilen zählen die zuweilen als willkürlich empfundene Bürokratie, die geringe Transparenz bei öffentlichen Ausschreibungen und in Einzelfällen die mangelnde Rechtssicherheit. Informationen zu den Stärken und Schwächen des Wirtschaftsstandorts bietet die SWOT-Analyse der GTAI.

Da die Lohnkostenvorteile schwinden, muss Tschechien verstärkt auf höhere Wertschöpfung der Industrieproduktion setzen, auf moderne Technologien und Automatisierung. Bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung gehört das Land zu den Spitzenreitern in Mittelosteuropa.

Wegen der starken Verflechtung mit dem Nachbarland orientiert sich Prag bei der Digitalisierung der Produktionsprozesse am deutschen Konzept Industrie 4.0. Weiterhin starke Investitionszuflüsse sind im Transport- und Logistiksektor zu erwarten.

Deutschland gehört neben den Niederlanden und Österreich zu den wichtigsten Herkunftsländern für ausländische Direktinvestitionen. Wichtige Zielbranchen sind das verarbeitende Gewerbe, der Finanzsektor sowie der Einzelhandel.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mio. Euro)

Indikator

2013

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand

97.311

100.076

107.129

k.A.

Nettotransfers

2.769

4.140

419

6.104

Quelle: Tschechische Nationalbank


Deutsche Direktinvestitionen (in Mio. Euro)

Indikator

2013

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand

20.779

24.980

26.370

k.A.

Nettotransfers

92

689

177

1.338

Quelle: Deutsche Bundesbank


Größte deutsche Investoren (Stand: September 2017)

Unternehmen

Branche

Volkswagen

Fahrzeugbau

RWE Gas

Gas, Energie

Continental

Kfz-Teile

Robert Bosch

Motorenbau, Kfz-Teile, Elektronik

Siemens

Elektronik, Motoren, Schienenfahrzeuge

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest


Text: Gerit Schulze

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