Oliver Badde Oliver Badde | © THOST Projektmanagement GmbH

Gespräch mit Herrn Oliver Badde, Geschäftsführer, THOST Projektmanagement GmbH

Können Sie bitte Ihr Unternehmen und die Aktivitäten im Projektgeschäft vorstellen? In welchen Ländern und Bereichen haben Sie ihre Hauptaktivitäten?

Die 1987 gegründete THOST Projektmanagement GmbH ist in Deutschland das größte unabhängige Projektmanagement-Familienunternehmen mit Hauptsitz in Pforzheim und 11 weiteren Standorten in deutschen Städten. Mit ca. 400 Mitarbeitern betreuen und steuern wir weltweit die Entwicklung, Planung und Realisierung komplexer Bauvorhaben in den Bereichen Immobilien, Anlagenbau, IT und Infrastruktur. International sind wir schwerpunktmäßig in der DACH-Region, den GUS-Staaten, dem Mittleren Osten und Asien tätig und dort mit Tochtergesellschaften in der Schweiz, Russland, in den VAE, Katar sowie in Indien vertreten.

Wir beraten Bauherren, Investoren und Betreiber in frühen Projektphasen - in diesen klären wir die Anforderungen zum Beispiel durch Machbarkeitsstudien - bis zur Auswahl der Realisierungsmodelle. Dabei machen wir die Risiken transparent und somit handhabbar. In allen Planungs-, Genehmigungs- und Realisierungsphasen koordinieren wir immer mit Blick auf das Projektziel sämtliche Projektbeteiligte und sichern so Kosten, Termine und Leistungsinhalte. Zum Einsatz kommen dabei sowohl bewährte Verfahren als auch qualifizierte Mitarbeiter sowie entsprechende Strategien und das von der frühen Projektidee bis zur Inbetriebnahme und Übergabe.


Welches sind die wichtigsten Faktoren einer erfolgreichen Projektsteuerung im Ausland?

Wir stellen immer wieder fest, dass im Ausland deutsche Tugenden wie Know-how, Zuverlässigkeit, Präzision, hohe Arbeitsmotivation, offener und transparenter Umgang mit Änderungen und Risiken sehr gefragt sind. Diese sollte man nicht im Rahmen der Lokalisierung verlieren. Darüber hinaus sind ein klares systematisches Vorgehen, Kenntnisse landesspezifischer Besonderheiten und der entsprechende Umgang mit den jeweiligen Kulturen, den Arbeits -und Entscheidungsweisen sowie die Einbeziehung lokaler Mitarbeiter eminent wichtig für den Erfolg. Aber auch die frühe Einbeziehung und Berücksichtigung der vertraglichen Besonderheiten gilt es zu berücksichtigen.


Rechtliche Unterschiede, Compliance-Vorschriften sowie verschiedene Interessenslagen der Projektbeteiligten – wie kommen Sie mit diesen Herausforderungen in der Praxis zurecht?

Als deutsches Unternehmen geht das nur durch konsequente Einhaltung und Einforderung internationaler Compliance Standards sowie die konsequente Ablehnung jeglicher Korruption. Jede Abweichung davon stellt die Unabhängigkeit der Projektsteuerung in Frage. Hierfür haben wir eine eigene, gelebte Compliance Richtlinie, die auch allen unseren Kunden zur Verfügung steht.


Welche Bedeutung haben „Vor-Ort-Kenntnisse“ und lokale Fachkräfte für Ihr Unternehmen?

Nur mit guten Vor-Ort-Kenntnissen können wir Markt- und Projektentwicklungen im jeweiligen Land korrekt einschätzen und bewerten sowie die deutschen Qualitätsstandards erreichen. Lokale Arbeitskräfte sichern eine angemessene Kommunikation mit allen Beteiligten vor Ort und das sowohl sprachlich als auch kulturell. Diese Faktoren sind daher unerlässlich, um grundsätzliche Fehlentwicklungen und eine mangelnde Akzeptanz der Ergebnisse zu vermeiden und sichern somit den wirtschaftlichen Erfolg.


Die wichtigsten Unterschiede bei der Projektvergabe durch private und staatliche Projektträger? Steigt das Interesse an PPP-Projekten?

Die Kenntnisse und Qualifikationen staatlicher Stellen in zielgerichteten transparenten Vergabeprozessen sind höchst unterschiedlich ausgeprägt. Das Interesse an PPP-Projekten steigt jedoch eindeutig. Allerdings ist bisher die Rechts- und Marktreife der Vertrags- und Finanzierungsbedingungen insbesondere in Schwellenländern für PPP-Projekte nur unzureichend gewesen. Einzelfälle können dennoch erfolgreich sein.


Bewerben Sie sich auf Aufträge oder Unteraufträge im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit? Welche Bedeutung hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit?

Projektsteuerung wird durch ausschreibende lokale oder auch deutsche Institutionen in der Entwicklungszusammenarbeit in der Regel nicht angefragt und das trotz nachweislicher Defizite in der Projektplanung und Realisierung. Somit liegt in der Wirksamkeit von Entwicklungs-Initiativen noch ein großes Potenzial. 


Wettbewerber aus Asien bieten komplette Finanzierungspakete. Wie bewerten Sie die aktuelle Konkurrenzsituation für deutsche Unternehmen?

Asiatische Finanzierungskomplettangebote erschweren eindeutig den Marktzugang. Eine unabhängige ganzheitliche Bewertung solcher Angebote ist vielfach nicht gegeben, daher haben deutsche Unternehmen vielfach nur eingeschränkte oder keine Wettbewerbschancen. Wir sehen deutsche / internationale Arbeitsgemeinschaften als Antwort auf die asiatische Konkurrenz.

Die deutschen Unternehmen sind meistens Mittelständler und daher häufig nicht in der Lage „große“ Komplettangebote abzugeben. Hilfreich wären hier zum Beispiel Kooperationen deutscher Unternehmen mit (staatlicher) Finanzierungsunterstützung und -Absicherung. Dies gilt besonders  dann, wenn - wie wir zunehmend feststellen - nicht nur die Errichtung, sondern auch der Betrieb einer Anlage gefragt ist. 


Sind die hohen Standards deutscher Unternehmen überhaupt relevant für eine Vergabe?

Deutsche Qualität und Standards sind nach wie vor geschätzt und gefragt. Doch am Ende zählt bei der Vergabe auch im Ausland bei aller Wertschätzung hoher Standards oft nur noch der Preis. Um erfolgreich zu sein, sind ganzheitliche Lösungsansätze zum Beispiel unter Einbezug von LifeCycle-Kosten sowie Betriebs- und Wartungskosten wichtig.


Drei Tipps für deutsche Unternehmen, die sich erfolgreich an Projekten im Ausland beteiligen wollen?

Die Unternehmen sollten nicht nur die Erstinvestitionen betrachten sondern das Leistungsangebot unbedingt auf die notwendigen Funktionen beschränken und übergeordnete Qualitätskriterien wie Zuverlässigkeit, Lebensdauer und Rentabilität herausstellen. Darüber hinaus ist es wichtig, den Auftraggebern Beratungs- und Servicekompetenz anzubieten. Eine pragmatische Herangehensweise sowie das Eingehen von Kooperationen sind weitere wichtige Aspekte, um erfolgreich zu sein.

Interview: Martin Kalhöfer, GTAI

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