RF_Getty_1060859352_RZ_1340x574 RF_Getty_1060859352_RZ_1340x574 | © Aerial view of Copenhagen skyline and Amagertorv town square with fountain, Denmark©GettyImages/Alexander Spatari

Special Dänemark Coronavirus

Regierung reagiert auf steigende Infektionszahlen

Früh eingeführte Gegenmaßnahmen reduzierten das Ausmaß der Coronapandemie in Dänemark. Im September wurden die Einschränkungen wieder verschärft.


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Die dänische Wirtschaft zeigt sich vergleichsweise Corona-resistent. Der Konsum sollte sich schon 2021 erholen. Unternehmen werden länger brauchen. (Stand: 8. September 2020)

    Die dänische Wirtschaft zeigt sich Corona-resistenter als die meisten europäischen Länder. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt im 1. Quartal 2020 nur knapp das Niveau des gleichen Vorjahreszeitraums verfehlt hat, ergab sich in den darauffolgenden drei Monaten ein Minus von 8,2 Prozent.

    Im gesamten 1. Halbjahr verringerte sich das Volumen des Außenhandels im Jahresvergleich um über 6,5 Prozent. Wobei die Einfuhren etwas stärker nachließen als die Ausfuhren. Der Privatverbrauch sank um 5,5 Prozent, bedingt vor allem durch ausbleibende Autokäufe (-15,5 Prozent) sowie Tourismus- und Erlebnisausgaben (-53,5 Prozent). Der Einzelhandel spürt davon insgesamt wenig. Nach einem Umsatzrückgang um jeweils etwa 3,5 Prozent im März und April, stiegen die Umsätze in den nachfolgenden drei Monaten um jeweils 6 bis 7 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum.

    Investitionen stark eingeschränkt

    Die Bauinvestitionen nahmen in den ersten sechs Monaten des Jahres zu: Bei Wohnbauten um 3 Prozent, bei sonstigen Bauten sogar um 9 Prozent. Allerdings dürfte das auf die langen Realisierungszeiträume zurückzuführen sein. Die Anzahl neu erteilter Baugenehmigungen ging im gleichen Zeitraum um über 4 Prozent zurück. Bei Produktionswerken folgte nach einem guten 1. Quartal ein Einbruch von mehr als 10 Prozent im 2. Quartal. Unternehmen fahren ihre Investitionen sichtlich zurück: Ihre Käufe von Maschinen und Transportmitteln lagen zwischen Januar und Juni 2020 um nahezu 23 Prozent unter dem Niveau des gleichen Vorjahreszeitraums.

    Eine im Juni 2020 durchgeführte Umfrage des Arbeitgeberverbandes Dansk Industri (DI) zeigt, dass sich die Investitionsaussichten binnen eines halben Jahres deutlich verschlechtert haben. Planten Anfang 2020 noch etwa 85 Prozent der Unternehmen ihre Investitionsausgaben im Jahresvergleich beizubehalten oder zu steigern, gab im Juni fast jedes zweite Unternehmen an, weniger ausgeben zu wollen. Mehr investieren will etwa jeder siebte befragte Betrieb.

    Unternehmervertrauen auf Achterbahnfahrt

    Ein Umschwung ist vorerst nicht zu erwarten. Die sich seit Mai aufhellende Laune der Unternehmer wurde durch wieder wachsende Infektionszahlen im August gedämpft. Im Industriesektor blieb die Einschätzung des Auftragseingangs zwar stabil, aber auf einem niedrigen Niveau. Die erhofften Produktionszuwächse werden auf sich warten lassen. Bei den Bauunternehmen hält der positive Trend zwar weiterhin an, die Geschäftserwartungen bleiben jedoch negativ.

    DI schätzt, dass dänischen Unternehmen 2020 Umsatzeinbußen im Wert von bis zu 25,5 Milliarden Euro drohen. Damit würde der Produktionswert der dänischen Wirtschaft im Gesamtjahr um über 8 Prozent fallen. Die einzige Branche, die vorsichtig optimistisch bleibt, ist die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie. Am anderen Ende der Skala platziert sich die Automobilbranche, die die größten Einbrüche erwartet. Alle anderen Unternehmen bewegen sich dazwischen, allerdings ausschließlich mit negativen Erwartungen. Wie DI mitteilte, nimmt der Pessimismus zu, je kleiner das Unternehmen ist.

    Prognostizierte Umsatzentwicklung nach Branche (Veränderung gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum in %)
    Quelle: Dansk Industri 2020

    Branche

    2. Quartal 2020

    Gesamtjahr 2020

    Verarbeitendes Gewerbe

    -17

    -15

    Kfz

    -31

    -18

    Großhandel

    -19

    -13

    Transport (außer Schiffs- und Luftfahrt)

    -18

    -20

    Informations- und Kommunikationstechnik (IKT)

    -11

    -16

    Beratende Dienstleistungen

    -20

    -15

    Reinigungs- und Unterhaltungsdienste

    -16

    -17

    Versorgungsdienste

    -12

    -9

    Immerhin wurden die damit zusammenhängenden Liquiditätsprobleme durch die Hilfsmaßnahmen der Regierung bislang gut abgefedert: Die Zahl der Insolvenzen liegt nach sieben Monaten 2020 über ein Drittel niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Selbst im von Reiseeinschränkungen stark betroffenen Hotel- und Gaststättenbereich wurde kein Anstieg verzeichnet. Nach dem Auslaufen der meisten Hilfsprogramme dürfte sich die Lage jedoch schnell zuspitzen. Der Kreditversicherer Atradius prognostiziert, dass im Vergleich zu 2019 die Anzahl von Bankrotten im Gesamtjahr um über ein Zehntel zunehmen wird - fast doppelt so schnell wie in Deutschland.

    Beschäftigung auf Jahre reduziert

    Das Gleiche könnte dem Arbeitsmarkt widerfahren. Die Arbeitslosenquote, die laut DST Anfang des Jahres bei etwa 4 Prozent lag, stieg binnen drei Monaten um knapp ein Drittel. Der Juni brachte zwar eine Trendwende, aber auch im Juli blieben noch knapp 5 Prozent der arbeitswilligen Dänen ohne Anstellung. Laut neuesten Schätzungen der Regierung von Ende August könnten im Laufe des Jahres 5 Prozent aller Arbeitsstellen wegfallen. Im Jahr 2021 soll sich die Lage zwar bessern, aber nur etwa ein Drittel der Verluste wieder wettgemacht werden können.

    Kleinerer Einbruch, langsamere Erholung

    Ein ähnlicher Trend gilt für die meisten wirtschaftlichen Kennzahlen Dänemarks. Die Prognosen für dieses Jahr werden weniger pessimistisch - trotz bestehender und teilweise wieder zunehmender Unsicherheiten. Aber auch die vollständige Erholung wird länger auf sich warten lassen.

    Öffentliche Ausgaben werden angesichts der Hilfs- und Förderpakete natürlich in den kommenden Jahren steigen. Der Privatkonsum dürfte bereits im Verlauf des kommenden Jahres auf das Vorkrisenniveau zurückkehren. Der Außenhandel wird mindestens ein Jahr länger für die Erholung brauchen. Noch mehr Zeit vergehen dürfte im Falle des Arbeitsmarktes sowie der Unternehmensinvestitionen.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Aufgrund der steigenden Infektionszahlen wurden die Einschränkungen in Dänemark verschärft. Die Einreise aus Deutschland wurde eingeschränkt. (Stand: 26. Oktober 2020)

    Mit umfangreichen Einschränkungen des Alltagslebens kam Dänemark vergleichsweise glimpflich durch die erste Phase der Coronapandemie im Frühjahr 2020. Der September brachte allerdings einen drastischen Anstieg der Infektionszahlen mit einem Rekord bei den täglichen Neuansteckungen. Entsprechend reagierte die Regierung mit neuen Maßnahmen. Die seit Ende August im öffentlichen Personennahverkehr geltende Mund-Nase-Bedeckung wurde auf das Gastgewerbe ausgeweitet und gilt ab dem 29. Oktober 2020 auch in allen Innenräumen des öffentlichen Lebens, wie Einkaufsläden, Kultur- und Bildungsstätten oder Gesundheitseinrichtungen.

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland


    Angestellte sollen nach Möglichkeit von zu Hause aus arbeiten. Dasselbe gilt für Beschäftigte öffentlicher Ämter. Einkäufe sollte nur eine Person pro Haushalt erledigen. Das Nachtleben ist stark eingeschränkt: Restaurants, Cafés und Bars dürfen seit dem 19. September nur noch bis 22 Uhr geöffnet bleiben. Ab dieser Uhrzeit gilt auch ein Alkoholverkaufsverbot. Diskotheken und Nachtklubs bleiben bis mindestens November ganz geschlossen. Das Teilnehmerlimit bei Zusammenkünften wurde zum 26. Oktober auf 10 Personen herabgesetzt. Für professionell arrangierte Events gelten Ausnahmen.

    Neue Grenzschließungen

    Die zweite Coronawelle führt zu neuen Einreisebeschränkungen. Seit dem 24. Oktober müssen die meisten Europäer, darunter Deutsche, beim Grenzübertritt einen triftigen Grund - geschäftlicher oder familiärer Natur oder zu Bildungszwecken - beziehungsweise ein höchsten 72 Stunden altes, negatives Coronatestergebnis vorweisen. Nur Bewohner der Grenzregion Schleswig-Holstein sind vom Einreiseverbot ausgenommen.

    Aktuelle Informationen zu Einreisebeschränkungen


    Ausreisende aus Dänemark, die im Zielland ein Corona-Testergebnis vorlegen müssen, können einen Untersuchungstermin beim Corona-Testcenter vereinbaren. Inhaber der sogenannten NemID können dies online tun, ansonsten nur telefonisch.

    Verkehrsverbindungen bleiben eingeschränkt

    Die neuen (Ein-)Reisebeschränkungen wirken sich auch negativ auf die Transportmöglichkeiten für Passagiere aus. "Die internationale Luftfahrt befindet sich in einer Krise von historischem Ausmaß. Obwohl wir dachten, es könnte nicht schlimmer werden, hat sich die Situation seit Beginn der Herbstsaison sogar noch weiter verschlechtert", erklärt Peter Krogsgaard, Chief Commercial Officer des Kopenhagener Flughafens. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden in der dänischen Hauptstadt 71 Prozent weniger Flugpassagiere abgefertigt als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das internationale Flugaufkommen ging um 61 Prozent zurück, die Anzahl der Inlandsflüge um 46 Prozent.

    Wie in Flugzeugen gilt auch im Bahnverkehr in Dänemark ausnahmslos Maskenpflicht. In Langstrecken- und InterCity-Zügen gilt zudem eine Sitzplatzpflicht. Im Großraum Kopenhagen werden Passagiere aufgerufen, überfüllte S-Bahnen zu meiden. Aktuelle Informationen über die Auslastung können über eine dänischsprachige App abgerufen werden.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Die meisten Hilfsprogramme sollen bald auslaufen. Der Geldfluss richtet sich verstärkt auf Konjunkturmaßnahmen. (Stand: 26. Oktober 2020)

    "Die Regierung ist bereit, dänische Unternehmen und somit dänische Jobs finanziell zu unterstützen", erklärte im März Wirtschaftsminister Simon Kollerup. Die notwendigen Mittel sind in der Staatskasse vorhanden. In den letzten vier Jahren erwirtschaftete Dänemark mehr als eine schwarze Null im Haushalt: 2019 lag das Plus bei nahezu 4 Prozent. Die Staatsverschuldung ging auf ein Drittel des Bruttoinlandproduktes zurück - der niedrigste Wert unter allen vor 2004 eingetretenen Mitgliedern der Europäischen Union.

    Entsprechend stellte die Regierung ein umfangreiches Hilfspaket zusammen, das bis zum Ende des Sommers 2020 allerdings größtenteils ausläuft. Genauere Informationen über den Anspruch auf Hilfsmaßnahmen samt Praxistipps zur Beantragung finden Sie auf der Corona-Sonderseite der Deutsch-Dänischen Handelskammer.

    Hilfsmaßnahmen für Unternehmen in Dänemark
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest
    MaßnahmeAdressatenUmfangGeltungszeitraum

    Steuerstundung

    alle Unternehmen

    Das dänische Finanzamt verlängerte die Abgabefrist für Steuererklärungen für 2019 bis zum 1.9.20 und gewährt Aufschub für die Einzahlung von Lohnsteuer (A-Skat), Mehrwertsteuer und Arbeitsmarktsteuer.

    k.A.

    Steuerkredit 

    KMU

    Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 50 Millionen dänischer Kronen (dkr; etwa 6,7 Millionen Euro; 1 Euro = 7,4412 dkr; Stand: 26.10.20) können sich vom Finanzamt die im vorangegangenen Quartal oder Halbjahr eingezahlte Umsatzsteuer als zinslosen Kredit auszahlen lassen.

    Antragsstellung: 5.5.20 bis 15.6.20; Rückzahlung bis 1.4.21

    Fixkostenerstattung

    alle Unternehmen

    Je nach Höhe des Umsatzrückgangs kann die Erstattung von bis zu 80 Prozent der monatlichen Fixkosten von mindestens 12.500 dänischer Kronen (etwa 1.680 Euro) beantragt werden.

    Unternehmen, die von Anticoronamaßnahmen (Zwangsschließungen, Grenzschließungen, Teilnehmerlimit etc.) betroffen sind, können die Erstattung für den Zeitraum 9.3.20 bis 31.8.20 beantragen;

    sonstige Unternehmen: 9.3.20 bis 8.7.20

    Fixkostenerstattung

    Selbstständige

    Bis zu 90 Prozent Erstattung der monatlichen Fixkosten bis zu 23.000 dkr (etwa 3.090 Euro)

    Erstattung möglich für den Zeitraum 9.3.20 bis 8.8.20

    Fixkostenerstattung

    Gastgewerbe

    Je nach Organisationsform 25 bis 80 Prozent der monatlichen Fixkosten, Kleinstunternehmen bei kompletter Schließung bis zu 90 Prozent; monatlich maximal 23.000 dkr (etwa 3.091 Euro); Unterstützung für Lieferanten, die hauptsächlich die Gastwirtschaft bedienen

    Erstattungen möglich für den Zeitraum 19.8.20 bis 31.10.20

    Ausgleich von Umsatzverlusten

    alle Unternehmen

    Ausgleich im Zuge der Pandemie und -Maßnahmen erlittenen Umsatzverluste bis zu 90 Prozent oder maximal 23.000 dkr (etwa 3.091 Euro) monatlich; von Zwangsschließungen betroffene: 100 Prozent

    1.9.20 bis 31.10.20

    Kurzarbeit

    alle Unternehmen

    Unternehmen, die mindestens 30 Prozent ihrer Belegschaft oder mehr als 50 Angestellte entlassen müssen, können im Rahmen der Arbeitsplatzsicherung eine Gehaltskostenerstattung von bis zu 75 Prozent erhalten.

    9.3.20 bis 30.10.20

    Event-Kompensation

    Eventveranstalter

    Erstattung aller direkten und indirekten Kosten einer Veranstaltung mit mindestens 350 Teilnehmern, die durch die Begrenzung der Teilnehmerzahlen abgesagt werden musste und binnen eines Jahres nicht nachgeholt wird;

    keine Obergrenze beim Betrag

    6.3.20 bis 31.10.20

    Kreditgarantien

    exportierende Unternehmen

    (mindestens 10 Prozent Exportanteil an Umsätzen)

    Die Exportkreditagentur EKF sichert 80 Prozent des Kreditrisikos für Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent.

    1.3.20 bis 31.12.20

    Mehr Arbeitslosenhilfe

    Trotz der umfangreichen Hilfen sind die Auswirkungen der Coronakrise auf dem dänischen Arbeitsmarkt zu spüren. Ab Ende Februar 2020 stieg laut dem dänischen Statistikamt DST die Zahl der Arbeitslosen binnen drei Monaten um über 31 Prozent auf knapp 147.000 Personen. Im Juni trat nur eine leichte Besserung ein.

    Da die Arbeitslosenversicherung in Dänemark freiwillig ist, entschloss sich die Regierung, auch entlassenen Arbeitsmarkt-Neueinsteigern zu helfen. Bis Ende August 2020 gilt für Angestellte keine Mindestlaufzeitanforderung bezüglich der Arbeitslosenversicherung, um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu erhalten. Mitte Juni wurden auch für Selbstständige die Anforderungen an die Mindestlaufzeit einer Arbeitslosenversicherung flexibilisiert.

    Hilfe beim Wiedereinstieg

    Für Arbeitsmarkt-Neueinsteiger und Arbeitslose legte die Regierung ein Fort- und Weiterbildungsangebot vor. Bis 2023 werden während der Dauer der Ausbildung 110 Prozent des normalen Arbeitslosengeldes ausgezahlt. Ungelernte über 30-Jährige ohne Anstellung können sich in einem Beruf "mit Zukunftsaussichten" weiterbilden.

    Mit knapp 188 Millionen Euro sollen Unternehmen unterstützt werden, die Ausbildungsplätze bereits anbieten oder schaffen wollen. Rückwirkend zum 1. Mai 2020 und bis Ende 2020 werden 75 Prozent der Bezüge der Auszubildenden vom Staat bezahlt.

    Grüne Konjunkturkurbel

    Damit nicht nur die Auszubildenden etwas zu tun haben, stellte die Regierung noch vor der Sommerpause einige Konjunkturmaßnahmen vor. Sie sollen nicht nur Unternehmen wieder zu mehr Umsatz verhelfen, sondern auch zum Klimaschutz beitragen. So sollen für etwa 4 Milliarden Euro staatliche Wohnungsbauten klimaneutraler werden. Mit über 300 Millionen Euro soll der Austausch von Öl- und Gaskesseln gefördert werden. Die Recyclingquote soll steigen. Die Elektrifizierung der Überlandbusse soll beschleunigt und Nutzfahrzeughalter zum Umstieg motiviert werden. Dem Außenhandel soll der Bau des Fehmarntunnels zugutekommen der Anfang 2021 startet.

    Auch in den Regionen soll mehr investiert werden. Im Rahmen der Haushaltsrevision wurden Kommunen neben zusätzlichen Mitteln für die direkte Bekämpfung von Covid-19 auch höhere Investitionsbudgets zugesprochen, um für die Folgejahre geplante Investitionsvorhaben im Wert von etwa 335 Millionen Euro vorzuziehen.

    Kommunen sollen schneller zahlen

    Rechnungen sollen so früh wie möglich ohne Ausschöpfung der Zahlungsfrist beglichen werden. Unternehmen können zudem die zweite Rate der Immobiliensteuer (dækningsafgift) erst 2021 entrichten.

    Der kommunale Anlage- und Investitionsrahmen wurde für 2021 auf knapp 2,9 Milliarden Euro erhöht. Selbstverwaltungen aller Ebenen sollen zusammen ferner fast 765 Millionen Euro für Sonderausgaben in Verbindung mit der Coronapandemie erhalten. Die dänischen Regionen erhalten über 308 Millionen Euro mehr für die Gesundheitspflege, etwa 40 Prozent davon für Baumaßnahmen. Im Rahmen des regionalen Technologiebeitrags sollen zudem 53 Millionen Euro in neue Behandlungsmethoden fließen. Der Fokus liegt dabei auf Prävention, Früherkennung und Behandlung außerhalb der Gesundheitseinrichtungen. 

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Die dänische Importnachfrage wird 2020 im oberen einstelligen Bereich abnehmen. Deutsche Lieferanten sind unterdurchschnittlich betroffen. (Stand: 3. September 2020)

    Laut einschlägigen Prognosen wird der dänische Außenhandel 2020 um bis zu ein Zehntel gegenüber dem Vorjahr zurückgehen. Dabei werden Exporte stärker betroffen sein als Importe. Der Warenhandel soll weniger beeinträchtigt werden als die Dienstleistungen, die 2019 etwa 40 Prozent des Umsatzes ausmachten.

    Im 1. Halbjahr gingen sowohl dänische Importe als auch Exporte um über 7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum zurück. Dabei fielen die Verluste bei Warenimporten um mehr als die Hälfte höher aus als bei den Warenexporten. Bei Dienstleistungen trat das genaue Gegenteil ein.

    Durchwachsene Ergebnisse für Importeure

    Am stärksten brach das Geschäft von Brennstoffimporteuren ein. Den größten Beitrag zum Minus von 33 Prozent lieferte allerdings nicht die gesunkene Nachfrage, sondern der Preisverfall bei Erdöl und Erdgas. Der zweitgrößte Verlierer waren ausländische Lieferanten von Transportmitteln. Die Umsätze, die zu 40 Prozent von deutschen Anbietern generiert werden, sanken im Jahresvergleich um ein Viertel. Einschnitte mussten auch die Importeure von Modeartikeln verzeichnen. Hier ging die Einfuhr um knapp 13 Prozent zurück. Die meisten anderen Warengruppen verzeichneten im 1. Halbjahr 2020 ebenfalls Verluste, allerdings im einstelligen Prozentbereich.

    Positiv aufgefallen sind hingegen die Einfuhren vor allem von Pharmaprodukten sowie Ölen und Fetten. Deren Importwert nahm um 21 beziehungsweise 13 Prozent zu und wuchs auch in den Sommer hinein weiter. Elektronikanbieter profitierten von der verordneten Heimarbeit zwischen März und Mai. Ihr Halbjahresergebnis lag 7 Prozent über dem Wert des gleichen Vorjahreszeitraums. Allerdings scheint die Nachfrage nach Elektronik größtenteils gestillt zu sein - im Juni wurde in diesem Segment bereits wieder weniger umgesetzt.

    Einfuhren von Maschinen und Geräten fielen im 1. Halbjahr 2020 nur unwesentlich kleiner aus als im Vorjahr. Positiven Einfluss hatten hier aber vor allem Kraftmaschinen sowie solche für die Landwirtschaft. Die verarbeitende Industrie reduzierte ihre Einkäufe insbesondere bei Maschinen zur Metallbearbeitung merklich.

    Deutsche Anbieter unterdurchschnittlich betroffen

    Die Nachfrage nach deutschen Produkten ist trotz sinkender Umsätze in einigen Branchen weniger zurückgegangen als der Durchschnitt der Warenimporte. Nichtdestotrotz konnten Deutschlands größte Konkurrenten beim Importanteil Boden gut machen. Unter den Top 5 der Lieferländer verzeichnete Deutschland die größten Verluste. Die drittplatzierten Niederlande und das fünftplatzierte Polen konnten derweil in den ersten fünf Monaten 2020 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum zulegen.

    Corona-bedingte Lieferengpässe haben kaum eine Rolle für die Außenhandelsstatistik gespielt. Unter Ländern mit mindestens einem Anteil von 0,5 Prozent an den dänischen Importen verzeichneten die Brennstofflieferanten Norwegen und Russland die größten Verluste. Die von der Coronapandemie stark betroffenen Länder Italien und Spanien verloren ebenfalls Marktanteile. Unter asiatischen Partnern mussten zwar Indien, Japan und Südkorea Umsatzverluste von 15 bis 24 Prozent verkraften. Bei anderen Ländern, wie Taiwan oder Vietnam, waren die Rückgänge aber kleiner als bei den Importumsätzen insgesamt.

    Erholung der Exporte frühestens 2022

    Bei den Exporten scheinen dänischen Unternehmen die asiatischen Märkte ebenfalls die wenigsten Sorgen zu bereiten. Laut einer Umfrage des Arbeitgeberverbandes Dansk Industri (DI) erwarten seine Mitglieder im 2. Halbjahr 2020 die geringsten Nachfragerückgänge in China, gefolgt vom Rest Asiens. Knapp dahinter platzieren sich die direkten Nachbarn Dänemarks, darunter Deutschland. Exportrückgänge im zweistelligen Prozentbereich werden derweil in Richtung Lateinamerika sowie Vereinigtes Königreich erwartet.

    Insgesamt erwartet DI, dass dänische Exporte im Laufe des Jahres 2022 auf das Vorkrisenniveau zurückkehren könnten. Allerdings nur, wenn keine zweite Pandemiewelle anrollt. "Unsere neuen Berechnungen anhand des Oxford Economics Global Modells zeigen, dass eine neue Coronawelle mit weitreichenden Einschränkungen die Exportkrise um zwei Jahre verlängern könnte", schreiben die Experten in einer Pressemitteilung.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Covid-19: Gesundheitswesen in Dänemark

    Covid-19: Gesundheitswesen in Dänemark

    Dänemark will seine sehr hohe Corona-Testquote weiter steigern. Mitte Juni startete die Corona-App. (Stand: 24. Juli 2020)

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Dänemark
    Quelle: Dänisches Statistikamt 2020; OECD 2018

    Indikator

    Bevölkerungsgröße (2019)

    5.822.723

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre (2019)

    18,7

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner (2016)

    4,0

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner (2017)

    2,6

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (in Euro, 2018)

    5.390

    Die dänische Gesundheitswirtschaft ist bereits stark digitalisiert. Im Jahr 2019 hatten Dänen laut dem Statistikamt DST etwa 41,5 Millionen Kontakte mit Allgemeinärzten. Ein Viertel davon wurde per Telefon, weitere 7,3 Millionen über elektronische Kommunikationskanäle wahrgenommen. Insgesamt nutzt jeder zweite Däne das Telefon und jeder dritte das Internet, um bei nicht-akuten Gesundheitsfragen Rat zu suchen oder Untersuchungsergebnisse einzuholen. Der elektronische Weg ist zudem nicht auf jüngere Personen begrenzt - die über Neunzigjährigen weisen mit etwa 65 Prozent den höchsten Anteil von Nutzern elektronischer Kontaktaufnahmen zum Allgemeinarzt auf.

    Neue E-Lösungen wegen Corona

    Im Rahmen der Coronakrise wurde die Anfang 2019 eingeführte, öffentliche E-Health-App Min Læge um eine weitere Funktion erweitert. Bisher konnten mit ihrer Hilfe elektronische Nachrichten versendet, Termine gebucht oder Rezepte eingeholt werden. Nun soll die Möglichkeit von Videokonsultationen mit dem Hausarzt die Ansteckungsgefahr senken und trotzdem eine hohe Qualität der Behandlung sicherstellen. "Wir müssen so weit es geht Abstand halten und den physischen Kontakt begrenzen. Gleichzeitig gibt es viele Dänen, die mit ihrem Hausarzt sprechen müssen, weil sie befürchten, mit Corona infiziert zu sein oder ein anderes Gesundheitsproblem haben. In einigen Fällen kann Video eine wirklich gute Lösung sein", sagte Gesundheitsminister Magnus Heunicke.

    Noch vor Ostern 2020 wurde auf dem offiziellen Gesundheitsportal sundhed.dk zudem der COVIDmeter eingeführt. Anhand einer wöchentlichen Umfrage versprechen sich die Verantwortlichen, einen besseren Überblick über die Ausbreitung von Covid-19 zu erhalten. Das Panel ist eine Ausweitung des bereits vorher bestehenden Influenza-Panels des Staatlichen Serum Instituts (SSI), das aber über sehr viel kleinere Datenverarbeitungskapazitäten verfügte. Obwohl die Teilnahme an der neuen Lösung freiwillig ist, waren Mitte Juni bereits etwa 129.000 Dänen für das Panel gemeldet.

    Ausbau der Testkapazitäten

    Die Umfrage kann nicht der einzige Weg sein, um die Corona-Ausbreitung zu verfolgen. Deswegen hat Dänemark bereits seit Mitte April die Testkapazitäten aufgestockt. Zusätzlich zu Untersuchungen in Krankenhäusern wurden 18 sogenannte weiße Zelte aufgestellt, die zu einer gemeinsamen Initiative der Regierung, Regionen und des Pharmaunternehmens Novo Nordisk gehören - dem TestCenter Danmark (TCDK). Sie sind für Walk-in- sowie Drive-in-Tests ausgelegt. Das TCDK kann laut eigenen Angaben täglich bis zu 20.000 Coronatests und 5.000 Antikörperuntersuchungen durchführen.

    Anfang Juli wurden die weißen Zelte auch für Kinder ab 12 Jahren geöffnet – vorher brauchten alle, die jünger als 19 Jahre waren, eine entsprechende Überweisung eines Arztes. Eltern können für ihre Kinder einen Testtermin über das Coronatest-Portal buchen. Jugendliche über 15 Jahre, die bereits eine Nem-ID besitzen, können sich selbst anmelden. Um die Prozedur zu beschleunigen, hat das Gesundheitsministerium eine spezielle Exekutivorder veröffentlicht, wonach die Testergebnisse digital an Eltern übermittelt werden können. Das elektronische Verschicken und zur Verfügung stellen von Gesundheitsdaten von Kindern ist normalerweise stark eingeschränkt.

    Wegen der fortwährenden Öffnung in Europa für Reisende können sich Dänen seit Anfang Juli einen digitalen Corona-Pass ausstellen lassen. Dazu reicht es, sich spätestens sieben Tage nach einem durchgeführten Coronatest mit negativem Ergebnis, auf dem Gesundheitsportal sundhed.dk einzuloggen. Die entsprechenden Daten sind dort bereits hinterlegt und der Pass kann heruntergeladen oder ausgedruckt werden.

    Corona-App gestartet

    Nahezu zeitgleich mit Deutschland stellte das dänische Gesundheitsministerium eine Corona-App zum Download bereit. "Die Infektionsnachverfolgung ist entscheidend, um die Infektionsketten zu durchbrechen und die Covid-19-Pandemie während der Wiedereröffnung Dänemarks zu kontrollieren. Die App Smittestop ist ein digitales Tool, das andere Bemühungen um Kontaktverfolgung und -prüfung, physische Entfernung und gute Hygiene ergänzen sollte", sagt Gesundheits- und Ältestenminister Magnus Heunicke. Binnen der ersten Woche haben knapp 500.000 Dänen die App heruntergeladen.

    Wie die deutsche Lösung nutzt auch die dänische Corona-App Bluetooth, um zufällig zugeteilte Identifikationsnummern sich in der Nähe befindlicher Nutzer zu registrieren und so im Falle einer Infektion entsprechende Warnhinweise anzuzeigen. Die Kontaktdaten werden lokal abgespeichert und die Datensicherheit wurde laut Angaben des Ministeriums ausführlich getestet.

    Die App ist seit dem 18. Juni im Google Play Store für Smartphones mit Android-Betriebssystem sowie im Apple App Store für iPhones verfügbar. Die Mindestsystemanforderungen für die Nutzung sind Android 6.0 sowie iOS 13.5. Ist die Pandemie vorbei, soll die App automatisch abgeschaltet und alle Nutzerdaten gelöscht werden.

    Mehr Sommer für Senioren

    Wegen des Besuchsverbots in Pflegeheimen war der Frühling für ihre Bewohner eher einsam und ereignislos. Zum Sommer wurden die Einschränkungen zurückgenommen. Zusätzlich wurden über 8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um mehr Sommeraktivitäten für Senioren anzubieten. Zwei Drittel davon erhalten die Regionen für die Durchführung von Freizeitaktivitäten für Einwohner von Pflegeheimen - beispielsweise für zusätzliche Arbeitskräfte, Transport und Verpflegung während Tagesausflügen.

    Um das Ansteckungsrisiko bei dieser besonders gefährdeten Gruppe zu senken, verständigte sich Ende Juni die Regierung mit den Regionen und Kommunen, regelmäßig alle Mitarbeiter im Pflegesektor auf Corona zu testen. Eine neue Prozedur soll es erlauben, den Großteil der Tests vor Ort am Arbeitsplatz durchzuführen. Bei ihrer Einführung werden Landesteile priorisiert, in denen das Ansteckungsrisiko am höchsten ist. Bis Ende August soll das ganze Land umfasst werden.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Coronavirus und Recht

    Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße auch für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren dänischen Geschäftspartnern. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wann ist eine Berufung auf „höhere Gewalt“ möglich?

    Was regelt der Vertrag

    Spätestens wenn Probleme entstehen ist es sehr wichtig zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt.  

    Verträge mit Geschäftspartnern aus der Europäischen Union

    Für seit dem 17. Dezember 2009 geschlossene Verträge mit Geschäftspartnern aus der Europäischen Union - bis auf Weiteres inklusive des Vereinigten Königreichs, aber mit Ausnahme Dänemarks - gelten die Regelungen der Verordnung (EG) Nr. 593/2008 über das auf vertragliche Schuldverhältnisse anzuwendende Recht (die sogenannte Rom-I-Verordnung).

    Wenn keine ausdrückliche Rechtswahl erfolgt ist, nimmt Artikel 4 dieser Verordnung für einige Sachverhalte wichtige Weichenstellungen vor. Für Kaufverträge gilt beispielsweise das Recht desjenigen Staates, in dem der Verkäufer seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Geht es um die Miete einer unbeweglichen Sache, zum Beispiel eines Büros im europäischen Ausland, gilt das Recht desjenigen Landes, in dem die unbewegliche Sache gelegen ist.

    Auf diese Art und Weise kann für viele Fallgestaltungen das geltende Recht ermittelt werden. Wenn nicht, dann gibt es eine allgemeinere Regel: Im Zweifel gilt das Recht desjenigen Landes, in dem die Partei, die die vertragstypische Leistung erbringt, ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat. Und die vertragstypische Leistung ist - außer beim Darlehen - fast nie die Zahlung einer Geldsumme. Sondern es ist zum Beispiel die Erbringung einer Dienstleistung, die Übergabe einer Kaufsache oder die Bereitstellung einer Mietsache zur Benutzung durch den Mieter. Wer also zum Beispiel eine Dienstleistung in Anspruch nimmt, dessen Vertrag richtet sich im Zweifel nach dem Recht desjenigen Staates, in dem der Erbringer der Dienstleistung seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat.

    Die nach den beschriebenen Regeln gewonnenen Erkenntnisse gelten allerdings nicht, wenn der Vertrag zu einem anderen Land eine engere Verbindung aufweist. Eine solche kann zum Beispiel vorliegen, wenn ein Vertrag zwischen zwei deutschen Unternehmen über ein im Ausland gelegenes Büro in deutscher Sprache verfasst ist und zahlreiche Verweise auf Regelungen des BGB enthält. In einem solchen Fall könnte ein Gericht zu der Überzeugung gelangen, dass deutsches Recht anwendbar ist, obwohl die Mietsache im Ausland gelegen ist.

    Für vor dem 17. Dezember 2009 geschlossene Verträge, und für mit dänischen Geschäftspartnern geschlossene Verträge, ermittelt sich das anwendbare Recht nach den Regeln des Übereinkommens von Rom (EVÜ).

    Was gibt es generell zu beachten?

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Nationales Recht: Nichterfüllung von Verträgen nach dänischem Recht 

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