Special Australien Wege aus der Coronakrise

Australien erleidet Rückschlag im Kampf gegen Covid-19

Über viele Monate herrschte in Australien weitgehend Normalität. Nun sorgt die Ausbreitung der Delta-Variante für neue Einschränkungen und Lockdowns.

Von Heiko Stumpf | Sydney


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    In Australien lief die Wirtschaft bereits wieder auf Hochtouren. Neue Lockdowns dürften das Wachstum nun aber verlangsamen. (Stand: 23. Juli 2021)

    Australien hatte das Infektionsgeschehen bislang gut im Griff. Über lange Phasen gab es überhaupt keine lokalen Neuinfektionen mehr. Das Alltagsleben funktionierte weitgehend normal. Nun bereitet die Ausbreitung der hoch ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus jedoch große Probleme.

    Delta-Variante trifft auf weitgehend ungeimpfte Bevölkerung

    Bislang erfolgreiche Maßnahmen wie eine verbindliche Hotelquarantäne für Reisende und gut funktionierende Kontaktverfolgungssysteme (Registrierung per QR-Code) reichen zur Eindämmung der neuen Virusvariante nicht mehr aus. Die Folge sind neue Lockdowns, von denen aktuell mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung betroffen ist.

    Insbesondere der Großraum Sydney kämpft seit Wochen gegen einen hartnäckigen Ausbruch, welcher zur Ausrufung des nationalen Notstandes führte. Die Behörden greifen zu immer drastischeren Maßnahmen. Vorübergehend wurde beispielsweise der Betrieb auf sämtlichen Baustellen eingestellt.

    Die Impfkampagne verläuft deutlich schleppender als geplant. Deshalb dürfte es mindestens bis Ende 2021 dauern, bis der gesamten Bevölkerung ein Impfangebot gemacht werden kann. Bis dahin bleibt das Risiko neuer Infektionswellen hoch. Als Achillesferse erweisen sich dabei die Quarantänehotels für Einreisende aus dem Ausland. Trotz strenger Vorschriften gelang es dem Virus bereits über 20-mal, aus den Einrichtungen zu entweichen.

    In solchen Fällen setzen die Behörden auf sofortige Lockdowns, um neue Ausbrüche möglichst schon im Keim zu ersticken. Deshalb muss jederzeit mit lokalen Einschränkungen gerechnet werden.

    Weitere Informationen zur aktuellen Lage finden sich auf den Webseiten der einzelnen Bundesstaaten.

    Auswirkungen auf wirtschaftliche Erholung befürchtet

    Mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um real 2,4 Prozent im Jahr 2020 fiel der coronabedingte Wirtschaftseinbruch im Vergleich zu anderen Ländern vergleichsweise milde aus. Für Australien war dies aber die erste Wirtschaftskrise seit fast 30 Jahren. Zuletzt war Australien 1990 in eine Rezession gerutscht.

    Durch die weitgehende Öffnung der Wirtschaft gelang Australien ein schneller Übergang in eine Wachstumsphase. Die Wirtschaftsleistung übertraf im 1. Quartal 2021 sogar bereits das Vorkrisenniveau.

    "Durch die neuerlichen Einschränkungen dürfte sich die Wachstumsdynamik verlangsamen, im 3. Quartal 2021 könnte das Bruttoinlandsprodukt sogar einen Rückgang erleiden", erklärt Christoph von Speßhardt, Geschäftsführer der AHK Australien.

    "Allerdings besteht berechtigte Hoffnung, dass es gegen Jahresende 2021 wieder zu einer schnellen V-förmigen Erholung kommt", so von Speßhardt. "Die Regierung setzt steuerliche Investitionsanreize für Unternehmen und auch die Verbraucherausgaben ziehen nach dem Ende von Lockdown-Maßnahmen in der Regel schnell wieder an."

    Vor dem neuerlichen Aufflammen des Virus gestalteten sich die Wachstumsprognosen noch rosig. Die Notenbank erwartete für 2021 ein reales Wirtschaftswachstum von 5,3 Prozent, die OECD nannte in ihrer jüngsten Vorhersage eine BIP-Steigerung von 5,1 Prozent. Nun gehen erste Volkswirte davon aus, dass das Wirtschaftswachstum im Jahresdurchschnitt weniger als 5 Prozent betragen wird.

    Arbeitslosigkeit dürfte wieder steigen

    Der Arbeitsmarkt befindet sich insgesamt in guter Verfassung. Im Juni 2021 sank die Arbeitslosenquote auf 4,9 Prozent. Noch im Juli 2020 hatte der Wert bei 7,5 Prozent gelegen. Die Anzahl der Beschäftigten erreichte mit 13,2 Millionen einen historischen Höchststand.

    Ähnlich wie zu Beginn der Pandemie dürfte es jetzt wieder zu Arbeitsplatzverlusten insbesondere im Einzelhandel, Gastronomiegewerbe und Tourismus kommen. Die Central Business Districts (CBDs) der Metropolen Sydney und Melbourne wirken wie ausgestorben, weshalb insbesondere die vielen dort ansässigen Kleinbetriebe aus dem Dienstleistungssektor leiden.

    Neue Lohnsubventionen für Unternehmen lehnt die Regierung ab. Unterstützung gibt es bislang nur in abgespeckter Form, etwa durch Hilfszahlungen für Kleinunternehmen. Für betroffene Beschäftigte gibt es Lohnersatzleistungen im Rahmen der Covid-19 Disaster Payment.

    Gute Prognosen für Bergbau, Land- und Bauwirtschaft

    Trotz des Rückschlags bei der Pandemiebekämpfung dürften einige  Wirtschaftszweige auf Wachstumskurs bleiben. Insbesondere der Bergbau kann optimistisch in die Zukunft blicken. Für Eisenerz und Gold wird für 2021 eine Rekordproduktion erwartet. Der Nachfrageanstieg für Batterierohstoffe und kritische Mineralien schiebt zahlreiche Minenprojekte an. Die Explorationsausgaben für Mineralien erreichten Anfang 2021 den höchsten Wert seit dem letzten Rohstoffboom in den Jahren 2011 und 2012.

    In der Landwirtschaft treffen gute Ernteergebnisse auf hohe Weltmarktpreise. Mit 33 Millionen Tonnen erreichte die Weizenernte 2020/21 einen Rekord. Die Farmer investieren in ihren Maschinenpark. Im Finanzjahr 2020/21 stieg der Absatz von Traktoren um 29 Prozent auf 15.800 Stück.

    Auch die Energiewende bietet Chancen. Im Jahr 2020 wurde mit installierten Kapazitäten von 7 Gigawatt ein Rekord für erneuerbare Energien erzielt. Der Clean Energy Regulator erwartet für 2021 einen massiven Zubau bei Solardachanlagen von etwa 4 Gigawatt (2020: 3 Gigawatt). Zudem vollzieht sich ein Boom für große netzgebundene Batteriespeicher mit geplanten Projekten mit einer Kapazität von rund 8 Gigawatt.

    Die Bauwirtschaft profitiert von finanziellen Zuschüssen für Einfamilienhäuser im Rahmen der staatlichen Konjunkturmaßnahmen. Handwerksbetriebe berichten von gut gefüllten Auftragsbüchern für Renovierungsarbeiten. Die Regierung pumpt zudem viel Geld in den Infrastrukturausbau. Mit dem Haushalt 2021/22 wurden die geplanten Ausgaben für die kommenden zehn Jahre um umgerechnet 10 Milliarden US$ erhöht.

    Längerfristig unter der Krise leiden dürften jedoch der Tourismus und der Bildungssektor. Aufgrund der weiterhin geschlossenen Grenzen fehlen die Einnahmen durch ausländische Besucher und Studierende.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Der Warenverkehr ist beeinträchtigt. Es gilt ein weitreichendes Einreiseverbot. Reisen innerhalb des Landes sind nur eingeschränkt möglich. (Stand: 23. Juli 2021)

    Der internationale  Warenverkehr von und nach Australien bekommt die globalen Engpässe zu spüren. Es kann zu Lieferverzögerungen kommen, da die Reedereien und Frachtfluggesellschaften ihren Linienverkehr nach Australien teilweise ausgedünnt haben.

    Vertreter der Logistikbranche berichten, dass sich die Kosten für Luftfracht durch die Pandemie teilweise mehr als verdoppelt haben. Australische Exporteure beklagen Schwierigkeiten, an leere Container zu kommen oder Schiffsplätze zu buchen. Die australische Regierung leistet Unterstützung durch den International Freight Assistance Mechanism, in dessen Rahmen Frachtflugzeuge gechartert werden.

    Reisen nach Australien nur schwer möglich

    Der internationale Personenverkehr ist sehr stark eingeschränkt. Die australische Grenze ist für ausländische Reisende geschlossen. Dies gilt auch für Personen mit zeitlich befristeter Aufenthaltserlaubnis (Temporary Residents), die nach einem Auslandsaufenthalt zurückkehren möchten. In begründeten Fällen kann eine Ausnahmegenehmigung beim Department of Home Affairs beantragt werden.

    Lediglich australische Staatsbürger und Inhaber einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis (Permanent Residents) können nach Australien einreisen. Diese müssen sich jedoch direkt nach Grenzübertritt für 14 Tage in eine verbindlich angeordnete Quarantäne begeben. Dazu hat die Regierung Hotels angemietet, die unter Bewachung stehen.

    Kapazitäten der Quarantänehotels werden beschränkt

    Da viele Australier aus anderen Erdteilen heimkehren, sind die Kapazitäten in den Quarantänehotels stark ausgelastet. Zudem kam es immer wieder zu Quarantäne-Lecks, die zum Ausbruch der gefährlichen Delta-Variante in Australien führten. Mit Wirkung zum 14. Juli 2021 hat die Regierung deshalb die maximal zulässige Anzahl internationaler Passagiere weiter beschränkt. Bis zum 31. August 2021 dürfen wöchentlich nur 3.035 Passagiere in Australien einreisen. Zuvor waren noch 6.070 Personen die Einreise gestattet.

    Der Kingsford International Airport in Sydney darf 1.505 Personen pro Woche empfangen. Über Melbourne und Brisbane können maximal 500 Passagiere pro Woche einreisen. Für die Flughäfen in Perth und Adelaide wurden die Kontingente auf 265 Reisende pro Woche festgesetzt. Dabei gibt es Beschränkungen für die Anzahl der Fluggäste pro Maschine (meist weniger als 13 Passagiere). In der Presse wird von einem deutlichen Anstieg der Ticketpreise berichtet.

    In den ersten Monaten der Pandemie hatte die Regierung die Kosten für die Hotelquarantäne übernommen. Nun werden die Reisenden selbst zur Kasse gebeten. In New South Wales fallen dafür 3.000 Australische Dollar ($A) für Alleinreisende an. In Queensland und Western Australia sind es 2.800 $A beziehungsweise 2.520 $A.

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Ab dem 18. April 2021 galt zunächst eine Trans-Tasman Travel Bubble zwischen Australien und Neuseeland. Dies ermöglichte für über drei Monate einen uneingeschränkten und quarantänefreien Reiseverkehr zwischen beiden Staaten. Allerdings reagierte Neuseeland im Juli 2021 auf den Ausbruch der Delta-Variante in Australien mit einer Aussetzung dieser Travel Bubble bis zunächst Ende September 2021.

    Ebenfalls angedacht waren mal Reiseblasen mit Singapur, Japan oder Südkorea sowie einigen Südseestaaten. Ob und gegebenenfalls wann diese umgesetzt werden können, ist aktuell offen.

    Reisen innerhalb des Landes sind mit Unsicherheiten behaftet

    Auch der Reiseverkehr innerhalb Australiens ist von häufigen Einschränkungen betroffen. So führen die einzelnen Bundesstaaten je nach Lage Grenzkontrollen ein und schotten sich gegenüber Reisenden aus Gebieten mit Corona-Clustern ab.

    Die australische Verfassung (Section 92) verbietet zwar generelle Einschränkungen des Personen- und Warenverkehrs zwischen den einzelnen Bundesstaaten. Aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit sind jedoch gewisse Restriktionen möglich.

    Bislang konnten sich die nationale Regierung in Canberra und die Premiers der Bundesstaaten nicht auf einheitliche Regelungen oder Definitionen, beispielsweise zu Corona-Hotspots, einigen. Daher treffen die Bundesstaaten jeweils eigene Entscheidungen. Die Folge war zuletzt ein ständiges und schwer überschaubares Wechselspiel zwischen neuen Einschränkungen und Erleichterungen. Reisende müssen deshalb auf sehr kurzfristige Reisebeschränkungen gefasst sein.

    Da sich die Regelungen der einzelnen Bundesstaaten durch die Entstehung neuer Infektionsherde jederzeit kurzfristig ändern können, sollte vor Beginn einer Reise der aktuelle Stand auf den Internetseiten der jeweiligen Bundesstaaten überprüft werden. Derzeit sind insbesondere des Bundesstaaten New South Wales und Victoria weitgehend vom Rest des Landes abgeschottet, da beide Staaten gegen Ausbrüche der Delta-Variante kämpfen.

    So arbeitet der Bundesstaat Victoria beispielsweise mit einem Ampelsystem. Für alle Reisen aus anderen Bundesstaaten ist vorab eine Genehmigung zu beantragen. Reisen aus mit rot eingestuften Gebieten sind untersagt, Reisende aus einer orangefarbenen Zone müssen in Quarantäne bis ein negativer Covid19-Test vorliegt. Auch in anderen Bundesstaaten wie Western Australia oder Tasmanien muss vor Einreise eine Genehmigung beantragt werden (G2G Pass).

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland

    Von Heiko Stumpf | Sydney

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Die australische Regierung setzt auf steuerliche Investitionsanreize und den Infrastrukturausbau. Für das verarbeitende Gewerbe gibt es Fördergelder. (Stand: 23. Juli 2021)

    Als Reaktion auf die Coronakrise hatte die Regierung in Canberra im Jahr 2020 wirtschaftliche Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen mit einem Volumen von umgerechnet etwa 201 Milliarden US-Dollar (US$) auf den Weg gebracht (291 Milliarden Australische Dollar ($A); 1$A=0,6906 US$). Dies entspricht rund 15 Prozent des australischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

    Viele der speziell auf die Covid-19 Pandemie zugeschnittenen Maßnahmen sind mittlerweile ausgelaufen. Mit dem Haushalt für das laufende Finanzjahr 2021/22 (Juli bis Juni) wollte die Regierung sich eigentlich wieder längerfristigen Themen wie der Digitalisierung oder dem Ausbau der Altenpflege widmen. Aufgrund des Aufflammens neuer Infektionsherde und darauf folgender Lockdowns in mehreren Großstädten sieht sich die Regierung nun zu neuen Hilfsmaßnahmen gezwungen.

    Hilfen für Beschäftigte bei befristeten Lockdowns

    Beschäftigte, die aufgrund von Lockdown-Maßnahmen nicht ihrer regelmäßigen Arbeit nachgehen können, erhalten Lohnersatzleistungen in Form der Covid-19 Disaster Payment. Diese greift in erklärten Covid-19 Hotspot-Gebieten.

    Covid-19 Disaster Payment

    Wöchentliche Arbeitsstunden

    Betrag (in $A)

    mehr als 20

    750 pro Woche

    bis zu 20

    450 pro Woche

    1 $A = 0,6906 US$ (durchschnittlicher Wechselkurs 2020 laut Deutscher Bundesbank)Quelle: Recherchen Germany Trade & Invest

    Eine Rückkehr zu den umfangreichen Lohnsubventionen im Rahmen der JobKeeper Allowance lehnt die Regierung ab. Diese waren ein großer Erfolg gewesen und hatten hunderttausende Arbeitsplätze gesichert. Die Zahlungen liefen jedoch bereits zum 28.03.2021 aus.

    Zusätzlich werden Hilfsmaßnahmen für Unternehmen in Zusammenarbeit mit betroffenen Bundesstaaten auf den Weg gebracht, beispielsweise in New South Wales (NSW).

    SME Support Payments in New South Wales

    Berechtigte Unternehmen: Jahresumsatz zwischen 75.000 und 250 Millionen $A


    Leistung: Wöchentliche Zahlung in Höhe von 40% der Lohnsumme, mindestens 1.500 $A und maximal 100.000 $A


    Voraussetzung: Umsatzeinbruch von mindestens 30% im Vergleich zum Vorpandemiezeitraum des Jahres 2019, Unternehmen dürfen keinen Personalabbau vornehmen


    Einzelunternehmer: Wöchentliche Hilfszahlung in Höhe von 1.000 $A

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Auch einige Unterstützungsmaßnahmen aus den Konjunkturpaketen des vergangenen Jahres werden fortgeführt. Dies gilt beispielsweise für die Sofortabschreibung für bewegliche Anlagegüter, welche bis Juni 2023 verlängert wurde.

    Stimulusmaßnahmen (Auswahl)

    Maßnahme

    Anmerkung

    Sofortabschreibung

    Neue bewegliche Anlagegüter können im Jahr der ersten Nutzung vollständig abgeschrieben werden (bis Juni 2023). Keine Begrenzung des maximalen Investitionsbetrages. Berechtigt sind Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 5 Milliarden $A. Kleinunternehmen können die Regelung auch für gebrauchte Güter nutzen.

    Zeitlich begrenzter Verlustrücktrag

    Unternehmen können in den Finanzjahren 2019/20, 2020/21, 2021/22 und 2022/23 angefallene Verluste mit Gewinnen verrechnen, die im Finanzjahr 2018/19 oder früher entstanden sind. Berechtigt sind Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 5 Milliarden $A.

    Senkung der Köperschaftssteuer für kleine Unternehmen

    Ab dem 1. Juli 2021 beträgt der Steuersatz der Körperschaftssteuer für kleine Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen $A nur noch 25 Prozent. Regulärer Satz ist 30 Prozent.

    Senkung der Einkommenssteuer

    Durch Maßnahmen wie der Anpassung des Tarifverlaufes werden Arbeitnehmer in den Finanzjahren 2020/21 und 2021/22 um insgesamt rund 23 Milliarden US$ entlastet.

    Lohnzuschüsse für Auszubildende

    Unternehmen erhalten Lohnzuschüsse von 50 Prozent für beschäftigte Auszubildende (maximal $A 7.000 pro Quartal). Befristet bis 31.03.2023.

    Quelle: The Treasury

    Die wohl dringlichste Aufgabe der Regierung ist die Beschleunigung der schleppenden Impfkampagne. Dies gilt als einzige Möglichkeit zur Eindämmung der sich ausbreitenden Delta-Variante.

    Impfplan Australien

    Die Impfkampagne startete am 22. Februar 2021. Dabei setzte Australien zunächst stark auf den Wirkstoff von AstraZeneca, insbesondere weil ein Großteil der bestellten 53,8 Millionen Dosen in Melbourne hergestellt werden kann. Aufgrund der seltenen Nebenwirkungen in Form von Thrombosen wird dieser Impfstoff jedoch nur noch für Personen über 60 Jahre empfohlen.


    Die Impfbereitschaft der Bevölkerung in Bezug auf das Vakzin von AstraZeneca gering. Große Mengen des Wirkstoffs lagern ungenutzt. Daher ist Australien in der Praxis stark auf den Impfstoff von Pfizer/Biontech angewiesen. Insgesamt hat die Regierung 40 Millionen Dosen bestellt, die allerdings  größtenteils erst ab dem 3. Quartal 2021 in Australien eintreffen. Immerhin sollen die wöchentlichen Pfizer/Biontech-Lieferungen ab dem 19. Juli 2021 von etwa 350.000 auf 1 Millionen Dosen steigen.


    Das Ziel, allen impffähigen Personen bis Ende Oktober 2021 ein Impfangebot zu machen, ist aber nicht mehr zu erfüllen. Stattdessen dürfte sich die Impfkampagne mindestens bis Ende 2021 hinziehen. Ab Ende 2021 sollen auch die bestellten 25 Millionen Dosen des Wirkstoffes von Moderna geliefert werden.


    Wichtig: Personen mit temporärer Aufenthaltserlaubnis, die nicht Teil des Medicare-Systems sind, müssen zuerst einen Individual Health Identifier (IHI) beantragen, um einen digitalen Impfnachweis zu erhalten.

    Quelle: Germany Trade & Invest

    Fördergelder für das verarbeitende Gewerbe

    Zudem bemüht sich die Regierung um eine Wiederbelebung des verarbeitenden Gewerbes. Dazu werden im Rahmen der Modern Manufacturing Strategy (MMS) Fördergelder bereitgestellt.

    Über den Manufacturing Modernisation Fund werden dabei Zuschüsse für die Modernisierung von Produktionsanlagen gewährt. Der maximale Förderbetrag beläuft sich auf eine 1 Million $A, wobei berechtigte Unternehmen mindestens den dreifachen Betrag der Fördersumme selbst aufbringen müssen.

    Das zweite Instrument der MMS ist die insgesamt 900 Millionen US$ dotierte Modern Manufacturing Initiative. Diese stellt die Kommerzialisierung und den Markthochlauf von Innovationen in den Mittelpunkt. Die sechs Zielsektoren sind Rohstoffverarbeitung, Nahrungsmittel, medizinische Produkte, Recycling und saubere Energieerzeugung, Verteidigung sowie Weltraumtechnik.

    Für jeden der insgesamt sechs Zielsektoren wurde dabei eine eigene Roadmap erarbeitet, welche die jeweiligen Förderziele definiert. In allen Sektoren können Unternehmen staatliche Zuschüsse von 50 Prozent der Kosten eines Investitionsprojektes erhalten. Der maximale Zuschussbetrag beläuft sich dabei auf 20 Millionen $A.

    Auch die Australian Reserve Bank (RBA) unterstützt den Kampf gegen die Folgen von COVID-19. Sie senkte den Leitzins auf den historischen Tiefstand von 0,1 Prozent. Zudem wurde ein Kreditprogramm mit einem Volumen von 139 Milliarden US$ (200 Milliarden $A) für die Geschäftsbanken geschnürt (zum Zins von 0,25 Prozent über drei Jahre). Erstmals in ihrer Geschichte startete die RBA mit Ankäufen von Staatsanleihen.

    Infrastruktur wird stark ausgebaut

    Die Regierung in Canberra erhöht die Ausgaben für den Infrastrukturausbau in den kommenden zehn Jahren um umgerechnet 10 Milliarden US$. Insgesamt sollen bis 2022 rund 76 Milliarden US$ in die Infrastruktur gesteckt werden.

    Für 15 Großvorhaben mit einem Gesamtvolumen von 50 Milliarden US$ wird jeweils eine eigene Taskforce eingerichtet, die die Umsetzung der Projekte teils um Jahre beschleunigen soll. Dazu zählen die Inland Rail oder das Marinus Link-Stromkabel nach Tasmanien. Eine zusätzliche Maßnahme ist der Ausbau des National Broadband Network. Bis 2023 werden knapp 3,1 Milliarden US$ in das staatliche Breitbandnetz gesteckt, damit 2 Millionen Haushalte einen schnelleren Internetzugang erhalten.

    Weitere Ausbauprogramme gibt es auf der Ebene einzelner Bundesstaaten. New South Wales treibt das Ausgabenniveau auf einen Rekordwert und will in den kommenden vier Jahren rund 76 Milliarden US$ investieren. Davon fließen rund Zweidrittel in den Verkehrssektor. Weitere Schwerpunkte sind Gesundheit und Bildungseinrichtungen. Victoria wird bis 2024/25 insgesamt rund 62 Milliarden US$ ausgeben. Im Mittelpunkt stehen auch hier große Verkehrsprojekte wie der Suburban Rail Loop oder der Melbourne Airport Rail Link.

    Öffentliche Verschuldung steigt an

    Noch vor der Coronakrise zählte die Erreichung eines Budgetüberschuss zu den Kernzielen der Regierung. Durch die umfangreichen Hilfsmaßnahmen schreibt der Staatshaushalt nun jedoch tiefrote Zahlen. Für das Haushaltsjahr 2020/21 schlägt ein Defizit von 7,8 Prozent des BIP zu Buche. Aufgrund der schnellen wirtschaftlichen Erholung fällt das Haushaltsloch damit aber geringer aus als befürchtet. 

    Nach Aussage von Schatzminister Josh Frydenberg soll die Haushaltskonsolidierung erst auf die Tagesordnung rücken, wenn die Arbeitslosigkeit nachhaltig auf unter 5 Prozent zurückgeht. Im laufenden Haushaltsjahr 2021/22 soll das Defizit etwa 5,0 Prozent des BIP betragen, bis 2024/25 wird ein Rückgang auf 2,4 Prozent erwartet.

    Vor Ausbruch der Pandemie hatte die Nettostaatsverschuldung bei knapp 20 Prozent des BIP gelegen. Bis 2024/25 wird nun ein Anstieg der Staatsverschuldung auf 40,9 Prozent des BIP erwartet, ein im internationalen Vergleich immer noch sehr niedriger Wert.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

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