Special Belgien

Belgische Startup-Szene entwickelt sich dynamisch

Gründer finden in Belgien viele Fördermöglichkeiten. Die Palette reicht von öffentlichen Agenturen über Crowdfunding bis hin zu Großbanken, die Startup-Inkubatoren beitreiben.

Belgische Startup-Szene entwickelt sich dynamisch

Es gibt eine starke Forschung und mehrere kleine und mittelgroße Zentren


Der Standort Belgien bietet im internationalen Vergleich ein gutes Umfeld für Startups. Das „European Innovation Scoreboard 2019“ führt Belgien unter allen 28 Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU) auf Rang sechs hinter den nordischen Staaten und den Benelux-Nachbarn. Der Bericht zählt Belgien sogar zu den stärksten Innovationsführern der EU in punkto internationale Forschungskooperation, Innovationskraft kleiner und mittlerer Unternehmen, öffentliche wie private Forschungsaufwendungen, Breitbandausbau und öffentlich-private Kooperation.

Im „Startup Ecosystem Ranking 2019“, das 100 Länder analysiert, hat sich Belgien gegenüber 2017 um drei Positionen auf Rang 24 verbessert. Eine noch bessere Platzierung verhindert laut der Studie der Umstand, dass es aktuell nur ein „Einhorn“, dessen Wert 1 Milliarde US-Dollar überschreitet, gibt: Collibra. Zudem gibt es keinen Ort, der im globalen Maßstab zu den stärksten Stadtstandorten zählt. Brüssel liegt hier weltweit an 62. Stelle, gefolgt von Gent (131.) und Antwerpen (376.).

Vielfältige Förder- und Finanzierungslandschaft


Die öffentliche Wirtschaftsförderung ist in Belgien nicht Sache das Föderalstaats, sondern der drei autonomen Regionen. Diese sind das niederländischsprachige Flandern, das frankophone Wallonien und die zweisprachige Hauptstadtregion Brüssel. Für Startups unterscheiden sich die Förderinstitutionen- und -programme daher je nach Ort.

In Brüssel erhalten Gründer günstige Finanzierungen bei „finance.brussels“. Subventionen und Förderungen erteilt zudem die Agentur „Brussels Economy and Employment“. In Flandern ist die Behörde PMV hierfür zuständig. Wallonien hat die Investitionsförderagentur SRIW und speziell für Startups in der Digitalwirtschaft den Fonds W.IN.G.

Auch große Banken wie KBC, BNP Paribas Fortis oder Belfius finanzieren Startups und sind Partner oder Miteigentümer von Inkubatoren. Dazu existieren Branchenprogramme wie dasjenige vom BlueHealthInnovationCenter für Health-Tech-Startups.

Crowdfunding ist zuletzt stark gewachsen, wenngleich das Volumen im internationalen Vergleich noch gering ist. Laut neuesten Angaben der belgischen Finanzmarktbehörde FSMA (Financial Services and Markets Authority) wurden 2017 alles in allem 92 Kampagnen mit einer Gesamtsumme von 20 Millionen Euro aufgelegt. Die Anzahl der Projekte war um 64 Prozent höher als 2016. Die FSMA bietet auf ihrer Homepage einen Überblick über alle lizensierten Crowdfunding-Plattformen.

Viele Inkubatoren offerieren Zusammenarbeit mit Banken und Beratern


Co-Working hat in Belgien in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Laut dem Verband BGA (Belgian Workspace Association) gab es in Belgien 2018 insgesamt 135 Co-Working-Zentren mit einer Gesamtfläche von 80.000 Quadratmetern. Dies entspricht einem Anteil von 15 Prozent am gesamten Markt für Businesszentren. Die wichtigsten Städte sind dabei Brüssel, Antwerpen, Gent, Lüttich, Hasselt und Löwen.

In allen größeren belgischen Städten gibt es inzwischen Inkubatoren und Acceleratoren für Starups. Darunter finden sich auch Ketten, an denen sich Banken wie KBC oder BNP Paribas Fortis beteiligen und die den Mietern exklusive Finanzierungskonditionen offerieren. Andere Hubs arbeiten mit speziellen Partnern zusammen, wie „The Birdhouse“ mit der Bank Belfius und der Beratungsagentur EY.

Auch das flämische Forschungszentrum für Nano- und Mikroelektronik IMEC (Interuniversity Microelectronics Centre) betreibt Inkubatoren in vier Städten. Manche Hubs locken mit spektakulären Standorten, so ist BeCentral im Brüsseler Zentralbahnhof untergebracht, den der berühmte Architekt Victor Horta entworfen hat.

Ausgewählte Inkubatoren und Acceleratoren in Belgien

Name

Internetadresse

Standort

BeCentral

www.becentral.org

Brüssel

B-Sprouts

www.b-sprouts.com

Brüssel

Co.Station

https://co-station.com

Antwerpen, Brüssel, Charleroi, Gent

Imec.istart

www.imec-int.com/en/istart

Antwerpen, Gent, Hasselt, Löwen

Innovation Hub by BNP Paribas Fortis

https://innovation-hub.be

Antwerpen, Brüssel, Charleroi, Gent, Hasselt, Kortrijk, Löwen, Louvain-la-Neuve, Lüttich, Mons, Tournai

StartIt@KBC

https://startit.be

Antwerpen, Brüssel, Kortrijk, Gent, Hasselt, Löwen, Prag, Budapest

Startup Factory

www.startupfactory.be

Brüssel

Tech Lane Ghent

http://www.techlane.be

Gent

The Birdhouse

www.gobirdhouse.com

Antwerpen, Gent

The CoFoundry Startup Village

www.thecofoundry.co

Antwerpen

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Belgien finden Sie unter www.gtai.de/belgien


Text: Torsten Pauly

Belgische Startups entstehen oft im Umfeld renommierter Universitäten

Mitte 2019 existieren in Belgien laut der Vereinigung „Startups.be“ 2.472 Gründerfirmen. Diese verteilen sich über das ganze Land. Die wichtigsten Zentren sind jedoch Brüssel mit 276 Gesellschaften sowie die flämischen Städte Gent (263), Antwerpen (213), Löwen (112) und Hasselt (76). Weniger Neugründungen finden sich in den größten wallonischen Orten Lüttich (61 Unternehmer), Charleroi (40) und der Regionalhauptstadt Namur (16).

In Brüssel sind alle wichtigen Sparten vertreten. In Gent, Löwen und Hasselt gibt es wegen starker Universitäten und Forschungsinstitute viele Jungunternehmen im Bereich BioTech, Elektronik und Digitalwirtschaft einschließlich Cybersicherheit. In Antwerpen hat Industrie 4.0. große Bedeutung. Dort ist nicht nur Europas zweitgrößter Hafen mit der Plattform NxtPort, sondern auch das größte Chemiecluster des Kontinents zu finden. Auch der Brüsseler Flughafen hat eine Plattform: BRUcloud. Laut „Startups.be“ entwickeln insgesamt 60 belgische Gründer Mitte 2019 Logistiklösungen.

Starke Forschung zur künstlichen Intelligenz


Sehr dynamisch entwickelt sich die Analyse großer Datenmengen. „Startups.be“ zählt Mitte 2019 insgesamt 56 Neugründungen im Bereich künstliche Intelligenz (KI). Die Katholische Universität Leuven hat einen neuen KI-Masterstudiengang. Dazu gibt es am Forschungsinstitut Sirris ein spezielles KI-Kompetenzzentrum, in Kortrijk die AI (Artificial Intelligence) Acadamy und in Brüssel die Plattform Brussels AI als Teil des internationalen Netzwerks City AI.

Wallonien zählt Mitte 2019 insgesamt 100 Unternehmen, Institute und sonstige Akteure zur künstlichen Intelligenz. Auch der belgische Technologieverband Agoria organisiert hierzu Arbeitsgruppen und Veranstaltungen.

Biotech wächst dynamisch


In der Biotechbranche hat Belgien in Europa seit Jahrzehnten eine führende Position inne und Mitte 2019 führt „Startups.be“ 55 Biotech-Neugründungen auf. Starke Cluster sind FlandersBio in Gent und BioWin in Charleroi. Der Wert der belgischen Biotechfirmen hat 2018 etwa 27 Milliarden Euro erreicht, das waren 12,5 Prozent mehr als 2017. Die Summe entspricht 23 Prozent der europäischen Marktkapitalisierung, womit Belgien vor Dänemark auf Platz eins steht.

Das Flämische Institut für Biotechnologie VIB (Vlaams Instituut voor Biotechnologie) in Gent genießt in der Grundlagen- und angewandten Forschung - auch in Kooperation mit der Privatwirtschaft - international ein hohes Renommee. Gleiches gilt für die Flämische Institution für technologische Untersuchungen VITO (Vlaamse Instelling voor Technologisch Onderzoek).

Alle Kfz-Hersteller setzen auf Elektromobilität


Auch in der Kfz- und Elektronikindustrie hat Belgien eine lange Tradition. Alle Kfz-Hersteller fertigen inzwischen Elektro-SUV (Audi) beziehungsweise Hybridmodelle (Volvo) oder Nutzfahrzeuge mit Elektro- und Brennstoffzellenantrieb (Van Hool). Brüssel, Gent, Antwerpen und andere Städte haben bereits umfangreiche Umweltzonen eingeführt.

Eigene Startup-Inkubatoren betreibt das Mikroelektronikforschungszentrum IMEC. Auch der belgische Technologieverband Agoria unterhält zu Mobilität, Elektronik und Informations- und Kommunikationstechnik interdisziplinäre Arbeitsgruppen. Laut „Startup.be“ gibt es in Belgien Mitte 2019 zehn junge Unternehmen für Elektro-Fahrzeuge beziehungsweise Mobilität.

Startup-Events finden im ganzen Land statt


Die dynamische, dezentrale Entwicklung der belgischen Startup-Szene bringt auch viele Veranstaltungen im ganzen Land mit sich. Zu den wichtigsten Treffen zählen „The Big Squeeze“ in Brüssel und „SuperNova“ in Antwerpen. Im halbjährlichen Turnus geht die startup- oder Techjobfair über die Bühne. Dabei wechseln sich Gent und Antwerpen ab.


Ausgewählte Startup-Veranstaltungen in Belgien

Name der Veranstaltung

Internetadresse

Datum und Ort

Failing Forward

https://metfalenenopstaan.be

29.9.19 in Gent

Digital First

www.digitalfirst.be/startups

16./17.10.19 in Brüssel

Ghent Startup Fair

https://techjobfair.be

12.11.19 in Gent

Shake Digital Wallonia

www.shakedigitalwallonia.be

6.12.19 in Namur

The Big Squeeze

https://thebigsqueeze.be

jährlich im Februar in Brüssel

Antwerp Startup Fair

https://techjobfair.be/antwerp

jährlich im April in Antwerpen

SuperNova

www.supernovafest.eu/supernova-2020/

8.-11.11.20 in Antwerpen

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Eine laufend aktualisierte Datenbank mit allen Firmen bietet „Startups.be“.

Weitere Informationen zu Belgien finden Sie unter www.gtai.de/belgien


Text: Torsten Pauly

Belgische Startup- und Forschungslandschaft ist sehr international aufgestellt

In der belgischen Startup-Szene gibt es einen sehr intensiven Austausch mit ausländischen Partnern, auch als institutionalisierte Kooperation. Dies liegt unter anderem daran, dass die Forschungslandschaft, aus der viele Unternehmensgründungen hervorgehen, in sehr hohem Maße international vernetzt ist. So ist Belgien laut dem European Innovation Scoreboard 2019 bei der Zahl ausländischer Doktoranden und grenzübergreifender Forschungspublikationen eines der stärksten Mitglieder der Europäischen Union.

Dennoch sind die meisten belgischen Startups nur im Inland ansässig und unterhalten keine Niederlassungen im Ausland. Laut der Vereinigung „Startups.be“ haben sich 200 belgische Neugründungen auch in anderen Ländern etabliert, dies entspricht einer Rate von 8 Prozent aller Startups.

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich bisher nur ein belgisches Jungunternehmen - Collibra - zu einem sogenannten Einhorn entwickelt hat, dessen Wert 1 Milliarde US-Dollar überschreitet. Allerdings haben laut Branchenkennern viele ausländische Kapitalgeber in belgische Startups investiert. Diese stammen meist aus dem angelsächsischen Raum.

Inkubatoren unterstützen Mieter beim Gang ins Ausland


Interessierte Startups finden für ein Auslandsengagement in Belgien Unterstützung in verschiedener Form. Unter anderem offeriert „Startups.be“ seinen Mitgliedern die organisierte Teilnahme an Delegationsreisen und internationalen Konferenzen. Über das Angebot informiert die Vereinigung auf ihrer Homepage https://startups.be/global.

Auch verschiedene Inkubatoren und Acceleratoren bieten ihren Mietern spezielle Veranstaltungen, Schulungen und Programme zum Gang ins Ausland. Dies geschieht oft in Zusammenarbeit mit Beratern oder Kapitalgebern. Darüber hinaus gibt es in Belgien spezialisierte private Anbieter zur Startup-Internationalisierung. Unter anderem Be-yond hat die Expansion ins Ausland zu seinem Geschäftsmodell gemacht.

Breite öffentliche Förderlandschaft


Auch die Wirtschaftsfördergesellschaften der drei belgischen Regionen unterstützen die Internationalisierung von Startups ebenso wie die Ansiedlung junger Unternehmen aus dem Ausland. Im Brüsseler Hauptstadtraum ist die Organisation Hub.Brussels zuständig, die eine Abteilung zur Förderung von Exporten und ausländischen Investitionen hat.

Die flämische Gesellschaft hierfür ist Flanders Investment and Trade, die einen eigenen Startup-Fokus hat. In Wallonien gibt es ein Startup-Programm von Invest in Wallonia und zudem die Außenwirtschaftsfördergesellschaft AWEX.

Weitere Informationen zu Belgien finden Sie unter www.gtai.de/belgien


Text: Torsten Pauly

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