Futuristic city VR wire frame with businesswoman walking. 3D generated image. ©GettyImages/gremlin Futuristic city VR wire frame with businesswoman walking | © GettyImages/gremlin

Special China Seidenstraße

China hat im Rahmen der neuen Seidenstraße große digitale Pläne

Chinesische Technologiefirmen haben ihre Produkte und Dienstleistungen im Reich der Mitte ausgiebig testen können und drängen jetzt damit auf die Weltmärkte.


  • China hegt expansive Pläne für die digitale Seidenstraße

    Chinas neue Seidenstraße wird immer digitaler. Dazu tragen große Telekommunikationskonzerne genauso bei wie Internetgiganten und Cloud-Provider.

    Als das Reich der Mitte 2015 die neue Seidenstraße mit frischen Visionen bestückte, wurde schnell deutlich, dass es zukünftig nicht mehr nur um den Bau von Straßen, Häfen und Eisenbahnen gehen sollte. Die Initiative, so heißt es in dem im März 2015 veröffentlichten Papier "Vision and Actions on Jointly Building Silk Road Economic Belt and 21st-Century Maritime Silk Road Initiative", sollte zudem das Niveau der internationalen Kommunikationskonnektivität und einer reibungslos funktionierenden "Informations-Seidenstraße" verbessern. Konkret wurde beabsichtigt, den Bau grenzüberschreitender Glasfaserkabel und die Umsetzung internationaler Unterseekabelprojekte zu beschleunigen sowie Satelliten zur Kommunikation zu installieren.

    Vor dem Hintergrund der Automatisierung und Digitalisierung der eigenen Industrie durch das ebenfalls 2015 veröffentlichte Modernisierungsprogramm "Made in China 2025" wurde somit für Chinas entstehende Internet- und IKT-Giganten der Weg in die Welt geebnet. Die 2016 veröffentlichte nationale Informatisierungsstrategie ermutigte zudem Firmen wie Alibaba, Tencent oder Baidu, die die globale Marktführerschaft bei E-Commerce und mobilen Zahlungssysteme im Blick behielten, sich an der "Online Silk Road" zu beteiligen.

    Untermauert durch Abkommen, Initiativen und hochrangig unterstützte, konkrete Vorhaben mit Staaten der ASEAN (Association of Southeast Asian Nations), mit arabischen und afrikanischen Ländern sowie Pakistan und Afghanistan nahm die digitale Seidenstraße in den Folgejahren Gestalt an.

    Chinesische Digitalkooperationen mit anderen Ländern

    Besonders Südostasien steht im Fokus der chinesischen Digitalkooperation mit Drittstaaten. Doch erstreckt sich die Zusammenarbeit der Volksrepublik auch weit darüber hinaus. Bis Mitte 2019 soll das Reich der Mitte laut Angaben des Mercator Institute for China Studies (MERICS) 16 Kooperationsabkommen zur digitalen Seidenstraße abgeschlossen haben.


    Schon 2015 fand das erste China-ASEAN Information Harbor Forum statt. Innerhalb dieses Formats baute China in den Folgejahren mit den zehn Mitgliedsstaaten der ASEAN die Zusammenarbeit in Digitalwirtschaftsbereichen wie Smart Cities, Navigation, E-Commerce, 5G-Ausbau und Kulturaustausch im Internet immer weiter aus. Indes wurde 2020 sogar zum Jahr der digitalen Wirtschaftskooperation zwischen China und der ASEAN-Region auserkoren.


    Im 13. Fünfjahresplan wurde 2016 neben dem China-ASEAN-Informationshafen außerdem der Bau einer China-Arabien-Internetseidenstraße ausgerufen. Auch mit Pakistan arbeitet die Volksrepublik seit 2015 an der Idee eines China-Pakistan-Informationskorridors.


    Auf der vierten Weltinternetkonferenz im Dezember 2017 wurde die Initiative zur digitalen Wirtschaftskooperation im Rahmen der neuen Seidenstraße ins Leben gerufen. Damit soll die Zusammenarbeit in Chinas Digitalwirtschaft mit sieben weiteren Ländern (Ägypten, Laos, Saudi-Arabien, Serbien, Thailand, Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten) ausgeweitet werden. Des Weiteren wurde im chinesischen Hangzhou 2016 mit der Gruppe der G20 vereinbart, bei Telekommunikationstechnik zu kooperieren, um das weltweite Wachstum der digitalen Wirtschaft voranzutreiben.

    Ende November 2020 existierten drei internationale Seekabel, zwölf landseitig verlegte internationale Glasfaserkabel sowie wichtige Telekommunikationsknotenpunkte, wie auf dem vierten China-ASEAN-Informationshafen-Forum festgehalten wurde. Allein 130 Projekte für rund 50 Milliarden Renminbi Yuan wurden unterzeichnet. Ende 2020 ist in der Presse zu lesen, China sei bereits mit zwölf seiner 14 Nachbarstaaten durch Glasfaserkabel verbunden.

    Es geht um viel mehr als nur digitale Infrastruktur

    Doch geht es bei der digitalen Seidenstraße schon lange nicht mehr nur um Kabel- und Satellitenprojekte. Spätestens seit dem ersten Belt and Road Forum in Beijing im Jahr 2017 ist ersichtlich, dass auch Technologien der nächsten Generation – etwa künstliche Intelligenz, Big Data, Cloud-Computing und Smart Cities – in die Gesamtinitiative der neuen Seidenstraße integriert werden sollen. Auf dem zweiten Belt and Road Forum im April 2019 unterzeichnete China mit 40 Staaten ein gemeinsames Communiqué zum weiteren Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie zur Entwicklung von E-Commerce und Smart Cities.

    Themenbereiche der digitalen Seidenstraße

    Digitale Infrastruktur

    Infrastruktur für Internet- und Telekommunikation, Kabelprojekte, Datenzentren und Cloud-Computing, Satelliten und Navigationssysteme

    Smart Cities

    Verkehrssteuerung und Mobilität, intelligente Energieversorgung und -überwachung, Abfallmanagement, Kamerasysteme und Überwachungstechnologien

    Digitale Produktion

    Internet of Things (IoT) in der Industrie, Industrieplattformen, Aufbau smarter Fabriken

    Intelligente Logistik

    Smarte Logistikzentren und Umschlagsplätze (beispielsweise intelligente Hafenterminals)

    Start-up-Beteiligungen

    Beteiligung chinesischer Tech-Firmen an lokalen Start-ups (etwa Mobile Payment, Digital Health, Apps, E-Commerce)

    Sonstige digitale Aktivitäten

    Fintech, Big Data, Blockchain, Smart Grid, Digital Health, Apps, Gaming, Smart Farming, E-Government, Aus- und Weiterbildung

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    An Geld mangelt es bei der Umsetzung der digitalen Seidenstraße bislang nicht. Umfassende Fördergelder können beantragt werden. Des Weiteren entsprechen die Finanzierungspakete der China Development Bank oder der Exim Bank kaum internationalen Gepflogenheiten und können internationale Mitwettbewerber bei Projekten ausstechen.

    Auch Privatfirmen profitieren von enormer staatlicher Förderung

    Nichtstaatliche Unternehmen wissen Fördergelder und staatliche Unterstützung ebenfalls zu nutzen. Die Projektvielfalt nimmt zu – angefangen von der Telekommunikationsinfrastruktur, über Konsumenten-Apps bis hin zu digitalen Finanzdienstleistungen und dem Betrieb von Rechenzentren. Ursprünglich weniger strategisch, sondern eher wirtschaftlich orientierte Projekte landen so unter dem (finanzkräftigen) Dach der digitalen Seidenstraße. Allerdings kann die Staatsnähe für chinesische Digitalfirmen im Ausland gleichermaßen zum Wettbewerbsnachteil werden: Immer mehr Länder sehen ihre Beteiligung unter anderem beim Ausbau des Mobilfunknetzes der fünften Generation (5G) kritisch.

    Im Rahmen der digitalen Seidenstraße ist in den letzten Jahren ein breites Netz an grenzüberschreitenden digitalen Wirtschaftsaktivitäten entstanden. So ist China beispielsweise beim grenzüberschreitenden Datenverkehr mit einem Weltanteil von 23 Prozent mittlerweile mit Abstand führend. In der Mitte des Netzes sitzen verschiedene Akteure der Digitalwirtschaft. Bewegen sie sich, versetzen sie das gesponnene Netz in Schwingungen – sei es im Bereich der 5G-Infrastruktur, bei technischen Standards, Verschlüsselungstechnologien, (satellitenbasierten) Navigationssystemen oder bei im Reich der Mitte entwickelten Apps. Das Gleiche passiert, wenn die Akteure durch die chinesische Regierung beeinflusst werden.

    Während Beijing seine Kontrolle über die einflussreichen Internet- und Digitalgiganten in der Volksrepublik derzeit verstärkt – beispielhaft ist der gescheiterte Börsengang von Ant Financial – ringt die restliche Welt um den richtigen Umgang mit dem entstandenen Spinnennetz. Die chinesische Regierung dürfte ihre Strategie künftig weiter verfeinern und präzisieren. Die Einführung einer digitalen Währung als erstes Land weltweit zählt wohl dazu.

    China möchte international digitale Standards setzen

    Gerade in Hinblick auf die sinkende Finanzkraft vieler Länder durch die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie scheinen chinesische Digitalprojekte im Vergleich zu großen Infrastrukturprojekten in Drittstaaten an Fahrt aufzunehmen. Digitale Vorhaben sind schneller umzusetzen, weniger sichtbar und bergen auch für die Volksrepublik geringere Risiken.

    Verfolgt werden die erklärten Ziele, heimische Tech-Firmen zu globalen Champions zu machen, globale technische Standards zu setzen, eine China-zentrierte transnationale Netzwerkinfrastruktur aufzubauen sowie den Transfer von Daten zu kontrollieren und gegebenenfalls zu beschränken. Die digitale Seidenstraße entwickelt sich zu einem zunehmend komplexen Netz. Dabei ist es von großer Wichtigkeit, zu erkennen, wer an welchem Faden zieht – und warum.

    Von Corinne Abele, Lisa Flatten | Shanghai, Bonn

  • Chinas Tech-Giganten marschieren entlang der Seidenstraße

    Chinas digitale Seidenstraße wird vor allem von den großen Tech-Firmen des Landes umgesetzt. Immer häufiger beteiligen sie sich an der Tech-Szene anderer Länder.

    Schon lange bevor die digitale Seidenstraße offiziell die politische Bühne betrat, waren die großen Internet- und Tech-Giganten Chinas im Ausland aktiv. Seit Anfang der 2000er Jahre eroberten sie Märkte vor allem in Asien, aber auch in Afrika, Lateinamerika und Europa. Während ZTE und Huawei sowie ihre Tochterfirmen Untersee- und Überlandkabel verlegten, Datenzentren und Telekommunikationsinfrastruktur aufbauten, arbeitete vor allem Alibaba an der Erweiterung seiner E-Commerce-Welt über Chinas Grenzen hinaus.

    So betrat bereits 2013 Alibabas E-Commerce-Plattform Taobao den singapurischen Markt – lange bevor die digitale Seidenstraße offiziell ausgerufen wurde. Inzwischen kontrolliert der Online-Gigant nicht nur zwei der einflussreichsten E-Commerce Plattformen in Südostasien: Lazada und Tokopedia. Parallel hat es seine Dateninfrastruktur und Logistiknetzwerk aufgebaut. Dies geschah häufig in Kooperation mit oder durch lokale Partner. Bereits 2016 betonte Jack Ma, Gründer von Alibaba, auf dem International Economic Forum in Russland, dass die für die Firma wichtigsten Regionen entlang der Seidenstraße lägen.

    Mit der App zur Mitfahrgelegenheit

    Das Beispiel Alibaba zeigt, dass die digitale Seidenstraße zwar von Chinas Tech-Giganten sowohl bei Infrastruktur als auch bei Anwendungen umgesetzt wird, die Firmen aber vor allem auch ihren eigenen Geschäftsstrategien folgen. Der Kampf um Marktanteile - vor allem in innovativen digitalen Wachstumsbereichen angefangen von Digital Health über Mobile Payment und FinTech bis hin zu Ride-Hailing - geht entlang der Seidenstraße weiter.

    So erreicht Tencent mit seiner aufgrund ihres Datenzugriffs in starke Kritik geratenen Mega-Social-App Wechat zunehmend Nutzer außerhalb Chinas. WeChat hat eigene Niederlassungen unter anderem in Australien und Indonesien, sich an Vietnams E-Commerce-Giganten Tiki beteiligt sowie ein Joint Venture mit der thailändischen Einzelhandelsgruppe Central Group gegründet. Durch derartige Beteiligungen nutzen Chinas Internetfirmen die spezifische Marktkenntnis und Kundennähe der regionalen E-Commerce-Anbieter; gleichzeitig verbinden sie diese mit dem eigenen Logistiknetzwerk und erweitern ihre Datenbasis im jeweiligen Markt.

    Auch Chinas Ride-Hailing Super-Plattform Didi Chuxing ist bereits seit langem in Asien und damit auch entlang der Seidenstraße unterwegs. Mit der App werden Fahrgäste an Fahrer vermittelt. Entstanden aus der wettbewerblichen Patt-Situation zwischen Alibabas Kuaidi Dache und Tencents Didi Dache 2015, dominiert die Plattform den chinesischen Markt. Bereits 2015 investierte Didi Chuxing in die Ride-Hailing-Plattformen Grab (Indonesien), Lift (USA) sowie Ola (Indien). Ganz übernahm es 2017 Taxify (jetzt Bolt), das Ride-Hailing in Afrika und Europa anbietet sowie die brasilianische Mobilitätsplattform 99. Unter eigener Flagge ist die Plattform inzwischen in Japan und Australien, aber auch seit 2020 in Russland, Neuseeland und der Dominikanischen Republik tätig.

    Chinas Internet-Giganten beteiligen sich an ausländischen Bezahlplattformen

    Von strategischer Bedeutung für den jeweiligen Marktzugang sind auch mobile Bezahlsysteme und FinTech-Apps, die über strategisch wichtige Daten zur Kundenkaufkraft, Kreditwürdigkeit und Kaufverhalten verfügen. Im Heimatmarkt China liefern sich seit Jahren vor allem Alibabas Alipay und Tencents WechatPay einen harten Kampf. Entlang der Seidenstraße sind beide mobilen Bezahlsysteme bereits unterwegs. Gemäß des Fintech100 Report 2019 von KPMG und H2 Ventures befinden sich die chinesischen FinTech-Anbieter Ant Financial (Alibaba), JD Digits (JD.com) und Du Xiaoman Financial (Baidu) unter den Top 10 FinTech-Unternehmen weltweit. Ihre Hauptkunden sind zwar hauptsächlich in China; doch haben sie andere Märkte im Visier – nicht zuletzt über Beteiligungen an dort heimischen Anbietern.

    So befindet sich Indiens mobiler Bezahldienst Paytm, der PayPal in Asien vom dritten Platz verdrängt hat, zu 30 Prozent im Besitz von Ant Financial. JD.com und Tencent haben sich an der indonesischen App Gojek beteiligt, die als Ride-Hailing Plattform startete und inzwischen Bezahldienste, Food Delivery und andere Fintech- und Shopping-Dienstleistungen anbietet. Anfang 2019 übernahm Gojek wiederum coins.ph – ein in den Philippinen beliebter mobiler Bezahldienst. Bereits 2017 hatte Ant Financial in die philippinische Mobile Wallet App Mynt investiert. An Gojeks singapurischem Erzrivalen Grab ist der chinesische Versicherer und KI-Tech-Gigant PingAn bereits beteiligt. Während Alibaba Zeitungsberichten zufolge beabsichtigt 4 Milliarden US-Dollar in das Unternehmen zu investieren; Gespräche sollen laufen. Chinas große Internetgiganten sind damit direkt oder indirekt an den in Südostasien dominierenden Bezahlplattformen beteiligt.

    Chinesische Bildungsangebote prägen die Tech-Szene weltweit

    Auch durch Schulungen für Talente oder junge Start-ups aus den Ländern entlang der Seidenstraße erweitern Chinas digitale Giganten ihren Einfluss auf die dortige Tech-Szene. Amy Karam vom Canadian Global Affairs Institute sieht eine deutliche Absicht der digitalen Seidenstraße darin, Tech Business Parks in Partnerländern zu gründen, die China einen Einblick in und potenziellen Zugang zu künftigen Tech-Innovationen und Start-ups ermöglichen.

    Wuchs Chinas digitales Empire lange unbemerkt über die Landesgrenzen hinweg, trifft es inzwischen auf Widerstand. So versuchen die USA ByteDance´s App TikTok sowie WeChat zu verbieten. In Indien waren Anfang Dezember 2020 bereits über 200 chinesische Apps geblockt. Und das könnte erst der Anfang sein. Chinesische Beteiligungen – auch Minderheitsbeteiligungen – an hoffnungsvollen Tech-Start-ups dürften künftig schwieriger werden. Als jüngster Fall soll Pressemeldungen zufolge Ant Financial beabsichtigen, seine Beteiligung am indischen FinTech Paytm zu verkaufen. Die sich verschlechternden diplomatischen Beziehungen zwischen Indien und China sollen laut Bloomberg einer der Hauptgründe dafür sein.

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Smart Cities "made in China" als Exportschlager?

    Die Smart City Shanghai ist Vorreiter, aber nicht einzigartig. In China werden hunderte Smart-City-Projekte umgesetzt. Auch entlang der Seidenstraße wird das Konzept exportiert.

    Smart Cities sind im Reich der Mitte als Konzept und Vision weit verbreitet. In der Regel gibt Beijing den Rahmen vor, während einzelne Städte die Projekte unter Anpassung an lokale Besonderheiten umsetzen. Finanziert werden die Vorhaben zum Großteil sowohl durch Mittel der Zentral- als auch der Regionalregierungen. Längst realisieren chinesische Firmen zudem Smart-City-Projekte im Ausland – oder sind zumindest daran beteiligt.

    So wurde bereits Ende November 2018 das Zentrum für Smart-City-Kooperation zwischen China und den ASEAN-Staaten in Nanning gegründet; Partnerschaften mit Städten im ASEAN-Raum folgten. In seiner von der US-China Economic and Security Review Commission im Januar 2020 beauftragten Studie identifizierte SOS International LLC fast 400 Fälle von insgesamt 34 verschiedenen chinesischen Unternehmen, die bei Smart-City-Projekten in 106 Ländern involviert waren und entsprechende Technologien exportierten.

    Die Entwicklung von Smart Cities in Chinas Fünfjahresplänen

    Bereits im neunten Fünfjahresprogramm (1996-2000) wurden die Grundlagen einer landesweiten Informationsinfrastruktur gelegt. Neue technologische Möglichkeiten eröffneten in den folgenden Fünfjahresplänen immer mehr Bereiche und mündeten erstmals im Smart-City-Konzept, das im 2011 veröffentlichten zwölften Fünfjahresprogramm Erwähnung fand. Der seit dem 13. Fünfjahresprogramm geprägte Begriff "New Smart City" umfasst Informations- und Kommunikationstechnologien der neuen Generation, Internet der Dinge, Big Data und Cloud sowie zunehmend den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI).


    Das Marktforschungsunternehmen IDC prognostiziert, dass Chinas Ausgaben für Smart Cities 2020 um 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf knapp 26 Milliarden US-Dollar (US$) steigen werden. Damit belegt das Land weltweit den zweiten Rang hinter den USA. Bis 2024 dürfte über die Hälfte der chinesischen Ausgaben auf nachhaltige Infrastruktur, von Daten getriebene Governance und digitales Management entfallen.

    Der Ansatz, im öffentlichen Raum erfasste Daten mit privatwirtschaftlichen Daten zu kombinieren, um neue intelligente Lösungen (etwa bei Verkehrs- oder Stadtplanung) zu erreichen, ist Teil fast aller chinesischen Smart-City-Konzepte. Ebenso spielt die Überwachung des öffentlichen Raums durch Kameras, die teilweise die Gesichtserkennung ermöglichen, in der Regel eine wichtige Rolle.

    Gemäß der Studie von SOS International LLC sollen schon bis Ende 2020 landesweit rund 626 Millionen Videokameras installiert werden. Intelligente Systeme bilden auch einen wesentlichen Bestandteil des Überwachungssystems in der chinesischen Westprovinz Xinjiang. Daran beteiligte Firmen wie Hikvision, Dahua, iFlytek, Megvii Technology, SenseTime oder Yitu Technologies stehen daher inzwischen auf der schwarzen Liste des Handelsministeriums der Vereinigten Staaten.

    Der Technologiekonflikt zwischen den USA und China könnte die Attraktivität von Smart Cities "made in China" künftig in einigen Ländern schmälern. 

    Bereits seit 2019 steht Huawei, der weltweit führende 5G-Anbieter und erfolgreiche Exporteur von Smart-City-Projekten, auf dieser Liste. Nach firmeneigenen Angaben wurden bislang Vorhaben für über 200 Städte in mehr als 40 Ländern umgesetzt. Huawei setzt auf Intelligent Twins, um Planung und Bau verschiedener technischer Plattformen wie 5G, Cloud, KI und intelligente Terminals zu koordinieren, aufeinander abzustimmen und damit die Zusammenarbeit bei unterschiedlichen Dienstleistungen zu ermöglichen. Im März 2020 adressierte Huawei Sicherheitsbedenken bei der Umsetzung von 5G-basierten Smart Cities im White Paper "Security Considerations for 5G Smart City", das es gemeinsam mit CAICT und China Mobile veröffentlichte.

    Bei der Verleihung des World Smart City Award Ende November 2020 standen gleich in zwei Kategorien Huawei-Kunden auf Platz 1: Shanghai in der Kategorie "City Award" und Shenzhen beim "Enabling Technologies Award". Shanghais digitale Infrastruktur zählt zu den besten des Landes. Bereits bis 2022 beabsichtigt die Stadt, knapp 39 Milliarden US$ in intelligente und neue Infrastruktur zu investieren, darunter 5G, Internet-Datenzentren, Cloud, KI-Anwendungen und Infrastruktur für (teil-)autonomes Fahren. Die Auszeichnung brachten vor allem das "12345"-Projekt (durch Big Data und KI unterstütztes "Bürgertelefon" und Informationssystem) sowie das Vorhaben "IoT, Data and Intelligent Connection" im Bezirk Huangpu, wo ein intelligentes Urban Operation Management Center eingerichtet wird.

    Ausgewählte chinesische Unternehmen im Bereich Smart Cities (Stand: 2020)

    DC Holdings

    China Telecom

    Dahua Technology

    Alibaba

    China Unicom

    Huawei

    Ping An

    Inspur

    ZTE

    Hikvision

    China Mobile

    Tencent

    Quelle: CCID; Recherchen von Germany Trade & Invest

    Umfassender ist das ebenfalls von Huawei in wesentlichen Teilen realisierte "Pengcheng Intelligent Twins"-Konzept in Shenzhen, das sechs Systeme umfasst: öffentlicher Dienst, öffentliche Sicherheit, Stadtverwaltung (Governance), Smart Industry, Big-Data-Dienstleistungen und Perception Network. Es verbindet intelligente Lösungen für den öffentlichen, privaten sowie innovativen Wirtschaftssektor. Unter anderem soll eine City-Cloud-Plattform eine Vielzahl von E-Government-Dienstleistungen ermöglichen und Behördengänge deutlich reduzieren. Anmeldung und Genehmigung einer Unternehmensregistrierung sollen so kontaktlos und in weniger als einer Minute möglich sein.

    Auch andere große Namen wie Alibaba, ZTE, Tencent oder Ping An sind bei Smart-City-Projekten dabei. So sorgte Alibabas erstmals 2017 in Hangzhou vorgestellte City-Brain-Plattform für Furore. Sie verbindet verschiedene Plattformen für IT, KI, Big Data sowie Real-Time-Rechenleistung. Basierend auf den erhobenen Daten werden durch KI-Einsatz Tausende intelligenter Ampeln gesteuert und koordiniert. Dadurch wird der Verkehrsfluss verbessert und die Zeiten bis zum Eintreffen von Polizei, Ambulanz oder Feuerwehr deutlich verkürzt. Bereits Ende 2019 wurde Alibabas City Brain in 23 Städten mit 48 kundenspezifischen Anwendungen vor allem in der Volksrepublik, aber beispielsweise auch in Kuala Lumpur in Malaysia eingesetzt.

    Für ausländische Firmen ist es bislang schwierig, sich an Smart-City-Projekten in China zu beteiligen. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel.

    So gelang es SAP im Jahr 2016, ein intelligentes Verkehrssystem in Nanjing aufzusetzen. Das führende deutsche Software-Unternehmen ist zudem bei weiteren Vorhaben mit chinesischen Partnern aktiv. Audi wiederum setzt seit 2018 unter anderem gemeinsam mit Huawei, China Mobile und Ford in Wuxi das erste stadtweite "Internet of Vehicle LTE-V2X (Vehicle to everything)"-Pilotprojekt um. Generell ist für innovative Multi-Szenario-Lösungen im Bereich Smart Cities die Zusammenarbeit verschiedener Partner notwendig – und zwar im Reich der Mitte und noch vielmehr außerhalb der Volksrepublik.

    Von Corinne Abele | Shanghai

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