Special China

China ist der größte E-Commerce-Markt der Welt

Die VR China ist im Konsumzeitalter angekommen. Die „Werkbank der Welt“ ist im Onlineshoppingfieber. Dominiert wird das chinesische Internet aber durch lokale Firmen, die auch die beliebtesten Plattformen für den Verkauf bieten. Kaum ein Weg führt an Tmall vorbei. WeChat entwickelt sich hingegen zur Alternative. Grenzüberschreitende Sendungen sind derzeit ein beliebter Weg, den Einstieg zu erleichtern. Ein deutsches Image ist im E-Commerce in China hilfreich.

China ist bei neuen Einzelhandelskonzepten einen Schritt voraus

Die VR China ist der größte Einzelhandelsmarkt der Welt und hat 2016 die USA überholt. Vor allem in den großen Küstenmetropolen hat sich eine konsumfreudige Mittelschicht herausgebildet. Bis 2018 soll der Umsatz im Vergleich zu 2016 um 20% auf 6 Bill. US$ steigen, so Prognosen von Emarketer. 

Gleichzeitig ist China bei neuen Einzelhandelskonzepten vielen Märkten schon einen Schritt voraus. „New Retail“ wird die Verschmelzung von physischem Einzelhandel und Internetshopping genannt. Klassisches Marketing und Ladengeschäfte sterben nicht aus, Firmen müssen sich aber auf diese Struktur einstellen und die Kunden auf den passenden „Kanälen“ ansprechen.

 

Kennziffern zum Handel in der VR China

 

2015

2016

Veränderung 2016/2015 (in %)

Veränderung 2016/2015 (in %) 1)

Einwohner (in Mio.)

1.375

1.383

0,6

-

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (in Euro) 2)

7.211

7.332

1,7

8,0

Verfügbares Einkommen pro Kopf(in Euro) 2)

3.177

3.245

2,1

8,5

Verfügbares Einkommen pro Kopf in städtischen Gebieten (in Euro) 2)

4.512

4.580

1,5

7,8

Umsatz des Einzelhandels (in % des Bruttoinlandsprodukts)

43,9

44,7

-

-

1) auf Yuan-Basis; 2) Umrechnungskurs 2015: 1 Euro = 6,91 Renminbi Yuan (RMB); 2016: 1 Euro = 7,34 RMB
Quelle: National Bureau of Statistics of China 

Die verfügbaren Einkommen steigen stark. Gerade in den Städten expandiert die Mittelschicht, der nach Schätzungen bereits über 200 Mio. Menschen angehören. Das verfügbare Einkommen lag 2016 in den Städten bei 33.616 Renminbi Yuan (RMB; rund 5.061 US$; 1 US$ = 6,64 RMB; Jahresdurchschnittskurs 2016) pro Kopf, in ländlichen Regionen bei 12.363 RMB. 

Der Einzelhandel ist relativ fragmentiert; die größten 100 Einzelhandelsketten standen 2016 nur für 6,4% der Umsätze. Führend sind zunächst Elektronikfirmen wie Suning und Gome, darauf folgt China Resources Vanguard. Ausländische Ketten wie Metro, Walmart und Carrefour sind ebenfalls aktiv. Vor allem bei Convenience Stores wird derzeit expandiert. 

Geprägt wird der Sektor durch die rasante Entwicklung im E-Commerce; 2016 überstieg dessen Umsatz 5 Bill. RMB. Damit lägen die Erlöse doppelt so hoch wie in den USA. Knapp 60% entfallen auf den B2C-Handel (Business-to-Consumer). Gerade die Größe des Landes macht eine Erschließung per Onlinehandel interessant, der im April 2017 rund 17% des gesamten Handels stellte. Die meisten Firmen setzen auf eine Kombination verschiedener Absatzwege: „Omni-Channel Retail“.

 

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung in China (Veränderung in %)

Indikator

2016

2017 1)

Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2)

6,7

6,5

Privatkonsum 3)

10,7

10,2

Inflationsrate (CPI)

2,0

2,4

1) Prognose; 2) real; 3) nominal
Quellen: National Bureau of Statistics; IWF

 

Text: Achim Haug

Internetnutzungsverhalten in China weicht von dem westlicher Länder ab

Die VR China ist wichtiger Lieferant von Ausrüstungen für die digitale Wirtschaft, die Grundlagen im Land selbst sind aber ausbaufähig. Die reinen Zahlen identifizieren es klar als eine Internetmacht: Mit über 730 Mio. Internetnutzern hatte das Land Ende 2016 die größte Internetgemeinde weltweit. Von den 1,4 Mrd. Chinesen gingen damit rund 53% regelmäßig online, das bedeutet noch viel Wachstumspotenzial, vor allem im ländlichen Raum. Allerdings weichen das Nutzungsverhalten und die Plattformen deutlich von denen westlicher Länder ab. 

Befördert wird die Entwicklung durch die drei großen Firmen Alibaba, Tencent und Baidu. Diese gehören inzwischen zu den wertvollsten Unternehmen Chinas und sind praktisch auf Augenhöhe mit US-Konzernen. Die App WeChat (Weixin) gab im Mai 2017 fast 1 Mrd. regelmäßige Nutzer an, zum Großteil aus China. 

Alibaba wiederum beherrscht über Tmall und Taobao das klassische Onlineshopping und bietet Zahlungsdienste gleich mit an. Zweiter wichtiger Spieler ist Jingdong mit der Plattform JD.com. Beide haben in Logistik investiert, um die Auslieferung der Bestellungen effizienter zu machen. Baidu wiederum bietet die wichtigste Suchmaschine und investiert in künstliche Intelligenz. 

Firmen wie Lenovo, Huawei und ZTE haben sich zu führenden Hardwareherstellern entwickelt. Speziell im Chipbereich ist derzeit die Aufholjagd in vollem Gange. Bis 2020 soll die Durchdringungsrate des mobilen Internets 85% erreichen. Noch ist das Internet sehr langsam und landete weltweit nur auf Rang 89, so der Akamai State of the Internet Report. Im 4. Quartal 2016 lag die durchschnittliche Verbindungsgeschwindigkeit von Endnutzern bei 6,3 Mbit/s, nur knapp vor Indien und den Philippinen. 

Zusätzlich behindert wird das Internet durch die „Great Firewall“, der staatlichen Internetkontrolle. Diese filtert die Datenflüsse auf unerwünschte Inhalte und blockiert ausländische Webseiten wie Google und Twitter komplett. Inhalte für chinesische Nutzer, also zum Beispiel Onlineshops, sollten daher unbedingt auf Servern in China sein.

 

Kennziffern zur Digitalisierung in der VR China

Indikator

2015

2016

Anteil der Haushalte mit Internetzugang (in %), darunter

47,4

54,2

Breitband (in %)

14,4

18,6

Smartphone-Verträge je 100 Einwohner

41,8

56,0

Internationale Internetbandbreite pro Nutzer (in Bit/s)

4.995

6.530

Quelle: International Telecommunication Union (ITU)

 

Text: Achim Haug

E-Commerce in China profitiert von mehr online verbrachter Zeit

Chinesen kaufen online ein. Dies hat das Land zum größten E-Commerce Markt der Welt gemacht. Der Onlineeinzelhandel stieg 2016 gegenüber dem Vorjahr um 26,2% auf 751 Mrd. $. Damit steht er schon für 16% der gesamten Einzelhandelsumsätze. Bis 2020 soll dieser Anteil auf ein Viertel steigen. 

Gewinnen können Firmen, indem sie auf die jungen Konsumenten eingehen. Denn diese haben nicht nur eine steigende Kaufkraft, sondern sie sind auch besonders internetaffin. Dabei gilt besonders für diese Gruppe: Smartphone zuerst. Die Zahl der Mobilfunkverträge hat im 1. Quartal 2017 mit 1,3 Mrd. statistisch fast 100% der Chinesen erreicht, allerdings gingen „nur“ 836 Mio. mit 4G ins Internet, so Zahlen des Ministry of Industry and Information Technology (MIIT). Die Mobilpenetration ist bereits sehr hoch, selbst Bauern nutzen ihr Handy um das Wetter und die aktuellen Marktpreise für die Ernte zu prüfen. Städter haben zum Teil mehrere Smartphones. 

Offiziell waren Ende 2016 rund 730 Mio. Chinesen regelmäßig online, 6,2% mehr als im Vorjahr. Davon surften bereits 95% regelmäßig mit dem Mobiltelefon. Damit waren rund 53% der Bevölkerung online, ein international relativ niedriger Wert. Der Anschluss über Breitband und vor allem über das Smartphone wird aber immer besser. Während die Durchdringungsrate nur noch langsam steigt, nimmt die online verbrachte Zeit weiter zu. 

Zwei Plattformen dominieren das Geschehen: Tmall von Alibaba und JD.com. Laut einer Analyse der Marktforschungsfirma Kantar ist je nach Produktkategorie eine der beiden besser positioniert, die Konsumgüterberatung empfiehlt Firmen im Zweifelsfall auf beiden einen Shop einzurichten. Doch dies ist teuer und kommt nicht für jeden in Frage. Analysen der Umsätze erbrachten, dass Alibabas Plattformen Bestellungen für 547 Mrd. $ abwickelten - mehr als eBay und Amazon zusammen.

 

Die gefragtesten Anbieter in China 2016 *)

Anbieter

Marktanteile (in %)

Tmall.com

56,3

JD.com

24,7

Suning

4,3

Vipshop.com

3,5

Gome

1,2

Yihanodian.com

1,1

Amazon.cn

0,8

Dangdang.com

0,7

Jumei.com

0,5

*) B2C-Onlinehändler (Business-to-Consumer)
Quellen: iResearch, Kantar Retail Research & Analysis

 

Die Bezahlung dominieren Alipay von Alibaba und Tenpay von Tencent. In der Vergangenheit war Barzahlung bei Auslieferung durchaus üblich, vor allem, weil den Onlinehändlern wenig Vertrauen geschenkt wurde. Kreditkarten sind noch relativ wenig verbreitet. Der staatliche Kreditkartensystemanbieter Union Pay bietet auch mobile Zahlungslösungen und ist der dritte „Große“ im Bunde. Verschiedene Firmen haben Partnerschaften mit Unionpay, so Apple Pay, Samsung, Huawei und Xiaomi.

 

Wichtigste Produktgruppen im Onlinehandel in China 2016

Produktgruppe

Anteil am Gesamtumsatz (in %)

Bekleidung

39,3

Haushaltsbedarf

26,9

Kosmetik, Pflege- und Wohlfühlprodukte

22,2

Produkte für Säuglinge und Mütter

16,1

Unterhaltungselektronik

12,8

Bücher, Video- und Audioprodukte

12,8

Gesundheitsfördernde Nahrungsergänzungsmittel

11,2

Quelle: CECRC

 

Text: Achim Haug

E-Commerce in China: Große Zahlen kein Garant für Erfolg

Der Onlineeinzelhandel in der VR China soll bis 2020 auf 1,7 Bill. $ steigen. Damit würde er ein Viertel des gesamten Einzelhandels ausmachen, so Prognosen von Goldman Sachs. Die Wachstumsrate zwischen 2016 und 2020 läge damit jährlich bei durchschnittlich 23%. 

Derzeit boomen Bestellungen von Frischwaren wie Obst, Gemüse und Milchprodukte. Der Anteil der online verkauften Fast Moving Consumer Goods (FMCG) lag 2016 mit rund 5% des gesamten Umsatzes noch deutlich unter der allgemeinen Entwicklung. Goldman Sachs erwartet bis 2020 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 34% auf dann 2 Bill. $. Aber auch Bekleidung und Elektronik sollen weiter robust zulegen. Fast die Hälfte aller Bekleidungskäufe könnte 2020 online erfolgen. 

Der grenzüberschreitende Onlinehandel wächst rapide und 2017 soll damit ein Umsatz von 110 Mrd. $ erzielt werden, so die Beratung Emarketer. Bis 2020 könnten 160 Mrd. $ erreicht werden. Verschiedene Vorteile machen diesen attraktiv. So ist die Auswahl ausländischer Produkte größer als in den Geschäften, und die Preise sind häufig niedriger. Waren bislang neben den großen Marken vor allem Privatleute aktiv, die zum Beispiel Milchpulver, Taschen und Kosmetik im Handgepäck bei Auslandsreisen mitnahmen, kommen jetzt immer mehr mittelgroße Marken mit eigenem Auftritt nach China. 

Dafür hat Alibaba ein Büro in Deutschland eröffnet, um die Abläufe zu vereinfachen. Auch JD.com hat ausdrücklich das Ziel, mehr ausländische Marken zu gewinnen. Aufgrund der Kosten kommt dies nur für größere Volumina in Frage. Daher soll für deutsche Marken 2017 eine Plattform auf Tmall unter dem Label „German Lifestyle Brands“ eingerichtet werden. Auch Spezialplattformen für den grenzüberschreitenden Handel wie Xiaohongshu boomen und sind für ausländische Einzelhändler interessant. 

Vor allem die dafür im Vergleich niedrigen Investitionen reizen Firmen. Ferner kann durch einfachere Zoll- und Lizenzanforderungen Zeit gespart werden, je nach Produkt fällt auch der Zollsatz häufig niedriger aus. 

Immer mehr Firmen schwenken von Alibaba-Plattformen auf WeChat um, seit die Mutterfirma Tencent den Kanal für den Absatz geöffnet hat. Dieser bietet einen direkteren Zugang zum Kunden und dadurch zum Beispiel größere Sicherheit vor Fälschungen. Firmen wie Longchamp und Burberry verkaufen bereits, andere veranstalten Flash Sales, also kurze Aktionen mit begrenzter Verfügbarkeit.

 

Chinas Internetnutzer reagieren stark auf Angebote, häufig erwarten sie niedrigere Preise. Diese künstliche „Verknappung“ macht daher Waren exklusiver und erhöht den Anreiz. Dies wird kombiniert mit viralen Marketingkampagnen. Dafür hat sich Alibaba mit Mei.com zusammengetan. Auf der Seite werden ebenfalls Flash Sales für Firmen ausgerichtet, die nicht auf den Alibaba-Plattformen vertreten sind. 

Ein weiterer Trend ist die erweiterte beziehungsweise virtuelle Realität. Diese kommt zuhause oder in Offlineläden zum Einsatz, um das Erlebnis zu bereichern oder Produkte virtuell vorzuführen. Elektronikfirmen wie Xiaomi, Huawei und Oppo bieten dafür erschwingliche Geräte und Adapter für das Smartphone an. 

Vor dem großangelegten Eintritt in Chinas E-Commerce sollte aber die rosarote Brille abgelegt werden. Große Zahlen garantieren nicht den individuellen Erfolg, besonders bei unbekannteren, kleineren Marken gehen der Aufbau der Vertriebswege und das Marketing ins Geld. Das Internet kann eine Möglichkeit bieten, mit geringeren Investitionen die Markttauglichkeit auszutesten. Aber gute Beratung empfiehlt sich in jedem Fall.

 

Text: Achim Haug

Im chinesischen E-Commerce ist deutsches Image hilfreich

Waren aus Deutschland gehören zu den beliebtesten im Internet der VR China. Daher bestehen hier viele Chancen, auch für mittelgroße Anbieter. In einem Bericht der Plattform Tmall über das Jahr 2016 wird Deutschland für Produkte im grenzüberschreitenden E-Commerce nach Japan, den USA und Südkorea als Ursprungsland Nummer vier identifiziert. 

Insgesamt sind die Umsätze von importierten Waren über diese Plattform um über 30% gestiegen. Besonders populär sind Körperpflegeprodukte, Nahrungsmittel sowie Produkte für Mutter und Baby. Die beliebtesten Konsumgüter „made in Germany“ waren dabei Milchpulver, Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Babybrei und -zubehör sowie Küchenutensilien und Töpfe. Traditionell bereits gut positioniert sind die Sportartikelhersteller, einzelne Süßigkeiten sowie andere Lifestyle- und Luxusmarken wie auch Kosmetikprodukte. 

Dies wissen auch die Drogerieketten Rossmann und DM und haben ihren Onlinevertrieb in China mit Alibaba organisiert. Einen eigenen Onlinestore hat Metro aufgebaut, Aldi Süd setzt wiederum auf Alibaba. 

Gerade bei letzteren spielt der Vertrauensvorschuss für „made in Germany“ eine wichtige Rolle. In China haben Skandale mit lokalen Nahrungsmitteln und Babymilchpulver das Verbrauchervertrauen erschüttert, daher wird bei „sensiblen“ Produkten auf ausländische Marken gesetzt; manche sind online günstiger oder überhaupt erst erhältlich. Denn zum Teil sind Marken noch nicht einmal im stationären Handel, werden aber über Grauimporte online vertrieben. Im Zweifelsfall kann dies über eine Recherche auf Taobao und Tmall selbst herausgefunden werden. 

Besonders bekannt ist Deutschland für seine hohen Standards bei Kosmetik und Nahrungsmitteln, daher kommt Bio gut an. Aber auch Nahrungsergänzungsmittel, frei verkäufliche Arzneimittel und kleinere Elektrohaushaltsgeräte werden importiert. Hilfreich ist ein deutsches Image. 

Andere Produkte bringen auf Verpackungen und Marketingmaterialen die deutsche Flagge an und heben ausdrücklich die Herstellung in Deutschland hervor. DM hat dies im Namen seines Tmall-Shops berücksichtigt, der bedeutet übersetzt DM Deutschland. Alle Balea-Produkte sind dort mit Deutschlandflaggen versehen. 

Der erste Schritt muss aber in der Analyse bestehen, ob die eigenen Produkte überhaupt marktreif sind. Aufschluss kann hier zum einen Erfahrung im E-Commerce in Deutschland oder Drittländern bieten. Zum andern sind chinesische Touristen beim Einkaufen in Deutschland sehr findig. Hersteller von Marken oder Markenproduzenten können also ihre Daten analysieren oder im chinesischsprachigen Internet recherchieren. Für alle diese Analysen und die Wahl der richtigen Plattform stehen Berater zur Verfügung. Auch die notwendigen sprachlichen Anpassungen und kulturell spezifisches Marketing sollten erfahrenen Mitarbeitern oder Beratern überlassen werden. 

Darüber hinaus müssen sich Firmen entscheiden, welchen Absatzkanal sie wählen. Dienstleister für die Alibaba-Plattformen werden als Taobao-Partner bezeichnet; diese können auch den Onlineshop aufbauen und pflegen. Dazu wird die Lagerung in Zollverschlusszonen angeboten, womit die Auslieferungszeit zum Kunden deutlich verringert wird. Firmen mit großen Volumina können ganze Container verschiffen, ohne die Importformalitäten abzuwickeln. Erst nach der Bestellung werden dann Päckchen per Express verschickt. 

Derzeit wird eine neue Plattform mit der Überschrift „German Lifestyle Brands“ für deutsche Waren auf Tmall aufgebaut. Dafür sind Firmen aus Deutschland aufgerufen, die sich beteiligen wollen.

 

Text: Achim Haug

VR China: Rechtliche Grundlagen

Zum E-Commerce in der VR China bestehen noch keine einheitlichen Vorschriften. Es findet eine Vielzahl von zivilrechtlichen Normen wie Zivilgesetzbuch und Wettbewerbsrecht Anwendung, wobei jedoch regionale Unterschiede zu beachten sind. Diese Rechtslage wird sich ändern, wenn das E-Commerce Law in Kraft tritt, das sich derzeit im Gesetzgebungsverfahren befindet. 

Das zukünftige Gesetz wird E-Commerce-basierte Transaktionen und Dienstleistungen regulieren und Verbraucherschutzvorgaben formulieren. Zudem gibt es Standards für die Sammlung, Speicherung und Nutzung der im Rahmen von E-Commerce generierten Daten und für den grenzüberschreitenden Onlinehandel (Crossborder E-Commerce, CBEC) vor. Unterschieden wird zwischen Anbietern einer Plattform zum Austausch (platform) und Betreibern einer Webseite zum Vertrieb (operator). Der Entwurf wurde am 27.12.16 mit der Möglichkeit zu Anmerkungen veröffentlicht, das Inkrafttreten der endgültigen Fassung ist noch nicht terminiert. 

Zunächst ist hinsichtlich des Vertriebskanals zu unterscheiden, ob dieser aus dem Ausland erfolgt und ob über eine eigene Onlineplattform, denn es sind unterschiedliche Lizenzen erforderlich. Bei B2C-Geschäften (Business-to-Consumer) ist zwischen dem Vertrieb mittels eines Webshops über einen Dritten (platform) oder dem Verkauf über eine selbst betriebene Webseite (operator) abzugrenzen.

 

Vertriebswege im E-Commerce in China

Vertriebsweg

Firmensitz

Lizenz

CBEC

Ausland

Nicht erforderlich

Platform

China

ICP-Licence; Non-commercial

Operator

China

ICP-Licence; Commercial

 

Bei CBEC-Vertrieb über eine eigene Webseite ist weiter zu unterscheiden, ob diese im Ausland, in einer Freihandelszone (FTZ) oder in China ansässig ist. Bei dem Direktvertrieb aus dem Ausland, insbesondere aus Hongkong, SVR, übernimmt der Logistikdienstleister die Zollerklärung. Beim Bonded Import über eine in einer FTZ ansässigen Firma nimmt diese die Zollerklärung vor. Gegenüber einer Auslieferung an den Kunden von einer in China ansässigen Firma bestehen Steuervorteile, da Produkte in einer FTZ ermäßigten Importtarifen unterliegen (Cross-Border E-commerce Retail Import Tax). Für deutsche kleine und mittlere Unternehmen bieten sich insbesondere Cross-Border E-Commerce Comprehensive Pilot Areas (CBECPAs) an. 

Bei einem Vertrieb einer in China ansässigen Onlineplattform gemäß dem Amazon-Konzept erfolgt die Produkthaftung durch den Plattformbetreiber und Verkäufer gesamtschuldnerisch. Der Plattformbetreiber haftet gegenüber dem Verbraucher, wenn er die Identität des Verkäufers nicht mitteilen kann. 

In das E-Commerce Law mit aufgenommen ist der gewerbliche Rechtsschutz. So ist der Plattformbetreiber bei Fälschungen nur zu eingeschränkter Kontrolle verpflichtet. Weiterhin zeichnet es sich ab, dass die Anforderungen an den Markeninhaber bei möglicher Verletzung des Onlineverkäufers diese nachzuweisen, hoch sind. Geregelt wird das Innenverhältnis zwischen Plattformbetreiber und Markeninhaber sowie gegenüber dem Verbraucher. Die Nutzerbedingungen sind zu veröffentlichen. 

In Bezug auf den Verbraucher ist zu beachten, dass die tatsächliche Identität des Nutzers festzustellen und dessen Privatsphäre zu schützen ist. Weitere Regelungen betreffen den elektronischen Zahlungsverkehr und die Zustellung, die Haftungsregelungen des Verkäufers entsprechend den üblichen Bestimmungen.

 

Text: Robert Herzner

VR China: Zollverfahren

Bei Sendungen aus der EU in Nicht-EU-Länder sind dort grundsätzlich Zölle und Einfuhrumsatzsteuern zu zahlen. Dies erledigt in der Regel das Transportunternehmen. Dieses stellt dem Empfänger dann die Eingangsabgaben in Rechnung und führt sie an die dortige Zollverwaltung ab. Wenn bestimmte Wertgrenzen überschritten werden oder wenn Verbote oder Beschränkungen zu beachten sind, erhält der Empfänger eine Benachrichtigung und muss die Sendung dann bei der zuständigen Zollstelle abholen. 

Die Höhe des anzuwendenden Zollsatzes kann mit Hilfe der Market Access Database der EU-Kommission ermittelt werden. 

Sofern die Sendung in ein Land geht, mit dem die EU ein Freihandelsabkommen unterhält, kann die Sendung auch zollfrei sein, wenn bestimmte Wertgrenzen nicht überschritten werden oder die Ware von einem gültigen Präferenznachweis begleitet wird. 

Generell gelten in allen Ländern Kleinbetragsgrenzen, sodass Sendungen, die diesen Wert nicht überschreiten, zollfrei bleiben. Mehr zu den Kleinbetragsgrenzen siehe unten. 

Bei der Einfuhr von Waren im E-Commerce gelten in der VR China grundsätzlich die normalen Zoll- und Einfuhrvorschriften. Diese sind unabhängig vom gewählten Transportweg. 

Für Sendungen von geringem Wert kann jedoch die Kleinbetragsregel in Betracht kommen. Danach wird auf die Anforderung von Zollbeträgen von nicht mehr als 50 RMB (circa 6,47 Euro; Stand 24.5.17) verzichtet (Art. 45 Abs. 1 der chinesischen Zollverordnung). 

Seit dem 8.4.16 bleiben Waren, die im grenzüberschreitenden elektronischen Handel an Privatpersonen geliefert werden und deren Zollwert (Transaktionspreis zuzüglich Fracht- und Versicherungskosten) den Betrag von 2.000 RMB nicht überschreiten, zollfrei. Für die Umsatzsteuer und eventuelle Verbrauchsteuern wird ein Rabatt von 30% gewährt. Zu zahlen sind also 70% des regulären Betrages. Pro Person und Kalenderjahr wird diese Begünstigung für Einfuhren mit einem Zollwert von bis zu 20.000 RMB gewährt. Für Einfuhren, deren Wert die genannten Grenzwerte überschreiten, werden die regulären Eingangsabgaben fällig. 

Einige Waren dürfen nicht auf dem Postweg befördert werden. Es handelt sich um Waffen und Sprengmittel, brennbare Gase und Flüssigkeiten, leicht entzündliche Feststoffe, oxidierende, ätzende, giftige und radioaktive Substanzen, Drogen und deren Vorläufersubstanzen, nicht legitimierte Betäubungsmittel, Abhörgeräte jeder Art, Medien, die zu Hass und Extremismus aufstacheln, die nationale Einheit oder soziale Stabilität Chinas untergraben, Pornografie, Waren, die geistiges Eigentum verletzen und gefälschte Waren jeder Art, bedrohte Tiere und Pflanzen, Waren daraus sowie Nahrungs- und Arzneimittel, die die Gesundheit von Menschen und Tieren gefährden oder undeklarierte Inhaltstoffe haben.

 

Text: Klaus Möbius

VR China: Internetadressen

 

Portale, Verbände, Behörden, Messen und Konferenzen

Internetadresse

China Internet Network Information Center

https://www.cnnic.net.cn/

Blog zu Marketing in China

https://chinamarketingblog.com/

Beratung für Online Marketing

https://www.nanjingmarketinggroup.com/

Plattform German Lifestyle Brands

https://www.east-com-concept.com/german-lifestyle-brands/

 

Text: Achim Haug

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