Special Dänemark Wege aus der Coronakrise

Dänemarks Öffnungsplan steht

Mit Impfnachweisen und negativen Testergebnissen startet der Abbau von Beschränkungen. Bei der Einreise sind vorerst keine Erleichterungen vorgesehen.


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Dänemarks Wirtschaft litt stärker unter den Folgen der Pandemie als die der skandinavischen Nachbarn. Die Weichen für erneutes Wachstum sind aber gestellt. (Stand: 2. März 2021)

    Nach ersten Schätzungen des dänischen Statistikamtes DST ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2020 um real 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Die Auswirkungen der Coronakrise waren damit in Dänemark stärker als auf dem norwegischen Festland und in Schweden, wo das BIP um weniger als 3 Prozent sank.

    Verantwortlich für den Abschwung der dänischen Wirtschaft waren vor allem die Exporte, deren Volumen im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent sanken. Besonders schwach entwickelte sich die weltweite Nachfrage nach dänischen Dienstleistungen, deren Ausfuhren um über 17 Prozent zurückgingen. Sie fanden auch im Inland 7 Prozent weniger Abnehmer als 2019. Den Rückgang des privaten Konsums um mehr als 3 Prozent konnten die um 2,4 Prozent gestiegenen Einkäufe von Gütern, ausgenommen Kfz, nur etwas abmildern.

    Ausgeblieben ist dagegen der Anfang 2020 befürchtete Investitionseinbruch. Zwar gaben Unternehmen knapp 8 Prozent weniger für Maschinen und Geräte aus, dafür steigerten sie aber ihre Einkäufe von Patenten und Know-how um 3,5 Prozent. Wohnungsinvestitionen lagen knapp 5,5 Prozent über dem Vorjahreswert, sonstige Bauvorhaben sogar knapp 7,5 Prozent höher.

    Bauwirtschaft legt zu

    Insgesamt nahmen die Umsätze im dänischen Hochbau in den ersten neuen Monaten 2020 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um fast 12 Prozent zu. Parallel dazu verzeichnete der Tiefbau einen Rückgang um über 4 Prozent. Um etwa 10 Prozent sank auch der Auftragswert für Elektroinstallationen und hydraulische Anlagen.

    Für das laufende Jahr erwarten Experten eine weiterhin positive Entwicklung im Wohnungsbau - auch dank der staatlichen Renovierungsprämie. Der Anfang 2021 gestartete Bau des Fehmarntunnels dürfte für eine Belebung im Verkehrsinfrastrukturbau sorgen. Der Industrieverband Dansk Industri prognostiziert auch einen Anstieg um 2 Prozent bei Bauinvestitionen im Unternehmenssektor - angetrieben von der Wasser- und Energiewirtschaft sowie dem Ausbau der digitalen Infrastruktur. Im Bereich der Produktionskapazitäten dürften hingegen vor allem bereits laufende Projekte fertiggestellt werden. Im Hinblick auf neue Vorhaben ist eher mit Zurückhaltung zu rechnen.

    Nicht alle Branchen blicken auf ein schlechtes Jahr zurück

    Die Nachfrage nach Maschinen und Geräten wird 2021 voraussichtlich auf dem Vorjahresniveau oder leicht darunter liegen. Dabei war bereits das erste Pandemiejahr für den dänischen Maschinenbau hart. Nach den Verarbeitern von Mineralkraftstoffen, deren Umsätze laut DST im Jahr 2020 um etwa 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr nachließen, war der Maschinenbau die am stärksten betroffene Branche. Hersteller von Kraftmaschinen verloren nahezu ein Drittel ihrer Vorkrisenumsätze, solche von Metallbearbeitungsmaschinen knapp 15 Prozent. Einzig die Nachfrage nach elektrischen Maschinen und Geräten stemmte sich gegen den Trend - der Sektor setzte mit 2,7 Milliarden Euro nahezu 16 Prozent mehr um als 2019.

    Zu den Gewinnern zählte auch die Chemieindustrie, deren Umsätze um 10 Prozent gegenüber 2019 wuchsen. Verluste um 3 bis 5 Prozent verzeichneten nur Anbieter von Düngemitteln, anorganischen Chemikalien sowie Kunststoffen in Primärform. Um über 6 Prozent zulegen konnten Getränkehersteller. Die Umsätze der Bekleidungs- und Schuhproduzenten stiegen um knapp 3 Prozent. Die Nahrungsmittelindustrie übertraf das Vorjahresergebnis hingegen nur knapp.

    Arbeitsmarkt vor langem Genesungsprozess

    Alle anderen Industriebereiche konnten 2020 ihr Ergebnis des Vorjahres nicht erreichen. Insgesamt gingen die Industrieumsätze um über 4,5 Prozent zurück.

    Entsprechend geriet der seit 2013 verzeichnete Rückgang der Arbeitslosigkeit ins Stocken. Im Mai 2020 waren 5,5 Prozent der arbeitswilligen Dänen ohne eine Einstellung - der höchste Wert seit sechseinhalb Jahren. Im weiteren Jahresverlauf normalisierte sich die Situation, die Arbeitslosenquote sank um über einen Prozentpunkt. Damit war sie allerdings weiterhin um nahezu ein Viertel höher als vor dem Coronaausbruch. Von einer deutlichen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ist 2021 nicht auszugehen. Zwar hoffen alle, dass sich die globale Konjunkturlage im Jahresverlauf verbessert. Andererseits wird wohl erst nach dem Auslaufen der Hilfsmaßnahmen der tatsächliche Einfluss der Pandemie auf die Anzahl der Arbeitsstellen sichtbar. Die gute soziale Absicherung sollte dennoch dafür sorgen, dass der private Konsum 2021 sichtlich zulegt. Mehr als eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau ist allerdings nicht zu erwarten.

    Einfuhren deutlich gesunken

    Unwahrscheinlich scheint auch eine gänzliche Erholung der Wareneinfuhren. Nach vorläufigen Hochrechnungen von DST nahmen diese 2020 um knapp 4 Prozent zum Vorjahr ab. Weit stärker betroffen waren Kraftstoffe und Transportmittel. Um 6 Prozent zulegen konnten Chemikalien. Der zweite Gewinner waren demnach interessanterweise Maschinen: Importe von 20,3 Milliarden Euro bedeuteten einen Anstieg um 1,5 Prozent.

    Der Nachfragerückgang nach deutschen Produkten blieb dank Chemieerzeugnissen und verarbeiteten Waren unter drei Prozent. Damit konnte Deutschland seine Führungsposition unter den Lieferländern festigen. Dänemark bezieht knapp 22 Prozent seiner Warenimporte vom südlichen Nachbar.

    Die Verfolger konnten beim Importanteil allerdings laut DST noch stärker zulegen: Das zweitplatzierte Schweden legte beim Einfuhrvolumen um 1,4 Prozent zu, die drittplatzierten Niederlande um knapp 4 Prozent. Bei den dahinterliegenden China und Polen überschritt die Dynamik sogar 5 Prozent.

    Die beiden letztgenannten Länder gehörten zusammen mit den Niederlanden auch zu den wenigen Großabnehmern dänischer Waren, deren Bestellungen 2020 höher ausfielen als ein Jahr zuvor. Die beiden wichtigsten Kunden Deutschland und Schweden kürzten ihre Aufträge um entsprechend 11 und 15 Prozent und trugen damit maßgeblich zum Exportrückgang um 5 Prozent bei.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Die dänische Regierung hat sich entschieden, Hilfsmaßnahmen wieder aufleben zu lassen oder zu verlängern - vorerst bis April 2021. (Stand: 23. März 2021)

    Hilfsmaßnahmen für Unternehmen in Dänemark

    Maßnahme

    Adressaten

    Umfang

    Geltungszeitraum

    Kurzarbeit

    Alle Unternehmen

    Unternehmen, die mindestens 30 Prozent ihrer Belegschaft oder mehr als 50 Angestellte entlassen müssten, können im Rahmen der Arbeitsplatzsicherung eine Gehaltskostenerstattung von bis zu 75 Prozent erhalten.

    09.12.20 bis 30.06.21

    Vorher gültig: 9.03.20 bis 30.08.20

    Fixkostenerstattung

    Alle Unternehmen (mit einem Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum),

    Veranstalter von öffentlichen Events mit mindestens 50 Teilnehmern

    Je nach Höhe des Umsatzrückgangs kann die Erstattung von bis zu 80 Prozent der monatlichen Fixkosten von mindestens 12.500 dänischer Kronen (etwa 1.679 Euro) beantragt werden.

    Unternehmen, die von einer Zwangsschließung direkt betroffen sind, erhalten 100 Prozent erstattet.

    Je nach Region vom 09.12.20 oder 11.12.20 bis 30.06.21

    Vorher gültig: 09.03.20 bis 08.07.20 (oder 30.11.20, falls von Zwangsschließungen, gekürzten Öffnungszeiten oder Versammlungsverbot direkt betroffen)

    Fixkostenerstattung

    Selbstständige

    Bis zu 90 Prozent Erstattung der monatlichen Fixkosten bis zu 33.000 dkr (etwa 4.437 Euro) bei mindestens einem Angestellten, bis zu 30.000 dkr (etwa 4.034 Euro)

    Um die Hilfe zu erhalten, darf der Eigentümer monatlich nicht mehr als 23.000 dkr (etwa 3.093 Euro) an sich selbst auszahlen.

    Selbstständige, die von einer Zwangsschließung direkt betroffen sind, erhalten 100 Prozent erstattet.

    Je nach Region vom 09.12.20 oder 11.12.20 bis 30.06.21

    Vorher gültig: 09.03.20 bis 08.08.20

    Erstattung von verderblichen Gütern

    Alle Unternehmen

    Unternehmen, die saisonale Güter (z.B. Weihnachtsspezialitäten) mit einer Haltbarkeit von mindestens einem Monat anbieten und diese wegen der Coronamaßnahmen nicht verkaufen konnten, können bis zu 200.000 dkr (etwa 26.893 Euro) Erstattung beantragen.

    k.A.

    Höhere Steuerabschreibungen

    Handwerker, Haus-Dienstleister

    Besitzer, Mieter und Mitbewohner von Wohnimmobilien können dank der BoligJob-Regelung einen Teil der Kosten für Haus- und Handwerkarbeiten von ihrer Einkommensteuer absetzen. Für 2021 wird das Limit pro Person:

    • für Hausarbeiten (Putzen, Gartenarbeit, Kinderpflege) auf 25.000 dkr (etwa 3.359 Euro) vervierfacht;
    • für Handwerksarbeiten (vor allem klimarelevante Arbeiten an Dämmung, Heizung, Warmwasser, erneuerbaren Energien, aber auch Installation von Breitbandinternet und Alarmanlagen sowie Außenanstriche) auf 25.000 dkr (etwa 3.359 Euro) verdoppelt.

    2021

    Steuerstundung

    KMU

    Die dänische Zoll- und Steuerverwaltung gewährt zinsfreien Aufschub der Einzahlung von Lohnsteuer (A-Skat), Selbstständigensteuer (B-Skat), Mehrwertsteuer und Arbeitsmarktsteuer.

    Beantragung voraussichtlich Februar bis März 2021; Rückzahlung spätestens zum 01.11.21

    Steuerkredit 

    KMU

    Kleine- und mittlere Unternehmen können beim Steueramt einen Kredit in Höhe der Lohnsteuer (A-Skat), der Arbeitsmarktabgaben (AM-bidrag) sowie der Mehrwertsteuer (VAT) beantragen.

    Antragsstellung: 03.02.21 bis 31.03.21; Rückzahlung bis 01.11.21

    Kreditgarantien

    Exportierende Unternehmen

    (mindestens 10 Prozent Exportanteil an Umsätzen)

    Die Exportkreditagentur EKF sichert 80 Prozent des Kreditrisikos für Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent.

    01.03.20 bis 30.04.21

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Für Mitarbeiter von Unternehmen gelten weitreichende Lockerungen bei den Krankschreibungsregeln. Die Anforderung, innerhalb der letzten 12 Monate mindestens 225 Arbeitsstunden ohne staatliche Unterstützung ausgekommen zu sein, wurde bis Ende April 2021 ausgesetzt. Genauso lange wird auf die Zwangsteilnahme von Langzeitkranken an Maßnahmen zur Arbeitswiederaufnahme (Jobafklaringsforløb) verzichtet.

    Arbeitslose, deren Anspruch auf Arbeitslosenhilfe vor dem 30. April 2021 abläuft, erhalten bis Ende April weiter Unterstützung.

    Für Arbeitsmarkt-Neueinsteiger und Arbeitslose legte die Regierung ein Fort- und Weiterbildungsangebot vor. Bis 2023 werden während der Dauer der Ausbildung 110 Prozent des normalen Arbeitslosengeldes ausgezahlt. Ungelernte über 30-Jährige ohne Anstellung können sich in einem Beruf "mit Zukunftsaussichten" weiterbilden.

    Konjunktur wird nachhaltig angekurbelt

    Damit nicht nur die Auszubildenden etwas zu tun haben, stellte die Regierung noch vor der Sommerpause einige Konjunkturmaßnahmen vor. Sie sollen nicht nur Unternehmen wieder zu mehr Umsatz verhelfen, sondern auch zum Klimaschutz beitragen. Etwa 4 Milliarden Euro investiert die Regierung, um den staatlichen Wohnungsbau klimaneutraler zu machen. Mit über 300 Millionen Euro wird der Austausch von Öl- und Gaskesseln gefördert. Die Recyclingquote soll steigen.

    Die Elektrifizierung der Überlandbusse soll beschleunigt werden. Mit einer neu aufgestellten Besteuerung von Kraftfahrzeugkäufen hofft die Regierung den Trend zu grünen Antrieben und Treibstoffen zu stärken. Aus dem gleichen Grund wird langfristig eine Neuausrichtung der Straßennutzungsgebühren geplant. Dem Außenhandel soll der Bau des Fehmarntunnels zugutekommen, der Anfang 2021 startet.

    Exportwirtschaft erhält umfangreiche Hilfen

    Ende November 2020 beschloss das Parlament ein zusätzliches Hilfspaket im Wert von über 3 Milliarden Euro. Ein Teil dieser Summe dient als Rücklage für eine mögliche Verlängerung der Hilfsmaßnahmen. Die Freigabe zusätzlicher Mittel aus dem Ferienfonds soll vor allem der angeschlagenen Tourismusbranche helfen.

    Für die Unternehmenswelt am wichtigsten dürfte allerdings das knapp 230 Millionen Euro große Exportpaket sein. "Wir verwenden außerordentliche Mittel, um die dänischen Exportunternehmen und die an der Exportwirtschaft hängenden vielen hunderttausenden dänischen Arbeitsplätze zu stärken. Gleichzeitig drängen wir auf grüne, dänische Lösungen und klimafreundliche Technologien, die zum globalen Wandel beitragen können", erklärte Finanzminister Nicolai Wammen die über einen Zeitraum von drei Jahren laufenden Maßnahmen.

    Die Anstrengungen werden sich auf mehr Exportberatung sowie breitere Fördermöglichkeiten durch den staatlichen Exportkreditgeber EKF konzentrieren. Dessen Finanzierungskapazitäten sollen im Zeitraum 2021 bis 2023 um fast eine halbe Milliarde Euro gesteigert werden. EKF soll zudem auch mit höherem Risiko belegte Transaktionen unterstützen.

    Als dritter Bestandteil des Exportpakets sind jährlich knapp 10 Millionen Euro für die Entwicklung einer neuen Life-Science-Strategie vorgesehen. Sie soll "eine gute Patientenversorgung, Arbeitsplätze sowie Wachstum und Wohlfahrt in Dänemark unterstützen sowie auf weiter wachsende Exporte hinwirken".

    Kommunen sollen schneller zahlen

    Rechnungen sollen so früh wie möglich ohne Ausschöpfung der Zahlungsfrist beglichen werden. Unternehmen können zudem die zweite Rate der Immobiliensteuer (dækningsafgift) erst 2021 entrichten.

    Der kommunale Anlage- und Investitionsrahmen wurde für 2021 auf knapp 2,9 Milliarden Euro erhöht. Selbstverwaltungen aller Ebenen sollen zusammen ferner fast 765 Millionen Euro für Sonderausgaben in Verbindung mit der Coronapandemie erhalten. Die dänischen Regionen erhalten über 308 Millionen Euro mehr für die Gesundheitspflege, etwa 40 Prozent davon für Baumaßnahmen. Im Rahmen des regionalen Technologiebeitrags sollen zudem 53 Millionen Euro in neue Behandlungsmethoden fließen. Der Fokus liegt dabei auf Prävention, Früherkennung und Behandlung außerhalb der Gesundheitseinrichtungen.

    Staatsverschuldung bleibt vergleichsweise niedrig

    Die Finanzierung der Maßnahmen dürfte dem dänischen Staat keine Probleme bereiten. Dennoch wird der seit 2016 erzielte Budgetüberschuss wohl frühestens in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wieder erreicht werden können. Die Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte 2020 um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr zunehmen. Mit 45 Prozent des BIP würde sie aber auch dann noch zu den niedrigsten in der gesamten Europäischen Union (EU) zählen. Von den westlichen EU-Ländern weist nur Schweden eine niedrigere Schuldenquote auf.

    Dänischer Corona-Impfplan

    Dänemark gehört zu den europäischen Spitzenreitern bei der Impfkampagne. Die Impfung ist freiwillig und kostenlos. Eine Anmeldung ist nach Erhalt einer entsprechenden Aufforderung per Post oder E-Mail für Personen mit einer dänischen Personennummer NemID möglich. Das nationale Gesundheitsamt Sundhedsstyrelsen hat einen detaillierten Zeitplan für die Impfung einzelner Personengruppen vorgelegt. Die Behörde erwartet, bis zum 25. Juli 2021 allen erwachsenen Dänen ein Impfangebot machen zu können.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Dänemark geht bei der Öffnung schrittweise voran. Die Einreisebestimmungen bleiben vorläufig unverändert. (Stand: 12. April 2021)

    Dänemark will die pandemiebedingten Einschränkungen im Alltagsleben nach und nach abbauen. Die Voraussetzungen dafür schafft unter anderem der digitale Impfpass. Seit Ende März 2021 dient vorerst die öffentliche Gesundheitsapp MinSundhed als eine Art Impfpass "light". Angezeigt werden Daten bezüglich Impfstatus, überstandener Infektion oder Ergebnisse eines maximal 72 Stunden alten Coronatests. Bis spätestens Ende Mai sollen eine eigenständige, mit Vorgaben der Europäischen Union konforme App sowie ein analoger Impfpass verfügbar sein.

    Vorsichtige Öffnung

    Damit sieht Dänemark seine Vorreiterrolle aber nicht ausgeschöpft. "Während andere Länder in Europa über die Schließung sprechen, bewegen wir uns in Dänemark hin zu sonnigeren Zeiten", verkündete nach Ostern der Minister für Wirtschaft und Industrie, Simon Kollerup. Der erste Schritt war die Öffnung von Dienstleistern wie Friseuren, Schönheitssalons, Fahrschulen etc. ab dem 12. April 2021. Sie müssen jedoch weiterhin Hygieneregeln und die Mund-Nasen-Schutzpflicht einhalten. Dies gilt auch für den Einzelhandel. Allerdings griffen zum 13. April auch hier Lockerungen. Die Pflicht, vorab einen Termin zu vereinbaren, entfällt für Großgeschäfte und die Kundenobergrenzen werden vereinheitlicht und transparenter.

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland

    Ab dem 21. April 2021 werden Kunden mit Coronapass auch in die Außenbereiche von Gaststätten, Museen, Kunstgalerien oder Büchereien dürfen. Nach dem ersten Maiwochenende soll das Gastgewerbe auch in geschlossenen Räumlichkeiten bedienen dürfen und Kinosäle und andere kulturbezogene Innenräume offenstehen. Zum 21. Mai soll auch das restliche Freizeit- und Kulturleben wieder öffnen - mit Impfpass, Abstands- und Hygieneregeln sowie eingeschränkten Öffnungszeiten.

    Notbremse für den Fall der Fälle

    Falls die Infektionszahlen wieder steigen, sollen die Öffnungen zurückgenommen werden. Dazu wurden landesweit einheitliche Schwellenwerte auf Gemeinde- und Kommunalebene definiert. Demnach müssen Kommunen ab einer 7-Tage-Inzidenz von 200 Ansteckungen je 100.000 Bewohner in den erneuten Lockdown. Betroffen sind dann nicht nur Handel und Dienstleistungen. Die Einschränkungen reichen bis zum Verbot von Präsenzunterricht im Bildungswesen ab der Grundschule.

    Zurzeit ist dieser bis zur 4. Klasse uneingeschränkt möglich. Die meisten älteren Schüler müssen jede zweite Woche in den Fernunterricht, mit Ausnahme von Berufsschülern, die am praktischen Unterricht teilnehmen. An Hochschulen und Universitäten gilt ein Präsenzunterrichtsanteil von 20 Prozent, in Lehrgängen mit praktischen Elementen 50 Prozent. Die genauen Regelungen sowie mögliche regionale Abweichungen können auf Dänisch nachgelesen werden.

    Testen, testen, testen

    Damit durch die zunehmenden sozialen Kontakte keine neuen Infektionsketten entstehen, setzt Dänemark auf breitangelegtes Testen. Allen Einwohnern wird ans Herz gelegt, sich regelmäßig auf Corona testen zu lassen. In einigen Fällen - beispielsweise nach Kontakten mit einem Kranken, regelmäßigen Fremdkontakten bei der Arbeit oder bei Schülern ab der 9. Klasse - ist dies sogar Pflicht.

    Landesweit stehen über 550 Testcenter zur Verfügung. Die Terminvereinbarung wird über das Portal coronaprover.dk abgewickelt.

    Quarantänepflicht nach Einreise

    Getestet werden ferner alle Einreisenden - auch Dänen. Dabei variieren die Regeln je nachdem, ob die Einreise per Flugzeug oder Auto und Schiff erfolgt. Für nahezu alle einreisenden Personen gilt eine zehntägige Quarantänepflicht. Die Dauer der Quarantäne kann mit einem negativen Ergebnis eines frühestens am vierten Tag nach der Einreise durchgeführten PCR-Tests abgekürzt werden.

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Für alle nicht mit Wohnsitz in Dänemark gemeldeten Personen ab dem 13. Lebensjahr, die nicht nur im Transit unterwegs sind oder Waren transportieren, gilt ferner, dass beim Grenzübergang ein negatives Ergebnis eines maximal 24 Stunden zuvor durchgeführten Coronatests vorgelegt werden muss. Bei Flugreisen gilt bis zum 20. April 2021: Hat einer der Passagiere keine entsprechende Bescheinigung, darf der Flieger nicht landen.

    Für die Einreise muss ferner ein triftiger Grund vorliegen. Neben ausgewählten privaten Verpflichtungen gehören dazu:

    • eine berufliche Tätigkeit in Dänemark;
    • die Teilnahme an einem Gerichtsverfahren;
    • die Erbringung einer Dienstleistung in oder Beförderung von Waren nach oder aus Dänemark;
    • eine Tätigkeit als Seemann, Flugzeugbesatzungsmitglied oder Diplomat.

    Gesonderte Regelungen gelten auch für Wohnhafte in Grenzregionen, darunter Schleswig-Holstein.

    Personen, die Krankheitssymptome aufweisen oder kein negatives Testergebnis vorlegen können, werden an der Grenze abgewiesen. Eine Vorabgenehmigung für die Einreise zu bekommen, ist nicht möglich.

    Verkehrsverbindungen bleiben eingeschränkt

    Aufgrund der geltenden Reisebeschränkungen ist auch das Transportangebot ausgedünnt. Der Kopenhagener Flughafen fertigte 2020 insgesamt 63 Prozent weniger Flüge und sogar 75 Prozent weniger Passagiere ab. Das neue Jahr brachte diesbezüglich keine Änderung. Die Passagieranzahl im gesamten Februar entsprach "weitgehend dem normalen Passagieraufkommen an einem einzigen geschäftigen Sommertag im Juli in Zeiten vor der Pandemie", erklärte die Pressestelle des Flughafens.

    In überregionalen Zügen gilt Sitzplatz- und Mund-Nasen-Schutzpflicht. Direktverbindungen nach Deutschland verkehren nach Angaben der Dänischen Bahn wieder.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

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