Special Finnland Wege aus der Coronakrise

Einreisebeschränkungen aus Deutschland aufgehoben

Finnland lockert schrittweise die coronabedingten Einschränkungen. Trotz Öffnung kann bei der Einreise aus Deutschland allerdings ein Coronatest verlangt werden.

Von Niklas Becker | Helsinki


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Finnlands Industrie hat 2020 starke Einbußen hinnehmen müssen. Einige Branchen konnten jedoch trotz der Coronapandemie Zuwächse erwirtschaften. (Stand: 12. Juli 2021)

    Im Vergleich zu anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) verzeichnet Finnland eine niedrigere Zahl von Covid-19-Fällen. Seit Anfang Februar 2021 stiegen die Fallzahlen - mit starken regionalen Unterschieden. Vor allem in der Hauptstadtregion wurden Zuwächse registriert. Mittlerweile melden die Behörden jedoch rückläufige Zahlen. Im Zusammenhang mit Besuchen von Fußballspielen der Europameisterschaft in Russland kam es im Juli zu einem erneuten Anstieg der Fallzahlen. 

    Privatkonsum soll Wirtschaft ankurbeln 

    Finnlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird 2021 laut Prognosen der Bank of Finland von Ende Juni 2021 real um 2,9 Prozent wachsen. 2022 sollen es 3 Prozent werden. Der Privatkonsum wird dabei Haupttreiber der wirtschaftlichen Erholung sein. Insbesondere im Dienstleistungsbereich ist mit einem deutlichen Zuwachs zu rechnen. Die günstigen Entwicklungen auf dem finnischen Arbeitsmarkt und Lohnsteigerungen sowie große Ersparnisse der Haushalte bilden die Grundlage dafür. Zeitgleich soll die Erholung der Weltwirtschaft die finnischen Exporte unterstützen. Nach Einschätzung der Zentralbank dürften die finnischen Ausfuhren zeitnah das Vorkrisenniveau erreichen. 

    Finnland gehört zu den Ländern in der EU, die am wenigsten von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie betroffen sind. Das BIP des Landes fiel 2020 nach Zahlen des finnischen Statistikamtes real um 2,8 Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Besonders der geringere Privatkonsum hat zu diesem Rückgang der finnischen Wirtschaftsleistung geführt.

    Die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise fielen für das nordische Land 2020 schwächer aus als erwartet. In ihrer Herbstprognose von November 2020 hatte die Europäische Kommission einen Rückgang des finnischen BIP von 4,3 Prozent vorhergesagt.

    Im 2. Quartal 2020 schrumpfte das BIP nach Zahlen des finnischen Statistikamtes im Vergleich zum Vorquartal um 3,9 Prozent. Innerhalb der EU kam nur Irland auf einen besseren Wert. Im Durchschnitt lag der Einbruch in der EU im Berichtsquartal bei 11,4 Prozent.

    Im 3. Quartal 2020 setzte in Finnland dann der Erholungstrend ein mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung im Vergleich zum 2. Quartal 2020 von 3,2 Prozent. Im letzten Jahresviertel verzeichnete Finnlands Statistikamt dann nur einen geringen Zuwachs von 0,4 Prozent. Neue Einschränkungen aufgrund der steigenden Fallzahlen führten zu einem Rückgang des BIP im 1. Quartal 2021 im Jahresvergleich um 1,4 Prozent. 

    Drastische Einbußen im Tourismus

    Die Umsätze des Servicesektors in Finnland fielen 2020 nach Zahlen des heimischen Statistikamtes um mehr als 9 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Abgesehen von den Unternehmen aus dem Bereich Information und Kommunikation konnten nur die Firmen aus der Immobilienbranche einen Zuwachs ihrer Einnahmen verzeichnen. Alle anderen Bereiche des Servicesektors meldeten Umsatzrückgänge. Besonders das Gastgewerbe, die Kunst- und Unterhaltungsbranche sowie der Bereich Logistik registrierten 2020 einen Rückgang der Einnahmen.

    Zu den am stärksten von der Coronakrise betroffenen Branchen gehört der finnische Tourismus. Vor allem die ausbleibenden ausländischen Reisenden machen dem Sektor zu schaffen. Auch 2021 dürfte ein schwieriges Jahr werden. Laut Schätzungen des finnischen Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit werden die Tourismusausgaben 2021 zwischen 40 und 50 Prozent, das sind 6 Milliarden bis 8 Milliarden Euro, geringer ausfallen als 2019.

    Industrie mit gemischten Aussichten für 2021

    Die finnische Industrie wurde von der Coronakrise unterschiedlich schwer getroffen. In der Gesamtbetrachtung verzeichnete sie 2020 einen Rückgang ihrer Umsätze im Vergleich zum Vorjahr von 6,5 Prozent. Während die Chemie- und die Forstindustrie mit 17,2 beziehungsweise 14,4 Prozent besonders starke Einbußen meldeten, konnten der Bergbau sowie die Elektrounternehmen das Jahr mit Zuwächsen von 6,8 und 5,8 Prozent abschließen.

    Die Stimmung innerhalb der finnischen Industrie klart im Frühjahr und Sommer 2021 deutlich auf. Das zeigt die vom Zentralverband der finnischen Wirtschaft (Elinkeinoelämän keskusliitto; EK) durchgeführte Unternehmensbefragung. Im Juni 2021 lag der Index bei 20. Seit Beginn der Umfrage im Jahr 2005 wurde ein so hoher Wert nur im März und April 2007 verzeichnet. Auch der Auftragseingang bei den finnischen Firmen legte zu. 

    Trotz der starken Einbußen 2020 kündigen die Chemieunternehmen sowie die Forstindustrie in Finnland für 2021 deutlich höhere Investitionsausgaben an. In der im Juni 2021 von EK durchgeführten Investitionsumfrage gaben die Firmen der Forstindustrie einen Zuwachs ihrer Anlageinvestitionen im Jahr 2021 um 68 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. Bei der Chemieindustrie sollen es 42 Prozent werden.

    Auch die Lebensmittelindustrie vermeldet mit einem Zuwachs um 60 Prozent für 2021 einen deutlichen Anstieg der Investitionen. Insgesamt werden die Anlageinvestitionen der von EK befragten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes 2021 um 19,3 Prozent zulegen. Bei der vorherigen Umfrage im Januar 2021 hatten die Firmen noch einen Zuwachs um 13,8 Prozent angekündigt. Einen Rückgang der Investitionen sieht für sich neben der Metall- auch die Elektrobranche.

    Von Niklas Becker | Helsinki

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Ab August können sich Firmen in Finnland um weitere Hilfen bewerben. Die Staatsverschuldung steigt, bleibt aber unter dem Durchschnitt der Eurozone. (Stand: 12. Juli 2021)

    Finnlands Regierung hat eine vierte Bewerbungsrunde zur Unterstützung der heimischen Firmen angekündigt. Diese soll Unternehmen helfen, deren Umsätze aufgrund der Pandemie zwischen dem 1. März und dem 31. Mai 2021 im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 2019 um mehr als 30 Prozent gefallen sind. Bewerbungen sollen ab August eingereicht werden können. Es gelten die gleichen Regeln wie bei den vorherigen Runden. 

    Bereits Ende April 2021 wurde die dritte Runde gestartet. Diese war für Firmen gedacht, deren Einnahmen zwischen November 2020 und Februar 2021 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um mehr als 30 Prozent gesunken sind. Die Hilfen stehen grundsätzlich für alle Sektoren offen. Unternehmen aus Branchen, die die Regierung als besonders betroffen eingestuft hat, können die Unterstützung ohne weitere Begründung beantragen. Betriebe aus anderen Bereichen müssen erklären, inwiefern die Pandemie für die Einbußen verantwortlich ist.

    Die Höhe der Unterstützung richtet sich nach dem Umsatzrückgang des Unternehmens und den tatsächlichen Kosten. Sie beläuft sich auf mindestens 2.000 Euro und höchstens 1 Million Euro. In den ersten beiden Runden war der Maximalbetrag auf 500.000 Euro limitiert. Die Höhe der bereits erhaltenen und nun beantragten Fördergelder darf nach den Vorschriften der Europäischen Kommission zusammen nicht über 1,8 Millionen Euro liegen. Voraussetzung für den Erhalt der Hilfen ist neben dem 30-prozentigen Umsatzrückgang der Besitz einer finnischen Business-ID. Zudem müssen die Firmen nachweisen, dass ihre Kosten zwischen November 2020 und Februar 2021 über 2.000 Euro lagen. 

    Regierung unterstützt die Gastronomie im Land

    Gastronomische Betriebe mussten in Regionen mit deutlich steigenden Infektionszahlen zwischen dem 9. März und 18. April 2021 schließen, sie können deshalb von der Regierung eine finanzielle Unterstützung erhalten. Voraussetzung für den Erhalt der Mittel ist, dass das Unternehmen aufgrund eines Gesetzes oder einer behördlichen Anordnung für mehr als 15 Tage schließen musste. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach den Kosten im Februar 2021 und dem Anteil der Geschäftstätigkeiten, die von der Schließung betroffen sind. Personalkosten werden zu 100 Prozent und sonstige Kosten, wie beispielsweise die Miete, zu 70 Prozent übernommen.

    Mittlerweile steht die Unterstützung auch Firmen mit mehr als 49 Beschäftigten zur Verfügung. Sie können die Bewerbungen hierfür zwischen dem 15. Juli und 13. August 2021 einreichen. Weitere Informationen über Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen stellt das finnische Wirtschafts- und Arbeitsministerium zur Verfügung.

    Maßnahmenpaket soll Wirtschaft ankurbeln

    Als Reaktion auf die Coronakrise hat die finnische Regierung in der Vergangenheit eine Reihe von Zusatzhaushalten verabschiedet. Der im Juni 2020 vorgestellte vierte Zusatzhaushalt sieht ein Maßnahmenpaket in Höhe von 5,5 Milliarden Euro für die Konjunkturerholung und Wiederbelebung der Wirtschaft vor. Ziel ist unter anderem, die Nachfrage im Land anzukurbeln, die langfristigen Wachstumsaussichten zu verbessern und den Klimawandel zu bekämpfen. 

    Unter anderem unterstützt das Konjunkturpaket eine Reihe von Infrastrukturprojekten mit einem Gesamtbetrag von 404 Millionen Euro, 156 Millionen Euro davon sind für Infrastrukturprojekte im Zusammenhang mit der Investition der Metsä Group in eine neue Bioproduktfabrik. Rund 30 Millionen Euro wurden für das Management der Verkehrsinfrastruktur eingeplant. Unter anderem sollen mit den Geldern Straßenoberflächen ausgebessert werden. Darüber hinaus werden Eisenbahnprojekte zwischen den finnischen Großstädten unterstützt.

    Auch 2021 gab es bereits eine Reihe von Nachtragshaushalten. Der dritte Zusatzhaushalt soll das Wirtschaftswachstum im Land ankurbeln. Er wird laut Regierung zudem Reformen und Investitionen im Rahmen des Konjunkturprogramms der Europäischen Union (EU) einleiten. Der dritte Nachtragshaushalt sieht für 2021 eine Aufstockung der Mittel um rund 2,2 Milliarden Euro vor. Ein wesentlicher Teil davon sei auf den Garantie- und Rekapitalisierungsbedarf zurückzuführen. Zudem werden einige bereits beschlossene staatliche Investitionen auf das Jahr 2021 vorgezogen.

    Eine entscheidende Rolle bei der wirtschaftlichen Erholung des Landes werden europäische Gelder einnehmen. Die Regierung hat ihren endgültigen Aufbau- und Resilienzplan Ende Mai 2021 bei der Europäischen Kommission eingereicht (auf Finnisch). Für den Zeitraum 2021 bis 2023 erhält Finnland nach derzeitigem Stand 2,1 Milliarden Euro (aktuelle Preise) aus der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU. Die endgültige Summe wird allerdings erst im Sommer 2022 feststehen, da die Wirtschaftsleistung der Jahre 2021 und 2022 einen Einfluss auf den finalen Betrag haben wird. Vorläufigen Schätzungen der finnischen Regierung zufolge könnten durch die Fördergelder mehr als 3 Milliarden Euro private Investitionen zusätzlich generiert werden.

    Öffentliche Verschuldung steigt

    Um die Folgen der Coronakrise abzudämpfen, hat Finnlands Regierung zusätzliche Schulden aufgenommen. Der öffentliche Schuldenstand wuchs 2020 nach Angaben der Danske Bank um 21,4 Milliarden Euro. Die Staatsschuldenquote stieg 2020 damit von 59,3 Prozent im Jahr 2019 auf 69,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für 2021 erwarten die Experten einen weiteren Zuwachs auf 70 Prozent. Zwar bleibt Finnland damit deutlich unter der durchschnittlichen Schuldenquote der Eurozone, nichtsdestotrotz wird es den fiskalpolitischen Spielraum des Landes nach Einschätzung des Finanzinstituts in den kommenden Jahren einschränken.

    Finnlands Impfplan

    Wie die meisten anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) hat Finnland am 27. Dezember 2020 mit den Impfungen gegen das Covid-19-Virus begonnen. Dem Land stehen 1,23 Prozent der Impfbestellungen der EU zu. Gemäß finnischer Covid-19-Impfstrategie erfolgte ein Angebot zunächst für folgende drei Prioritätsgruppen:

    1. Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen, die Corona-Patienten betreuen oder andere Formen der Notfallversorgung leisten, sowie Beschäftigte und Bewohner in Pflegeheimen für ältere Erwachsene
    2. Personen im Alter von 70 Jahren oder älter
    3. Personen mit hohem Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung

    Mittlerweile bieten die Gemeinden schrittweise auch jüngeren Bürgern eine Impfung an. In Finnland wird auch beim Biontech/Pfizer-Impfstoff zwischen der ersten und zweiten Impfung eine Pause von elf bis zwölf Wochen eingehalten. Dadurch liegt Finnland am 11. Juli mit rund 75 Prozent Erstimpfungen im europäischen Vergleich zwar weit vorne, bei den Zweitimpfungen mit etwa 27 Prozent allerdings sehr weit hinten. 

    Von Niklas Becker | Helsinki

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Finnland hat die Beschränkungen für Einreisen aus Deutschland aufgehoben, eventuell ist jedoch ein Test nötig. (Stand: 12. Juli 2021)

    Finnlands Regierung hat Ende April 2021 einen Plan zur Aufhebung der Covid-19-Beschränkungen angenommen. Dieser zeigt der Öffentlichkeit, Unternehmen und Gemeinden klar auf, wie sich die Gesellschaft wieder öffnen könnte. Grundlage für die Lockerungen ist die epidemische Situation.

    Insgesamt ist das öffentliche Leben in Finnland bisher deutlich weniger eingeschränkt als in anderen Ländern. So blieb der Einzelhandel bislang durchgehend geöffnet. Kann der Sicherheitsabstand in der Öffentlichkeit nicht eingehalten werden, empfiehlt die finnische Regierung das Tragen einer Schutzmaske. Auch am Arbeitsplatz soll eine Maske getragen werden, wenn mehrere Menschen zusammen kommen. 

    Einreise eventuell mit Test

    Die Einreise nach Finnland aus Deutschland ist zwar ohne Einschränkungen möglich, seit dem 12. Juli gelten allerdings neue Quarantäneregeln. Zwischen dem 1. und 11. Juli entfielen diese. Finnland hat die Definition für Niedrigrisikoländer zum 12. Juli geändert: Die Infektionszahlen müssen in den letzten 14 Tagen unterhalb von 10 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegen. Zuvor war die Schwelle bei 25. Mit Stand vom 12. Juli 2021 überschreitet Deutschland den neuen Schwellenwert.

    Für Einreisende mit einem vollständigen Impfschutz oder mit einer überstandenen Coronaerkrankung innerhalb der letzten sechs Monate gelten keine Quarantäneregeln. Kann bei Ankunft in Finnland ein negativer Coronatest, der nicht älter als 72 Stunden ist, oder eine erste Coronaimpfung, die älter als zwei Wochen ist, vorgelegt werden, sollte nach drei bis fünf Tagen nach der Einreise ein Coronatest in Finnland gemacht werden. Ohne ein negatives Testergebnis oder einen Nachweis über eine Impfung  muss direkt bei der Ankunft ein erster sowie nach drei bis fünf Tagen ein zweiter Test gemacht werden. Bis das negative Ergebnis des Tests nach drei bis fünf Tagen vorliegt, gilt es, Kontakte zu vermeiden. 

    Über die aktuellen Werte informiert das Institut für Gesundheit und Wohlbefinden (THL) auf seiner Internetseite. Zuletzt wurde die englischsprachige Website teilweise langsamer aktualisiert als die finnische Version. Vor Reiseantritt empfiehlt es sich zudem, die Seite des finnischen Grenzschutzes auf eventuelle kurzfristige Updates zu prüfen. 

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen in Finnland

    Von Niklas Becker | Helsinki

nach oben
Feedback

Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.