Special Grönland Wege aus der Coronakrise

Die wichtigsten Wirtschaftsbereiche zeigen sich resistent

In Grönland blieben die Auswirkungen der Coronapandemie bislang vergleichsweise gering. Die Grenzen bleiben bis mindestens Mitte April geschlossen.


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Die grönländische Wirtschaft legt wegen der Pandemie eine Wachstumspause ein. Im April 2021 muss ein neues Landesparlament gewählt werden. (Stand: 17. Februar 2021)

    Dank seiner abgeschiedenen Lage und einer konsequenten Eindämmungsstrategie gab es in Grönland bislang nur einzelne Infektionsfälle. Auch die Wirtschaft zeigt sich verhältnismäßig resistent. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte 2020 kaum unter dem Vorjahreswert gelegen haben. Zu verdanken ist das nicht zuletzt den leicht gestiegenen Ausgaben des öffentlichen Sektors, der nahezu die Hälfte der Wirtschaftsleistung beisteuert und mit üppigen Überweisungen aus Kopenhagen gespeist wird.

    Welche Prioritäten zukünftig bei den Ausgaben gesetzt werden, darüber wird bald eine neue Regierung entscheiden. Eine Woche nachdem eine der Regierungsparteien aus der Koalition ausgetreten ist, wurden Mitte Februar 2021 Neuwahlen ausgeschrieben. Am 6. April 2021 werden deshalb nicht nur wie geplant die lokalen Parlamente neu besetzen werden, sondern auch das Landesparlament. In den Umfragen führt die bisher größte Oppositionspartei. Aussichten auf eine alleinige Mehrheit hat sie kaum. Die anstehenden anderthalb Monate Wahlkampf dürften einen Ausblick auf die zukünftigen Schwerpunkte liefern - sowohl politische, als auch wirtschaftliche.

    Fischer leiden unter sinkenden Preisen

    Wenig ändern dürfte sich am Interesse an der Fischerei, dem zweitwichtigsten Wirtschaftszweig auf der Insel. Ihre Aktivitäten wurden von der Pandemie kaum beeinträchtigt. Die  Branche litt aber unter dem Preisverfall auf den Weltmärkten. Bei den grönländischen Exportschlagern Kabeljau, Heilbutt und Shrimps lag der Preisrückgang laut dem grönländischen Statistikamt Grønlands Statistik (GS) zwischen 6 und 15 Prozent. Laut dem Vorsitzenden des grönländischen Businessverbandes, Henrik Leth, dürfte der Sinkflug der Preise auch 2021 anhalten.

    Der Exportumsatz der Branche lag 2020 laut einer Schätzung von GS bei knapp 639 Millionen Euro und damit über 6 Prozent niedriger als im Vorjahr. Direkte Folgen für Unternehmen wurden durch Ausgleichszahlungen der Regierung abgemildert.

    In der Baubranche sind Arbeitskräfte knapp

    Im Finanz- und Unternehmensdienstleistungssektor macht sich eine Verschlechterung der Lage bei einigen, eher kleinen Kundengruppen bemerkbar. Dass sich die wirtschaftliche Zuversicht allgemein verschlechtert, ist jedoch an den Bankgeschäften ablesbar. Unternehmen legten bis ins 3. Quartal 2020 mehr Mittel zurück als im Vorjahr. Die Nachfrage nach Krediten ging im Herbst stark zurück. Bei ihren Investitionsaktivitäten sind die Unternehmen offenbar vorsichtig. Auch bei privaten Haushalten stiegen die Einlagen schneller als die Kreditnachfrage.

    Die Baubranche fürchtet keinen Auftragsrückgang. Da sie aber vermehrt auf ausländische Arbeitskräfte setzt, wird sie von den coronabedingten Reisebeschränkungen getroffen. "Es gibt mehrere Anzeichen dafür, dass die Kapazitätsauslastung im Bauwesen bereits hoch ist. Die Initiierung von Großprojekten birgt daher derzeit das Risiko, schnell Engpässe zu verursachen, was zu steigenden Kosten und einer Verschiebung anderer Aktivitäten führt", warnen Experten des Grönländischen Wirtschaftsrates Grønlands Økonomiske Råd (GØR).

    Das neue Standbein wackelt

    Die Tourismussaison 2020 ist wegen der Einreisebeschränkungen nahezu vollständig ausgefallen. Mit 32.000 abgefertigten Passagieren erreichten die grönländischen Flughäfen nach Angaben des Statistikamtes kaum mehr als ein Drittel des Volumens der beiden Vorjahre. Die Anzahl von Fluggästen, die nicht innerhalb Grönlands oder nach Dänemark verkehrten, sank sogar um über 90 Prozent. Kreuzfahrten blieben aus, die Zahl der Übernachtungen in den ersten drei Quartalen 2020 nahm um über 41 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum ab. Dank eines Reisepakets der Regierung stieg zumindest die Anzahl einheimischer Gäste über den Sommer.

    Julia Pars, Direktorin der grönländischen Tourismuszentrale, rechnet erst 2024 mit einer globalen Rückkehr zum Tourismusaufkommen von vor der Krise. Entsprechend liegen die ambitionierten Ziele für die Tourismusbranche erst einmal auf Eis. Um in dem wahrscheinlich noch härteren Konkurrenzkampf nach dem Ende der Pandemie zu bestehen, fokussiert sich Pars auf vier Ziele: Nachfrage nach Abenteuertourismus steigern, Grönland als ganzjährige Destination etablieren, den Austausch von Know-how zwischen den inländischen Playern fördern und für bessere Rahmenbedingungen sorgen.

    Rohstoffförderung bangt um Investoren

    Schwierigkeiten durchlebt auch der Rohstoffsektor, der erst in den letzten Jahren in Schwung gekommen ist. Das fortschreitende Abschmelzen des grönländischen Eisschildes machte die Förderung von Edel- und anderen Steinen, Metallen oder seltenen Erden preislich attraktiver. Die Regierung verabschiedete Anfang 2020 zudem neue, günstigere Regelungen für die Förderung von Öl und Gas. Beim Ausbruch der Coronapandemie steckten die meisten Vorhaben aber noch in den Kinderschuhen. Und die aktuell auf den Rohstoffmärkten herrschende Unsicherheit macht die Finanzierung neuer Projekte schwierig, vor allem wenn sie an neuen, wenig erforschten Standorten liegen.

    Kaum Auswirkungen am Arbeitsmarkt

    Kurz nach Ausbruch der Pandemie stoppte die seit 2019 andauernde Erholung des grönländischen Arbeitsmarktes. Im 2. und 3. Quartal 2020 lag die Zahl der Arbeitsuchenden bis zu 10 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im letzten Vierteljahr wurde das Niveau des 4. Quartals 2019 aber wieder unterschritten. Laut GS sank zudem die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit leicht.

    Die Kauflaune der Grönländer wurde nicht gebremst. Ganz im Gegenteil: In den ersten neun Monaten 2020 nahm die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze den Schwung aus dem Vorjahr mit - sie legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 5 Prozent zu.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Grönland wird in der Coronakrise von Dänemark unterstützt. Zusätzlich legt die Insel eigene Hilfen für den Tourismus auf. (Stand: 17. Februar 2021)

    Wegen der begrenzten Auswirkungen der Pandemie auf die grönländische Wirtschaft hat die dortige Regierung bisher nur drei Hilfsprogramme auflegen müssen. Diese liefen im Herbst beziehungsweise Winter 2020 aus. Wegen der weiterhin ungewissen zukünftigen Entwicklung der Pandemie und des wohl auch 2021 schwachen Fremdenverkehrs, werden in der 1. Jahreshälfte 2021 wieder 6 Millionen Euro zur Unterstützung des Tourismussektors bereitgestellt.

    Sonderhilfen für Tourismus

    Die Mittel werden über drei Maßnahmen verteilt. Aus dem 4,7 Millionen Euro großen Nothilfeprogramm (Akuthjælpepakke) können Fixkosten erstattet, Umsatzausfälle ausgeglichen und Krisenkredite vergeben werden. Bis zu knapp 950.000 Euro sollen im Rahmen des Arbeitsmarktpakets (Arbejdsmarkedspakke) Kurzarbeit und Lohnübernahme kosten. Mit den restlichen 400.000 Euro wird das bereits im Sommer 2020 eingeführte Aktivitätspaket (Aktivitetspakke) wiederbelebt. In seinem Rahmen erhalten Organisatoren touristischer Aktivitäten eine Rückerstattung von Kundenrabatten: bis zu 500 dkr (etwa 67 Euro) auf Übernachtungen und bis zu 300 dkr (etwa 40 Euro) auf Ausflüge.

    Die Förderung soll 30 Tage nach dem Aufheben der Quarantänepflicht auslaufen, aber nicht später als Ende Juni 2021. Die Beantragung von Hilfen im Rahmen des Arbeitsmarktpakets wird über das Finanzamt möglich sein. Die beiden anderen Pakete verwaltet die Entwicklungsgesellschaft Innovation Greenland.

    Grönländische Unternehmen können zudem von der dänischen Unterstützung für das Exportgeschäft profitieren.

    Staatsbeteiligungen belasten Finanzen

    Finanzieller Raum für weitere Maßnahmen wäre vorhanden. Die Verschuldung der öffentlichen Hand ist vergleichsweise niedrig, steigt allerdings seit einigen Jahren und soll laut dänischer Nationalbank bis 2022 auf bis zu 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zulegen. Ein Grund dafür sind die in den Vorjahren getätigten Unternehmensaufkäufe, die im Hinblick auf Corona auch einige Zukunftsrisiken bergen. Dem Staat gehören momentan 14 Großunternehmen (für grönländische Verhältnisse), darunter die Fluglinie Air Greenland, die Flughafengesellschaft Kalaallit Airports, die Reederei Royal Arctic Line, das Telekom TELE Greenland oder die Fischereigesellschaft Royal Greenland.

    Gesundheitswesen in Alarmbereitschaft

    Zusätzliche Mittel könnten auch für das Gesundheitswesen notwendig werden. Die Krankenhäuser müssen stets auf Coronafälle vorbereitet sein und die Impfkampagne muss organisiert werden. "Dies bedeutet, dass in einigen Bereichen des Gesundheitswesens vorübergehend längere Wartezeiten zu erwarten sind", warnte Gesundheitsministerin Anna Wangenheim Ende Januar. Teilweise werden Patienten auch zur Behandlung nach Dänemark ausgeflogen. Davon nicht betroffen sind akute Eingriffe, Notdienst, Psychiatrie, Onkologie sowie "Maßnahmen, die laut dem Arzt nicht mindestens sechs Monate warten können".

    Grönländischer Impfplan

    Grönland wird von Dänemark mit Impfstoff versorgt und ist entsprechend an die EU-weiten Lieferverträge gebunden. Geimpft wird kostenlos und auf freiwilliger Basis. Obwohl auch auf Grönland besonders anfällige Personengruppen priorisiert werden (Personen im Alter von über 70 Jahren oder mit Vorerkrankungen, Seniorenheimbewohner, Angestellte im Gesundheits- und Pflegebereich), gilt dies nur in größeren Ortschaften. Wegen ihrer Abgelegenheit und geringen Einwohnerzahlen werden in den vielen Siedlungen Ein-Tages-Aktionen durchgeführt, bei denen sich alle Personen über 16. Jahre impfen lassen können.

    Quelle: Grönländische Regierung 2021

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Grönland blieb bislang von Coronainfektionen weitgehend verschont. Damit das so bleibt, sind die Grenzen geschlossen. (Stand: 17. Februar 2021)

    Seit dem weltweiten Ausbruch der Coronapandemie vor einem Jahr ist die Einreise nach Grönland stark eingeschränkt. Angesichts der Verbreitung der britischen Covid-19-Mutation in Dänemark wurde Anfang Januar 2021 allen Personen mit Wohnsitz in Grönland, die sich noch im Ausland befinden, die Rückkehr auf die Insel nahegelegt. Seitdem und bis mindestens dem 18. April 2021 werden keine neuen Tickets Richtung Grönland mehr angeboten. Die Ausreise bleibt möglich.

    Für den oben genannten Zeitraum gehen die Flugzeuge von Air Greenland unter die Verwaltung des öffentlichen Corona Sekretariatet, das sie in Notfällen einsetzen will. Eingeflogen werden können unter anderem Personen, die auf der Insel wichtige Aufgaben ausführen. Dazu muss ein Antrag (auf Dänisch oder Grönländisch) online gestellt werden. Bei Fragen empfiehlt sich der direkte Kontakt zur Corona Sekretariatet.

    Einreisegenehmigung befreit nicht von Quarantänepflicht

    Sollte die Einreise gewährt werden, muss vorher das Sumut-Formular (auch auf Englisch) ausgefüllt werden. Die per E-Mail zugeschickte Bestätigung muss vor dem Abflug zusammen mit der Bescheinigung eines negativen Ergebnisses eines höchstens 72 Stunden zuvor gemachten Coronatests vorgelegt werden. Akzeptiert werden nur CR-RNA-, RT-PCR- oder SARS-CoV-2-Tests, die im nordischen Raum (Dänemark, Färöer Inseln, Finnland, Norwegen, Schweden) durchgeführt wurden.

    Nach der Einreise sowie im Falle eines nahen Kontaktes mit einer infizierten Person auf Grönland selbst muss eine vierzehntägige Quarantäne absolviert werden, die in einem der folgenden Orte stattfinden muss:

    • Aasiaat (Gemeinde Qeqertalik);
    • Ilulissat (Gemeinde Avannaata);
    • Kangerlussuaq (Gemeinde Qeqqata);
    • Maniitsoq (Gemeinde Qeqqata);
    • Narsaq (Gemeinde Kujalleq);
    • Narsarsuaq (Gemeinde Kujalleq);
    • Nuuk (Gemeinde Sermersooq);
    • Qaqortoq (Gemeinde Kujalleq);
    • Qasigiannguit (Gemeinde Qeqertalik);
    • Qeqertarsuaq (Gemeinde Qeqertalik);
    • Paamiut (Gemeinde Sermersooq);
    • Sisimiut (Gemeinde Qeqqata).

    Nach der Quarantäne soll ein erneuter Coronatest gemacht werden. Für die Verabredung eines Testtermins sollte die nächstgelegene Gesundheitseinrichtung telefonisch kontaktiert werden.

    Verstöße gegen die Quarantänepflicht werden mit Geldstrafen geahndet.

    Ausreisen aus Grönland bleiben gestattet. Allerdings rät die Regierung davon ab und weist darauf hin, dass es keine Garantie für die Erlaubnis zur Wiedereinreise gibt.

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Alltagsleben nur wenig eingeschränkt

    Nach einem breitangelegten Lockdown vor Ostern 2020, kehrten Ende April alle Branchen landesweit wieder fast zum Normalgeschäft zurück. Sie müssen allerdings weiterhin umfangreiche Hygienevorgaben einhalten. So darf beispielsweise die von der Feuerwehr für eine Immobilie festgelegte Personenobergrenze nur zur Hälfte ausgenutzt werden. Hygieneinformationen und -mittel müssen für Mitarbeiter und Besucher zugänglich sein. In öffentlichen Verkehrsmitteln dürfen nur so viele Passagiere mitfahren, wie Sitzplätze zur Verfügung stehen.

    Veranstaltungen sind nur in Ausnahmefällen gestattet. Dazu gehören politisch motivierte Versammlungen oder Meinungskundgebungen, Aktivitäten in Krankenhäusern, Kliniken, Schulen, Bildungsinstitutionen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Die maximale Teilnehmerzahl beträgt 100 Personen. Organisatoren sind verpflichtet, gesonderte Gesundheits- und Hygienemaßnahmen umzusetzen.

    Das bisher geltende Verbot, Personen aus anderen Kommunen zur Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen einzuladen, wurde Mitte Februar 2021 etwas gelockert. In ausgewählten Ortschaften (Aasiaat, Ilulissat, Kangerlussuaq, Maniitsoq, Narsaq, Narsarsuaq, Nuuk, Qaqortoq, Qasigiannguit, Qeqertarsuaq, Paamiut, Sisimiut) ist dies nun erlaubt. Sind mehr als 50 Teilnehmer geplant, muss spätestens drei Wochen vor dem Veranstaltungstermin ein Antrag über die zentrale Corona-E-Mailadresse gestellt werden. Allerdings darf in den 30 Tagen vor dem Veranstaltungsdatum in dem Austragungsort keine neue Coronainfektion auftreten, sonst muss das Event abgesagt werden. Das damit verbundene Risiko ändert entsprechend nichts an der Absage vieler kommerzieller Events, darunter des wichtigen Fischsportevents PolarExpo oder der Wirtschaftskonferenz Future Greenland.

    Im privaten Bereich soll gänzlich auf Feiern verzichtet werden. Tabu sind auch Taufen, Geburtstage, Konfirmationen, Hochzeiten oder Trauerfeiern.

    Bildungseinrichtungen, Schulen und Kindergärten sind von keinen Einschränkungen betroffen.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

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