Special Indien

E-Commerce boomt in Indien

Die Entwicklung des indischen E-Commerce-Marktes steht noch am Anfang, die Aussichten sind jedoch ausgesprochen gut. Für hohe Wachstumsraten sorgen steigende Haushaltseinkommen, eine zunehmende Anzahl von Internetnutzern, sinkende Preise von Smartphones und eine größere Auswahl an Produktangeboten. Immer mehr nationale und internationale Firmen wittern ihre Chance und investieren trotz großer Herausforderungen zum Beispiel in der Logistik kräftig in die Branche.

Fragmentierter indischer Einzelhandel günstig für E-Commerce

Indien entwickelt sich zu einem der größten Konsumgütermärkte weltweit. Die kumulierte Kaufkraft ist aufgrund der Bevölkerungsgröße enorm. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt aber gerade einmal bei rund 1.400 Euro pro Jahr. Der Aussagewert ist allerdings gering, da die Einkommensunterschiede sehr groß sind. Während Indien weltweit mit die meisten Milliardäre beheimatet, leben circa 30% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze von 1 US$ pro Kopf und Tag. Zwischen diesen beiden Polen entwickelt sich eine Mittelschicht. Diese ist jung, konsumfreudig und wächst schnell.

 

Kennziffern zum Handel in Indien

 

2015

2016

Veränderung 2016/2015 (in %)

Veränderung 2016/2015 (in %) 1)

Einwohner (in Mio.) 2)

1.292

1.309

1,3

-

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (in Euro) 2) 3) 4)

1.486

1.560

5,0

9,6

Pro-Kopf-Einkommen (in Euro) 2) 3) 4) 5)

1.323

1.396

5,5

10,2

1) auf Rupien-Basis; 2) Schätzung; 3) Wechselkurse: Jahresdurchschnitt 2015: 1 Euro = 71,20 indische Rupien (iR), Jahresdurchschnitt 2016: 1 Euro = 74,37 iR; 4) laufende Preise; 5) Finanzjahre 2015/16 und 2016/17, jeweils vom 1.4. bis 31.3.
Quellen: IWF, Indisches Statistikamt (CSO), Deutsche Bundesbank 

Es ist schwierig, den typischen indischen Konsumenten zu charakterisieren, da es sich bei der Käuferschaft um keine einheitliche Gruppe handelt. Der Subkontinent hat 1,3 Mrd. Einwohner, eine Fläche von 3,2 Mio. qkm, 23 offizielle Landessprachen und über 100 weitere Sprachen, viele verschiedene Kulturen und unterschiedliche Religionsgruppen. Hinzu kommen eine ungleiche Einkommensverteilung sowie große Unterschiede zwischen den Lebensumständen in der Stadt und auf dem Land. 

Moderne Einzelhandelsformate sind noch nicht weit verbreitet und haben einen Marktanteil von schätzungsweise 10%. Der Rest entfällt auf Klein- und Kleinsthändler, oft familiengeführt, die die Kundschaft in ihrer Nachbarschaft bedienen. Für die Entwicklung des Online-Marktes bietet diese starke Fragmentierung des Einzelhandels eine große Geschäftschance. Die Verfügbarkeit und Produktauswahl in den zahlreichen kleinen Ladenlokalen ist beschränkt. Hier bietet E-Commerce den Verbrauchern die Möglichkeit, den internationalen Standard der Warenwelt ganz einfach über das Internet zu bestellen.

 

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Indien (Veränderung in %)

Indikator

2016

2017 1)

2018 1)

Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2)

6,8

7,2

7,7

Privatkonsum 3)

7,6

8,1

7,5

Inflationsrate (CPI)

4,9

4,8

5,1

1) Prognose; 2) konstante Preise (Basisjahr 2011/12); 3) konstante Preise (Basisjahr 2012/13)
Quellen: IWF, OECD

 

Text: Heena Nazir

Anzahl der Internetnutzer in Indien ist noch niedrig

Einem Bericht der Breitbandkommission der Vereinten Nationen zufolge hatte Indien 2015 circa 333 Mio. Internetnutzer und überholte damit die USA. Andere Analyseinstitute geben für das Jahr 2016 etwa 300 Mio. bis 462 Mio. Internetnutzer an. Im Verhältnis zur gesamten Bevölkerung von 1,3 Mrd. ist diese Anzahl immer noch niedrig - entsprechend groß ist allerdings auch das Potenzial. Dem indischen Branchenverband National Association of Software and Services Companies (Nasscom) zufolge sollen bis 2020 circa 730 Mio. Inder Zugang zum Internet erhalten. 

Verbraucher in Indien greifen viel häufiger auf das mobile Internet zu als auf das festnetzbasierte. Nur knapp ein Drittel nutzt das Internet über einen Computer. Mobiltelefone sind daher das wichtigste Medium, um online zu gehen. Die Entwicklung weg von Computern hin zu Smartphones ist unter anderem auf das Fehlen einer robusten festnetzbasierten Internetinfrastruktur zurückzuführen, vor allem in Tier-II- und Tier-III-Städten. Weiterhin ermöglichen günstige Geräte aus indischer oder chinesischer Produktion immer mehr Indern den Erwerb eines Smartphones. 

Die Angaben zu absoluten Nutzerzahlen von Smartphones gehen allerdings auseinander. Die Telecom Regulatory Authority of India ging im Dezember 2016 von 217 Mio. Anschlüssen aus. Andere Schätzungen variieren zwischen 110 Mio. und 260 Mio. Smartphonenutzern. Die durchschnittliche Breitbandgeschwindigkeit liegt zwischen 2,5 und 3,5 Mbit/s. Immer mehr Smartphonenutzer rüsten auf 3G- oder 4G-Dienste auf, deren Preise deutlich gesunken sind. Die Anbieter stehen seit Jahren unter hohem Konkurrenzdruck - kaum ein Telekommunikationsmarkt auf der Welt ist so heiß umkämpft und bietet so niedrige Tarife wie in Indien. 

Die Regierungskampagne „Digital India“ wird der Entwicklung des E-Commerce-Sektors einen Schub verleihen. Unter dem Programm plant die indische Regierung unter anderem die Verbesserung des Internetzugangs für die gesamte indische Bevölkerung sowie die Förderung von „digitaler Bildung“, dem Erlernen des Umgangs mit digitalen Geräten.

 

Kennziffern zur Digitalisierung in Indien

Indikator

2014

2015

Anteil der Haushalte mit Internetzugang (in %), darunter

15,3

20,0

.Breitband (in %)

k.A.

13,0

Smartphonebesitzer (% Anteil der Erwachsenen, die ein Smartphone besitzen)

14,0

17,0

Verträge für mobile Breitbandanschlüsse pro 100 Einwohner

5,5

9,4

Internationale Internetbandbreite pro Nutzer (in Bit/s)

4.982

5.725

Quellen: International Telecommunication Union (ITU), Weltbank, United Nations Population Division

 

Text: Heena Nazir

Indischer E-Commerce steckt noch in den Kinderschuhen

Die Marktgröße des E-Commerce-Sektors wird von der Beratungsfirma KPMG auf circa 28 Mrd. US$ im Kalenderjahr 2016 geschätzt. Der Umsatz der Branche soll mit einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 31% bis 2020 auf 80 Mrd. $ steigen. Morgan Stanley erwartet bis 2020 sogar eine Zunahme auf 119 Mrd. $. 

Das wichtigste Marktsegment sind Reisebuchungen. Diese standen 2015 laut Nasscom und KPMG für circa 61% des gesamten Onlinemarktes. Zu den weiteren Verkaufsschlagern gehört der Einzelhandel (E-Retail) - darunter fallen unter anderem Elektronik, Bekleidung, Möbel und Bücher.

 

Wichtigste Produktgruppen im E-Commerce in Indien 2015 *)

Produktgruppe

Marktgröße (in Mrd. Euro)

Marktanteile (in %)

Reisebuchungen

15,2

61

E-Retail

6,1

24

Finanzdienstleistungen

1,5

6

Werbung

1,0

4

Sonstiges

1,2

5

*) Wechselkurs im Jahresdurchschnitt 2015: 1 Euro = 1,10 US$
Quelle: KPMG

 

Bisher beherrscht das heimische Unternehmen Flipkart den Markt. Aber auch ausländische Firmen wie Alibaba und Amazon gewinnen an Bedeutung. Sie haben ihre Chance frühzeitig gewittert und kräftig investiert. Mittlerweile gehört Amazon zu den größten Anbietern. In den letzten Jahren haben Wagniskapitalgeber große Summen in E-Commerce-Unternehmen gepumpt. Der Wettbewerb hat deutlich zugenommen und führt zu Konsolidierungen.

 

Die gefragtesten Anbieter in Indien 2015/16 1)

Anbieter

Umsatz (in Mrd. iR)

Anteil am Gesamtumsatz (in %) 2)

Umsatz (in Mio. Euro) 3)

Flipkart.com 4)

154,0

37

2.164

Amazon.in 5)

22,8

24

320

Snapdeal.com

14,6

15

205

Paytm.com

9,2

-

129

ShopClues.com

9,0

-

126

Ebay.in

3,9

-

55

1) Finanzjahr vom 1.4.15 bis 31.3.16; 2) Schätzung; 3) durchschnittlicher Jahreswechselkurs 2015: 1 Euro = 71,20 indische Rupien (iR); 4) Umsatz von Flipkart Internet, Flipkart Payment Gateway Services, Flipkart India, Flipkart Digital Media, Flipkart Online Services;
5) Amazon.com hält Anteile an Cloudtail.India, dessen Umsätze hier nicht berücksichtigt wurden
Quellen: Deutsche Bundesbank, Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen

 

Im Jahr 2016 haben laut den Associated Chambers of Commerce and Industry of India 69 Mio. Inder Waren online erworben. Die Zahl soll sich bis 2017 auf 100 Mio. erhöhen. Onlineshopping wird überwiegend von der jüngeren Generation betrieben: Circa 75% der Nutzer sind zwischen 15 und 34 Jahre alt. Fast 70% sind männlich. Die Onlineaktivität ist in Bangalore am höchsten (schätzungsweise 69% der Einwohner), gefolgt von Mumbai (65%) und New Delhi (61%). 

Onlinemedien und soziale Netzwerke gewinnen als Vertriebsweg und Marketingkanal stark an Bedeutung. Das Wettrennen um die Gunst der Kunden gewinnen die Händler, die alle Kommunikations- und Handelsplattformen am geschicktesten miteinander verzahnen. 

Nachnahme ist die beliebteste Zahlungsart. Deren Anteil an den Onlinetransaktionen liegt laut Nielsen bei 83%. Allerdings ist die Rücksendequote hier sehr hoch, viele Kunden verweigern die Annahme. Einige Händler bieten deshalb Anreize für Bezahlung bei Bestellung.

 

Text: Heena Nazir

Zahlungsoptionen sind für den Onlineerfolg in Indien relevant

Die Bedeutung von Apps in Indien ist hoch, denn circa 30 bis 35% aller Online-Einkäufe (wertmäßig) werden über Smartphones abgewickelt. Dieser Anteil soll sich den Associated Chambers of Commerce and Industry of India zufolge bis Ende 2017 auf 45 bis 50% erhöhen. Entsprechend investieren viele Händler stark in die App-Entwicklung. In Indien werden überwiegend androidbetriebene Smartphones genutzt. Bei diesen Geräten ist unter den Shopping-Apps die Firma Flipkart die unangefochtene Nummer eins, gefolgt von Amazon. 

Die meisten Apps von Onlinehändlern in Indien sind sehr einfach gestaltet. Die geringe Breitbandgeschwindigkeit sowie die Qualität der überwiegend günstigeren Smartphonemodelle unterstützen aufwendigere Anwendungen wie virtuelle begehbare Läden meist nicht. Häufig ist zudem der Speicherplatz der Geräte gering, sodass Apps selektiver heruntergeladen werden. 

Der Einfluss von sozialen Netzwerken auf das Kaufverhalten der indischen Konsumenten wird immer größer. Laut Statista nutzten im Jahr 2016 schätzungsweise 195 Mio. Inder Facebook, wobei sich die Mehrheit über Mobiltelefone einloggte. Rund 23 Mio. Inder sind bei Twitter aktiv, 37 Mio. bei LinkedIn. Viele Inder folgen auf Social Media Plattformen wie Twitter und Facebook Händlern, informieren sich auf Blogs über neue Produkte oder engagieren sich in Kundencommunitys, wodurch Social Commerce zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Verkäufe, die durch Empfehlungen auf Social Media Plattformen zustande kamen, sind im Jahr 2016 um schätzungsweise 74% gestiegen. 

Unterschiedliche Zahlungsmöglichkeiten sind für den Erfolg eines Onlineunternehmens in Indien von großer Bedeutung. Auch wenn die meisten Inder (83%) immer noch lieber bar bezahlen, gibt es doch ein breites Spektrum von Zahlungsoptionen. Zahlungen per Kredit- und Debitkarten, Onlineüberweisungen sowie Onlinezahlungen über sogenannte „Payment Gateways“ werden Experten zufolge in Indien weiter zunehmen. 

Allerdings verfügen viele Inder nicht über ein Bankkonto. Laut dem Global Findex der Weltbank ist der Anteil der indischen Bevölkerung mit einem solchen zwar von 35% im Kalenderjahr 2011 auf 53% im Jahr 2014 angestiegen. Jedoch nutzten 43% ihr Konto in den vorangegangenen zwölf Monaten nicht. Gerade einmal 19% der Kontoinhaber erhalten ihre Löhne auf ein Bankkonto. Der indischen Regierung zufolge haben 60 Mio. der 130 Mio. Haushalte in ländlichen Gebieten noch keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen. Branchenkenner schätzen den Anteil noch höher ein.

 

Text: Heena Nazir

Der „Touch and Feel“-Faktor ist in Indien beim Einkaufen wichtig

Deutsche Technik ist in Indien sehr beliebt und wird als außerordentlich hochwertig wahrgenommen. Dies trifft insbesondere auf Elektronikprodukte zu, die insgesamt für 47% der Bruttoeinnahmen des Online-Retail-Marktes stehen. Das Prestigedenken und der wachsende Anspruch an qualitativ höherwertigere Elektronik der jungen, stark wachsenden Mittelschicht wird mittel- bis langfristig die Nachfrage nach deutschen Produkten dieser Sparte weiter steigen lassen.

In anderen Segmenten sind deutsche Erzeugnisse online weniger gefragt. Deutschland wird in Indien nicht in erster Linie mit Design und Lifestyle in Verbindung gebracht. Ausnahmen bestehen zwar bei diversen Luxusprodukten, allerdings werden diese hochpreisigen Artikel noch eher selten im Internet bestellt. Künftig könnten sich hier jedoch Chancen ergeben.

 

Wichtigste Produktgruppen im Onlineeinzelhandel in Indien 2016

Produktgruppe

Bruttoeinnahmen (Anteile in %)

Elektronik

47

Bekleidung

31

Möbel

8

Bücher

7

Quelle: KPMG

 

Wie schnell sich das traditionelle Kaufverhalten weg vom dezentral organisierten Einzelhandel und hin zum E-Commerce bewegt, bleibt abzuwarten. Eine Studie der Retailers Association of India vom Herbst 2015 zum Konsumverhalten sieht ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis zwischen E-Commerce und traditionellem Einzelhandel. In Indien ist nach wie vor der „Touch and Feel“-Faktor beim Einkaufen wichtig, daher investieren viele E-Commerce-Anbieter zunächst in traditionelle Verkaufsformen, um im zweiten Schritt das Onlineangebot zu lancieren. 

Lokale Geschmackspräferenzen, aber auch religiöse und kulturelle Faktoren - zum Beispiel ein hoher Anteil an Vegetariern und Veganern - sollten unbedingt beachtet werden, da sie großen Einfluss auf den Markterfolg von Unternehmen in Indien haben. Amazon beispielsweise leistete sich in Indien einen Fauxpas, als auf seiner Plattform Fußabtreter mit der indischen Nationalflagge vertrieben und diese von der Bevölkerung als beleidigend empfunden wurden. Dies führte sogar zu Reaktionen seitens der indischen Regierung. 

Die Zustellung der Waren stellt Onlineanbieter vor große logistische Probleme, denn Indiens Infrastruktur ist dringend modernisierungsbedürftig. Zudem decken die Angebote der meisten Kurierdienste nicht alle Regionen des Subkontinents ab. Multinationale Unternehmen wie DHL (Bluedart) oder Fedex bieten ihre Dienstleistungen landesweit an, aber die meisten Händler arbeiten mit kleineren Kurierfirmen zusammen, die deutlich günstiger sind. Dafür müssen meist mehrere Firmen für überregionale Lieferungen beauftragt werden. Ländliche Regionen sind teilweise gar nicht über Kurierdienste erschlossen und für die letzte Meile zum Kunden müssen oft Fahrradboten individuell angeheuert werden.

 

Kleinere Unternehmen bieten Preisnachlässe an, wenn Personen sich in einer Region zusammentun und ihre Einkäufe gebündelt an eine Adresse versenden lassen. Zahlreiche Händler investieren in den Aufbau von Infrastruktur wie dezentrale Warenlager, um die Lieferungen zu optimieren. Indiens größter Onlinehändler Flipkart hat sogar eine eigene Auslieferungsabteilung aufgebaut. Die meisten Internethändler bieten üblicherweise Frei-Haus-Lieferungen an, obwohl die Logistik vergleichsweise aufwändig ist. Die Kunden erwarten kostenlosen und schnellen Lieferservice. Die Rücksendequoten sind sehr hoch, Kunden verweigern zum Teil gleich bei der Lieferung die Annahme.

 

Text: Heena Nazir

Indien: Rechtliche Grundlagen

Die Entwicklung von Smart Cities, E-Government und E-Commerce sind zentrale Bestandteile des Programmes zur wirtschaftlichen Entwicklung der indischen Regierung. Dazu sind verschiedene Normen wie der „Information Technology Act“ und die „National Cyber Security Policy“ erlassen worden. 

Gleichfalls schützt die Verfassung das Persönlichkeitsrecht, jedoch sind diese Rahmenbedingungen noch sehr vage. So besteht keine Behörde, die die Datensicherheit beaufsichtigt und ebenfalls keine Registrierungspflicht zur Datenweiterverarbeitung. Gleichfalls gibt es keine Regelungen zu elektronischem Marketing (Spam-E-Mails). Der Datentransfer in das Ausland ist gestattet sofern die allgemeinen Datenschutzbestimmungen gemäß indischer Standards eingehalten werden. Durch die Einführung der Goods and Service Tax (GST) vereinfacht sich die Versteuerung von Onlinetransaktionen. 

Die Betätigung im E-Commerce durch ausländische Anbieter unterliegt Beschränkungen. So legt die Press Note 3 vom 29.3.16 die Grenzen eines ausländischen Engagements im E-Commerce fest. Danach ist der B2B-E-Commerce (Business-to-Business) ausländischen Anbietern vollständig geöffnet, der B2C-E-Commerce (Business-to-Consumer) ist allerdings nur unter engen Voraussetzungen möglich. 

Dies befindet sich im Einklang mit den Vorschriften zum Einzelhandel mit Filialgeschäften. So bestehen im indischen Einzelhandel Beschränkungen für ausländische Unternehmen, die mehrere Marken führen. Investitionen sind nur mit einer Beteiligung bis zu 52% möglich. Die Errichtung von Multi-Brand-Retail, und damit die Eröffnung von Super- oder Hypermärkten durch ein indisch-ausländisches Joint Venture unterliegt dem regierungsbehördlichen Genehmigungsverfahren (Government Approval Route). Voraussetzung ist eine ausländische Mindestinvestition von 100 Mio. US$. Auch dürfen ausländisch investierte Super- und Hypermärkte grundsätzlich lediglich in Städten mit einer Einwohnerzahl von mehr als 1 Mio. Einwohnern eröffnet werden. 

Dies wirkt sich auch im E-Commerce aus, so ist der Betrieb einer B2C-Onlineplattform mit Lagerhaltung nicht gestattet. Erfolgt der Vertrieb durch eine Onlineplattform mit Angeboten verschiedener Unternehmen (Geschäftsmodell Amazon) darf diese maximal 25% Umsatz durch einen Anbieter erzielen. In diesem Fall obliegen die Pflichten für Lieferung und Gewährleistung dem Verkäufer.

 

Text: Robert Herzner

Indien: Zollverfahren

Bei Sendungen aus der EU in Nicht-EU-Länder sind dort grundsätzlich Zölle und Einfuhrumsatzsteuern zu zahlen. Dies erledigt in der Regel das Transportunternehmen. Dieses stellt dem Empfänger dann die Eingangsabgaben in Rechnung und führt sie an die dortige Zollverwaltung ab. Wenn bestimmte Wertgrenzen überschritten werden oder wenn Verbote oder Beschränkungen zu beachten sind, erhält der Empfänger eine Benachrichtigung und muss die Sendung dann bei der zuständigen Zollstelle abholen. 

Die Höhe des anzuwendenden Zollsatzes kann mit Hilfe der Market Access Database der EU-Kommission ermittelt werden. 

Sofern die Sendung in ein Land geht, mit dem die EU ein Freihandelsabkommen unterhält, kann die Sendung auch zollfrei sein, wenn bestimmte Wertgrenzen nicht überschritten werden oder die Ware von einem gültigen Präferenznachweis begleitet wird. 

Generell gelten in allen Ländern Kleinbetragsgrenzen, sodass Sendungen, die diesen Wert nicht überschreiten, zollfrei bleiben. Mehr zu den Kleinbetragsgrenzen siehe unten. 

Warensendungen, die im Rahmen von B2C-Verkäufen zur Einfuhr in Indien angemeldet werden, sind grundsätzlich wie gewerbliche Wareneinfuhren zu behandeln mit allen Vorschriften hinsichtlich Einfuhrzöllen und indirekten Steuern sowie den Einfuhrverboten und -beschränkungen. Lediglich Waren mit einem Wert CIF (Cost, Insurance and Freight) von 1.000 indischen Rupien (circa 13,90 Euro, Stand: 19.6.17) oder weniger sind von den Einfuhrabgaben befreit. 

Der Einfuhrzollsatz für Postsendungen beträgt 10% (indischer Zolltarifcode 98.04 „all dutiable articles for personal use, imported by post or air“). Waren, die von privaten Kurier-, Express- oder Paketdienstleistern (KEP) befördert werden, sind gemäß ihrer Art und Beschaffenheit in den Zolltarif einzureihen, wobei der Höchstzollsatz für Industriewaren auch hier grundsätzlich 10% beträgt. Bemessungsgrundlage ist der Transaktionswert, der für die Waren zu zahlende Preis auf der Basis CIF. 

Als Importnebenabgabe wird die indische Umsatzsteuer (Integrated Goods and Services Tax - IGST), mit dem reduzierten Steuersatz (5%), den Normalsteuersätzen (12% sowie 18%) oder dem Luxussteuersatz (28%) für bestimmte Waren erhoben, darüber hinaus fällt die „Education Cess“ (3% vom Einfuhrabgabenbetrag) an. 

Waren, die besonderen Lizenz-, Registrier-, oder Genehmigungspflichten unterliegen wie Nahrungsmittel, Tabakwaren, alkoholische Getränke, Arzneimittel, Kosmetika, Waren der Telekommunikation oder Gebrauchtwaren sollten nicht versendet werden. Die Empfänger verfügen in der Regel nicht über entsprechende Bewilligungen der indischen Behörden. 

Postsendungen werden von der indischen Zollverwaltung in den Poststellen für Auslandssendungen („Foreign Post Office“) abgefertigt. Sie sind im Exportland mit einer Zollinhaltserklärung (CN22/CN23) zu versehen. Fehlt die Zollinhaltserklärung, dürfen die Waren nicht eingeführt werden. Die Sendungen können in der lokalen Poststelle unter Entrichtung der Einfuhrabgaben abgeholt oder unter Zahlung der Abgaben dem Empfänger zugestellt werden. 

Auch Sendungen, die von privaten KEP angemeldet werden, können von beschleunigten Zollabfertigungsverfahren profitieren. Als Nachweise zur Bestimmung des Zollwertes sind Handelsrechnungen beizufügen. Das zulässige Höchstgewicht der einzelnen KEP-Sendungen beträgt grundsätzlich 70 kg.

 

Text: Klaus Möbius, Jürgen Huster

Indien: Internetadressen

Portale, Verbände, Behörden, Messen und Konferenzen

Internetadresse

Ministry of Communications and Information Technology

www.dot.gov.in

Telecom Regulatory Authority of India (TRAI)

www.trai.gov.in

Internet and Mobile Association of India (IAMAI)

www.iamai.in

Ministry of Electronics and Information Technology (MeitY)

meity.gov.in

Data Security Council Of India

https://www.dsci.in

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