Special | Mexiko | Wasser- und Abwassertechnologie

Abwasserwirtschaft hofft auf neue Ausschreibungen

Investitionen in die Wasserwirtschaft verliefen in den vergangenen Jahren nur schleppend - trotz des riesigen Bedarfs. Eine Investitionsoffensive soll das ändern.

Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Mexikos Regierung schiebt Projekte an

    Mexikos Regierung schiebt Projekte an

    Seit Ende 2019 schreibt die nationale Wasserbehörde wieder mehr Vorhaben aus. Der Fokus der Regierung liegt auf ländlichen Regionen.

    Nachdem der Ausbau der Wasserinfrastruktur 2019 fast zum Stillstand gekommen ist, schreibt die nationale Wasserbehörde Conagua (Comisión Nacional del Agua) 2020 wieder mehr Projekte aus. Die Durststrecke hat mit dem Regierungswechsel Ende 2018 zu tun. Dieser führte dazu, dass viele Vorhaben zunächst neu bewertet wurden. Im Dezember 2019 und Januar 2020 veröffentlichte Conagua rund 70 Ausschreibungen, die im Jahresverlauf vergeben werden. Dabei handelt es sich vorrangig um Modernisierungs- und Wartungsarbeiten. Die notwendigen Investitionen stammen komplett aus staatlichen Mitteln.

    Präsidialamt unterstützt wichtige Projekte direkt

    Daneben gab Präsident Andrés López Obrador im November 2019 bekannt, zwölf besonders wichtige Ausbauprojekte im Rahmen des Nationalen Infrastrukturpakts (Acuerdo Nacional de Inversión en Infraestructura) direkt zu fördern. Dafür sollen von 2020 bis 2022 gemeinsam mit der Privatwirtschaft knapp 2,4 Milliarden US-Dollar (US$) zur Verfügung gestellt werden. Die Vorhaben werden teils von Conagua, teils von den Kommunalregierungen durchgeführt.

    Die Mittel sind sowohl für Einzelvorhaben wie die Entsalzungsanlagen La Paz und Los Cabos vorgesehen als auch für längerfristige Programme wie die Regulierung der Wasserentnahme in der zentral gelegenen Region Valle de México. Das dortige Wassersystem schließt die Versorgung der Hauptstadt ein, wo es in den regenarmen Monaten immer wieder zu Engpässen kommt.

    Landesweites Messsystem geplant

    Ein weiteres interessantes Projekt ist der Aufbau eines Messsystems (Red Nacional de Medición - Renama), um Ressourcen und Verbrauch landesweit einheitlich bestimmen zu können. Die Liste aus dem Präsidialamt umfasst allerdings auch umstrittene Vorhaben, die sich bis 2022 höchstwahrscheinlich nicht realisieren lassen. Dazu gehört das Aquädukt El Zapotillo, mit einem Volumen von knapp 700 Millionen US$ das größte Einzelprojekt.

    Da die Regierung einen Fokus auf die Entwicklung strukturschwacher Regionen legt, gehen Experten davon aus, dass sich künftige Aktivitäten über das Jahr 2022 hinaus auf die Trinkwasserversorgung konzentrieren werden. Zwar verfügen laut dem Zensus 2015 rund 94 Prozent aller Haushalte über eine Trinkwasserversorgung, allerdings gibt es eine Kluft zwischen dem urbanen Raum (97 Prozent) und ländlichen Gebieten (85 Prozent).

    Übersicht der mexikanischen Wasserwirtschaft (2015) *)
    *) letztverfügbare DatenQuelle: Wasserbehörde Conagua

    Indikator

    Wert

    Fließendes Wasser (% der Haushalte)

    94,4

    Reinigung des Abwassers (% der Haushalte)

    91,4

    Wasseraufbereitung (Anlagen)

    932

    Wasseraufbereitung (cbm/Sekunde)

    100,1

    Städtische Kläranlagen (Anzahl)

    2.526

    Städtische Abwasserreiningung (cbm/Sekunde)

    135,6

    Private Kläranlagen (Anzahl)

    3.025

    Private Abwasserreinigung (cbm/Sekunde)

    83,7


    Energieeffizienz wird wichtiger

    Der Verband der privaten Wasserversorger ANEAS (Asociación Nacional de Empresas de Agua y Saneamiento) betont, dass die Energieeffizienz der Anlagen unabhängig vom konkreten Einsatzbereich eine immer größere Rolle spielt. Zwischen Anfang 2018 und Ende 2019 seien die Stromkosten für Wasserversorger im Schnitt um 70 Prozent gestiegen. In einigen Bundesstaaten liege das Plus sogar bei 120 Prozent. Daher haben Anbieter von stromsparender Ausrüstung gute Chancen.

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Projektumsetzung ist kompliziert

    Projektumsetzung ist kompliziert

    Die mexikanische Wasserwirtschaft krankt an den niedrigen Tarifen für Haushalte und Industriekunden. Eine Besserung ist nicht in Sicht.

    Trotz umfassender Pläne der Regierung für den Ausbau der Wasserinfrastruktur gehen Experten davon aus, dass in den kommenden Jahren nur wenige Großprojekte fertiggestellt werden. Zum einen sorgt die Abstimmung zwischen der landesweit operierenden nationalen Wasserbehörde Conagua, den Gemeinderegierungen und der Privatwirtschaft für Reibungsverluste. Schwerer wiegt jedoch, dass die Zentralregierung – wie schon die Administrationen vor ihr – nicht bereit ist, höhere Wassertarife zuzulassen. Diese wäre jedoch dringend notwendig, damit die kommunalen Wasserversorger Rücklagen bilden können. Zudem würden höhere Tarife einen Anreiz für mehr private Versorger schaffen.

    Auch wenn eine Liberalisierung der Wassertarife unwahrscheinlich ist, sind Verbesserungen für die Privatwirtschaft möglich: Im Jahr 2020 soll ein seit 2012 geplantes Wassergesetz auf Bundesebene verabschiedet werden. Es sieht vor, dass Gemeinden und private Wasserversorger auf Grundlage von Public-Private-Partnerships (PPP) zusammenarbeiten können, die mehr Flexibilität als das derzeitige Konzessionsschema zuließen.

    Wasserwirtschaft in der Hand der Gemeinden

    Die Ver- und Entsorgung von Wasser wird in Mexiko durch kommunale Unternehmen organisiert, da die Hoheit über die Wasserversorgung laut Verfassung bei den Gemeinden liegt. Es gibt nur wenige, die diese Aufgabe per Konzession komplett an private Firmen übertragen haben. Zu ihnen gehören die Städte Aguascalientes, Cancún, Saltillo und Puebla, wo unter anderem die Unternehmen Suez und Aguas de Barcelona tätig sind. Die Konzessionsvergabe für einzelne Bereiche wie den Betrieb eines Klärwerks ist dagegen häufiger.

    Auch wenn die Wasserwirtschaft formal in den Händen der Gemeinden liegt, spielt die Behörde Conagua eine wichtige Rolle. Sie setzt auf Bundesebene Schwerpunkte für die künftige Entwicklung des Sektors, erarbeitet Handlungsempfehlungen und unterstützt die Gemeinden finanziell bei Investitionsprojekten. Conagua verfügt für 2020 über ein Budget von knapp 1,2 Milliarden US$, was nominal einem Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

    Nur geringe heimische Produktion

    Mexikanische Unternehmen stellen lediglich einfache Ausrüstung her, weshalb der Hauptteil des Equipments importiert wird. US-Firmen haben einen Lieferanteil von rund 52 Prozent, wie die jüngsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2018 zeigen. An zweiter Stelle folgen Produzenten aus China (Importanteil: 14,6 Prozent), vor Deutschland (5,1 Prozent), Japan (4,4 Prozent) und Italien (3,4 Prozent).

    Mexikanische Einfuhr von Wassertechnik (in Mio. US$)
    Quelle: UN Comtrade

    HS-Code

    Bezeichnung

    2016

    2017

    2018

    8410

    Wasserturbinen, -räder und Regler

    5,0

    2,8

    3,7

    8413.50

    Kolbenpumpen und oszillierende Verdrängerpumpen

    134,0

    110,0

    131,2

    8413.60

    Rotierende Verdrängerpumpen

    348,5

    393,4

    422,0

    8413.70

    Zentrifugalpumpen

    216,0

    244,0

    241,0

    8413.82

    Hebewerke für Flüssigkeiten

    7,5

    6,1

    5,8

    8421.21

    Apparate zum Filtern oder Reinigen von Wasser

    194,5

    173,7

    208,6

    8421.99

    Teile von Apparaten zum Filtrieren oder Reinigen von Flüssigkeiten oder Gasen

    225,8

    265,3

    302,1

    8481

    Regelarmaturen und Ventile

    3.061,0

    3.497,9

    3.554,2

    Gesamt

    4.192,2

    4.693,4

    4.868,6

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Kontaktadressen

    Kontaktadressen


    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen

    AHK Mexiko

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    German Water Partnership e.V.

    Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Wasserbranche zur Exportförderung

    Comisión Nacional de Agua (Conagua)

    Nationale Wasserbehörde

    Fondo Nacional de Infraestructura (Fonadin)

    Nationaler Infrastrukturfonds (Co-Finanzierung von Wasserprojekten)

    Asociación Nacional de Empresas de Agua y Saneamiento (ANEAS)

    Verband der privaten Wasserversorger und -entsorger

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