Special Niederlande Wasserstoff

Wasserstofftechnologie hilft Energieziele zu erreichen

Die Niederlande hinken bei ihren Energiezielen hinterher. Verschiedene Wasserstoffprojekte sollen das ändern.

  • Die Niederlande setzen auf Wasserstoff

    Die Niederlande setzen auf Wasserstoff

    Die Niederlande bewegen sich von der Erdgas- zur grünen Wasserstoffwirtschaft. Wasserstofftechnologien tragen künftig erheblich zur Erreichung der Energieziele bei. 

    Hauptziel der niederländischen Energiestrategie, dem sogenannten klimaatakkoord, ist die Senkung der Kohlendioxyd (CO2)-Emissionen um 49 Prozent gegenüber 1990. Für den Einsatz von Wasserstoff ergibt sich daraus: Bis 2025 können etwa 75.000 Tonnen Wasserstoff aus Wasser produziert werden. Hierfür ist eine Elektrolysekapazität von 500 Megawatt notwendig. Wasserstoff soll künftig hauptsächlich durch Elektrolyse gewonnen werden. Im Jahr 2030 soll die Elektrolysekapazität bei 3 bis 4 Gigawatt liegen und 300.000 Autos wasserstoffbetrieben fahren. Das Land soll 2025 rund 50 Wasserstofftankstellen haben.  

    Die niederländische Industrie produziert und verwendet schon lange aus Erdgas gewonnenen, sogenannten grauen Wasserstoff. Allerdings wird bei dessen Gewinnung CO2 freigesetzt. Bisher beläuft sich der CO2-Ausstoß auf 13 Megatonnen jährlich, rund 8 Prozent des einheimischen Gesamtausstoßes. Durch die Nutzung von grünem Wasserstoff (durch grüne Energien gewonnen) könnte der CO2-Ausstoß bedeutend verringert werden.

    Die Nachfrage nach grünem Wassertsoff steigt. Experten gehen davon aus, dass 2030 allein im Küstengebiet des Landes der Bedarf für die industrielle Nutzung etwa 125 bis 213 Petajoule beträgt. Im Industriecluster Chemelot in Limburg dürfte die zusätzliche Nachfrage 25 bis 40 Petajoule betragen.

    Nationale Wasserstoffstrategie wird für 2020 erwartet

    Sowohl die niederländische Regierung als auch Unternehmen, Gemeinden und Wissenszentren unterstützen die weitere Entwicklung der Wasserstofferzeugung und dessen Nutzung. Noch im laufenden Jahr 2020 wird eine nationale Wasserstoffstrategie erwartet.

    Im Fokus sind Projekte, die die Anwendung und Produktion von nachhaltigem Wasserstoff vorantreiben. Für die Beschleunigung von Wasserstoffprojekten werden 2020 rund 10 Millionen Euro bereit gestellt. Rechtliche Barrieren für Projekte sollen minimiert werden.

    Zudem wird untersucht, ob und inwieweit das Gasnetzwerk künftig für den Transport von Wasserstoff verwendet werden kann. Geplant ist, die Erdgasförderung in den Niederlanden bis 2030 zu beenden und alle einheimischen Haushalte bis 2050 vom Erdgas zu entkoppeln. 

    Verschiedene Projekte mit Wasserstofftechnologie laufen bereits oder sind in Planung. Im Land gibt es bislang drei Wasserstofftankstellen: in Helmond, Rhoon und Arnhem. Viele weitere sind für die nächsten zwei Jahre in Planung.

    In bis zu 40 der größeren Gemeinden des Landes sollen zudem emissionsfreie Zonen eingeführt werden, in denen wasserstoffbetriebene Fahrzeuge freie Fahrt haben. Anfang 2020 fuhren im Königreich acht öffentliche Busse mit Wasserstoffantrieb, bis 2021 sollen 50 weitere dazukommen. Entsprechende Vereinbarungen wurden Ende 2019 unterzeichnet. Bis 2050 sollen 15.000 wasserstoffbetriebene Autos auf den Straßen rollen. 

    Eine Übersicht aller Förderprogramme für Wasserstoffprojekte in den Niederlanden stellt die Agentur RVO des niederländischen Wirtschaftsministeriums zur Verfügung (nur Niederländisch).

    Die Inititative WaterstofWerkt stellt das Netz von Wasserstofftankstellen in den Niederlanden im Überblick dar.


    Von Marte van den Bosch | Den Haag

  • Von der Erdgaswirtschaft zur grünen Wasserstoffwirtschaft

    Von der Erdgaswirtschaft zur grünen Wasserstoffwirtschaft

    Die Industrie sieht Erdgasressourcen als Vorteil beim Umstieg auf Wasserstoff. 

    Nach Ansicht von Industrievertretern können die Niederlande beim Umstieg auf grünen Wasserstoff von der bisherigen Erdgaswirtschaft profitieren. Die Infrastruktur kann von Gas auf Wasserstoff umgerüstet werden, das vorhandene Know-How ist ein weiterer Pluspunkt. Dennoch sind für die Umrüstung umfangreiche und kostenintensive Maßnahmen seitens der Industrie notwendig.

    Mit dem Pilotprojekt Hystock beginnt der staatliche Leitungsnetzbetreiber Gasunie mit einer wirtschaftlich rentablen Speicherung von Wasserstoff. Dabei wandeln 5.000 Solarpanele Sonnenenergie in einer Power-to-Gas-Anlage in grünen Wasserstoff um. Branchenkenner erwarten, dass die Energieversorgung künftig in den Niederlanden zu mindestens 20 Prozent aus Wasserstoff gedeckt wird. 

    Auch im Zusammenhang mit dem von den Niederlanden stark forcierten Ausbau der Windenergie lassen sich mit Wasserstofftechnologien Synergien erzeugen: Wasserstoff eignet sich gut als Langzeitspeicher für erneuerbare Energien und kann die Schwankungen von Windenergie auffangen. 

    Im Land existieren zwei größere Wasserstoff-Cluster: in Süd-Holland bei Rotterdam und in der Provinz Gelderland bei Arnhem. Zudem lassen sich Unternehmen im gesamten Land durch regionale Initiativen und Projekte inspirieren, neue Technologien zu entwickeln.

    Niederländische Zulieferer breit aufgestellt 

    Niederländische Unternehmen sind in fast allen Segmenten der Wasserstofftechnologien vertreten. Ausnahmen sind die Herstellung von Tanks und Tankwagen oder wasserstoffbetriebenen Zügen sowie wasserstoffbetriebene Kfz. Erstausrüster, die kleinere wasserstoffbetriebene Schiffe bauen, sind dagegen bereits aktiv. Niederländische Firmen entwickeln selbst keine großschaligen Elektrolyseure, lokaler Produzent ist die deutsche Siemens. Hier ergeben sich gute Perspektiven für eine Zusammenarbeit für deutsche Unternehmen.

    Die Niederlande verfügen über viele hochspezialisierte Zulieferer verschiedener Komponenten und Materialien, allerdings nur sehr wenige OEMs (original equipment manufacturer) oder Erstausrüster. Auch hier ergeben sich für deutsche Firmen gute Chancen, ins Geschäft zu kommen.


    Führende Unternehmen nach Segmenten

    Marktsegment

    Niederländische Unternehmen 

    Stromerzeugung und Regelleistung

    Eneco, Nuon, Essent, TenneT (Gasunie), Bredenoord 

    Mobilität (Busse und Lkw) 

    VDL, DAF, E-trucks 

    Distribution (Übertragungsnetz) 

    GTS, van Leeuwen buizen, Soluforce, van Oord, Heerema, IHC

    Wasserstoffspeicherung

    Hystock, Gasunie/Vopak 

     Quelle: Recherchen von GTAI

    Von Marte van den Bosch | Den Haag

  • Ausgewählte Wasserstoffprojekte in den Niederlanden

    Ausgewählte Wasserstoffprojekte in den Niederlanden

    Eine Übersicht der größeren Projekte finden Sie in der folgenden Tabelle:

    Ausgewählte Wasserstoffprojekte in den Niederlanden
    Quelle: Pressemitteilungen, Recherchen von Germany Trade & Invest

    Projektbezeichnung

    Projektspezifikation  

    Unternehmen

    Status

    Investitionsvolumen (in Mio. €)

    Wasserstoffprojekt Djewels Delfzij

    Elektrolyseur mit 20 Megawatt

    Unter anderem Gasunie, Nouryon

    Projekt bekommt 11 Millionen Euro EU-Fördermittel, 2020 definitiver Investitionsbeschluss  

    HY3

    Deutschland und die Niederlande untersuchen gemeinsam Möglichkeiten zur großtechnischen Herstellung von grünem Wasserstoff

    Forschungszentren TNO, Niederlande und Jülich IEK-3 im Auftrag der Ministerien

    Studie ist Teil eines trilateralen Projekts. Durchführbarkeit von transnationalen Business Cases mit grünem Wasserstoff in den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen soll untersucht werden

    H-Vision

    Großschalige Erzeugung von Wasserstoff aus Erdgas und Raffineriebrennstoffgas im Rotterdamer Hafen; Jährliche Produktionskapazität von 700 Kilotonnen

    Noch nicht bekannt

    Planungsphase, Abschluss der Investitionsentscheidung wird 2021 erwartet werden  

    wird auf 2 Milliarden geschätzt 

    NortH2

    Bau eines Megawindparks;  ab 2040 sollen dann jährlich 800.000 Tonnen grüner Wasserstoff aus dem Strom des Windparkes produziert werden

    Shell Niederlande, Gasunie und Hafen Groningen Seaports

    in Planung

    Von Marte van den Bosch | Den Haag

  • Kontaktadressen

    Kontaktadressen


    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen

    Exportinitiative Energie

    Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen

    Factsheets der Exportinitiative Energie

    Factsheets mit allgemeinen Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)

    AHK Niederlande

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministerie van economische zaken en klimaat 

    Niederländisches Ministerium für Wirtschaft und Klima 

    FME

    Industrieverband 

    Waterstof Magazine

    Fachmagazin 

    Op weg met Waterstof 

    Internetplatform, Interessenvereinigung von Unternehmen und Ministerien 

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