Special Nigeria

Nigerias Infrastrukturbedarf wächst, Ausbau schwächelt

In Nigeria besteht ein hoher Investitionsbedarf. Es gibt jedoch kaum neue Infrastrukturprojekte, aufgrund einer andauernden Wirtschaftskrise. Der hohe und wachsende Urbanisierungsgrad könnte Investitionen in Infrastrukturnetze attraktiv machen. Unsichere Rahmenbedingungen lassen Investoren jedoch zögern. Für ausländische Firmen ist Nigeria ein großer, kaum erschlossener Markt. Deutsche Unternehmen sind als Zulieferer aktiv.

Nigerias Regierung setzt auf private Investoren

Nigeria durchläuft seit 2015 eine wirtschaftliche Krise, die sich auch 2017 fortsetzen dürfte. Größtenteils hängt die wirtschaftliche Entwicklung von der Entwicklung des Ölpreises ab. Für 2017 erwarten Experten gerade einmal ein Wachstum von 1,2% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Bausektor befindet sich in einer Krise. Es gibt kaum neue Infrastrukturprojekte, und etliche laufende Vorhaben wurden auf Eis gelegt.

Rahmenbedingungen Nigeria

Indikator

2016

2020 (Prognose)

Bevölkerung (Mio.)

183,6

204,7

Bevölkerungswachstum (%)

2,4

-

Bevölkerung Stadt (%)

48 (2015)

52

Bevölkerung Land (%)

52 (2015)

48

BIP (nominal, Mrd. US$)

405,9

 

613,0

Investitionen (in % des BIP)

13,8

14,5

Quellen: Wirtschaftsdaten, Weltbank, IWF


Bereits seit Jahren besteht hoher Investitionsbedarf und der Rückstand wächst zügig an. Zu den über 180 Mio. Einwohnern kommen jedes Jahr etwa 4 Mio. Menschen hinzu. Mit einer Bevölkerungsdichte von etwa 200 Einwohnern je Quadratkilometer (Weltbank, 2015) stellt Nigeria im ansonsten dünn besiedelten Afrika eine Ausnahme dar. Das Land verfügt inzwischen über neun Millionenstädte. Die dichte Besiedelung könnte Investitionen in die Infrastrukturnetze (Energie, Wasser, Müll, Telekommunikation, Verkehr) kommerziell attraktiv machen. Die instabilen Rahmenbedingungen lassen private Investoren jedoch zögern. Dem Staat fehlen Geld und Know-how.

Die Regierung dürfte noch mehr als in der Vergangenheit bemüht sein, private Investoren für Infrastrukturmaßnahmen zu finden. Bereits in den letzten etwa acht Jahren gab es hier viel Bewegung. In Bereichen wie Energie oder Transport kam es zu diversen öffentlich-privaten-Partnerschaften (ÖPP). Für Unternehmen aus dem Ausland ist Nigeria in diesem Zusammenhang ein riesiger, weitgehend unerschlossener Markt. Deutsche Unternehmen treten bislang zwar als Zulieferer, jedoch nicht als Investor oder Betreiber auf.

Qualität der Infrastruktur (2016/2017)

 

Ranking

Score

Qualität der gesamten Infrastruktur (Transport, Telefonie, Kommunikation)

133

2,1

Qualität der Straßen

125

2,7

Qualität der Schienentransportsysteme

103

1,5

Qualität der Häfen

112

3,0

Qualität der Lufttransportsysteme

111

3,4

Qualität der Elektrizitätsversorgung

139

1,4

Quelle: Global Competitiveness Report


Text: Carsten Ehlers

Nigeria: Aiports und Häfen werden ausgebaut

Deutsche Unternehmen sind im Transportsektor vor allem als Zulieferer von Ausrüstung sowie als Unterauftragnehmer aktiv. Die inzwischen zu 100% in nigerianischem Eigentum befindliche Baufirma Julius Berger übernimmt Projekte regelmäßig als Generalunternehmer. Private Investoren ziehen nur die sehr profitablen Bereiche an, zum Beispiel günstig gelegene Mautstraßen oder Containerterminals. Ansonsten muss der Staat investieren. Im Straßenbau werden vereinzelt Konzessionen an private Mautstraßenbetreiber im Rahmen von Build-Operate-Transfer (BOT) vergeben. Ähnliche Modelle sind beim Ausbau des Lagos-Ibadan-Expressway sowie bei der Second Niger Bridge zwischen Onitsha und Asaba vorgesehen. Beide Projekte wurden jedoch vorerst unterbrochen.

Strukturdaten Verkehrsinfrastruktur in Nigeria *)

 

2016

Straßennetz (km)

200.000 (National Planning Commission) 2012

Schienennetz (km)

3.500 Schmalspur (Cape Gauge), einspurig

Flughäfen (Anzahl)

23 (davon 5 internationale)

Containerhäfen (Anzahl, ggf. Umschlag)

6, Umschlag: 78,3 Mio. jato (2015)

*) Anmerkung: Aktuelle und verlässliche Strukturdaten über die nigerianische Verkehrsinfrastruktur sind nicht verfügbar.
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest


Beim Eisenbahn- und Flughafenbau fließt fast ausschließlich chinesisches Geld. Geplant sind unter anderem die Verbindung Lagos-Ibadan oder auch Lagos-Calabar. Deutliche Verbesserungen dürften in Kürze die vier wichtigsten Flughäfen Nigerias erfahren. In Lagos, Port Harcourt, Kano und Abuja baut China Civil Engineering Construction Corporation (CCECC) gerade neue Terminals mit deutlich mehr Kapazität. Gleich vervielfacht werden soll mit privaten Investitionen die Hafenumschlagskapazität mit Projekten in Lekki und Badagry bei Lagos.

Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mio.. US$)

Träger und/oder Ausführer

Projektstand

Tiefseehafen in Lekki
Terminal soll von Schiffen mit bis zu 10.000 TEU angelaufen werden, jährliche Kapazität 2,5 Mio. TEU (größter Terminal in Subsahara-Afrika).

1.500

Lekki Port LFTZ

Geplant

Bau von fünf neuen Flughafenterminals (unter anderem Lagos, Port Harcourt, Kano, Abuja)

circa 500

Träger: Federal Airports Authority of Nigeria (FAAN)
Betreiber soll die chinesische CCECC im Rahmen von ÖPP werden.
Finanziert von China EximBank

Im Bau

Lagos „Blue Line“ Light Rail

1.200

Lagos Metropolitan Area Transport Authority (LAMATA)
Baudurchführer: chinesische CCECC. Das ÖPP soll von der privaten Eko-Rail betrieben werden.

Im Bau

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest


Text: Carsten Ehlers


Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest:

Transport und Verkehr
Bauwirtschaft
Projekt- und Ausschreibungsmeldungen

Privatisierung soll Investitionslücke im nigerianischen Energiesektor schließen

Nigerias Stromsektor benötigt dringend Investitionen. Die riesige Angebotslücke des Netzes schließen in Nigeria hunderttausende von netzungebundenen Dieselgeneratoren, die den teuersten Strom von allen zur Verfügung stehenden Alternativen produzieren.

Strukturdaten Energieinfrastruktur in Nigeria *)

Indikator

2012/2013

Primärenergieverbrauch (in Quadrillion Btu)

1,24 (2013)

Stromverbrauch/Kopf

129 kWh

Stromerzeugungskapazitäten (pro Jahr in GW)

Stark schwankend (zwischen 3.000-12.000 MW)

Endpreis Industriestrom / Haushaltsstrom

Unterschiedliche Anbieter mit unterschiedlichen Preisen

Bevölkerung mit Anschluss an das Stromnetz (%)

55,6 (2012)

*) Anmerkung: Aktuelle und verlässliche Strukturdaten über die nigerianische Energieinfrastruktur sind nicht verfügbar.
Quellen: Weltbank, Recherchen von Germany Trade & Invest


Seit 2012 verfolgt der Staat eine radikale Privatisierung des Energiesektors, um Investoren für den Bau und Betrieb von Kraftwerken und Verteilernetzen anzulocken. Dennoch bleiben Investoren zurückhaltend, weil die Rahmenbedingungen eine langfristige Planung der Einnahmen derzeit nicht gewährleisten. Zu einem Leuchtturmprojekt könnte sich das gerade im Bau befindliche erste IPP (Independent Power Producer) des Landes namens Azura-Edo entwickeln, an dem Siemens und Julius Berger maßgeblich beteiligt sind. Julius Berger wird den Bau des Kraftwerks leiten, Siemens wird für die Lieferung der Ausrüstung inklusive der Turbinen sowie für deren Instandhaltung zuständig sein. Eine derartig prominente Beteiligung deutscher Unternehmen bei einem Großprojekt in Nigeria stellt derzeit eine Ausnahme dar.

Auch dezentrale Lösungen sollen eine wichtige Rolle bei den Investitionen im Energiesektor spielen. In deren Rahmen könnten private Investoren in kleinere Kraftwerke investieren und diese betreiben. Das Problem ist auch hier der Investorenschutz. Was ist zum Beispiel, wenn jemand ein kleines dezentrales Kraftwerk betreibt und plötzlich kommt das Netz? Häufig wird in diesem Zusammenhang auch von großem Potenzial bei Solarenergie gesprochen. Bislang jedoch ist es zu keinen nennenswerten Projektumsetzungen in diesem Bereich gekommen.

Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mio. US$)

Träger und/oder Ausführer

Projektstand

Azura-Edo Gaskraftwerk

860

Träger: Azura-Edo Power (IPP); Baudurchführung: Julius Berger, Turbinen und Service: Siemens

Im Bau

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest


Text: Carsten Ehlers


Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest:

Kraftwerksbau

Energieerzeugung

Übertragung und Verteilung


Projekt- und Ausschreibungsmeldungen:

Energieerzeugung

Übertragung und Verteilung

Wachstumsmotor mobiles Internet in Nigeria

Die Mobilfunkinfrastruktur ist wohl die am besten ausgebaute Infrastruktur im Land. Der Netzbetrieb ist für die in Nigeria aktiven Betreiber MTN, Globacom, Airtel und Etisalat ein hochprofitables Geschäft. Mit dem Markteintritt des Smartphones in Nigeria vor einigen Jahren hat das mobile Internet die Telefonie immer mehr als Wachstumsmotor abgelöst. Hinzu kommt, dass die internationalen Übertragungskapazitäten durch die inzwischen erfolgte Verlegung diverser Glasfaser-Unterseekabel entlang der afrikanischen Westküste vervielfacht wurde.

IKT-Infrastruktur in Nigeria *)

Indikator

2015/2016

Durchschnittliche Geschwindigkeit der Internetanschlüsse (in kbps)

k.A.

Festnetzanschlüsse (in % der Einwohner)

187.155 (2015)

Mobile Netzabdeckung (in % der Einwohner, ggf. Wachstumsrate)

150,8 (2015)

Anteil der Personen mit Internetzugang (in %, Wachstum)

46%, +5% (2016)

*) Anmerkungen: Die Verfügbarkeit von aktuellen und zuverlässigen Daten zum nigerianischen Telekommunikationssektor ist sehr begrenzt.
Quelle: Nigerian Communications Commission (NCC)


Noch immer sind die privaten Netzbetreiber dabei, ihre 3G- beziehungsweise 4G-Netze in dichtbesiedelten Gebieten auszubauen. Alle vier Netzbetreiber werden hier in den kommenden Jahren investieren. Alleine für 2017 erwartet die Nigerian Communications Commission (NCC) einen Investitionsumfang in Höhe von circa 2 Mrd. US$. Nigeria entwickelt sich vor allem durch 3G weltweit zu einem der größten Internetmärkte. Zunehmend in Schwung kommt aufgrund des in den Städten gut ausgebauten 3G-Netzes das Angebot an IT-basierten Dienstleistungen, wie E-Commerce. Im Bereich E-Commerce gibt es mit Jumia eine signifikante deutsche Investition. Jumia wurde von Rocket Internet aus Berlin finanziert und gab damit 2012 den Startschuss für E-Commerce in Nigeria.

Mit Verspätung hingegen erfolgte die Digitalisierung des Fernsehübertragungsnetzes. Erst Ende 2016 wurde als erster Bundesstaat Jos als digitalisiert vermeldet. Im Jahresverlauf 2017 soll die Vernetzung von ganz Nigeria abgeschlossen werden. Auch im Fernsehbereich wird großes Wachstumspotenzial gesehen. Die nigerianische Filmindustrie unter dem Namen Nollywood ist nach den USA und Indien die drittgrößte weltweit. Deutsche Unternehmen sind in den Bau und Betrieb des nigerianischen IKT-Netzes kaum involviert. Nur bei sehr speziellen Ausrüstungen kommen vereinzelt deutsche Unterauftragnehmer zum Zuge. Beim Netzausbau dominiert in Nigeria chinesische Technologie von Huawei oder ZTE.

Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mio. US$)

Träger und/oder Ausführer

Projektstand

MTN-Netzausbau

736

MTN Group

Im Bau

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest


Text: Carsten Ehlers


Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest
Projekt- und Ausschreibungsmeldungen

Nigeria: Nachholbedarf bei der Umweltinfrastruktur

So riesig auch der Bedarf im Bereich der Umweltwirtschaft ist - die Investitionen fallen in den Bereichen Wasser, Abwasser und Abfall viel zu gering aus. Die Sektoren genießen bei der Regierung keine Priorität und sind zudem zu unprofitabel, um privates Geld ohne staatliche Zuschüsse anzuziehen. Ein Großteil der Investitionen findet in Lagos und Abuja statt. In Lagos versucht man seit Jahren, private Gelder und Know-how im Rahmen von ÖPP in den Sektor zu lenken. Das Interesse ist jedoch verhalten.

Rahmendaten Umweltinfrastruktur

Indikator

Improved sanitation facilities* (% der Bevölkerung mit Zugang)

29 (2015)

Anschluss an Trinkwassernetz (% der Bevölkerung)

69 (2016)

*) verbesserte Sanitäreinrichtungen, Kategorie der World Health Orgaization
Quellen: World Health Organization (WHO), UN


Eine hohe Zunahme von Plastikmüll verschärft die Situation. Landesweit werden gerade einmal 20 bis 30% des Haushaltsmülls entsorgt. In vielen Städten gibt es überhaupt keine Müllabfuhr, die Haushalte verbrennen den Abfall oft oder entsorgen ihn am Straßenrand. Oft quellen die Städte über vor Müll, der dann die Abwasserkanäle verstopft und für Überschwemmungen sorgt. Selbst in Lagos, wo noch am meisten in die Abfallentsorgung investiert wird, hat die staatliche Lagos State Waste Management Agency (LAWMA) große Probleme, dem Müll Herr zu werden. Private ausländische Partner sind willkommen, die Finanzierung jedoch ist in der Regel ungeklärt.

Deutsche Unternehmen sind derzeit höchstens als Lieferant von Technologie im Umweltbereich aktiv. Sollte sich die Konjunktur in Nigeria verbessern, dürfte sich die Zahlungsfähigkeit der nigerianischen Kommunen verbessern. Speziell in Lagos könnten deutsche Unternehmen auch einmal nach längerfristigen Engagements Ausschau halten. Eine solide Finanzierung vorausgesetzt, könnten gerade im Abfallbereich deutsche Unternehmen Lösungen im Recycling oder Waste-to-Energy-Bereich anbieten.

Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mio. US$)

Träger und/oder Ausführer

Projektstand

Adiyan II Trinkwasseraufbereitungsanlage in Lagos, Anlage mit Kapazität 340.000 cbm

250

Träger: LWC; Ausführer: 2012 hat die italienische Salini den Zuschlag für den Bau erhalten.

Geplant, immer wieder aufgeschoben

Lagos Odomola Water Scheme

k.A.

LWC

Geplant, immer wieder verschoben.

Gurara Water Transfer to Abuja

k.A.

Träger: Federal Government; Ausführer: Mit dem Bau wurden Salini Nigeria Limited und SCC Nigeria Limited beauftragt. Bau verzögert sich aufgrund mangelnden Kapitals.

Im Bau seit 2001.

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest


Text: Carsten Ehlers


Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest:
Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz

Projekt- und Ausschreibungsmeldungen:
Wasserversorgung
Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz

Hohe Investitionen im Wohnungs- und Krankenhausbau in Nigeria

Eine Reihe weiterer größerer Infrastrukturprojekte werden realisiert, bei denen es deutsche Beteiligungschancen gibt. Durch das hohe Bevölkerungswachstum steht der Bau von Wohnungen oder ganzen Stadtteilen auf dem Programm. In verschiedenen Bundesstaaten werden sogenannte „Affordable Housing“-Projekte durchgeführt. Auf etwa 18 Mio. Wohneinheiten wird der Bedarf geschätzt. Die Finanzierung kommt in der Regel von ausländischen Gebern. Vielfach werden diese Projekte von lokalen oder chinesischen Baufirmen durchgeführt. Chancen für deutsche Beteiligungen bestehen vereinzelt bei der Zulieferung von Infrastrukturkomponenten.

Auch für die nigerianische Mittel- und Oberklasse werden größere Siedlungen gebaut. Die Hauptstadt Abuja befindet sich immer noch im Entstehungsprozess. Im stark zersiedelten Lagos werden neue Flächen erschlossen, wie zum Beispiel Lekki oder Eko- Atlantik. Bei Eko-Atlantik stellt ein privater Konzessionär die komplette Infrastruktur bereit und verkauft die Grundstücke an Bauträger. Aufgrund der hochwertigen Ausstattung der Häuser gibt es bei derartigen Projekten häufig Möglichkeiten für Zulieferer oder Unterauftragnehmer.

Auch beim Bau von Krankenhäusern besteht großer Bedarf - staatlich und privat. Um Geld zu sparen und die staatlichen Krankenhäuser besser zu managen, versucht der Staat auch hier ÖPP umzusetzen. Unter anderem betreibt die österreichische VAMED in Krankenhäusern Abteilungen, wie die Radiologie oder den OP. Auch für rein private Gesundheitseinrichtungen wie Kliniken, Diagnostikzentren oder Labore besteht Nachfrage. Über sehr viel Kaufkraft verfügt die mehrere Mio. Menschen umfassende Mittel- und Oberschicht. Diese fliegt bislang überwiegend zur Behandlung ins Ausland und gibt dafür nach Schätzungen jährlich bis zu 1 Mrd. US$ aus. Aktiv waren bisher unter anderem internationale Krankenhausgruppen wie die türkische Florence Nightingale Hospitals oder die indische Primus Hospitals (Primus Super Specialty Hospital in Abuja).


Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mrd. US$)

Träger

Projektstand

Eko Atlantic Project;
Erweiterung von Victoria Island in Lagos mit eigener Infrastruktur für circa 250.000 Bewohner.

6

Eko Atlantic (Chagouri-Group); verschiedene Baudurchführer    

Im Bau

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest


Text: Carsten Ehlers

Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest:
Gesundheitswesen

Projekt- und Ausschreibungsmeldungen:
Gesundheitswesen

Nigeria: Chinesiche Dominanz bei Finanzierung des Infrastrukturausbaus

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise verändert die Finanzierungsansätze bei Infrastrukturvorhaben. Seit einigen Jahren dominieren die Chinesen den Infrastruktursektor, weil mit der China EximBank eine staatliche chinesische Bank die Finanzierung vorschießt. Gänzlich private Investoren kommen ins Spiel in äußerst profitablen Infrastrukturbereichen, wie dem Aufbau von Mobilfunknetzen oder mit Abstrichen der Errichtung von Tiefseehäfen. Darüber hinaus zögern private Akteure und dem nigerianischen Staat fehlt aufgrund der ausbleibenden Öleinnahmen das Geld.

Letzterer versucht sich seit Jahren aus der Finanzierung bestimmter Infrastrukturvorhaben herauszuziehen und sucht nach Möglichkeiten für ÖPP, zum Beispiel beim Betrieb von Mautstraßen oder Krankenhäusern. Die Stadtverwaltung Lagos ist bei der Konzipierung von ÖPP Vorreiter in Nigeria. Mit ihrer seit 2016 unter dem Namen Lagos Global (früher: Office of the PPP) existierenden Agentur besteht eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen, die sich bei derartigen Projekten beteiligen wollen. In Krisenzeiten deutlich größer werden dürfte bei der Finanzierung die Aufgeschlossenheit gegenüber den Geberorganisationen, der Weltbank oder der Afrikanischen Entwicklungsbank bei der Finanzierung. Derzeit gibt es neun Weltbank-finanzierte Infrastruktur-Projekte (Transport, Energie, Wasser) in Nigeria mit einem Gesamtvolumen von 2,68 Mrd. US$. Die Afrikanische Entwicklungsbank finanziert ca. 10 Projekte in denselben Bereichen.

Sehr schwer gestaltet sich die Finanzierung von Vorhaben in der Abwasser- und Abfallentsorgung. Diese Bereiche sind für private Investoren wenig attraktiv weil kaum ertragreich. Auch politisch genießen sie keine Priorität.


Text: Carsten Ehlers

Nigeria: Chancen als Lieferanten und Unterauftragnehmer

Chancen für deutsche Unternehmen in Nigeria sind bei Bauprojekten vor allem als Unterauftragnehmer gegeben. Lokale Bauunternehmen können als Generalunternehmer bestimmte Dienstleistungen nicht übernehmen und lagern diese aus, insbesondere im Bereich Mechanical, Electrical & Plumbing (MEP). Darüber hinaus gibt es regelmäßig Lieferchancen für Baumaschinen und Lastkraftwagen. Deutsche Marken sind hier gut im Geschäft. Hersteller wie Bomag, Wirtgen oder Liebherr sind über Distributoren in Nigeria präsent. Gleiches gilt für Lkw-Hersteller wie Mercedes und MAN.

Hingegen sind die Markteinstiegshürden und Risiken für Generalunternehmer in Nigeria hoch. Weil es kaum lokale Subkontraktoren gibt, muss man so gut wie alles selber machen, vom Bau über die Bereitstellung von Strom und Wasser bis hin zur Wartung des Fuhrparks. Baumanagement, wie in Westeuropa zunehmend der Fall, ist in Nigeria eine Utopie. Dies erfordert reichlich Einstiegskapital. Der Tiefbau in Nigeria ist geprägt von großen Baufirmen mit ausländischen Wurzeln wie Julius Berger, Dantata Sawoe oder PW. Nigeria ist wohl das einzige Land in Subsahara-Afrika, in dem noch Baufirmen mit deutschen Wurzeln aktiv sind. Speziell Julius Berger steht in Nigeria für hohe Qualität und beauftragt möglichst deutsche Unterauftragnehmer. In den vergangenen zehn Jahren kamen auch chinesische Baufirmen wie China Harbour oder Civil Enginineering Construction Corporation (CECC) auf den Markt. Sie lagern nur im Ausnahmefall Arbeiten an Subkontraktoren aus. Die Bildung von Konsortien in Nigeria bei größeren Projekten ist üblich, auch um die Risiken zu verteilen. Siemens und Julius Berger sind Teil eines Konsortiums beim Bau des Azura-Edo-Kraftwerks. Aus deutscher Sicht stellt dies aber eine Ausnahme dar.

Compliance ist ein Problem in Nigeria bei staatlichen Aufträgen. Dies hält viele Unternehmen davon ab, als Generalunternehmer auf den Markt zu treten. Oft fehlt das Wissen darüber, wie man Compliance-Probleme umschiffen kann. Branchenkenner berichten darüber, dass die Auftragsvergabe zuletzt unter der Regierung Buhari deutlich transparenter geworden ist. Dies jedoch kann sich schnell wieder ändern. Auch die Sicherheitsproblematik in Nigeria erschwert das Geschäft. Nicht wenige international operierende Unternehmen gestatten ihren Mitarbeitern einen geschäftlichen Besuch nur unter strikten und damit teuren Sicherheitsvorkehrungen.


Text: Carsten Ehlers

Nigeria: Kontakte, Veranstaltungen, Internetadressen

Institution

Internetadresse

Nigerian Investment Promotion Commission (NIPC)

www.nipc.gov.ng

Delegation der Deutschen Wirtschaft in Nigeria

http://nigeria.ahk.de

Bauverband: Federation of Construction Industry (FOCI)

www.focinigeria.org

Größter öffentlicher Auftraggeber im Infrastrukturbau: Federal Ministry of Works & Housing

www.works.gov.ng

Lagos Global

www.lagosglobal.org

Baumesse: Africa Build

http://africabuild-lagos.com

Verkehr

 

Verantwortlich für Transportprojekte in Lagos: Lagos Metropolitan Area Transport Authority (LAMATA)

www.lamata-ng.com

Federal Airports Authority of Nigeria (FAAN)

www.faannigeria.org

Energie

 

Federal Ministry of Power

www.power.gov.ng

Regulierer: Nigerian Electricity Regulatory Commission (NERC)

www.nercng.org

Nigerianisch-Deutsche Energiepartnerschaft

www.ngenergypartnership.de

IKT

 

Federal Ministry of Communication Technology

www.commtech.gov.ng

Wasser

 

Ministry of Water Resources

www.waterresources.gov.ng

Wasserversorger in Lagos: Lagos Water Corporation (LWC)

http://lagoswater.org

Abfallentsorgung

 

Ministry of Environment

http://environment.gov.ng

Abfallverband: Wastes Management Society in Nigeria (WAMASON)

www.wamason.org

Abfallentsorger in Lagos: Lagos State Waste Management Agency (LAWMA)

www.lawma.gov.ng

Häuser- und Wohnungsbau

 

Aufsichtsbehörde im Häuser- und Wohnungsbau: Federal Housing Authority (FHA)

www.fha.gov.ng

Gesundheit

 

Federal Ministry of Heal

http://www.health.gov.ng/

Medizinverband: Nigerian Medical Association (NMA)

www.nationalnma.org

Geberinformationen

 

Projekt-Portfolio der Weltbank in Nigeria

http://maps.worldbank.org/p2e/mcmap/map.html?org=ibrd&level=country&code=NG&title=Nigeria

 

Projekt-Portfolio der Afrikanischen Entwicklungsbank in Nigeria

 

https://www.afdb.org/en/projects-and-operations/project-portfolio/#c10693

 

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest


Text: Carsten Ehlers

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