RF_Getty_1159183268_RZ_1340x754 | © ©GettyImages/CHUNYIP WONG

Special | Norwegen | Coronavirus

In der zweiten Einschränkungswelle

Trotz niedriger Sterberate trifft das Coronavirus Norwegen hart. Das Land wird die wirtschaftlichen Folgen stärker spüren als seine skandinavischen Nachbarn. 


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Norwegen hat das Infektionsgeschehen bislang unter Kontrolle. Die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie könnten jedoch noch jahrelang spürbar sein. (Stand: 18. Oktober 2020)

    Von den drei skandinavischen Ländern meldet Norwegen die wenigsten Infektionsfälle und die niedrigste Sterberate in Verbindung mit dem Coronavirus. Der breite Lockdown im Frühjahr sowie der globale Wirtschaftsabschwung sorgten jedoch dafür, dass die Wirtschaft ins Stottern geriet.

    Vor allem die ersten beiden Monate der Pandemie - März und April 2020 - sorgten laut dem norwegischen Statistikamt SSB für einen starken Einbruch der Wirtschaftsleistung. In den darauffolgenden Monaten konnte sich die norwegische Wirtschaft wieder fangen.

    Dennoch lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Juni noch um über 6 Prozent unter dem Februar-Wert. Im Vergleich zur Vorjahresperiode wurde im 2. Quartal 2020 ein Rückgang von knapp 7 Prozent verzeichnet. Für das Gesamtjahr rechnen Experten mit einem Rückgang des BIP um 4 bis 6 Prozent.

    Konsum schwächelt

    Die Konsumausgaben privater Haushalte brechen deutlich stärker ein. Im 1. Quartal 2020 lagen sie bereits knapp 4 Prozent, im 2. Quartal sogar über 13 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Bedingt durch Zwangsschließungen im Dienstleistungssektor, dem Gastgewerbe und der Veranstaltungswirtschaft gaben Norweger für Dienstleistungen knapp 20 Prozent weniger aus. Nur bei Waren gab es einen Anstieg von immerhin 4 Prozent.

    Eine Bremse der Konsumentwicklung könnte langfristig die Situation auf dem Arbeitsmarkt sein. Laut der Behörde für Arbeit und Soziales NAV stieg die Zahl der registrierten Arbeitslosen von Februar auf März nahezu um das Fünffache. Mehr als 300.000 Personen waren im März arbeitslos gemeldet. Seitdem hat sich die Lage zunehmend entspannt. Im Juli 2020 waren mit knapp 140.000 Menschen jedoch immer noch mehr als doppelt so viele Personen auf Arbeitssuche wie im Vorjahreszeitraum.

    Industrie spürt Nachfrageflaute

    In der norwegischen Industrie werden die Folgen der Pandemie zunehmend sichtbar. Die Umsätze der Öl- und Gasförderung sind bereits seit Anfang des Jahres rückläufig. Die verarbeitende Industrie konnte im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat immerhin bis März Zuwächse verbuchen, der Bergbau bis April. Inzwischen hat sich die Situation deutlich verschlechtert.

    Die Baubranche schloss das 1. Quartal 2020 noch mit einem leichten Rückgang im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode ab. Im 2. Quartal ging die Produktion um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück. Dabei verlor vor allem der noch mit Schwung ins neue Jahr gestartete Tiefbau an Fahrt.

    Bisher keine Konkurswelle

    Finanzielle Engpässe der Unternehmen scheinen durch die Hilfsmaßnahmen der Regierung bis jetzt größtenteils aufgefangen worden zu sein. In den ersten acht Monaten 2020 wurden mit etwa 2.600 Konkursen etwa ein Fünftel weniger verzeichnet, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Doch nicht jede Branche steckt die Krise so gut weg. In der Landwirtschaft und Fischerei wurden 20 Prozent mehr Bankrotte verzeichnet, in der Finanz- und Versicherungsbranche sogar 25 Prozent. In der Gast- und Hotelwirtschaft sowie Bildung lag der Zuwachs jeweils im oberen einstelligen Prozentbereich.

    Um zahlungsfähig zu bleiben, verschieben Unternehmen auch ihre Investitionspläne. Das Volumen von Bruttoanlageinvestitionen lag im 2. Quartal 2020 über 6 Prozent unter dem Niveau des entsprechenden Vorjahresmonats. In der verarbeitenden Industrie und im Bergbau fiel das Minus doppelt so hoch aus.

    Die Prognosen für das Gesamtjahr 2020 gehen von einem Rückgang der Bruttoanlageinvestitionen um 6 bis 8 Prozent aus. Die verarbeitende Industrie wird 2020 voraussichtlich über 15 Prozent weniger investieren. Womöglich werden erst 2022 wieder Zuwächse verzeichnet. Bis zum Erreichen des Vorkrisenniveaus könnten Jahre vergehen.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Die seit August wieder steigenden Infektionszahlen ziehen neue Einschränkungen nach sich. Bei der Einreise gilt Quarantäne. (Stand: 26. Oktober 2020)

    Die zweite Coronawelle macht auch vor Norwegen nicht halt. "Wir stehen vor der schwierigsten Situation in der Pandemiebekämpfung seit März. Wenn wir jetzt Maßnahmen ergreifen, steigern wir die Chancen, dass Familien ein normales Weihnachtsfest feiern können." Mit diesen Worten leitete Premierministerin Erna Solberg am 26. Oktober 2020 die Ankündigung neuer Beschränkungen ein.

    Abgesehen von wenigen Regionen in Finnland gilt für alle Einreisen aus der Europäischen Union eine 10-tägige Quarantäne. Diese betrifft ab dem 31. Oktober auch ausländische Arbeitskräfte, die während dieser Zeit in Einzelzimmern untergebracht werden müssen. Bei der Einreise muss nachgewiesen werden, dass eine geeignete Unterkunft für die Quarantänezeit zur Verfügung steht. An ausgewählten Grenzübergängen besteht die Möglichkeit, einen kostenlosen Coronatest durchzuführen. Reisenden, die Krankheitssymptome aufweisen, wird die Einreise verweigert.

    Aktuelle Informationen zu Einreisebeschränkungen

    Passagierverkehr stark zurückgegangen

    Die Reiseunsicherheit belastet die Transporteure schwer. Der staatliche Flughafenbetreiber Avinor, der 44 Flugplätze im Land verwaltet, meldete nach neun Monaten 2020 einen Rückgang der Passagierzahlen um 60 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Nachfrage nach internationalen Verbindungen nahm zeitgleich um knapp 75 Prozent ab. Entsprechend ist das Verbindungsnetz stark ausgedünnt. Im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres wurde im September 2019 nur etwa jede vierte internationale Verbindung geflogen. Inländische Flüge, die zum Basistransportnetz gehören und bezuschusst werden, waren weit weniger betroffen. Allerdings wurden auch hier etwa 25 Prozent gestrichen.

    Auf dem Wasser verlaufen zumindest Gütertransporte größtenteils wieder normal. Die Colorline-Fähre zwischen Kiel und Oslo verkehrt nach Standardplan. Transporteure und Privatpersonen sollten allerdings auf besondere Auflagen achten und sich vor der Reise über Änderungen der Reisemöglichkeiten informieren.

    Lokale Verschärfung möglich

    Die Bewegung in Norwegen selbst ist uneingeschränkt möglich - unter Einhaltung der mittlerweile üblichen Hygiene- und Gesundheitsschutzvorkehrungen. Diese gelten auch für Handel und Dienstleister. Ist in einem Betrieb keine Möglichkeit gegeben, zwischen den Mitarbeitern einen Mindestabstand von einem Meter zu wahren, gilt die Aufforderung zur Heimarbeit. Die Ein-Meter-Regel, beziehungsweise der ein Ein-Sitz-Abstand, ist auch im Nachtleben und in Freizeiteinrichtungen einzuhalten. Ferner gelten bei Zusammenkünften Teilnehmerlimits. Diese reichen von maximal fünf Gästen in den eigenen vier Wänden, über 50 Personen bei privaten Veranstaltungen im öffentlichen Raum oder in angemieteten Räumlichkeiten bis hin zu 200 Personen ohne und 600 Personen mit fester Sitzordnung bei Freiluftevents.

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland

    Kommunen, die mit erhöhten Infektionszahlen konfrontiert sind, können lokal weitere Maßnahmen einführen. Dazu zählen:

    • Beschränkung der erlaubten wöchentlichen Kontakte einer jeden Person auf maximal 10 Personen außerhalb des Familienkreises sowie Kindergärten und Kohorte;
    • Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie öffentlichen Innenräumen, in denen ein Mindestabstand von einem Meter nicht eingehalten werden kann;
    • Anordnung zum Arbeiten von Zuhause aus für alle Angestellten, deren Präsenz im Unternehmen nicht notwendig ist;
    • Unterstützung für Fernunterricht;
    • Reduzierung der maximalen Teilnehmerzahl bei Freiluftevents ohne feste Sitzordnung auf 20 Personen;
    • Eintrittsverbot in Nachtclubs nach 22 Uhr.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Im Sommer 2020 wurde die Arbeitsplatzförderung langsam zurückgefahren. Zunehmend in den Fokus rücken Anreize für Innovationen und die grüne Wende. (Stand: 24. September 2020)

    Maßnahmen zur unmittelbaren Bewältigung der Krise

    Übersicht über unmittelbare Maßnahmen
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2020

    Maßnahme

    Adressaten

    Umfang

    Geltungszeitraum

    Kompensation von Umsatzausfällen

    Selbstständige; Freelancer

    80-prozentige Kompensation des Umsatzrückgangs im Zuge der Coronakrise bis zu einer Höhe von 4.691 Euro monatlich;

    Anträge müssen monatlich gestellt werden

    ab 14.03.2020

    Kompensation von Fixkosten

    Unternehmen, die vor 1. März 2020 in Norwegen registriert wurden und mindestens 30 Prozent Umsatzeinbußen aufweisen

    Der Staat übernimmt einen Teil der unausweichlichen Fixkosten:

    • März bis Mai bis zu 80 Prozent, Obergrenze: 7,5 Millionen Euro;
    • Juni bis Juli bis zu 70 Prozent, Obergrenze 6,6 Millionen Euro;
    • August bis zu 50 Prozent, Obergrenze: 4,7 Millionen Euro;
    • Unternehmen, die zwischen März und Mai von Zwangsschließungen betroffen waren, können bis zu 90 Prozent erstattet bekommen;

    Antragsstellung und Kompensationsberechnung erfolgen online

    01.03.2020 - 31.08.2020

    Freistellungen von Arbeitnehmern

    Alle Unternehmen

    Übernahme der vollen Lohnkosten zwischen dem 3. und 20. Tag der Freistellung (Permittering); ab dem 21. Tag - je nach Lohnhöhe - 62 bis 80 Prozent

    bis 31.08.2020

    Verlängerung der Freistellungsfrist

    Alle Unternehmen

    Die maximale Dauer der Freistellung (Permittering), also dem Zeitraum, in dem der Mitarbeiter von der Arbeitspflicht und der Arbeitgeber größtenteils von der Lohnzahlungspflicht befreit werden (siehe oben), wird von 26 auf 52 Wochen verlängert.

    ab 01.11.2020 für maximal 18 Monate

    Lohnzuschuss

    Unternehmen mit mindestens 10-prozentigem Umsatzausfall

    Für jeden Arbeitnehmer, der sich vor dem 28. Mai 2020 beim Arbeitsamt als arbeitslos gemeldet hat und bis Ende 2020 eine mindestens gleichwertige Anstellung beim vorherigen Arbeitgeber erhält, können bis zu 1.415 Euro Zuschuss beantragt werden;

    die Höhe des Zuschusses hängt vom Umsatzrückgang ab.

    28.05.2020 - 31.12.2020

    Kreditgarantien

    Alle Unternehmen

    Der Staat übernimmt Kreditgarantien in Höhe von 90 Prozent des Darlehens;

    Allokation: 9,4 Milliarden Euro

    02.04.2020 - 31.12.2020

    Exportkreditabsicherung

    Exportierende Unternehmen

    Das Angebot der staatlichen Kreditgarantiegesellschaft GIEK wurde um kurzfristige Garantien für EU- und EFTA-Länder, sowie Australien, Japan, Kanada, Neuseeland, Kanada und die USA erweitert.

    04.04.2020 - 31.12.2020

    Unternehmensentwicklung

    Unternehmen aus der Landwirtschaft und landwirtschaftsnahen Sektoren

    100-prozentige Kostenübernahme für Vorprojekte zur Erkundung neuer Geschäftsfelder und Märkte in Höhe von bis zu 14.100 Euro;

    Erhöhung des Zuschusses von Innovation Norway in Investitionsprojekte zur Erschließung neuer Geschäftsfelder und Märkte von 50 auf 75 Prozent

    k.A.

    Start-up-Finanzierung

    Start-ups

    Innovation Norway hat sein Finanzierungsangebot attraktiver gemacht und seine Nutzung erleichtert:

    • Zinssenkung auf 1 beziehungsweise 1,25 Prozent (je nach Risikoeinstufung);
    • Senkung der Vergabeanforderungen; Bezuschussung mit 75 statt 50 Prozent für Kommerzialisierungsprojekte;
    • maximale Höhe des Start-up-Darlehens um ein Drittel auf 190.000 Euro erhöht;
    • Zinsfreier Kreditzeitraum um 6 Monate auf zweieinhalb Jahre verlängert.

    ab 23.03.2020

    Für alle Unternehmen gilt ein Zahlungsaufschub für Steuern. Darunter fallen Mehrwertsteuer, Arbeitgebersteuer, Einkommenssteuervorauszahlung für Unternehmen und Selbstständige sowie Verbrauchsteuern. Letztere umfassen unter anderen die Kfz-Steuer und -Registrierungssteuer, CO2- und Energiesteuer und Alkohol- und Tabaksteuer. Ferner können diesjährige Verluste nicht erst in den Folgejahren steuerlich geltend gemacht werden, sondern dürfen auf die 2018 und 2019 getätigten Steuerzahlungen angerechnet werden.

    Arbeitslosenunterstützung ausgeweitet

    Neben der Unterstützung von Unternehmen liegt ein Fokus auf den sozialen Auswirkungen der Krise. Coronabedingt hat sich die Arbeitslosenzahl in Norwegen binnen eines Monats nahezu verfünffacht. Im März 2020 lag sie bei knapp 300.000 Personen. Seitdem sinkt die Kurve zwar wieder, im Juni waren aber immer noch knapp zweieinhalb mal so viele Norweger ohne Anstellung wie vor der Pandemie. Um die hohe Zahl an Arbeitslosen zu unterstützen, wurden sowohl Umfang als auch Anspruch auf Arbeitslosengeld wesentlich erweitert.

    Maßnahmen zur Unterstützung des Arbeitsmarktes
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Wer?

    Was?

    Wann?

    Arbeitslose

    Auszahlung des vollen, vorherigen Gehalts bis 50.000 Euro ab dem 1. Tag nach dem Jobverlust; die Zahlungspflicht des Arbeitgebers wurde von 15 auf zwei Tage reduziert (ab 1.09.2020 - 10 Tage)

    20.03.2020 - 31.10.2020

    Arbeitslose

    bei Inanspruchnahme von Weiterbildungsmaßnahmen wird ohne zusätzliche Anforderungen das volle Arbeitslosengeld ausgezahlt

    20.04.2020 - 31.12.2020

    Arbeitslose

    bei Aufnahme von Saisonarbeit in der Landwirtschaft wird nur die Hälfte des dort erzielten Einkommens auf das Arbeitslosengeld angerechnet

    Erntesaison 2020

    Arbeitslose

    die zeitliche Begrenzung des Anspruchs auf volles Arbeitslosengeld wird abgeschafft

    12.03.2020 - 31.10.2020

    ausländische Fachkräfte

    Gleichstellung mit inländischen Arbeitnehmern

    04.05.2020 - 31.10.2020

    Lehrlinge; Auszubildende

    bei Verlust der Arbeitsstelle werden Monatseinkünfte bis 1.173 Euro vollständig als Arbeitslosengeld ausgezahlt; darüber liegende Einkünfte bis zu einer Höhe von 4.691 Euro werden zu 62,4 Prozent übernommen

    seit 20.03.2020

    Selbstständige; Freelancer

    der Anspruch auf Arbeitslosengeld wird auf 18 Arbeitstage ausgeweitet; ausgezahlt wird der volle Lohn bis zu einer Höhe von 4.691 Euro

    20.04.2020 - 31.10.2020

    Um das Gesundheitssystem zu entlasten, verlängerte Norwegen Mitte März die Möglichkeit, sich als Arbeitnehmer ohne ärztliche Bescheinigung krankzumelden auf bis zu 16 Tage. Dies wurde zum 1. Juni wieder abgeschafft, sodass ab dem vierten Fehltag der Arbeitgeber wieder eine ärztliche Bescheinigung verlangen kann.

    Ebenfalls seit Anfang Juni müssen Selbstständige eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, um Anspruch auf Krankengeld zu haben. Weiterhin gilt die am 17. April in Kraft getretene Verordnung, wonach Personen der Anspruch auf Krankengeld verweigert werden kann, wenn für das Reiseland eine Reisewarnung gilt.

    Maßnahmen zur wirtschaftlichen Wiederbelebung

    Die reinen Hilfsmaßnahmen von Ende Mai werden laut Regierungsangaben nicht verlängert. Stattdessen sollen Weichen für die Zukunft gestellt und der Wirtschaft ein Anstoß gegeben werden, zu alter Stärke zurückzufinden. Dafür sind zahlreiche Programme im Bereich der Unternehmensentwicklung vorgesehen. Öffentliche Mittel sollen zudem neue Nachfrageimpulse geben.

    Der Kredittopf der Innovationsfördergesellschaft Innovation Norway wurde um knapp 140 Millionen Euro aufgestockt. Zusammen mit dem Forschungsrat Forskningsrådet können sie 2020 ferner den Start von Projekten im Wert von über 260 Millionen Euro vorziehen. Eine Übersicht der Maßnahmen von Innovation Norway ist auf Norwegisch verfügbar. Der staatliche Investitionsfonds Investinor, der ein Portfolio im Wert von etwa 365 Millionen Euro verwaltet, soll im Zuge der Antikrisenmaßnahmen eine zusätzliche Kapitalspritze von knapp 100 Millionen Euro erhalten.

    Sonderhilfen für ausgewählte Branchen

    Zusätzlich kündigte die Regierung zahlreiche Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft an. Die Baubranche kann sich auf mehr staatliche und kommunale Aufträge freuen. Die öffentliche Hand will auch mehr Mittel in den Ausbau der Breitbandverbindungen sowie IT-Sicherheit investieren. Zusätzliche Forschungs- und Fördermittel sollen die Industrie grüner machen und den Umstieg auf eine nachhaltige Schifffahrt beschleunigen.

    Ferner werden Tourismus- und Freizeitanbieter gefördert und Passagiertransporte bezuschusst. Sondermittel gibt es für wichtige inländische Routen im Flugverkehr. Bis Ende Oktober 2020 wurden auch Flughafenabgaben und die Passagiersteuer erlassen. Ein gesonderter Pauschalreiseakt gibt Veranstaltern die Möglichkeit, Kunden, die ihre Buchung stornieren, statt einer Bargeldrückzahlung, eine Gutschrift anzubieten. Diese kann jederzeit für eine neue Buchung verwendet oder als Auszahlung eingefordert werden. Zusätzlich wurde der Reisegarantiefonds für 2020 um über 17 Millionen Euro aufgestockt.

    Für Kultur-, Sport- und ehrenamtliche Organisationen wurde ein Entschädigungsprogramm mit einem Volumen von 78 Millionen Euro ins Leben gerufen. Kitas und Kinderhorte, deren monatliche Kosten während der Zwangsschließung den Eltern erlassen wurden, erhalten Ausgleichszahlungen. Dafür stellt die Regierung etwa 87 Millionen Euro bereit.

    Zugang zu Fördermitteln für deutsche Unternehmen

    Um die verschiedenen Förderinstrumente in Anspruch zu nehmen, muss ein Unternehmen in Norwegen registriert und steuerpflichtig sein. Insofern können direkt nur Niederlassungen oder Tochterunternehmen von deutschen Firmen in Norwegen profitieren. Allerdings dürften vor allem durch die Wiederbelebungsmaßnahmen sowohl die Nachfrage nach innovativen Technologien, als auch kreativen (Forschungs-)Partnern steigen. Deutschland als größter Technologielieferant ist dafür gut aufgestellt.

    Öffentliche Verschuldung

    Das Geld für eventuelle zusätzliche Maßnahmen sollte dem Königreich im Norden nicht allzu schnell ausgehen. Mit einer Staatsverschuldung von etwa 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und dem knapp 1 Billion Euro großen Zukunftsfonds aus den Rohstoffeinnahmen ist Norwegen gut für die Bewältigung konjunktureller Krisen gerüstet.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Die Nachfrageflaute nach wichtigsten Exportgütern trifft Norwegen hart. Die Nachfrage der Verbraucher hält das Importvolumen fast auf Vorjahresniveau. (Stand: 24. Juli 2020)

    Dank seiner Energierohstoffe hat Norwegen seit Ende der 1980er Jahre durchgehend ein Plus in der Außenhandelsbilanz erwirtschaftet. Dies ist gelungen, obwohl das inlandändische Angebot die Nachfrage in vielen Bereichen nicht decken kann. Die nach wir vor starke Konsumentwicklung hat dazu geführt, dass die Entwicklung der Importe im ersten Halbjahr 2020 wesentlich robuster war, als die Entwicklung des von der globalen Konjunktur abhängigen Exports.

    Entsprechend erwartet die Europäische Kommission in ihrer Frühjahrsprognose 2020, dass die Einfuhren im Gesamtjahr mit 12,6 Prozent um einen Prozentpunkt weniger zurückgehen werden als die Ausfuhren. Das für die staatlichen Wirtschaftsprognosen zuständige norwegische Statistikamt SSB meint hingegen, die Warenexporte werden im Vergleich zu 2019 "nur" um 6 Prozent sinken, während die Warenimporte um bis zu 9 Prozent einbrechen werden. Dieser  Prognose zufolge wird das Vorkrisenniveau der Einfuhren frühestens 2024 wieder erreicht werden.

    Weltweit gesunkener Energiebedarf verursacht Einbuch der Exporte

    Durch den Nachfragerückgang und die gefallenen Preise auf dem Weltmarkt sind die Ausfuhren von Energierohstoffen im 1. Halbjahr 2020 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 25 Prozent eingebrochen. Dabei machen Erdöl und Erdgas, inklusive der entsprechenden Verarbeitung, etwa die Hälfte der norwegischen Einnahmen aus Güterexporten aus.

    Insgesamt summierten sich die norwegischen Warenexporte zwischen Januar und Juni 2020 auf etwa 37,2 Milliarden Euro. Das sind 15 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Neben Energieexporten verzeichneten vor allem Produzenten von Zucker (-45 Prozent), Schiffen und Ölplattformen (-27 Prozent), Schuhen, Bekleidung und Accessoires (-22 Prozent), Elektrogeräten (-21 Prozent) sowie Stahl (-20 Prozent) hohe Rückgänge der Auslandsnachfrage.

    Gute Zeiten für ausgewählte Importeure

    Die Importe sind im 1. Halbjahr 2020 nur um 3 Prozent gesunken, dies auf etwas über 34 Milliarden Euro. Dabei haben sich die einzelnen Branchen sehr unterschiedlich entwickelt. Sehr gut liefen die Geschäfte zum Beispiel für Anbieter von Tabakprodukten, Getränken und tierischen Fetten sowie für den Großteil der Chemieindustrie. Diese Sparten konnten ihre Umsätze im ersten Halbjahr 2020 im zweistelligen Prozentbereich steigern. Nahrungsmittel verzeichneten ein Exportplus von knapp unter 10 Prozent.

    Import-Gewinner der Coronakrise (Importvolumen in Millionen Euro; Veränderung zum Vorjahr in Prozent)
    1) Nur Warengruppen mit einem Volumen von über 10 Millionen Euro; 2) Volumen im Zeitraum Januar bis Juni, Umrechnung nach Kurs der Europäischen Zentralbank vom 23. Juli 2020 - 1 Euro = 10,6073 nkrQuelle: Norwegisches Statistikamt SSB 2020

    Warengruppen nach SITC1

    20192

    20202

    Veränderung 2020/2019

    97 Gold355456,2
    12 Tabak und Tabakerzeugnisse15422244,0
    42 Feste pflanzliche Fette und Öle, roh, raffiniert oder fraktioniert15822441,4
    02 Milchprodukte und Vogeleier688523,8
    67 Eisen und Stahl897108020,4
    793 Wasserfahrzeuge und schwimmende Vorrichtungen26431820,3
    54 Arzneimittel und pharmazeutische Produkte918109819,6
    07 Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze17220519,3
    55 Ätherische Öle und Resinoide usw.35440815,1
    05 Gemüse und Früchte63773014,6

    Schwächer entwickelten sich die Exporte der Fahrzeughersteller und der Maschinenbauer. Ein deutliches Exportplus von 4 Prozent verzeichnete die Informations- und Kommunikationstechnologie: Wegen Corona haben viele Menschen im Homeoffice gearbeitet und brauchten Equipment.

    Import-Verlierer in der Coronakrise (Importvolumen in Millionen Euro; Veränderung zum Vorjahr in Prozent)
    1) Nur Warengruppen mit einem Volumen von über 10 Millionen Euro; 2) Volumen im Zeitraum Januar bis Juni, Umrechnung nach Kurs der Europäischen Zentralbank vom 23. Juli 2020 - 1 Euro = 10,6073 nkrQuelle: Norwegisches Statistikamt SSB 2020

    Warengruppen nach SITC1

    20192

    20202

    Veränderung 2020/2019

    35 Elektrischer Strom29146-84,1
    71 Maschinen und Geräte zur Stromerzeugung1.352963-28,8
    78 Straßenfahrzeuge4.5433.348-26,3
    342 Flüssiggas4332-25,7
    334 Erdöl1.128900-20,2
    68 Nichteisenmetalle459385-16,0
    69 Andere Metallwaren1.9841.666-16,0
    51 Organische chemische Erzeugnisse427363-14,9
    85 Schuhe274239-12,8
    83 Reiseartikel, Handtaschen etc.8980-10,1
    81 Vorgefertigte Gebäude456410-10,0

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Covid-19: Gesundheitswesen in Norwegen

    Covid-19: Gesundheitswesen in Norwegen

    Die E-Health-Erfahrung hat Norwegen in der Coronakrise geholfen. Das Gesundheitsbudget wird 2021 aufgestockt. (Stand: 18. Oktober 2020)

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Norwegen
    Quelle: Eurostat; OECD

    Indikator

    Bevölkerungsgröße (zum 1. Januar 2020)

    5.367.580

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre (in %, 2019)

    17,2

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner (2019)

    4,93

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner (2018)

    6,2

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (in Euro, 2019)

    7.093

    Das norwegische Gesundheitswesen befindet sich größtenteils in öffentlicher Hand. Staatliche Einrichtungen erbringen knapp 70 Prozent der Gesundheitsleistungen und tragen etwa 85 Prozent der Gesundheitsausgaben. Dabei sind die Aufgaben zweigeteilt: Primärmedizin und Pflege liegen im Aufgabenbereich der Kommunen. Die spezialisierte Krankenversorgung und damit auch Krankenhäuser werden dagegen zentral verwaltet. Die zentrale Verwaltung ist in vier sogenannte Gesundheitsregionen mit jeweils einem Hauptkrankenhaus unterteilt: Süd-Ost (Oslo Universitätskrankenhaus), West (Haukeland Universitätskrankenhaus, Bergen), Mittelnorwegen (St. Olavs Krankenhaus, Trondheim) sowie Nord (Nordnorwegisches Universitätskrankenhaus, Tromsø).

    Bei der technischen Ausstattung hinkt das norwegische Krankenhauswesen seinen skandinavischen Nachbarn hinterher. So liegt beispielsweise der Anteil älterer Computer- und Magnetresonanztomografen oder von Röntgengeräten wesentlich über den Empfehlungen des Europäischen Koordinierungskomitee für Radiologie-, Elektromedizin- und Gesundheitswesen-IT-Industrien COCIR.

    Digitaler Fokus

    In den letzten Jahren lag der Investitionsfokus eindeutig auf digitalen Lösungen. Norweger können bereits mit allen Instanzen des Gesundheitswesens elektronisch kommunizieren, ihre Krankenakten online einsehen, digitale Arztkonsultationen in Anspruch nehmen und sich aktiv in die Behandlungsprozesse einbringen. Die letztgenannte Möglichkeit soll zukünftig noch weiter ausgebaut werden und potenzielle Patienten sollen zu mehr Eigeninitiative im Bereich der Prävention motiviert werden.

    Dank der bereits gesammelten Erfahrung fiel es den Norwegern leichter, sich an die Corona-geprägten neuen Gegebenheiten anzupassen und die "soziale Distanz" auch im Gesundheitswesen zu halten. Gegenüber dem vorherigen Normalzustand verdreifachte sich die Nutzung digitaler Arzt- und Krankenschwesterkonsultationen Ende März 2020 auf über 20.000 täglich. Die Zahl der Zugriffe auf das öffentliche Gesundheitsportal Helsenorge hat sich parallel dazu mehr als verdoppelt - auf 515.000 täglich. Die bereits Mitte April gestartete App zur Infektionsnachverfolgung Smittestopp wurde binnen eines Tages von nahezu 15 Prozent der Bevölkerung heruntergeladen.

    Mit dem Budget für 2021 soll bei der digitalen Gesundheitsversorgung nochmal nachgelegt werden. Über 17 Millionen Euro gehen zusätzlich an Helsenorge zur Weiterentwicklung des E-Rezepte-Systems sowie der einheitlichen Krankenakte Akson. Um nahezu 20 Prozent auf 21 Millionen Euro wird die Allokation für die Plattform für Gesundheitsanalysen gesteigert. Für knapp 3 Millionen Euro soll zudem NorTrials entstehen, eine Partnerschaft zwischen der Gesundheitsindustrie und dem Krankenhausnetz. Sie soll vor allem kleinen und mittelständischen Firmen bei der Durchführung klinischer Tests in Norwegen helfen.

    Reservebestand soll ausgebaut werden

    Bereits im März 2020 etablierte die norwegische Regierung ein nationales Tenderprogramm zum zentralen Einkauf von Produkten zur Infektionskontrolle. Dieses soll Ende des Jahres aber wieder auslaufen. Der aufgebaute nationale Reservebestand wird weiter unterhalten und ausgebaut, unterstreicht Gesundheits- und Pflegeminister Bent Høie: „... das wir uns immer noch in einer Notsituation befinden und Ausbrüche in anderen Ländern schnell zu Marktversagen führen können“.

    Mehr Zentralgeld für kommunale Gesundheit

    Besonders stark durch die Coronakrise betroffene Kommunen erhalten 2021 zusätzliche 45 Millionen Euro für die sogenannte TISK-Strategie (testen, isolieren, Infektionen nachverfolgen und Quarantäne). Ferner soll eine Arbeitsgruppe im Oktober 2020 einen Bericht vorstellen, der die Mehrausgaben in diesem Jahr beziffert und Nachzahlungen ermöglicht.

    Weitere 22,6 Millionen Euro sollen für zusätzliche Testkapazitäten fließen. Dazu gehört der Ausbau des Netzwerks an Walk-in-Testzentren, vor allem an Grenzübergängen. Kommunen bieten Tests grundsätzlich Personen an, die Symptome aufweisen. Allerdings wird dafür keine ärztliche Bescheinigung verlangt. Zudem werden neben Standardtests in Gesundheitseinrichtungen zunehmend bestellbare Selbsttest-Sets angeboten. Dazu arbeiten die Selbstverwaltungen mit privaten Anbietern zusammen. Bergen ging beispielsweise Mitte September eine Vereinbarung mit Aleris und Vovlat ein, in deren Rahmen 3.000 Personen wöchentlich getestet werden können.

    Kombinierte Impfkampagne

    Als nicht-EU-Mitglied musste Norwegen eine Zeit lang um den Zugriff auf das europäische Corona-Impfprogramm bangen. Nachdem sich die Mitglieder der Gemeinschaft bereit erklärt haben, 3 Prozent der ihnen zustehenden Verteilung abzugeben, können nun aber auch Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums von dem gemeinsamen Einkauf profitieren. Genau wie Island wird Norwegen dabei von den Schweden bedient. Die Kosten sind mit 45 Millionen Euro kalkuliert. Schweden steckt bereits seit Frühling Mittel in die Impfstoffforschung. Im Juni 2020 überwies es beispielsweise etwa 180 Millionen Euro an den Internationalen Finanzierungsfonds für Immunisierung.

    Doch bei der Coronaimpfung wollen es die norwegischen Gesundheitsexperten nicht belassen und weitere Risiken im Keim ersticken. Risikogruppen sollen sich zu vergünstigten Konditionen gegen Grippe impfen lassen können. Statt der normalerweise 16 bis 52 Euro werden im Oktober und November lediglich 4,50 Euro fällig. „Priorisiert werden Personen, die an einer Krankheit mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen im Zusammenhang mit Influenza leiden und auf der Liste der Risikogruppen des Folksgesundheitsinstituts stehen. Darüber hinaus muss dem Gesundheitspersonal mit patientenzentrierter Arbeit Vorrang eingeräumt werden“, erklärt Gesundheitsminister Høie. Für die letzteren soll der Arbeitgeber die Impfkosten übernehmen. Das Folksgesundheitsinstitut hat 1,2 Millionen Impfdosen angeschafft – doppelt so viele wie 2019.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Dem schwachen Jahresstart vieler Branchen folgten die Belastungen durch die Coronakrise. Die Angst vor einer zweiten Welle bremst den Optimismus. (Stand: 18. Oktober 2020)

    Die norwegische Industrie war bereits vor dem Ausbruch der Coronapandemie ins Schlingern geraten. In den ersten beiden Monaten 2020 sanken die Umsätze im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum laut dem norwegischen Statistikamt SSB um nahezu 8 Prozent. Im gesamten 1. Halbjahr fiel das Ergebnis mit  einem Minus von 12,5 Prozent noch schlechter aus.

    Die verarbeitende Industrie, die noch im 1. Quartal 2020 einen Zuwachs meldete, brach im 2. Quartal um über 7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum ein. Besonders stark getroffen hat es Hersteller von Transportmitteln (-30 Prozent), Druckereien (-23 Prozent), sowie Möbel- (-12 Prozent) und Maschinenproduzenten (-10 Prozent).

    Zu den Gewinnern der Pandemie zählten dagegen einheimische Modemacher, die nach einem schwachen 1. Quartal in den darauffolgenden drei Monaten um über ein Zehntel mehr Umsatz generierten. Bei Elektronikanbietern klingelten vor allem zum Jahresanfang die Kassen. Trotz der zunehmenden Normalisierung der Nachfrage schlossen sie das 1. Halbjahr 2020 mit knapp 10 Prozent mehr Umsatz ab.

    Optimismus währte nur kurz

    Insgesamt sorgen die weltweit steigenden Infektionszahlen für Verunsicherung in der verarbeitenden Industrie. Die seit März andauernde Erholung des von der DNB Bank erhobenen Vertrauensindex der Einkaufsmanager (Purchase Manager Index; PMI), geriet im Sommer ins Stocken. Im September ging es zwar wieder aufwärts. Inwiefern daraus ein kontinuierlicher Trend entwachsen kann, bleibt aber abzuwarten. Immerhin scheint der im Frühjahr verzeichnete sprunghafte Anstieg der Lieferzeiten bei Zulieferern - höchstwahrscheinlich aufgrund von Verwerfungen in den Lieferketten - der Vergangenheit anzugehören.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Coronavirus und Recht

    Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße auch für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren norwegischen Geschäftspartnern. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wann ist eine Berufung auf „höhere Gewalt“ möglich?

    Was regelt der Vertrag

    Spätestens wenn Probleme entstehen ist es sehr wichtig zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - CISG). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen hierzu unter „Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“).

    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: Genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.

    Was gibt es generell zu beachten?

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: Zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Nationales Recht: Nichterfüllung von Verträgen nach norwegischem Recht

    Ein Länderbericht „Coronavirus und Verträge“ liegt zurzeit nicht vor. Bei Fragen zum Thema kontaktieren Sie bitte den in der Marginalspalte angegebenen Ansprechpartner.

nach oben

Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.