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Special | Norwegen | Coronavirus

Weniger getroffen als die Nachbarn

Die wirtschaftlichen Pandemieauswirkungen sind überschaubar und könnten in einigen Bereichen schnell aufgeholt werden. Neue Einreiseausnahmen gelten für technisches Personal. 


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Der "größte Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg" erscheint im europäischen Vergleich kaum mehr als eine Stagnation. (Stand: 15. Februar 2021)

    Norwegen verzeichnet im Zusammenhang mit dem Coronavirus die bei weitem niedrigsten Infektions- und Sterberaten in Skandinavien. Dies ist wohl auch den umfangreichen gesellschaftlichen Einschränkungen zu verdanken, die die Regierung getroffen hat. Nach vorläufigen Zahlen des nationalen Statistikamtes SSB scheint auch die Wirtschaft vergleichsweise wenig gelitten zu haben. So sei der reale Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) 2020 unter 1 Prozent geblieben.

    Lässt man allerdings die Rohstoffindustrie, Schifffahrt und sonstige Offshore-Aktivitäten außer Betracht, ergibt sich für die Festlandswirtschaft ein Minus von 2,5 Prozent. "Die große Schlagzeile ist, dass der Rückgang, den wir 2020 verzeichneten, der größte seit Beginn der Zahlenreihe 1970 ist. Wahrscheinlich ist es der größte Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg. Die norwegische Wirtschaft ist sehr stark rückläufig", erklärte Pål Sletten, Chef der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bei SSB.

    Gehemmte Kauflust

    Die Bruttoanlageinvestitionen sanken 2020 insgesamt um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die verarbeitende Industrie und der Bergbau schraubten ihre Ausgaben um knapp 11 Prozent herunter. Zu laufenden Preisen und nach dem jeweiligen Euro-Jahresdurchschnittskurs ergibt sich aber ein Rückgang um nahezu 16 Prozent. Und von einer Aufbruchsstimmung in der 2. Jahreshälfte 2020 konnte auch nicht die Rede sein.

    Etwas schneller erholten sich gegen Ende des Jahres 2020 die Konsumausgaben. Über das Gesamtjahr gesehen gaben sie gegenüber 2019 um 7,6 Prozent nach. Der Rückgang wirkte sich vor allem bei Dienstleistern und Direkteinkäufen im Ausland aus. Der Anfang 2020 verzeichnete Negativtrend bei Konsumausgaben für Güter machte nach dem ersten Lockdown dagegen eine Kehrtwende. Im Gesamtjahr stiegen sie laut SSB um 5,5 Prozent. In Euro gerechnet ergab sich aber auch hier ein Rückgang um knapp 2 Milliarden Euro auf 67 Milliarden Euro.

    China ist wichtigstes Lieferland

    Damit leistete auch der Konsum einen Beitrag zum Rückgang der Importumsätze. Nach ersten Hochrechnungen von SSB wurden 2020 Waren im Wert von etwa 71 Milliarden Euro nach Norwegen eingeführt - knapp 5 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr. Die Nachfrage nach deutschen Produkten ließ hingegen nur geringfügig nach. Unter Norwegens Lieferländern lag Deutschland damit zum zweiten Mal in diesem Jahrtausend vor Schweden.

    Wichtigster Lieferant Norwegens ist jedoch China. Mit 8,6 Milliarden Euro konnten Anbieter aus dem Reich der Mitte 10 Prozent mehr nach Norwegen exportieren als im Vorjahr. Sie verzeichneten Zuwächse bei Maschinenbauerzeugnissen und Fahrzeugen, verschiedenen Fertigwaren und bearbeiteten Waren. Bei Kraftmaschinen konnten sie ihre - bisher eher bescheidenen - Umsätze verfünffachen. Dank des Elektroautobooms verzeichneten sie bei Straßenfahrzeugen ein Plus von 170 Prozent.

    Umsätze sinken, Arbeitslosigkeit und Konkursrisiko steigen

    Wesentlich stärker als die Einfuhren sanken 2020 die Ausfuhren. Auf Basis der Landeswährung gingen die Einnahmen um knapp 16 Prozent zurück. Besonders dazu beigetragen haben Erdöl- und Erdgasproduzenten mit einem Rückgang von über einem Viertel im Jahresvergleich. Mit einem Verlust von 34 Prozent mussten die Schiffbauer zurechtkommen. Bei Kraftmaschinen fiel das Minus mit 28 Prozent nur wenig geringer aus.

    Zusammen mit den Rückgängen auf dem einheimischen Markt verzeichneten die meisten Industriesparten Umsatzverluste. Entsprechend mussten die Kosten reduziert werden. Neben den bereits erwähnten Investitionsrückgängen führte das zu Entlassungen. Trotz der zahlreichen Auffangmaßnahmen der Regierung registrierte die norwegische Arbeitsagentur NAV im Januar 2021 knapp 124.000 Arbeitslose - über 80 Prozent mehr als 12 Monate zuvor.

    Eine Konkurswelle wurde bisher nicht losgetreten. Mit 4.100 Insolvenzen wurden 2020 nahezu 20 Prozent weniger verzeichnet als im Vorjahr. Allerdings dürfte angesichts der zurzeit angebotenen Fixkostenerstattungen, Kurzarbeit, vergünstigten Krediten und Steuerstundungen das echte Ausmaß erst nach dem Auslaufen der Hilfen sichtbar werden.

    Prognosen verhältnismäßig optimistisch

    Allerdings werden die Konkurse "wahrscheinlich nicht in dem Maße, das schwerwiegende Auswirkungen hätte" zunehmen, erklären Experten der Danske Bank in ihrer Prognose vom Januar 2021. Hier sollte vor allem die schnelle Erholung der Wirtschaft helfen. Das Wachstum des BIP wird 2021 auf 3 bis 4 Prozent geschätzt, womit das Vorkrisenniveau bereits im Sommer erreicht werden könnte.

    Dank einer prognostizierten kontinuierlichen Erholung auf dem Arbeitsmarkt dürfte der Privatkonsum abermals eine der Wachstumsstützen sein. Anders als 2020 werden Zuwächse aber vor allem bei der Nachfrage nach Dienstleistungen erwartet. Umsätze mit Konsumgütern könnten dagegen im Jahresvergleich sogar zurückgehen.

    Dem Wohnungsbau werden Zuwächse prophezeit, ebenso wie den Investitionen der Öl- und Gasindustrie, die noch bis Ende 2022 von Steuerentlastungen profitiert.

    Die Entwicklung der Festlandsindustrie wird hingegen von der globalen Nachfrage und der weiteren Entwicklung der Pandemiesituation abhängen. Doch auch wenn keine weiteren Infektionswellen anrollen, wird die Investitionslust wohl nur langsam wieder zunehmen.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Angesichts der weiter bestehenden Corona-Beschränkungen und der labilen Weltwirtschaftslage verlängert die Regierung ihre Fördermaßnahmen. (Stand: 22. Februar 2021)

    Die norwegische Steuerbehörde hat die Geltung vereinfachter Beantragungsprozesse für die Steuerstundung bis Ende Juni 2021 verlängert. Darunter fallen in diesem Zeitraum fällige Arbeitgebersteuern, Einkommensteuervorauszahlungen für Unternehmen und Selbstständige sowie Verbrauchsteuern. Letztere umfassen unter anderem die Kfz- und -Registrierungssteuer, CO2- und Energiesteuer sowie die Alkohol- und Tabaksteuer. Ein Aufschub der Mehrwertsteuerzahlungen kann nur für solche beantragt werden, die vor dem 13. April 2021 anfallen. Die Rückzahlung muss binnen sechs Monaten ab dem 30. Juli 2021 erfolgen.  

    Übersicht über unmittelbare Maßnahmen

    Maßnahme

    Adressaten

    Umfang

    Geltungszeitraum

    Kurzarbeit

    Alle Unternehmen

    Übernahme der vollen Lohnkosten zwischen dem 3. und 20. Tag der Freistellung (Permittering); ab dem 21. Tag - je nach Lohnhöhe - 62 bis 80 Prozent.

    bis 31.08.20

    Verlängerung der Kurzarbeitsfrist

    Alle Unternehmen

    Die maximale Dauer der Freistellung (Permittering), also der Zeitraum, in dem der Mitarbeiter von der Arbeitspflicht und der Arbeitgeber größtenteils von der Lohnzahlungspflicht befreit wird,  (siehe oben), wird von 26 auf 52 Wochen verlängert. Laufen die 52 Wochen zwischen März und Juni 2021 ab, wird die Frist bis zum 01.07.21 verlängert.

    bis 01.07.21

    Kompensation von Fixkosten

    Unternehmen, die vor dem 1. März 2020 in Norwegen registriert wurden und mindestens 30 Prozent Umsatzeinbußen aufweisen

    Der Staat übernimmt einen Teil der unausweichlichen Fixkosten. Der Anteil der Fixkosten, der im jeweiligen Monat erstattet wird, ist das Ergebnis einer Multiplikation des Umsatzrückgangs zum gleichen Monat 2019 in Prozent mit dem Anpassungsfaktor (justeringsfaktor). Dieser beträgt: 

    • März bis Mai 2020: 0,8;
    • Juni, Juli 2020: 0,7;
    • August 2020: 0,5;
    • September, Oktober 2020: 0,7;
    • November, Dezember 2020:  0,85;
    • Januar bis Juni 2021: 0,85

    Berechnungsbeispiel für Januar 2021 und einem Umsatzrückgang von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat:

    50 * 0,8 = 40 Prozent der Fixkosten können erstattet werden.

    Erstattungen von weniger als 5.000 nkr (481 Euro) pro zweimonatiger Periode werden nicht ausgezahlt. Übersteigt die berechnete Erstattung 60 Millionen nkr (5,8 Millionen Euro), wird der über dieser Schwelle liegende Betrag zu 50 Prozent ausgezahlt. Maximal kann die Erstattung 16 Millionen nkr (15,4 Millionen Euro) je zwei Monate betragen.

    01.03.20 bis 30.06.21;

    die digitale Antragsstellung (jeweils für zweimonatige Perioden) für den Zeitraum September bis Dezember 2020 läuft bis 14.03.21, für Januar und Februar bis 14.05.21

    Kompensation von Umsatzverlusten

    Selbstständige; Freelancer

    Erstattung von 60 Prozent der Umsatzverluste aus dem Vergleichszeitraum 2019 bis zu einem maximalen Jahreseinkommen von 608.106 nkr (etwa 58.780 Euro).

    bis 01.07.21

    Kompensation von Umsatzverlusten

    Unternehmen und Organisationen aus den Bereichen Sport, Kultur, Ehrenamt

    Ausgleich von Umsatzausfällen bei Veranstaltungen, die im 1. Halbjahr 2021 geplant waren und wegen Coronabeschränkungen abgesagt oder in kleinerem Rahmen stattfinden mussten. Das Programm wird vom Kulturrat und dem Norwegischen Filminstitut verwaltet.

    bis 01.09.21

    Kompensation von Umsatzverlusten

    Unternehmen außerhalb des Sport- und Kultursektors

    Für öffentliche Events mit über 350 Teilnehmern, die 2020 stattfinden sollten und wegen der Corona-Beschränkungen abgesagt oder in kleinerem Rahmen stattfinden mussten, kann bei Innovation Norway eine Kompensationszahlung beantragt werden, sofern die entsprechenden Veranstaltungen zur landesweiten oder regionalen Wertschöpfung beitragen (Messen, Nahrungsmittelmärkte, Freizeitparks etc.).

    Maximal werden 60 Prozent der Verluste erstattet. Ein Fünftel der Zahlung ist an die Veranstaltung eines ähnlichen Events in der Zukunft gebunden.

    bis 30.06.21

    Kompensation von Umsatzverlusten

    alle Unternehmen

    Kommunen mit überdurchschnittlicher Arbeitslosenquote beziehungsweise solche, die Coronabeschränkungen der 5. Stufe einführen mussten, erhalten 1 Milliarde nkr (etwa 97 Millionen Euro), um besonders betroffene Unternehmen zu unterstützen.

    k.A.

    Kreditgarantien

    Alle Unternehmen

    Staat übernimmt Kreditgarantien in Höhe von 90 Prozent des Darlehens.

    bis 30.06.21

    Unternehmensentwicklung

    Unternehmen aus der Landwirtschaft und landwirtschaftsnahen Sektoren

    100-prozentige Kostenübernahme für Vorprojekte zur Erkundung neuer Geschäftsfelder und Märkte in Höhe von bis zu 14.100 Euro.

    Erhöhung des Zuschusses von Innovation Norway in Investitionsprojekte zur Erschließung neuer Geschäftsfelder und Märkte von 50 auf 75 Prozent.

    k.A.

    Start-up-Finanzierung

    Start-ups

    Innovation Norway hat sein Finanzierungsangebot attraktiver gemacht und seine Nutzung erleichtert:

    • Zinssenkung auf 1 beziehungsweise 1,25 Prozent (je nach Risikoeinstufung);
    • Senkung der Vergabeanforderungen; Bezuschussung mit 75 statt 50 Prozent für Kommerzialisierungsprojekte;
    • maximale Höhe des Start-up-Darlehens um ein Drittel auf 190.000 Euro erhöht;
    • Zinsfreier Kreditzeitraum um 6 Monate auf zweieinhalb Jahre verlängert.

    k.A.

    Krankheitstage

    Alle Unternehmen

    Im Krankheitsfall eines Mitarbeiters übernimmt die Staatskasse die Lohnauszahlung ab dem 3. statt 16. Krankheitstag.

    bis 30.06.21

    Krankheitsgeld

    Selbstständige

    Bei Covid-19-Erkrankung oder -Verdacht wird ab dem vierten Krankheitstag ein Krankengeld ausgezahlt.

    bis 30.06.21

    Kinderpflegetage

    Arbeitende Eltern

    Verdoppelung der per Gesetz zustehenden Kinderpflegetage, samt der Möglichkeit, diese zwischen beiden Elternteilen frei zu verschieben. Gilt bei Kindergarten- und Schulschließungen sowie bei Sondermaßnahmen zur Infektionsbekämpfung.

    bis 30.06.21

    Arbeitslosengeld

    Alle Unternehmen

    Auszahlung des vollen, vorherigen Gehalts bis 50.000 Euro ab dem 1. Tag nach dem Jobverlust; die Zahlungspflicht des Arbeitgebers wurde von 15 auf zehn Tage reduziert (bis 01.09.20 - 2 Tage).

    bis 01.07.21

    Arbeitslosengeld

    Arbeitslose

    Um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu erlangen, müssen anstatt eines Mindestverdienstes von 1,5 G innerhalb der letzten 12 Monate nun 0,75 G im gleichen Zeitraum oder 2,25 G innerhalb der letzten 36 Monate nachgewiesen werden. G ist der von NAV festgelegte Basisbetrag zur Berechnung von Beihilfeniveaus; seit dem 01.05.20 gilt: 1 G = 101.351 nkr (etwa 9.796 Euro; 1 Euro = 10,3463 nkr, Stand: 02.02.21).

    Zudem erlischt der Anspruch auf Arbeitslosengeld erst, wenn bei Wiederaufnahme einer Tätigkeit über 60 Prozent des vorherigen Stundenpensums überschritten werden (vorher 50 Prozent).

    bis 30.06.21

    Arbeitslosengeld

    Arbeitslose

    Für Personen, die nach dem 20.03.20 Anspruch auf Arbeitslosengeld erhielten, werden die Auszahlungen erhöht. Bei Jahreseinkommen bis 304.053 nkr (etwa 29.399 Euro) werden 80 Prozent des bisherigen Lohns ausgezahlt, bei Jahreseinkommen zwischen 304.053 und 608.106 nkr (etwa 58.780 Euro) bleibt es bei 62,4 Prozent.

    bis 01.07.21

    Arbeitslosengeld

    Arbeitslose

    Der Anspruch auf Arbeitslosengeld für Personen, die ihn zwischen dem 01.11.20 und 01.07.21 verlieren, wird bis zum 01.07.21 verlängert.

    bis 01.07.21

    Arbeitslosengeld

    Lehrlinge; Auszubildende

    Bei Verlust der Arbeitsstelle werden Monatseinkünfte bis 1.173 Euro vollständig als Arbeitslosengeld ausgezahlt; darüber liegende Einkünfte bis zu einer Höhe von 4.691 Euro werden zu 62,4 Prozent übernommen.

    bis 30.06.21

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2021

    Motivation zu Innovation gut für deutsche Unternehmen

    Um die verschiedenen Förderinstrumente in Anspruch zu nehmen, muss ein Unternehmen in Norwegen registriert und steuerpflichtig sein. Insofern können direkt nur Niederlassungen oder Tochterunternehmen von deutschen Firmen in Norwegen profitieren. Allerdings dürfte vor allem durch die Fördermaßnahmen sowohl die Nachfrage nach innovativen Technologien als auch die Nachfrage nach kreativen (Forschungs-)Partnern steigen. Deutschland als größter Technologielieferant ist dafür gut aufgestellt.

    So kommt zum Beispiel die Baubranche in den Genuss  von mehr staatlichen und kommunalen Aufträgen. Die öffentliche Hand will auch mehr Mittel in den Ausbau der Breitbandverbindungen sowie in die IT-Sicherheit investieren. Zusätzliche Forschungs- und Fördermittel sollen die Industrie grüner machen und den Umstieg auf eine nachhaltige Schifffahrt beschleunigen. Die Fördergesellschaft für Unternehmensentwicklung Innovation Norway erhielt bereits 2020 über 242 Millionen Euro zusätzlich für ihre beiden Programme für Gründungsunterstützung und Innovationszuschüsse. Für die letztgenannten sollen bald weitere 48 Millionen Euro verfügbar sein. Eine Übersicht der Maßnahmen von Innovation Norway ist auf Norwegisch verfügbar.

    Sonderpaket für tourismusnahe Sektoren

    Ende Oktober gab die Regierung bekannt, ein Sonderhilfsprogramm für die Tourismusbranche und die von ihr abhängigen Branchen rückwirkend zum 1. September 2020 einzuführen. Das Programm umfasst Bus- und Schiffspassagiertransporte, das Messe- und Veranstaltungswesen, Auto- und Sportequipmentverleihe, Reisebroker, Caterer, Hotels und Übernachtungsstätten, Museen und Freizeitparks, die einen Umsatzrückgang von mindestens 40 Prozent belegen können. Bis Ende des Jahres können je Monat und Firma beziehungsweise Firmengruppe knapp 1 Million Euro beantragt werden. Für tourismusnahe Unternehmungen, deren Umsatz zu mindestens 80 Prozent mit touristischen Aktivitäten erwirtschaftet wird, wurde ein zusätzlicher Geldtopf mit knapp 10 Millionen Euro eingerichtet. Für die Verwaltung der Hilfen ist das Brønnøysund Registercenter zuständig.

    Eine besondere Regelung für Pauschalreisen gibt Veranstaltern zudem die Möglichkeit, Kunden, die ihre Buchung stornieren, statt einer Bargeldrückzahlung eine Gutschrift anzubieten. Diese kann von den Kunden jederzeit für eine neue Buchung verwendet oder als Auszahlung eingefordert werden.

    Um die Regelmäßigkeit von Passagierverbindungen im Inland zu gewährleisten, unterstützt die Regierung das Bahnangebot zusätzlich mit über 72 Millionen Euro. Aus gleichem Grund wurden für den Unterhalt eines Basisnetzwerks an inländischen Flugverbindungen etwa 193 Millionen Euro für die 1. Hälfte 2021 eingeplant. Der staatliche Flughafenbetreiber Avinor erhält knapp 266 Millionen Euro Unterstützung. Die Befreiung der Fluglinien von der Passagiersteuer wurde zudem bis Ende 2021 verlängert.

    Stütze für den Arbeitsmarkt

    Anfang 2021 wurde zudem ein über 100 Millionen Euro-Programm zur Ankurbelung des Arbeitsmarktes aufgelegt. Neben Mitteln für die Stärkung der norwegischen Arbeitsagentur NAV sind auch Maßnahmen vorgesehen, von denen Unternehmen direkt profitieren können. So sollen Firmen im Rahmen des Jugendpakets 13,5 Millionen Euro unter anderem für ein erweitertes Angebot an Sommerjobs erhalten. Fast doppelt so viel Geld steht für Trainee-Programme in Betrieben und andere Bildungsprogramme in der Industrie bereit.

    Je nachdem wie die Pandemie weiter verläuft, könnten weitere Fördermaßnahmen auf den Weg gebracht werden. Das Geld dafür sollte dem Königreich im Norden nicht allzu schnell ausgehen. Mit einer Staatsverschuldung von etwa 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und dem knapp 1 Billion Euro großen Zukunftsfonds aus den Rohstoffeinnahmen ist Norwegen gut für die Bewältigung konjunktureller Krisen gerüstet. Zudem hat das Land mit seiner antizyklischen Wirtschaftsförderungspolitik jahrelange Erfahrung.

    Norwegischer Impfplan

    Obwohl kein Mitglied der Europäischen Union, ist Norwegen Teil des gemeinschaftlichen Impfstoffprogramms. Genau wie Island bekommt das Königreich die Sera über Schweden. Für die Durchführung der freiwilligen und kostenfreien Impfkampagne sind die norwegischen Kommunen verantwortlich. Bezüglich eines Termins wird man vom Hausarzt kontaktiert.

    Die Priorisierung sieht ähnlich wie in anderen Ländern aus:

    1. Bewohner von Pflegeheimen und ausgewähltes Gesundheitspersonal;
    2. Altersgruppe über 85 Jahre und ausgewähltes Gesundheitspersonal;
    3. Altersgruppe 75-84 Jahre 
    4. Altersgruppe 65-74 Jahre sowie Personen zwischen dem 18. und 64. Lebensjahr Jahren mit Krankheiten, die einen schweren Krankheitsverlauf hochwahrscheinlich machen;
    5. Altersgruppe 55-64 Jahre mit Vorerkrankungen;
    6. Altersgruppe 45-54 Jahre mit Vorerkrankungen;
    7. Altersgruppe 18-44 Jahre mit Vorerkrankungen;
    8. Altersgruppe 55-64 Jahre;
    9. Altersgruppe 45-54 Jahre.

    Welche Vorerkrankungen bei der Impfpriorisierung wie bewertet werden, entschied das Volksgesundheitsinstitut. Für die Impfung des Gesundheitspersonals können bis zu 20 Prozent der gelieferten Impfdosen verwendet werden.

    Ab Mitte März wird bei der Verteilung der Impfstoffe neben den oben genannten Prioritätsgruppen auch die lokale Infektionslage eine Rolle spielen. Vor allem Bewohner Oslos und Ostnorwegens dürfen sich dadurch auf einen etwas früheren Impftermin einstellen.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Die norwegischen Grenzen bleiben geschlossen. Ausgenommen sind unter anderem Warentransporte und technisches Personal. (Stand: 1. März 2021)

    Aufgrund der Verbreitung der Coronamutationen hat die norwegische Regierung die Grenzen des Königreichs Ende Januar 2021 geschlossen. Die wenigen Ausnahmen umfassen beispielsweise Schiffs- und Flugzeugpersonal, das sich an der Grenze einem Coronatest unterziehen muss. Berufspendler aus Schweden und Finnland müssen sich alle sieben Tage testen, wenn sie zur Arbeit wollen. Kraftfahrer können auch ohne Test einreisen, müssen dafür aber außerhalb ihres Lkws einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn andere Personen anwesend sind.

    Vor allem für deutsche Technologieanbieter wichtig: Ab dem 22. Februar 2021 wurde eine neue, jedoch sehr begrenzte Ausnahme für technisches Personal etabliert. Der Regelung zufolge können "ausländische Arbeitnehmer mit technischer Kompetenz, die für die Montage, Demontage, Inspektion, Reparatur, Wartung oder Information über die Verwendung von Maschinen oder technischen Geräten unbedingt erforderlich sind", einreisen, wenn ihre Tätigkeit "zur Aufrechterhaltung der Geschäftstätigkeit unbedingt erforderlich ist" und sie "eine Anstellung oder ein Vertragsverhältnis mit dem [Kunden]" haben. Der Kunde muss die Einreise bei der Norwegischen Seefahrtsbehörde beantragen. Wird die Genehmigung erteilt, muss der betroffene Spezialist binnen 14 Tagen einreisen. Eine zusätzliche Begrenzung der Aufenthaltsdauer ergibt sich aus dem Prozess nicht.

    Einreise nur mit Test und Quarantäne

    Durch die Erteilung der Einreiseerlaubnis werden die geltenden Einreiseregeln nicht ausgesetzt. So müssen sich alle Einreisenden innerhalb von 72 Stunden vor der Ankunft im Königreich registrieren. Die angegebenen Daten fließen im Nationalen Kontrollzentrum für Reisende zusammen. In Phase 1 werden sie genutzt, um Kontakt zum Reisenden aufzunehmen, zum Beispiel um Test- und Quarantänepflichten zu erläutern. In Phase 2, voraussichtlich ab Ende März, werden die Möglichkeiten des Kontrollzentrums auf die Prüfung der Einhaltung der Quarantänepflicht sowie Meldungen potenzieller Zuwiderhandlung erweitert. In Phase 3 wird das Kontrollzentrum auch Zugang zur Testergebnis-Datenbank erhalten.

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Die Testergebnis-Datenbank enthält unter anderem die Ergebnisse der Coronatests, die bei der Einreise obligatorisch sind. Personen ohne Wohnsitz in Norwegen müssen - mit einigen Ausnahmen - beim Grenzübertritt ein negatives Ergebnis eines maximal 24 Stunden zurückliegenden Coronatests vorlegen. Bei Flugreisenden zählen die 24 Stunden vor dem ersten Boarding der Reise. Da nicht an allen Grenzübergängen Testmöglichkeiten bestehen, sind nur ausgewählte geöffnet - eine Übersicht samt Öffnungszeiten publiziert das Gesundheitsdirektorat.

    Nach der Einreise muss zuerst ein Quarantänehotel aufgesucht werden um sich dort registrieren zu lassen. In Absprache mit der jeweiligen Kommune soll dann die Einhaltung der vorgeschriebenen, 10-tägigen Quarantäne überwacht werden. Mit einem abermaligen Coronatest nach dem siebten Aufenthaltstag kann die Quarantäne verkürzt werden. In im Voraus bewilligten Fällen, kann der Arbeitgeber oder Geschäftspartner eigene Wohnmöglichkeiten für die Quarantänezeit anbieten.

    Wenige landesweite Maßnahmen

    Landesweit gelten nur wenige Beschränkungen. Dazu zählen Teilnehmerlimits bei Veranstaltungen: In Innenräumen dürfen sich maximal 10 Personen versammeln, nur bei professionell organisierten Events mit fester Sitzordnung dürfen es bis 100 Personen sein. Unter freiem Himmel gilt für private Treffen ein Limit von 20 Personen, bei professionellen Events sind es 200 Personen. Mit fester Sitzordnung und einer Aufteilung auf drei Gruppen, die mindestens zwei Meter entfernt voneinander bleiben, sind bis 600 Personen erlaubt. Im Gastgewerbe darf Alkohol nur zum Essen und nicht nach 22 Uhr ausgeschenkt werden. Zudem gilt eine Registrierungspflicht für Gäste sowie Mindestabstände.

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland

    In Kindergärten, Schulen und Hochschulen ist Präsenzunterricht erlaubt. Universitätscampus und Bibliotheken sind ab dem 23. Februar 2021 wieder offen. Allerdings sollen größere Gruppen, beispielsweise bei Vorlesungen, vermieden werden. Entsprechend sind zwar auch wieder Sporttrainings und -wettbewerbe für Personen unter dem 20. Lebensjahr erlaubt. Dies gilt aber nur für Sportarten ohne nahen Kontakt.

    Unabhängig vom Alter sollen alle Bürger mit Krankheitssymptomen zu Hause bleiben. Zudem gilt für Personen, die Kontakt mit einem Coronakranken hatten, die Aufforderung zur 10-tägigen Selbstquarantäne. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, sollten alle, deren Präsenz am Arbeitsplatz nicht zwingend notwendig ist, im Homeoffice bleiben.

    Regionale Sondermaßnahmen zurückgefahren

    Die Kommunen können eigene Beschränkungen einführen. So gilt in Oslo ab dem 2. März für zwei Wochen ein umfangreicher Lockdown. Entsprechende Informationen zu Ihrem Reiseziel finden Sie - teilweise ausschließlich auf Norwegisch - auf der Internetseite der jeweiligen Kommune.

    Zentral verordnete Sondermaßnahmen wegen lokaler Infektionsherde - vor allem in Verbindung mit Coronamutationen - wurden Mitte Februar 2021 vorerst wieder abgeschafft. Dennoch empfiehlt sich vor der Reise ein Blick auf diesbezügliche Informationen. Die englischsprachige Version der Seite veröffentlicht Aktualisierungen teilweise mit längerem Verzug.

    Passagierverkehr deutlich zurückgegangen

    Die neuen Einreisebeschränkungen sind keine gute Nachricht für die Luftverkehrsbranche, auch wenn der Transit erlaubt bleibt. Für 2020 berichtet der staatliche Flughafenbetreiber Avinor von einem Passagierrückgang um knapp 80 Prozent im internationalen Verkehr und etwa 50 Prozent im Inlandsverkehr. Dank staatlicher Förderung sank die Zahl der Inlandsflüge im Vergleich zu 2019 "nur" um ein Drittel. Der Rückgang beim Frachtvolumen war laut Chief Executive Officer Dag Falk-Petersen minimal.

    Die direkte Fährverbindung der Reederei Colorline von Kiel nach Oslo ist vorerst ausgesetzt. Das Frachtschiff MS Color Carrier hingegen verkehrt auf der gleichen Strecke planmäßig.

    Wichtig bei der Rückreise nach Deutschland
    • Überprüfen Sie beim Robert-Koch-Institut, ob Sie aus einem Risikogebiet einreisen.
    • Befolgen Sie die Einreisebeschränkungen des Bundesinnenministeriums.
    • Informieren Sie sich über eventuelle Sonderregeln in Ihrem Ziel-Bundesland.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

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