RF_Getty_1140082548_RZ_1340x754 RF_Getty_1140082548_RZ_1340x754 | © Photo taken in Miraflores, Peru ©GettyImages/Reese Lassman / EyeEm

Special Peru Coronavirus

Peru erlebt tiefe Rezession

Nach einem strikten Lockdown wird die Wirtschaftsaktivität in Peru allmählich wieder angekurbelt. Dennoch dürfte die Rezession 2020 zweistellig ausfallen.


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    In Peru nehmen die Fallzahlen des Coronavirus wieder stärker zu. Verschiedene Wirtschaftssektoren werden daher noch nicht reaktiviert. (Stand: 6. August 2020)

    Zweite Welle zeichnet sich ab

    Nachdem der angebliche Höhepunkt der Pandemie in Peru zunächst im Mai erreicht wurde und die Anzahl neuer Fälle im Juni rückläufig war, zeichnet sich inzwischen eine zweite Welle ab. Seit Ende Juli liegen die täglichen Fallzahlen wieder bei rund 6.000. Auslöser ist womöglich die Aufhebung des landesweiten Lockdowns am 1. Juli. Seitdem gilt nur noch in einigen Landesteilen und für bestimmte Risikogruppen eine Ausgangssperre.

    Peru gehört mit derzeit knapp 500.000 bestätigten Fällen zu den weltweit am stärksten vom Coronavirus betroffenen Ländern. Erstaunlich ist dies insbesondere angesichts einer Bevölkerung von nur 33 Millionen Personen. Bislang sind in Peru etwa doppelt so viele Personen an Covid-19 gestorben wie in den Nachbarländern Chile und Kolumbien.


    Wirtschaft bricht im April um 40,5 Prozent ein

    Zu Beginn der am 16. März ausgerufenen Quarantäne durften nur essenzielle Sektoren weiter aktiv bleiben. Die Reaktivierung der restlichen Wirtschaftssektoren findet in vier Phasen statt, wobei Phase 1 im Mai, Phase 2 im Juni und Phase 3 im Juli begannen. Mit der dritten Phase dürfen 96 Prozent der Sektoren unter Hygienevorschriften wieder arbeiten. Für Phase 4, in der wichtige Bereiche des Dienstleistungssektors (überregionaler Personentransport, Schönheitssalons und Friseure, Unterhaltungssektor, touristische Sehenswürdigkeiten, Messen etc.) reaktiviert werden sollen, wurde noch kein Zeitpunkt festgelegt.

    Vor allem im April war der wirtschaftliche Einbruch dramatisch, da in diesem Monat die meisten Sektoren inaktiv blieben. Laut Statistikamt INEI (Instituto Nacional de Estadística e Informática) brach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im April 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat um 40,5 Prozent ein. Im Mai betrug der Rückgang 32,8 Prozent und im Juni lag die Wirtschaftsaktivität ersten Schätzungen zufolge 20 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats.

    "Es entstehen auch Chancen durch die Coronakrise, so etwa für den Agrarsektor", sagt Wandelt. Der Bedarf an peruanischen Agrarprodukten wie Avocado oder Mango sei so hoch wie nie zuvor.

    Landwirtschaft wächst

    Neben dem öffentlichen Sektor, dem Finanzsektor und dem Telekommunikationssektor konnte auch die Landwirtschaft in den ersten fünf Monaten des Jahres 2020 expandieren (+2 Prozent). Dies bestätigt Antje Wandelt, Geschäftsführerin der Deutsch-Peruanischen Industrie- und Handelskammer in Lima. "Es entstehen auch Chancen durch die Coronakrise, so etwa für den Agrarsektor", sagt Wandelt. Der Bedarf an peruanischen Agrarprodukten wie Avocado oder Mango sei so hoch wie nie zuvor. Zu den Sektoren mit den größten Schwierigkeiten in diesem Jahr gehören das Hotel- und Gastgewerbe (Entwicklung zwischen Januar und Mai gegenüber Vorjahreszeitraum: -44,8 Prozent) und die Bauwirtschaft (-41,1 Prozent).

    Die Prognose für die gesamte BIP-Entwicklung im Jahr 2020 liegt bei einem Minus zwischen 11 und 15 Prozent, so die Bank Banco de Crédito del Perú (BCP). Falls aufgrund einer zweiten Viruswelle erneut eine Quarantäne ausgerufen werden müsse, könne die Rezession sogar noch tiefer ausfallen. Für 2021 erwarten Analysten des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Anstieg des BIP von 6,5 Prozent - der höchste Wert für die von ihnen untersuchten Länder in Lateinamerika. Vor allem dank enormer Konjunkturausgaben der Regierung soll Peru die beste Entwicklung schaffen.


    Von Edwin Schuh | Bogotá

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Eine reguläre Einreise nach Peru ist derzeit nicht möglich und die Bewegung im Land ist weiterhin stark eingeschränkt. (Stand: 6. August 2020)

    Die Landesgrenzen sind seit dem 16. März geschlossen, eine Ein- oder Ausreise nach Peru somit nicht möglich. Die landesweite Quarantäne (aislamiento social obligatorio) wurde am 30. Juni aufgehoben, sie gilt allerdings bis auf Weiteres in den Regionen Arequipa, Ica, Junín, Huánuco, San Martín und Teilen der Regionen Madre de Dios, Moquegua, Tacna, Cusco, Puno, Huancavelica, Cajamarca, Amazonas, Apurímac und Áncash. In den restlichen Gebieten gilt die Quarantäne nur noch für Kinder bis 14 Jahre und Personen, die einer Risikogruppe angehören. Zudem gelten landesweit weitere Einschränkungen (nächtliche Ausgangssperre, Versammlungsverbot etc.).

    Aktuelle Informationen zu Einreisebeschränkungen und anderen Themen


    Von Edwin Schuh | Bogotá

  • Coronavirus und Recht

    Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße auch für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren peruanischen Geschäftspartnern. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wann ist eine Berufung auf „höhere Gewalt“ möglich?

    Was regelt der Vertrag?

    Spätestens wenn Probleme entstehen, ist es sehr wichtig, zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen hierzu unter „Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“).

    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Zunächst: Die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: Genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit, zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.

    Was gibt es generell zu beachten? 

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: Zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens, wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Nationales Recht: Nichterfüllung von Verträgen nach peruanischem Recht

    Ein Länderbericht „Coronavirus und Verträge“ liegt zurzeit nicht vor. Bei Fragen zum Thema kontaktieren Sie bitte den in der Marginalspalte angegebenen Ansprechpartner.

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